Le Mot d’ordre

Le Mot d’ordre (Die Losung) war eine französische Tageszeitung, die von 3. Februar bis 20. Mai 1871 im Umfeld der Pariser Kommune unter der Leitung von Henri Rochefort erschien. Zunächst vertrat die Zeitung eine regierungsfeindliche Linie, ging aber zunehmend auf Distanz zu den Kommunarden.

Geschichte

Le Mot d’ordre erschien erstmals am 3. Februar 1871 auf Initiative von Henri Rochefort, der als Chefredakteur fungierte[1] und bereits über journalistische Erfahrung verfügte, da er auch Gründer von La Lanterne[2] und La Marseillaise[3] war. Die Veröffentlichung erfolgte wenige Tage vor den Parlamentswahlen. Henri Rochefort umgab sich mit einem Redaktionsteam, das aus Jean Barberet[4], Eugène Mourot[5], Henri Maret[6] und Jean Richepin bestand. Der Name der Zeitung wurde Henri Rochefort von Louis Blanc vorgeschlagen.[7] Die Zeitung wurde zum Preis von 10 Centimes verkauft und bestand aus einem Leitartikel, Nachrichten, einem politischen Kommentar, Informationen sowie Zitaten aus dem Journal Officiel. Insgesamt wurden zwischen dem 3. Februar und dem 20. Mai 86 Ausgaben von Mot d’ordre veröffentlicht. Die Zeitung war sehr erfolgreich und gehörte neben Le Vengeur und Le Cri du peuple zu den bekanntesten Tageszeitungen während der Pariser Kommune.[8]

Am 14. Februar veröffentlichte Henri Rochefort einen Leitartikel,[9] in dem er die orléanistischen und legitimistischen Abgeordneten (also die Wahlsieger) angriff, bei denen es sich größtenteils um Generäle handelte. Er gab ihnen die Verantwortung für die französische Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und forderte sie auf, die Gründe dafür zu erklären.[10] Diese Erklärung erfolgte, nachdem er selbst zum Abgeordneten gewählt wurde. Nach der Ratifizierung des vorläufigen Friedensvertrags vom 26. Februar 1871[11] trat er jedoch am 1. März 1871 zurück.[12]

Am 11. März setzte der Gouverneur von Paris, General Vinoy, per Erlass die Veröffentlichung zahlreicher Zeitungen der Kommunarden wie Le Vengeur, La Bouche de fer oder Le Cri du peuple aus. Auch Mot d’ordre wurde eingestellt.[11] Vinoy argumentierte, dass diese Zeitungen die Maßnahmen der Regierung in Versailles behindern würden, indem sie zum Ungehorsam gegenüber den Gesetzen aufriefen. Die Aktionen gegen Versailles wurden trotz der Einstellung von Le Mot d’ordre von dieser Zeitung angeführt. Mit der Ausgabe Nr. 36 von Le Mot d’ordre[13] endete somit die erste Phase der Veröffentlichung.

Le Mot d’ordre erschien am 1. April erneut,[14] obwohl das Zentralkomitee der Nationalgarde bereits am 19. März die Pressefreiheit bekräftigt hatte. Ab diesem Erscheinen nahm die Zeitung ihre anti-versaillistischen Aktivitäten wieder auf und stellte die von der dortigen Regierung ausgeübte Macht in Frage. So so heißt es im Text: „Das Volk besaß Kanonen, es war Ihre Pflicht, sie ihm zu überlassen. Es besaß Zeitungen, Sie waren nicht befugt, sie ihm wegzunehmen“.[14] Le Mot d’ordre kritisierte auch den Druck, der auf grundsätzlich regierungsfreundliche Zeitungen wie Le Figaro oder Le Gaulois ausgeübt wurde:[15]

In der Folge verschärfte die Zeitung einerseits ihre Angriffe auf die Regierung (am 6. April schlug Rochefort als Rache für den Schaden, den diese angerichtet hätten, die Zerstörung der Wohnhäuser von Regierungsmitgliedern vor[16]), distanzierte sich aber auch von der Kommune; insbesondere vom Wohlfahrtsausschuss (Comité de salut public).[17]

„Wir müssen hier nicht wiederholen, wie sehr wir bereit sind, das Prinzip der Kommune zu verteidigen, aber wir werden dennoch versuchen, den in den letzten Tagen gewählten Vertretern klarzumachen, dass ohne das Schweigen und die Nacht, die über ihren Beratungen liegen, großes Unglück und schreckliche Massaker vielleicht hätten vermieden werden können.“

Henri Rochefort: Le Mot d’ordre vom 7. April 1871[18]

Am 17. Mai begrüßte die Zeitung über die Zerstörung der Vendôme-Säule, die sie als „Beleidigung unseres Elends“ betrachtete.[19] Am 20. Mai widersetzte sich Rochefort der Hinrichtung von zufällig ausgewählten Geiseln als Reaktion auf die summarischen Hinrichtungen durch die Versailler. „Wir sind verpflichtet, unsere Vergeltungsmaßnahmen auf die nachweislich und anerkannt Schuldigen zu beschränken. Leider haben die jüngsten Ereignisse genug Verbrecher ans Licht gebracht, sodass es unnötig ist, zufällig welche auszuwählen.“ Die Ausgabe, in der er diesen Artikel veröffentlichte, war die letzte Ausgabe von Mot d’ordre.[20]

Weitere Verwendung des Namens

Der Titel wurde 1877 vorübergehend von der Zeitung La Marseillaise übernommen. Am 10. November 1879 wurde Mot d’ordre neu aufgelegt, um die Tagesausgabe der La Marseillaise endgültig zu ersetzen. Die Zeitung wurde von Valentin Simond[21] geleitet.[22] Henry Maret arbeitete ebenfalls bis September 1880 mit.[23]

Literatur

  • Henri Avenel: Histoire de la presse française depuis 1789 jusqu’à nos jours. Flammarion, 1900 (Werk auf Gallica).
  • Aimé Dupuy: 1870–1871 La Guerre, la Commune et la presse. Armand Colin, 1959 (google.de).
  • Bertrand Noël: Dictionnaire de la Commune. Mémoire du livre, 2000, ISBN 978-2-913867-13-0.

Einzelnachweise

  1. Le Mot d’ordre vom 3. Februar 1871 auf Gallica
  2. Angaben zu La Lanterne in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  3. Angaben zu La Marseillaise in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  4. BARBERET Jean, Joseph. In: Le Maitron. Abgerufen am 24. September 2025 (französisch).
  5. MOUROT Eugène, Charles. In: Le Maitron. Abgerufen am 24. September 2025 (französisch).
  6. Henry Maret. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 24. September 2025 (französisch).
  7. Siehe Literaturliste Dupuy 1959, S. 96
  8. Siehe Literaturliste Avenel 1900, S. 631
  9. Le mot d’ordre vom 14. Februar 1871 auf Gallica
  10. Siehe Literaturliste Dupuy 1959, S. 96 ff.
  11. a b Siehe Literaturliste Dupuy 1959, S. 98
  12. Victor, Henri de Rochefort-Luçay. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 24. September 2025 (französisch).
  13. Le Mot d’ordre vom 12. März 1871 auf Gallica Gallica führt zwar in der Übersicht auch eine Ausgabe am 13. März auf, es handelt sich hierbei aber um die Ausgabe 1. April.
  14. a b Le Mot d’ordre vom 1. April 1871 auf Gallica
  15. Siehe Literaturliste Dupuy 1959, S. 108
  16. Le Mot d’ordre vom 6. April 1871; Les Défenseurs de la propriété auf Gallica
  17. René de Livois: Histoire de la presse française; Des origines à 1881 Band 1. Les Temps de la Presse, 1965.
  18. Le Mot d’ordre vom 7. April 1871 auf Gallica
  19. Le Mot d’ordre vom 17. Mai 1871 auf Gallica
  20. Le Mot d’ordre vom 20. Mai 1871 auf Gallica
  21. SIMOND. In: Base Léonore. Abgerufen am 24. September 2025 (französisch).
  22. Émile Mermet: Annuaire de la presse française 1880. 1880, S. 23 f.
  23. Émile Mermet: Annuaire de la presse française 1881. 1881, S. 241.