Das Schreckgespenst (Stephen King)
Das Schreckgespenst, im englischsprachigen Original The Boogeyman, ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Stephen King aus dem Jahr 1973. Sie erschien erstmals in dem amerikanischen Männermagazin Cavalier. 1978 wurde sie in Kings Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht (orig. Night Shift) aufgenommen. Die Geschichte behandelt die Bedrohung durch ein Schreckgespenst, dass nachts zu Kindern kommt und sie tötet. Inspiriert durch die Geschichte erschien 2023 der Kinofilm The Boogeyman von dem Regisseur Rob Savage.
Entstehung und Hintergrund
Das Schreckgespenst gehört wie alle Kurzgeschichten des Sammelbandes Nachtschicht zu den frühen Werken von Stephen King. Das 1952 gegründete Cavalier-Magazin, in dem die Geschichte im März 1973 gedruckt wurde, veröffentlichte vor allem in den ersten Jahrzehnten wie frühere Pulp-Magazine vor allem Kurzgeschichten und Novellen verschiedener Autoren; später entwickelte es sich zu einem Männermagazin ähnlich dem Playboy. King veröffentlichte in den 1970er Jahren noch mehrere seiner Kurzgeschichten in dem Magazin und auch im Cavalier Yearbook. Im Dezember 1975 wurde die Geschichte in dem Männermagazin Gent erneut veröffentlicht.
Inhalt und formaler Aufbau
Bei Das Schreckgespenst handelt es sich um eine fiktive Kurzgeschichte. Sie wird aus der Position eines Erzählers wiedergegeben, der die Aktivitäten der Hauptpersonen in der Praxis des Psychiaters Dr. Harper begleitet.[1]
Der Familienvater Lester Billings sucht den Psychiater Dr. Harper auf, um ihm seine Geschichte zu erzählen: Seine drei Kinder — Denny, Shirley und Andy — sind nacheinander unter mysteriösen Umständen gestorben. Zwei seiner Kinder (Denny und Shirley) starben dabei jeweils im Kinderzimmer. Kurz zuvor haben sie beide jeweils Angst vor einem Wesen geäußert, das sich im Schrank im Zimmer oder unter dem Bett verstecken könnte. Lester ist überzeugt, dass ein übernatürliches Wesen — das „Schreckgespenst“ — in ihrer Wohnung sein Unwesen getrieben hat und er berichtet von offenen Schranktüren, schlammigen Fußabdrücken, Schleim, zerbrochenem Spiegelglas und unheimlichen Geräuschen. Auch nach einem Umzug und der Geburt seines dritten Kindes Andy verfolgt ihn das Wesen weiter. Als seine Frau weg ist, wählt Lester aus Angst um sein eigenes Leben die Situation so, dass Andy in einem anderen Zimmer schlafen muss, und in dieser Nacht wird Andy von dem Wesen im Zimmer angegriffen und getötet. Lester schildert, wie das Monster ihn vor seinen Augen schüttelt, bis das Genick des Jungen bricht.[1]
Am Ende sitzt Lester erneut bei Dr. Harper und will sich ihm öffnen — doch als er das Büro verlässt und zurückkehrt, ist Dr. Harper verschwunden, die Tür des Schranks steht einen Spalt offen, und das Schreckgespenst erscheint mit dem Gesicht des Arztes in der Hand im Türspalt. Die Geschichte endet offen.[1]
Rezeption
Der Autor Marcel Feige gibt in seinem Großen Lexikon über Stephen King von 2001 zu der Geschichte eine Inhaltsangabe wieder, jedoch keine Bewertung oder Interpretation.[2]
Nach der Darstellung von Tony Magistrale, der sich als einer der ersten Literaturwissenschaftler mit dem Werk von Stephen King befasste, stellt The Boogeyman neben den frühen Romanen Brennen muss Salem und Shining sowie den Kurzgeschichten Erdbeerfrühling und Spätschicht eines der anschaulichsten Beispiele dafür dar, wie King physische Schauplätze als Spiegelbild der psychologischen Verfassung einer Figur nutzt. Er sieht darin eine Parallele zum Werk von Edgar Allan Poe, der dies ebenfalls in zahlreichen seiner Geschichten wie Die Maske des Roten Todes oder Der Untergang des Hauses Usher einsetzt.[3.1]
Nach Magistrale ist Billings ein stark gestörter Familienvater, dessen Feindseligkeit gegenüber dem Familienleben darin gipfelt, dass er seine Kinder umbringt und dafür das Schreckgespenst aus dem Wandschrank verantwortlich macht. Dem Leser sei allerdings klar, dass Billings überfordert ist mit den Aufgaben, die das Familienleben mit sich bringt. Er sei zerrissen zwischen seiner Liebe zu seiner Frau und den Kindern auf der einen und seinem Freiheitsdrang, den er aufgeben musste auf der anderen Seite. Er ähnelt darin Jack Torrance in Shining, der ebenso wie er mit dem Druck nicht umgehen kann und darüber die Kontrolle verliert.[3.2] Ob Billing die Figur des Schreckgespenstes als eine eigene Angst der Kindheit spiegelt, ist nach Magistrale vor dem Hintergrund des Familiendramas nebensächlich.[3.2]
Veröffentlichungsgeschichte
Als eine der frühen Geschichten von Stephen King entstand The Boogeyman zu einer Zeit, als er noch weitgehend unbekannt war, und auch die Veröffentlichung in Herrenmagazinen wie dem Cavalier und Gent brachte ihm keine sonderliche Bekanntheit. Erst als Teil der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht von 1978, auf Deutsch 1984 veröffentlicht, wurde die Geschichte bekannter, gehörte dort jedoch auch nicht zu den Hauptgeschichten. Bei dem Verlag Lübbe erschien zudem 1986 unter dem Titel 50 mal Gänsehaut eine Anthologie, die als Herausgeber das für die Romanserie Geisterjäger John Sinclair geschaffene Verlagspseudonym Jason Dark nutzte und in der Das Schreckgespenst ebenfalls enthalten war.[4]
Auch in dem 1989 von Joachim Körber herausgegebenen Sachbuch Das Stephen King Buch[5] und der von Gisela Eichhorn herausgegebenen Anthologie Sanfter Schrecken[6] wurde die Geschichte aufgenommen.
Englischsprachige Ausgaben:
- The Boogeyman, In: Cavalier, März 1973
- The Boogeyman, In: Gent, Dezember 1975
- The Boogeyman In: Night Shift, Doubleday, Garden City 1978, ISBN 978-0-385-12991-6.
Deutsche Ausgaben:
- Das Schreckgespenst, In: Nachtschicht. Lübbe, Bergisch Gladbach 1984 (Erstauflage), ISBN 978-3-404-13160-0. Das Buch wurde zudem in Lizenz in der Deutschen Buchgesellschaft bei Bertelsmann veröffentlicht.
- Das Schreckgespenst In: Jason Dark präsentiert 50 mal Gänsehaut. Lübbe, Bergisch Gladbach 1986, ISBN 978-3-404-13052-8
- Das Schreckgespenst In: Joachim Körber (Hrsg.): Das Stephen King Buch. Lübbe, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 978-3-45303316-0
- Das Schreckgespenst In: Gisela Eichhorn (Hrsg.): Sanfter Schrecken. Fischer Scherz, Frankfurt 1994, ISBN 978-3-50219174-2
Zudem gibt es sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch Hörbuchfassungen der Geschichtensammlung und damit auch der Geschichte. So veröffentlichte sie der Lübbe Audio Verlag von 1996 bis 2009 in drei Teilen. Das Schreckgespenst wurde auf dem ersten Teil Nachtschicht von Joachim Kerzel gelesen.
Verfilmungen
Bereits 1982 wurde Das Schreckgespenst als „Dollarbaby“ von Jeff Schiro unter dem englischen Titel The Boogeyman mit einer Lauflänge von etwa 28 Minuten verfilmt, er ist in Deutschland auf dem Video Nightmare Collection verfügbar.
Ein weiteres, etwa 15 Minuten langes, „Dollarbaby“ auf der Basis der Geschichte drehte Giuliano Dinocca im Jahr 2006.
2018 kündigten die Autoren Scott Beck und Bryan Woods an, die Geschichte adaptieren zu wollen. 2019 gaben sie bekannt, dass sie trotz der Übernahme von 20th Century Fox durch Walt Disney Studios weiterhin an dem Projekt arbeiteten;[7] das Projekt wurde jedoch nicht realisiert.
2023 erschien der Kinofilm The Boogeyman von dem Regisseur Rob Savage mit einem Drehbuch von Mark Heyman,[8] der durch die Kurzgeschichte inspiriert wurde, inhaltlich allerdings deutlich von ihr abweicht.
Belege
- ↑ a b c Stephen King: Das Schreckgespenst. In: Nachtschicht, C.A. Koch’s Verlag Nachfolger GmbH, Gütersloh o. J., im Auftrag für die Bertelsmann Club GmbH, Lizenzausgabe mit Genehmigung von Bastei-Lübbe, Seite 130–143.
- ↑ Das Schreckgespenst In: Marcel Feige: Das grosse Lexikon über Stephen King, 2. Auflage, Lexikon Imprint, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-228-8; Seite 95.
- ↑ Tony Magistrale: Landscape of fear: Stephen King's American Gothic, Bowling Green State University, Popular Press, 1988, ISBN‑10 0‑87972‑404‑8.
- ↑ Das Schreckgespenst In: Jason Dark präsentiert 50 mal Gänsehaut. Lübbe, Bergisch Gladbach 1986, ISBN 978-3-404-13052-8
- ↑ Das Schreckgespenst In: Joachim Körber (Hrsg.): Das Stephen King Buch. Lübbe, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 978-3-45303316-0
- ↑ Das Schreckgespenst In: Gisela Eichhorn (Hrsg.): Sanfter Schrecken. Fischer Scherz, Frankfurt 1994, ISBN 978-3-50219174-2
- ↑ Ryan Scott: Stephen King's The Boogeyman Still on at Disney, Writers Discuss Their Take auf movieweb.com, 13. September 2019; abgerufen am 24. Oktoberfest 2025.
- ↑ Justin Kroll: ‘Yellowjackets’ Sophie Thatcher & Chris Messina Starring In Adaptation Of Stephen King Short Story ‘Boogeyman’ For 20th Century auf deadline.com, 31. Januar 2022; abgerufen am 24. Oktoberfest 2025.
Weblinks
- Das Schreckgespenst im KingWiki