La Lanterne (1868)

La Lanterne war eine satirische Zeitung, die 1868 von Henri Rochefort während des Zweiten Kaiserreichs gegründet wurde und bis in die Zeit der Dritten Republik bestand.[1]

Geschichte

La Lanterne wurde mit Unterstützung des Financiers Hippolyte de Villemessant gegründet, der Henri Rochefort vom Figaro fernhalten wollte, wo der Ton seiner Artikel den Machthabern missfiel. Es handelte sich um eine wöchentlich erscheinende Zeitschrift in Form einer kleinen roten Broschüre im Format 14,5 cm × 10 cm. Der Verkaufspreis war mit 40 Centimes relativ hoch.[2][1][A 1]

Die erste Ausgabe von La Lanterne erschien am 31. Mai 1868 in Paris[2] in einer Auflage von 15.000 Exemplaren. Aufgrund der großen Nachfrage wurde sie mehrfach nachgedruckt, sodass die Gesamtauflage schließlich 120.000 Exemplare erreichte.[1] Der Leitartikel dieser ersten Ausgabe begann mit dem berühmt gewordenen Satz: „Frankreich hat laut dem Almanach impérial sechsunddreißig Millionen Untertanen, ohne diejenigen mitzuzählen, die unzufrieden sind.“[A 2]

Es gab zwei verschiedene Serien mit einer fünfjährigen Unterbrechung zwischen November 1869 und Juli 1874:

  • Die erste Serie umfasste 77 Ausgaben vom 30. Mai 1868 bis zum 20. November 1869. Die Ausgabe Nr. 11 vom 8. August 1868[3] wurde wegen „Beleidigung des Kaisers, Beleidigung der Kaiserin, Beleidigung der Justiz ...“ beschlagnahmt. Rochefort wurde verurteilt und musste nach Belgien fliehen. Ab der Ausgabe Nr. 14, die in Frankreich endgültig verboten wurde, wurde die Zeitschrift in Brüssel gedruckt.[4]
  • Die zweite Reihe umfasste 86 Ausgaben vom 4. Juli 1874 bis zum 19. Februar 1876.

In Frankreich fand La Lanterne, die heimlich verkauft wurde, weiterhin ihre Leser. Geschützt durch sein Exil, schlug Rochefort in seinen Angriffen gegen das Kaiserreich einen noch schärferen Ton an. Als erklärter Feind der Bonapartisten kandidierte er bei den Parlamentswahlen 1869 in Paris, wurde jedoch von Jules Favre geschlagen, der von den Bonapartisten unterstützt wurde. Im November wurde er auf den frei gewordenen Sitz von Léon Gambetta gewählt.[5] Rochefort stellte 1876 die Veröffentlichung von La Lanterne ein, um eine neue Zeitung, La Marseillaise, zu gründen.

La Lanterne hatte einen leichten und manchmal irrationalen Stil, ähnlich dem Boulevardtheater, mit reichlich Wortspielen und Witzen. Dieser Stil sicherte den Erfolg der Zeitung in Paris.[6] Laut einigen Zeugenaussagen, insbesondere der des Journalisten Francisque Sarcey während seiner Tournee mit der Comédie-Française, war die Zeitung gleichermaßen in Lyon und Dijon zu finden.[7] Darüber hinaus verstärkte die Strafverfolgung von Rochefort den provokativen Charakter von La Lanterne.[7]

Weitere Zeitung dieses Namens

Von 1877 bis 1877 bestand eine weitere Zeitung mit dem Namen La Lanterne.

Literatur

  • Claude Bellanger: Histoire générale de la presse française Band 2. Presses universitaires de France, 1969.
  • Joël Dauphiné: Henri Rochefort déportation et évasion d'un polémiste. Harmattan, 2008, ISBN 978-2-7475-6967-5.
Commons: La Lanterne (Henri Rochefort) – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Die französische Sprachversion fügt, allerdings unbelegt, hinzu: Einige Ausgaben sollen sogar für 15 bis 20 Francs verkauft worden sein.
  2. Frankreich hatte laut Statista zu dieser Zeit ungefähr 38 Millionen Einwohner.

Einzelnachweise

  1. a b c Pierre Albert: LANTERNE LA, journal. In: Universalis. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (französisch).
  2. a b La Lanterne Nr. 1 auf Gallica
  3. La Lanterne vom 8. August 1868 auf Gallica
  4. La Lanterne vom 20. August 1868. In: Retronews. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (französisch).
  5. Siehe Literaturliste Dauphiné, S. 53
  6. Siehe Literaturliste Dauphiné, S. 45
  7. a b Siehe Literaturliste Dauphiné, S. 47