Lostallo

Lostallo
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Moesa
BFS-Nr.: 3821i1f3f4
Postleitzahl: 6558
Koordinaten: 735510 / 130696
Höhe: 439 m ü. M.
Höhenbereich: 390–2692 m ü. M.[1]
Fläche: 50,87 km²[2]
Einwohner: 866 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 17 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
20,3 %
(31. Dezember 2024)[4]
Website: www.lostallo.ch
Ansicht von Süden
Lage der Gemeinde
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Lostallo ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden. Sie gehört zur Region Moesa.

Geographie

Die Gemeinde liegt am Westhang auf der rechten Seite der Moesa und besteht aus dem Dorf und den Fraktionen Cabbiolo im Norden und Sorte im Süden.[5] Nachbargemeinden sind Soazza, Calanca, Grono, Cama (alle Kanton Graubünden) sowie Gordona in der italienischen Provinz Sondrio.

Geschichte

Die älteste erhaltene Urkunde datiert 1219, darin wurde das Dorf Lostallo genannt. Im Hochgericht Misox gehörte Lostallo zur Squadra di mezzo und zum Vikariat Mesocco. Die in den vergangenen Jahrhunderten jeweils am 25. April abgehaltene Centena, die öffentliche Versammlung des Hochgerichts Misox, fand 2000 zum letzten Mal statt. Die 1219 erstmals erwähnte Pfarrkirche S. Giorgio wurde im 17. Jahrhundert umgebaut und 1939 bis 1941 renoviert; die Karl-Borromäus-Kapelle stammt von 1633, die Kapelle S. Maria Assunta in Sorte von 1611.[5]

In der Gemeinde wird noch heute Ackerbau und Viehzucht betrieben; es sind auch einige Unternehmen ansässig, u. a. Baufirmen und Schreinereien. Ein Wasserkraftwerk mit einem Speichersee im Val d'Arbola nutzt die linken Zuflüsse der Moesa. Bekannt und geschätzt sind die Grotti in Lostallo.[5]

In der Nacht zum 22. Juni 2024 ereignete sich nach starken Niederschlägen am Wildbach Riale Molera ein Murgang, der durch die westliche Gebäudegruppe des Ortsteils Sorte strömte, das Gebiet und die Hauptstrasse 13 mit Schutt zudeckte und Häuser zerstörte. Beim Naturereignis kamen drei Menschen ums Leben. Am gleichen Tag riss ein Hochwasser der Moesa alle vier Spuren der Autobahn A13 nördlich der Buffalora-Brücke fort, nachdem Geröll aus dem Val d’Orbel die Moesa aufgestaut hatte. Wegen des Unwetterws waren alle vier Ausgleichsbecken der Gemeinde voller Geschiebe und mussten ausgebaggert werden. Die Kläranlage wurde zerstört.[6][7]

Wappen

Blasonierung: «In rot ein stehender geflügelter goldener (gelber) Markuslöwe mit silbernem (weissem) Nimbus und Spruchband»

Am Markustag fand alljährlich in Lostallo die Centena statt, die Einwohnerversammlung der Täler Misox und Calanca, verbunden mit einer Prozession. Rot und Gold sind die Farben der Herren von Sax-Misox.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1802 1850 1900 1950 2000[5] 2010 2020
Einwohner 212 363 372 424 656 707 840

Von den Ende 2004 670 Bewohnern waren 606 (= 90,45 %) Schweizer Staatsangehörige.

Verkehr

Lostallo wird von der Hauptstrasse 13 durchquert. Der Anschluss Lostallo der im Osten vorbeiführenden Autobahn A13 liegt etwa einen Kilometer nordöstlich des Dorfzentrums.

Mit dem öffentlichen Verkehr ist Lostallo seit dem Jahr 1972 mit dem Postauto zu erreichen (Linie Bellinzona – Mesocco). Das Postauto ersetzte die aufgehobene Misoxerbahn, die seit 1907 verkehrte und Bahnhöfe in Lostallo und im Ortsteil Cabbiolo bediente. Im Ortsteil Sorte befand sich eine Haltestelle.

Sehenswürdigkeiten

  • katholische Pfarrkirche Sankt Giorgio[8][9]
  • Schalenstein (Zeichenstein), genannt El Sass di Strion, auf der Alp de Groven (1880 m ü. M.) und andere sechs Schalensteine[10]
  • Schalenstein an der Grenze zur Gemeinde Soazza im Ortsteil Ara (525 m ü. M.)[11]
  • Wasserfälle Cascate de Groven[12][13]

Sonstiges

Lostallo hat eigenen Angaben zufolge die mit 430 m längste RC-Car-Strecke der Welt, auf deren Kurs regelmässig Europa- und Weltmeisterschaften durchgeführt werden. Zudem gibt es eine Lachsfarm, in der Fische in einem geschlossenen Kreislaufsystem aufgezogen werden.[14][15]

Alljährlich findet hier das Psychedelic-Trance-Musikfestival Shankra statt.[16]

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Lostallo – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
  4. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
  5. a b c d Cesare Santi: Lostallo. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  6. «Der Fluss wurde so hoch, dass er die Autobahn mitspülte»
  7. tagesschau.de
  8. Kantonsbibliothek Graubünden. Katholische Pfarrkirche San Giorgio (Foto) (Memento vom 14. Februar 2022 im Internet Archive)
  9. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 500–502, ISBN 978-88-7713-482-0
  10. Franco Binda, Locarno 2013, S. 18 (Foto), 205–207.
  11. Franco Binda, Locarno 2013, S. 201, 208–209.
  12. Cascata del Groven auf ETHorama
  13. Cascata del Groven auf komoot.de
  14. Erste Lachsfarm der Schweiz. In: swisslachs.ch
  15. Simona Caminada: Schweizer Premiere: Erste Lachse aus Lostallo. In: srf.ch. 21. September 2018, abgerufen am 27. September 2018.
  16. Psychedelic-Trance-Musikfestival „Shankra“ auf shankrafestival.org
  17. Giuseppe Jacomella aus Lostallo. In: lostallo.ch
  18. Cesare Santi: Note storiche e genealogia della famiglia Tonella di Cabbiolo. Chiasso 2005.
  19. Familie Tonella aus Cabbiolo In: familiennamenbuch.ch
  20. Franco Binda Schriften auf worldcat.org/identities
  21. Gerry Mottis. Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur (italienisch)
  22. Eintrag über Lostallo im Lexikon des Vereins Autorinnen und Autoren der Schweiz
  23. Gerry Mottis Biografie und Bibliografie. In: antiumverlag.ch
  24. Schweizermeister-Titel bringt Nomination zur «Bündner Sportlerin des Jahres». In: suedostschweiz.ch. 10. Mai 2022, abgerufen am 11. Mai 2022.