Le Gaulois
Le Gaulois war eine französische Tageszeitung, die von 1868 bis 1929 bestand. Die Zeitung war zunächst bonapartistisch gesinnt, näherte sich später den Bourbonen an und wurde schließlich zu einer konservativen Konkurrenz des Figaro, mit dem sie 1929 fusionierte.
Geschichte
Die Zeitung wurde am 5. Juli 1868 von Henry de Pène[1] und Edmond Tarbé[2] gegründet.[3] Sie war ursprünglich monarchistisch, näherte sich aber nach dem Ende des Zweiten Kaiserreichs dem Bonapartismus an. Obwohl das Blatt ausgesprochen antirepublikanisch war,[4] waren auch Persönlichkeiten wie Émile Zola unter den Autoren.[5] Le Gaulois gehörte 1871 zu den 28 bonapartistischen Zeitungen, die von der Pariser Kommune unterdrückt wurden.[6] Der Verkaufspreis betrug 15 Centimes.[3]
Im Juli 1879 verkaufte Tarbé Le Gaulois an eine Gesellschaft unter der Leitung von Arthur Meyer[7] (de Pène hatte den Gaulois schon vorher verlassen), der sich der legitimistischen Sache anschloss, nachdem die Bonapartisten mit dem Tod des kaiserlichen Prinzen einen schweren Schlag erlitten hatten. Die Geldgeber der Tageszeitung, vor allem die Banque Parisienne, entließen Meyer sehr schnell (im März 1881) und machten die Zeitung zu einem gemäßigt republikanischen Organ mit Elias von Cyon als Direktor und Jules Simon als Chefredakteur. Doch schließlich übernahm Meyer im Juli 1882 wieder die Leitung und übertrug die Redaktion Henry de Pène. Le Gaulois wurde nun entschieden konservativ. Die „größte Morgenzeitung“, wie sie sich selbst pompös bezeichnete, wurde weiterhin für 15 Centimes verkauft – also dreimal so viel wie eine Abendzeitung wie der Le Petit Parisien – und fand ihre Leserschaft in den wohlhabenden und gebildeten Kreisen von Paris (wo sie einzeln verkauft wurde) und der Provinz (im Abonnement). Insgesamt blieben ihre Auflagenzahlen sehr stabil.[A 1]
Während der Dreyfus-Affäre gewann die Zeitung, die besonders gegen Dreyfus eingestellt war, einen Teil der Leserschaft von Le Figaro zurück. Meyer gelang es auch, die Kundschaft anderer royalistischer Zeitungen zu gewinnen. Le Gaulois illustré, eine Sonntagsbeilage, erschien von März 1880 bis 1894.[8] Von Juni 1897 bis 1914 erschien sonntags Le Gaulois du dimanche.[9]
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Niedergang der Tageszeitung. Die Auflage und Verkaufszahlen gingen zurück, vor allem aufgrund der Action française[10]. Wie andere monarchistische Zeitungen musste auch sie sich an diesem neuen Presseorgan orientieren. Bereits 1904 war von einer Fusion zwischen Le Gaulois und Le Figaro die Rede.
Der Erste Weltkrieg hatte keine Auswirkungen auf ihre Tätigkeit. Bei der Friedenskonferenz von Paris unterstützte sie wie andere rechtsgerichtete Zeitungen den Ratspräsidenten Georges Clemenceau in der Hoffnung, Deutschland endgültig zu Fall zu bringen. Einer ihrer letzten großen Erfolge war die Einführung einer wöchentlichen Kinokolumne, was es bis dahin noch nicht gegeben hatte.
In den 1920er Jahren setzte sie ihre Karriere als hochwertige Zeitung mit geringer Auflage fort. Sie war viel teurer als ihre Konkurrenten und kostete 1928 bis zu 70 Centimes (die anderen kosteten zwei- bis dreimal weniger). Nach Meyers Tod im Jahr 1924 wurde René Lara Direktor und Lucien Corpechot Chefredakteur.[11] Schließlich kaufte der Milliardär François Coty, der seit kurzem in der Welt der Presse tätig war, sie auf und fusionierte sie mit Le Figaro. Am 30. März 1929 endete nach mehr als sechzig Jahren die Geschichte der Tageszeitung.[12]
Mitarbeiter
Le Gaulois zählte zu seinen Mitarbeitern Schriftsteller wie Barbey d'Aurevilly, Joris-Karl Huysmans, Guy de Maupassant[13], Paul Bourget, Abel Bonnard, Octave Mirbeau, Raymond Roussel, Amélie Murat[14] und Émile Zola.
Das Phantom der Oper von Gaston Leroux wurde von 23. September 1909 bis zum 8. Januar 1910 in Fortsetzungen in der Zeitung veröffentlicht.[15][16]
Literatur
- Claude Bellanger, Jacques Godechot, Pierre Guiral und Fernand Terrou: Histoire générale de la presse française. Band 2,3. Presses universitaires de France, 1969.
- Odette Carasso: Arthur Meyer, directeur du Gaulois; un patron de presse juif, royaliste et antidreyfusard. Imago, 2003, ISBN 978-2-84952-524-1 (google.de).
Weblinks
- Le Gaulois 1868 bis 1929 auf Gallica
- Le Gaulois du dimanche 1897 bis 1914 auf Gallica
- Le Gaulois. In: Retronews. (französisch).
- Le Gaulois auf Wikisource
- Angaben zu Le Gaulois in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- ↑ Die französische Sprachversion spricht (unbelegt) von einer Auflage von bis zu 30.000 Exemplaren täglich. Zum Vergleich: Der französische Artikel zu Le Figaro nennt für das ausgehende 20. Jahrhundert eine Auflage von 80.000 Exemplaren.
Einzelnachweise
- ↑ Henry de Pène. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ TARBÉ des SABLONS Edmond Joseph Louis dit Zanony, Baronne d’Ange, Jacques Lefèvre. In: La France savante. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b Le Gaulois vom 5. Juli 1868 auf Gallica
- ↑ Blandine-D. Berger: Madeleine Daniélou, 1880–1956. Cerf, 2002, ISBN 978-2-204-06953-3, S. 63 (google.de).
- ↑ Le Gaulois vom 7. September 1869; Livres d’aujourd’hui et de demain auf Gallica
- ↑ Commune 1871 : éphéméride 12 mai - La presse muselée ? - Ouverture de l’école de la rue Dupuytren - Les cadavres de l’église Saint-Laurent. In: Amies et Amis de la Commune 1871. 26. April 2024, abgerufen am 23. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Arthur Meyer. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Angaben zu Le Gaulois illustré in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Le Gaulois du dimanche in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Action française in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Le Gaulois vom 1. Januar 1925 auf Gallica
- ↑ Le Gaulois vom 30. März 1929 auf Gallica
- ↑ Siehe zu ihm insbesondere den Weblink Wikisource
- ↑ Amélie MURAT. In: Académie française. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Le Gaulois vom 23. September 1909 auf Gallica
- ↑ Le Gaulois vom 8. Januar 1910 auf Gallica