LSWR-Klasse H15

LSWR H15 class
LSWR-Klasse H15 Nr. 483 mit Drehgestell-Tender (5200 gal) und niederem Umlaufblech (Werksbild)
Nummerierung: LSWR: 335, 482–491;
SR: E330–E335, E473–E478, E482–E492, E521–E524
BR:
30330–30335, 30473–30478, 30482–30491, 30521–30524
Anzahl: 26
Hersteller: Eastleigh Works
Baujahr(e): 1914, 1924
Ausmusterung: 1955–1961
Bauart: 490: 2’C n2
restliche: 2’C h2
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 19,98 m
Fester Radstand: 4,19 m
Gesamtradstand: 8,13 m
Radstand mit Tender: 17,40 m
Dienstmasse: 81,2–83,4 t
Reibungsmasse: ca. 59,6 t
Anfahrzugkraft: 117 kN
Kuppelraddurchmesser: 1829 mm
Laufraddurchmesser: 1092 mm
Steuerungsart: Walschaerts (außen)
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 533 mm (21 in)
Kolbenhub: 711 mm (28 in)
Kesselüberdruck: 12,4 bar (180 psi)
335: 12,1 bar (175 psi)
Rostfläche: 2,8–2,9 m²
Strahlungsheizfläche: 15,1 m²
Rohrheizfläche: Naddampf: 203,6 m²
Schmidt: 120,4 m²
andere Überhitzer:
174,9 m²
Überhitzerfläche: 28,6–31,3 m²
Tender: 2-achsige Drehgestelltender oder Watercart
Wasservorrat: 20,5–23,6 m³
Brennstoffvorrat: 5,1–7,1 t Kohle
Konstrukteur: Robert Urie
Spitzname: Junior King Arthurs
Baureihe verwendet zur Erprobung der Überhitzer nach Schmidt, Robinson und Eastleigh

Die Klasse H15 war eine Baureihe von insgesamt 26 Ten-Wheeler-Dampflokomotiven mit Schlepptender, die ab 1914 für die London and South Western Railway (LSWR) gebaut wurden. Die Lokomotiven waren die erste Konstruktion von Robert Urie für die LSWR und wurden für den gemischten Dienst vor Güter- und Personenzügen entwickelt. Weitere Serien entstanden nach dem Grouping unter der Southern Railway (SR). Alle Lokomotiven der heterogenen Klasse wurden zwischen 1955 und 1961 ausgemustert.[1.1]

Geschichte

Bau

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts litt die LSWR unter einem Mangel an leistungsfähigen und zuverlässigen Lokomotiven für schwere Güter- und Schnellzüge. Robert Urie, der damalige Chief Mechanical Engineer (CME) entwickelte daher einen robusten Ten-Wheeler mit zwei außenliegenden Zylindern.

Die ersten elf Lokomotiven wurden 1914 in den Eastleigh Works gebaut, wobei nur zehn Lokomotiven Neubauten waren. Die elfte Lokomotiven entstand aus dem Umbau der einzigen Lokomotive der LSWR-Klasse E14, der Nr. 335. Weitere 15 Maschinen folgten in 1924 unter Southern Railway, wobei zehn Lokomotiven neu gebaut wurden und die fünf Maschinen der leistungsschwachen F13‑Klasse umgebaut wurden.

Einsatz

Die H15‑Lokomotiven wurden im gesamten Netz der LSWR und später der Southern Railway eingesetzt. Sie zogen sowohl schwere Güterzüge als auch Schnellzüge und galten als zuverlässige Allroundmaschinen. Aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit erhielten sie den Spitznamen Junior King Arthurs, in Anspielung auf die größere N15‑Klasse. Alle Lokomotiven kamen 1948 zu British Railway, wo sie der Leistungsklasse 4MT, später 4P5F zugeteilt wurden. Die Maschinen waren in den Depots Salisbury, Nine Elms und Eastleigh beheimatet. Zwischen 1955 und 1961[1.1] wurden alle Lokomotiven nach ungefähr 40 Dienstjahren ausgemustert. Die aus den Baureihen F13 und E14 umgebauten Lokomotiven erreichten über 50 Dienstjahre.[1.2]

Technik

Die H15-Lokomotiven waren einfache Zweizylinder-Lokomotiven mit außenliegender Walschaerts-Steuerung, die leichter zu warten war als die komplexen Vierzylinder-Lokomotiven Dugald Drummond. Die Treibräder hatten einen Durchmesser von 6 Fuß (1829 mm) und der Kessel wurde mit einem Arbeitsdruck von 180 psi (12,4 bar) betrieben.[2]

Die Lokomotiven waren mit Schlepptender verschiedener Bauarten gekuppelt: Die Lokomotive Nr. 335 behielt ihren 4500 Gallonen (20,5 m³) Wasser fassenden Watercart-Tender von Drummond, die Neubaulokomotiven der ersten Serie verfügten über Tender mit zwei Drehgestellen, die 5200 Gallonen (23,6 m³) Wasser und 7,1 Tonnen Kohle aufnehmen konnten. Die 1924 gebauten Exemplare waren mit dem von Drummond entworfenen Watercart-Tender mit Innenrahmen ausgestattet, der 5000 Gallonen (22,7 m³) Wasser und 5,1 Tonnen Kohle fassen konnte.[2]

Beim Aussehen der Lokomotiven gab es zwei Varianten: Die älteren Exemplare hatten einen tief liegenden Umlauf, der nur bei den Zylindern angehoben war, um darüber hinwegzuführen. Hier waren die Treibräder von einem einzigen, geraden Radschutzkasten abgedeckt. Die späteren Exemplare besaßen einen höher liegenden, geraden Umlauf, der über die Antriebsräder hinwegführte, sodass kein Radschutzkasten nötig war.[2]

Überhitzer

Urie nutzte die Baureihe H15 für Versuche mit verschiedenen Überhitzer-Systemen – eine Technologie, die von der LSWR relativ spät eingeführt wurde: Aus der ersten Serie erhielten vier Lokomotiven Schmidt‑Überhitzer (Nr. 482–485) und vier Robinson‑Überhitzer (Nr. 486–498), die beiden Lokomotiven Nr. 490 und 491 wurden zunächst als Nassdampflokomotiven betrieben, ebenso die aus der E14 umgebaute Nr. 335. Mit den Erkenntnissen aus den Versuchen entwickelte Urie einen eigenen Überhitzer, der als Bauart Eastleigh bekannt wurde und in die Lokomotiven Nr. 490 und 491 eingebaut wurde.

Im Juni 1927 rüstete Richard Maunsell die Lokomotive Nr. 491 mit einem Kessel der King-Arthur-Klasse aus, der mit einem Druck von 200 psi (13,8 bar) arbeitete und mit einem Überhitzer der Bauart Maunsell ausgerüstet war. Anschließend wurden die anderen neun der oben genannten Lokomotiven mit Maunsell-Überhitzern ausgestattet, behielten jedoch ihre ursprünglichen Kessel.[2]

Nummernliste

SR-Nr. BR-Nr. Inbetriebnahme Umbau aus
Klasse
Datum der
Ausmusterung
Überhitzer-
Bauarten
Kesseldruck Schlepptender
330 30330 Okt. 1924 F13 11.05.1957 Maunsell 1) 12,4 bar 5000 gal
331 30331 Nov. 1924 F13 18.03.1961 Maunsell 1) 12,4 bar 5000 gal
332 30332 Nov. 1924 F13 03.11.1956 Maunsell 1) 12,4 bar 5000 gal
333 30333 Dez. 1924 F13 25.10.1958 Maunsell 1) 12,4 bar 5000 gal
334 30334 Jan. 1925 F13 Jun 58 Maunsell 1) 12,4 bar 5000 gal
335 30335 Aug. 1914 E14 06.06.1959 Eastleigh 12,1 bar 4500 gal
473 30473 Feb. 1924 Juli 1959 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
474 30474 Feb. 1924 30.04.1960 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
475 30475 März 1924 09.12.1961 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
476 30476 Apr. 1924 09.12.1961 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
477 30477 Mai 1924 04.07.1959 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
478 30478 Juli 1924 Apr 59 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
482 30482 März 1914 09.05.1959 Schmidt 1) 12,4 bar 5200 gal
483 30483 Apr. 1914 22.06.1957 Schmidt 1) 12,4 bar 5200 gal
484 30484 Mai 1914 09.05.1959 Schmidt 1) 12,4 bar 5200 gal
485 30485 Juni 1914 09.04.1955 Schmidt 1) 12,4 bar 5200 gal
486 30486 Jan. 1914 11.07.1959 Robinson 1) 12,4 bar 5200 gal
487 30487 Feb. 1914 Nov 57 Robinson 1) 12,4 bar 5200 gal
488 30488 Apr. 1914 18.04.1959 Robinson 1) 12,4 bar 5200 gal
489 30489 Juni 1914 28.01.1961 Robinson 1) 12,4 bar 5200 gal
490 30490 Juli 1914 Juli 1955 Eastleigh 2) 12,4 bar 5200 gal
491 30491 Juli 1914 Jan. 1961 Eastleigh 1),2) 13,8 bar 3) 5200 gal
521 30521 Juli 1924 09.12.1961 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
522 30522 Juli 1924 Okt 61 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
523 30523 Sep. 1924 09.12.1961 Eastleigh 12,4 bar 5000 gal
524 30524 Sep. 1924 25.02.1961 Maunsell 1) 12,4 bar 5000 gal

1) nach 1927 mit Maunsell-Überhitzer ausgerüstet

2) als Nassdampfmaschine geliefert, Überhitzer nachträglich eingebaut

3) nach 1927, zuvor 12,4 bar

Literatur

  • Bradley, D. L.: An Illustrated History of LSWR Locomotives: The Urie and Maunsell Classes. Wild Swan Publications.
Commons: LSWR-Klasse H15 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. LSWR/SR Urie "H15" Class 4-6-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 4. Januar 2026.
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