Landgericht Kleve

Das Landgericht Kleve (bis 1935 amtlich Landgericht Cleve) ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit und eines von sechs Landgerichten im Bezirk des Oberlandesgerichtes Düsseldorf.

Gerichtssitz und -bezirk

Sitz des Gerichtes ist Kleve in Nordrhein-Westfalen. Der Gerichtsbezirk ist mit rund 1669 km² der größte im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf und umfasst den Kreis Kleve sowie vom Kreis Wesel die Gemeinden Moers, Neukirchen-Vluyn, Alpen, Kamp-Lintfort, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten.

Gebäude

Das Gericht ist im Gebäude Schloßberg 1 (in der Schwanenburg) untergebracht. Eine auswärtige Strafkammer tagt im Gebäude des Amtsgerichtes Moers in der Haagstraße 7 in Moers.

Geschichte

Das Landgericht Cleve existierte unter diesem Namen von 1820 bis 1935. (Danach wurde es umbenannt in Landgericht Kleve.) In der damaligen preußischen Rheinprovinz galt die französische Gerichtsorganisation weiter. Der Appellationsgerichtshof Köln hatte dort die Funktion des Appellationsgerichtes. Die ihm untergeordneten Gerichte trugen nicht die Bezeichnung Kreisgericht, sondern Landgericht. Dem Landgericht Cleve waren folgende Friedensgerichte als Gerichte erster Instanz untergeordnet:[1]

Friedensgericht Sitz
Friedensgericht Cleve Kleve
Friedensgericht Dülsen Duiven
Friedensgericht Geldern Geldern
Friedensgericht Goch Goch
Friedensgericht Kempen Kempen
Friedensgericht Lobberich Lobberich
Friedensgericht Meurs Meurs
Friedensgericht Rheinberg Rheinberg
Friedensgericht Wachtendorf Wachtendorf
Friedensgericht Xanten Xanten

Im Zuge der Reichsjustizgesetze wurde das Landgericht Cleve in das heute Landgericht umgewandelt. Die Friedensgerichte wurden aufgelöst und Amtsgerichte eingerichtet. Das königlich preußische Landgericht Clve wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 als eines von neun Landgerichten im Bezirk des Oberlandesgerichtes Cöln gebildet. Das Landgericht war danach für die Kreise Cleve, Geldern und Kempen sowie den größten Teil des Kreises Moers zuständig.[2] Ihm waren folgende neun Amtsgerichte zugeordnet:

Amtsgericht Sitz Bezirk
Amtsgericht Cleve Cleve Landkreis Cleve außer dem Teil, der dem Amtsgericht Goch zugeordnet war
Amtsgericht Dülken Dülken Aus dem Landkreis Kempen die Bürgermeistereien Amern, Crombach, Lommersweiler, Manderfeld, Meyrode, Reuland, Schönberg und St. Vith
Amtsgericht Geldern Geldern Landkreis Geldern ohne den Teil der den Amtsgerichten Kempen und Lobberich zugeordnet war
Amtsgericht Goch Goch Aus dem Landkreis Goch die Bürgermeistereien Appeldorn, Asperden, Calcar, Goch, Keppeln, Kessel, Pfalzdorf und Uedem
Amtsgericht Kempen Kempen Landkreis Kempen ohne den Teil der den Amtsgerichten Dülken und Lobberich zugeordnet war sowie aus dem Landkreis Geldern die Bürgermeistereien Wachtendonk und Wankum
Amtsgericht Lobberich Lobberich Aus dem Landkreis Kempen die Bürgermeistereien Breyell, Grefrath, Kaldenkirchen und Lobberich sowie aus dem Landkreis Geldern die Bürgermeistereien Hinsbeck und Leuth
Amtsgericht Moers Moers Landkreis Mörs ohne den Teil der den Amtsgerichten Rheinberg, Uerdingen und Xanten zugeordnet war
Amtsgericht Rheinberg Rheinberg Aus dem Landkreis Mörs die Bürgermeistereien Alpen, Budberg, Kloster Camp, Hörstgen, Stadt Orsoy, Orsoy, Offenberg, Stadt Rheinberg, Rheinberg und Vierquartieren sowie aus der Bürgermeisterei Repelen die Gemeindebezirke Graft, Kohlenhuck und den Gutsbezirk Stonunörs
Amtsgericht Xanten Xanten Aus dem Landkreis Mörs die Bürgermeistereien Büderich, Labbeck, Marienbaum, Sonsbeck, Veen, Wardt und Xanten

[3]

Der Landgerichtsbezirk hatte 1888 zusammen 242.472 Einwohner. Am Gericht waren ein Präsident, ein Direktor und sechs Richter tätig.[4]

1935 änderte sich der Name der Stadt Cleve amtlich auf Kleve und der Name des Gerichtes wurde entsprechend angepasst.

Über- und nachgeordnete Gerichte

Das dem Landgericht Kleve übergeordnete Oberlandesgericht ist das Oberlandesgericht Düsseldorf. Nachgeordnet sind die Amtsgerichte Emmerich, Geldern, Kleve, Moers und Rheinberg.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. H. A. Fecht: Die Gerichts-Verfassungen der deutschen Staaten. 1868, S. 175, online
  2. Gesetz, betreffend die Errichtung der Oberlandesgerichte und der Landgerichte vom 4. März 1878 (PrGS 1878, S. 109–124)
  3. Verordnung, betreffend die Bildung der Amtsgerichtsbezirke vom 5. Juli 1879, GS Nr. 30, S. 559 f., Digitalisat
  4. Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung. 1888, S. 412 online

Koordinaten: 51° 47′ 10,6″ N, 6° 8′ 20,2″ O