St. Anna (Pełcznica)
Die Ruine der Kirche St. Anna (polnisch Kościół św. Anny) in Pełcznica (deutsch Polsnitz), einem Stadtteil von Świebodzice (Freiburg in Schlesien) gehört zum Powiat Świdnicki der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
Lage
Die Ruine steht am oberen Ende des vormaligen Dorfes in der Nähe des Eingangs zum Fürstensteiner Grund.
Geschichte
Polsnitz dürfte bereits vor der Entstehung von Freiburg existiert haben. Die Anfänge der Kirche in Ober-Polsnitz, damals wohl ein bescheidener Holzbau, gehen vermutlich auf das Jahr 1215 zurück. Eine Urkunde von 1228, in der der Pfarrer wegen zu geringer Einkünfte aus der Pfarrwidmut seine Stelle verließ, belegen erstmals die Existenz einer Kirche in Polsnitz. Herzog Heinrich I. verlieh dieser Kirche daher zwei weitere Hufen Land, auch Graft Ymbran von Zirlau stiftete zwei Hufen. Der Kirche wurden Kunzendorf und alle noch anzulegenden Dörfer im Umkreis von einer Meile eingepfarrt.[1] Danach wurde die Pfarrei wieder besetzt und wahrscheinlich an Stelle der Holzkirche die bis heute als Ruine erhaltene steinerne Kirche errichtet. 1268 ist die Anweisung des Kaplan von Kunzendorf belegt, Polsnitz als Mutterkirche anzuerkennen.[2]
Mehrere Theorien ranken sich um die Entstehung und Zerstörung der Kirchenruine St. Anna, die außer dem gotischen Presbyterium unvollendet blieb. Das Langhaus bildete wahrscheinlich eine provisorische Holzkonstruktion.[3] Eine genau Datierung ist derzeit nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass in Polsnitz zur gleichen Zeit zwei Kirchen existierten. Ob die Kirche St. Anna älter als die Kirche St. Franziskus ist, bleibt in den Sekundärquellen umstritten. Hans Lutsch zufolge diente ursprünglich die Kirche St. Anna als Pfarrkirche und die Kirche St. Franziskus als Begräbniskirche von Polsnitz-Zirlau.[4] Heute wird davon ausgegangen, dass in der frühen Geschichte Polsnitz die Kirche St. Franziskus eine höhere Stellung einnahm und die mittelalterlichen Berichte sich ausnahmslos auf dieses Gotteshaus beziehen.[5]
Die St. Annakapelle könnte laut einer These Ende des 13. Jahrhunderts parallel zum nahen Schloss Fürstenstein unter dem Schweidnitzer Herzog Bolko I. entstanden sein. Nach der Verlegung seiner Residenz blieb der Bau unvollendet. Vielleicht fällt die Zerstörung der Kirche in das Jahr 1345, im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen des böhmischen Landesherrn König Johann mit dem Schweidnitzer Herzog Bolko II. Eine andere Theorie datiert den Bau erst deutlich später, in das 15. Jahrhundert. Vermutlich trug der Dreißigjährige Krieg zum Niedergang bei.[6] Gemäß einer Legende geriet die Kirche während dieses Krieges durch einen Blitzeinschlag in Brand,[7] worauf sie seitdem in Trümmern liegt. In der Gegenreformationszeit erlangte die Kirche noch einmal an Interesse. Demzufolge steht die "St. Annakapelle" in Polsnitz-Zirlau im Verzeichnis der schlesischen Kirchen, welche „den Evangelischen zur Nutzung nicht gegönnt wurde und lieber ohne Gemeinde, Ruine werden und bleiben muss“.[8]
Das gotische Triptychon „Verherrlichung Mariens als Himmelskönigin“, der ehemaligen Kirche St. Anna in Polsnitz zugeschrieben,[9] heute als Leihgabe des Diözesanmuseum Breslau im Nationalmuseum Breslau ausgestellt, datiert um 1370/80. In dieser Zeit galt die Kirche aber bereits als zerstört. Gesichert ist, dass der Altaraufsatz bis 1926 in der Kirche St. Franziskus von Polsnitz stand.[10]
Bauwerk
Die gotische Kirche war ein einschiffiges Gebäude aus Bruchstein, wobei Ziegelmauerwerk für architektonische Details und Gewölbe Verwendung fand. An den polygonalen Chor an der Ostseite wurde nördlich eine Sakristei angebaut. Das Innere des Chors hatte ein Kreuzrippengewölbe, weshalb er mit zahlreichen Strebepfeilern verstärkt wurde.[11]
Derzeitiger Zustand
Die Mauern des Chors sind bis auf zahlreiche Mauerlücken erhalten geblieben. Im Inneren des Chors sind die Reste von Gewölbesäulen aus Ziegeln sichtbar. Die Mauerreste an der Westseite stammen von einem neueren Gebäude, das an der Stelle des Kirchenschiffs errichtet wurde. Der Bau ist eingezäunt.[12]
Literatur
- Maciej Mikołajczyk, Krzysztof Jaworski: Die Ruinen der Kirche St. Anna von Polsnitz In: Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Information und internationale Kontakte, Übersetzung: Marzena Korona-Kruk, Druck: BIMART - Wałbrzych, S. 12–13
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hans Lutsch: Die Kunstdenkmäler der Landkreise des Reg.-Bezirks Breslau. Korn, 1889, S. 254.
- ↑ Dietmar Neß: Schlesisches Pfarrerbuch: Vierter Band: Regierungsbezirk Breslau, Teil IV. Evangelische Verlagsanstalt, 7. Oktober 2014, S. 204.
- ↑ Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 13
- ↑ Hans Lutsch: Die Kunstdenkmäler der Landkreise des Reg.-Bezirks Breslau. Korn, 1889, S. 254.
- ↑ Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 13
- ↑ Labiryntarium - Historia świebodzickich kościołów. Abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 13
- ↑ Friedrich Gottlob Eduard Anders: Historischer Atlas der evangelischen Kirchen in Schlesien. Carl Flemming, 1856, S. 23.
- ↑ Triptychon Verherrlichung Mariens als Himmelskönigin, Breslau, Nationalmuseum, 1370–1380. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 13
- ↑ Günther Oelschläger: Unvergessene Waldenburger Heimat: ein Buch der Erinnerung, Liebe und Treue. Hrsg.: Patenschaftsarbeitskreis Waldenburger Bergland. Waldenburger Bergland-Verlag, 2005, S. 112.
- ↑ Pełcznica – kościół św Anny. In: medievalheritage.eu. Abgerufen am 27. Mai 2023.
Koordinaten: 50° 51′ 3,2″ N, 16° 17′ 42,5″ O