Lastwagen (Kurzgeschichte)

Lastwagen, im englischsprachigen Original Trucks, ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Stephen King aus dem Jahr 1973. Sie erschien erstmals in dem amerikanischen Männermagazin Cavalier. 1978 wurde sie in Kings Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht (orig. Night Shift) aufgenommen. In der Geschichte belagern fahrerlose Lastwagen ein Diner mit Tankstelle und zwingen die dort eingeschlossenen Menschen, sie fortlaufend zu betanken. Alle Fluchtversuche scheitern und die Kolonne der Trucks rollt im endlosen Takt weiter, während die Gruppe an den Zapfsäulen festgehalten bleibt.

Entstehung und Hintergrund

Lastwagen gehört wie alle Kurzgeschichten des Sammelbandes Nachtschicht zu den frühen Werken von Stephen King. Das 1952 gegründete Cavalier-Magazin, in dem die Geschichte im Juni 1973 gedruckt wurde, veröffentlichte vor allem in den ersten Jahrzehnten wie frühere Pulp-Magazine vor allem Kurzgeschichten und Novellen verschiedener Autoren; später entwickelte es sich zu einem Männermagazin ähnlich dem Playboy. King veröffentlichte in den 1970er Jahren noch mehrere seiner Kurzgeschichten in dem Magazin und auch im Cavalier Yearbook.

Inhalt und formaler Aufbau

Lastwagen wird aus der Perspektive eines Ich-Erzählers dargestellt, der wie mehrere weitere Personen in Conants Raststätte, einem kleinen Straßen-Diner mit angeschlossener Tankstelle, strandet, nachdem er vor einem offensichtlich amoklaufenden Truck flieht. Draußen beginnen Lastwagen auf der Straße ohne Fahrer zu manövrieren und sie umkreisen das Gebäude, fahren aggressiv auf die Zufahrten zu und verhindern, dass jemand hinausgelangt. Die Anwesenden verbarrikadieren Türen und Fenster und beobachten, wie weitere Fahrzeuge eintreffen und in wechselnden Formationen um das Diner kreisen, Telefon und Strom fallen aus. Im Verlauf des Tages werden alle Fluchtversuche vereitelt: Fahrzeuge beschleunigen gezielt auf Personen zu, rammen Hindernisse und zwingen die Gruppe, im Diner zu bleiben. Ein Mann verliert die Beherrschung und stürmt nach draußen, augenblicklich rasen zwei Lastwagen auf ihn los und einer stößt ihn in einen Abwassergraben, wo er schwerverletzt liegenbleibt.[1]

Die Trucks geben wiederholt Hupsignale und „antworten“ auf Bewegungen der Eingeschlossenen, sodass die Gruppe daraus schließt, dass die Fahrzeuge betankt werden sollen. Als sie nicht reagieren, attackiert eine Planierraupe das Gebäude, die von den Menschen mit Molotowcocktails gestoppt und zerstört wird; dabei wird eine weitere Person getötet. Die Menschen beginnen mit einer Handpumpe, Treibstoff aus dem unterirdischen Tank in die Wartenden abzugeben. Sie arbeiten in Schichten an den Zapfsäulen, während die Trucks nacheinander vorrollen, tanken und abfahren; andere Fahrzeuge rücken nach. Immer neue Lastwagen treffen ein, stellen sich in Reihen an und fordern durch ihr Verhalten weiteres Benzin. Die Eingeschlossenen füllen ununterbrochen nach, bis Hände und Arme ermüden. Lebensmittel und Wasser im Diner werden rationiert. Gegen Ende ist das Gelände von einer langen Kolonne ankommender Trucks geprägt. Die Gruppe bleibt an die Handpumpe gebunden, während sich der Himmel durch Abgase verdunkelt. Die Geschichte schließt, während die Personen weiterhin Kraftstoff ausgeben und sinnieren, wie es wohl in anderen Teilen des Landes aussehen mag.[1]

Rezeption

Nach der Darstellung von Tony Magistrale, der sich als einer der ersten Literaturwissenschaftler mit dem Werk von Stephen King befasste, stellt Trucks neben anderen Geschichten wie Spätschicht und Der Wäschemangler in Verbindung mit Herman Melvilles Geschichte Moby-Dick.[2.1] Sowohl bei Moby-Dick wie auch bei Trucks werden die Personen entmenschlicht und müssen sich einer Aufgabe fügen, die ihnen von einer übergeordneten Macht aufgezwungen wird. Die Lastwagen werden damit zu einer modernen Version des verrückten Kapitän Ahab bei der Aufgabe, den weißen Wal zu jagen und zu töten.[2.1]

Lastwagen ist aber auch eines der frühen Beispiele für das Aufbegehren der Technik gegen den Menschen, das von King auch in mehreren anderen Werken genutzt wird.[2.2] Die von Menschen gebauten Fahrzeuge werden hier zu motorisierten Monstern, die sich wie Die Vögel von Alfred Hitchcock vom Menschen abgewandt haben und ihn nun direkt bedrohen.[2.3] Der alte LKW-Fahrer im Diner drückt eine tiefe persönliche Enttäuschung über den Verrat seines Lastwagens, das „good old girl“, aus. Verbunden damit ist auch die Angst, dass die Menschheit durch den Verlust der Technik zurückgeschleudert werde in eine dystopische und prähistorische Zeitepoche, wie es der Protagonist der Geschichte beschreibt.[2.3] In Stephen Kings Werk kommen mehrfach Konflikte dieser Art vor, bei denen Maschinen vermeintlich zum Leben erwachen und sich gegen Menschen wenden. Beispiele sind Der Wäschemangler, Christine oder auch der Heizkessel in Shining.[2.2]

Veröffentlichungsgeschichte

Als eine der frühen Geschichten von Stephen King entstand Trucks zu einer Zeit, als er noch weitgehend unbekannt war, und auch die Veröffentlichung in Herrenmagazinen wie dem Cavalier, Gent oder dem Penthouse brachte ihm keine sonderliche Bekanntheit. Erst als Teil der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht von 1978, auf Deutsch 1984 veröffentlicht, wurde die Geschichte bekannter. 1986 wurde die Geschichte zudem in den beiden fast identischen Kurzgeschichtensammlungen Trucks und Katzenauge bei Lübbe veröffentlicht, die jeweils Teile von Nachtschicht enthielten. Der Autor Marcel Feige gibt in seinem Großen Lexikon über Stephen King von 2001 zu der Geschichte eine Inhaltsangabe wieder, jedoch keine Bewertung oder Interpretation.[3]

Englischsprachige Ausgaben:

  • Trucks, In: Cavalier, Juni 1973
  • Trucks In: Night Shift, Doubleday, Garden City 1978, ISBN 978-0-385-12991-6.

Deutsche Ausgaben:

  • Lastwagen, In: Nachtschicht. Lübbe, Bergisch Gladbach 1984 (Erstauflage), ISBN 978-3-404-13160-0. Das Buch wurde zudem in Lizenz in der Deutschen Buchgesellschaft bei Bertelsmann veröffentlicht.
  • Trucks, In: Trucks. Lübbe, Bergisch Gladbach 1986 (Erstauflage), ISBN 978-3-404-13043-6
  • Trucks, In: Katzenauge. Lübbe, Bergisch Gladbach 1986 (Erstauflage), ISBN 978-3-404-13088-7

Zudem gibt es sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch Hörbuchfassungen der Geschichtensammlung und damit auch der Geschichte. Lastwagen wurde auf einer Ausgabe von 1999 von Joachim Kerzel gelesen.

Verfilmungen und Hörbücher

Die Geschichte wurde 1986 von Stephen King selbst unter dem Titel Rhea M – Es begann ohne Warnung selbst verfilmt. Im Jahr 1997 erschien unter dem Titel Trucks ein Remake des Films.

Belege

  1. a b Stephen King: Lastwagen. In: Nachtschicht, C.A. Koch’s Verlag Nachfolger GmbH, Gütersloh o. J., im Auftrag für die Bertelsmann Club GmbH, Lizenzausgabe mit Genehmigung von Bastei-Lübbe, Seite 172–191.
  2. Tony Magistrale: Landscape of fear: Stephen King's American Gothic, Bowling Green State University, Popular Press, 1988, ISBN‑10 0‑87972‑404‑8.
    1. a b S. 18
    2. a b S. 47
    3. a b S. 41 ff.
  3. Lastwagen (Trucks) In: Marcel Feige: Das grosse Lexikon über Stephen King, 2. Auflage, Lexikon Imprint, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-228-8; Seite 221.