Karl von Stritzky

Karl Christoph Friedrich Edgar von Stritzky (* 29. Oktoberjul. / 11. November 1911greg. in Riga, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 5. Juli 1943 bei Orjol, UdSSR) war ein baltendeutscher Historiker und während des Zweiten Weltkrieges Leiter der Kulturabteilung des Generalkommissars Riga.

Leben und Wirken

Karl von Stritzky stammte aus baltendeutschem Adel. Sein Vater Alphons von Stritzky war Unternehmer und Teilhaber der Brauerei seines Vaters Christian von Stritzky, seine Mutter Helene war eine Tochter des Malers Oscar Poelchau.[1] Karl von Stritzky besuchte das deutschsprachige Klassische Gymnasium in Riga und studierte anschließend Geschichte an der Albertus-Universität Königsberg und der Universität Riga von 1930 bis 1936.[2][3] 1937 promovierte er zum Dr. phil. In dieser Zeit war er wissenschaftlicher Assistent an der Philosophischen Fakultät des Herder-Instituts in Riga. Er war Mitglied der Umsiedlung-Treuhand Aktiengesellschaft (UTAG) in Riga und Reval zur Umsiedlung der Deutsch-Balten im Rahmen des deutsch-baltischen Umsiedlungsabkommens (heim ins Reich) vom Oktober 1939.

Im Juli 1941 wurde Karl von Stritzky kurz nach der deutschen Besetzung Lettlands zum Leiter der Kulturabteilung des Generalkommissars Riga berufen.[4][5] Propagandaminister Joseph Goebbels äußerte zwar in seinem Tagebuch Zweifel an seiner Eignung: „Der Fall Stritzky – ob Spion oder nur Balte – macht mir einige Sorgen.[6] Er konnte diese Tätigkeit aber dennoch ausüben. Karl von Stritzky unterstützte die deutsche Okkupationspolitik und plädierte für eine Schwerpunktsetzung der lettischen Geschichtsschreibung auf die Region statt auf die einheimische Bevölkerung.[7][8] Zu seinem Verantwortungsbereich gehörten alle Museen, aus denen Auslagerungen nach Deutschland im größeren Umfang geplant waren. Es gab in dieser Zeit auch Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Verantwortlichen.[9]

Im Januar 1943 wurde Karl von Stritzky von seiner Tätigkeit entbunden und ging zur Wehrmacht an die Front in der Sowjetunion, wo er am 5. Juli fiel. Seine einzige Tochter Verena wurde etwa zwei Wochen danach geboren und später der erste weibliche General der Bundeswehr.

Publikationen

Karl von Stritzky veröffentlichte eine Schrift über Garlieb Merkel, die in den folgenden Jahrzehnten öfter rezipiert wurde:[10]

  • Garlieb Merkel und „Die Letten am Ende des philosophischen Jahrhunderts.“ Hrsg.: Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde zu Riga. (Mitteilungen aus der baltischen Geschichte, 1. Band, 2. Heft). Verlag E. Bruhns, Riga 1939. Online (PDF)

Literatur

  • Günter Mangelsdorf: Zwischen Greifswald und Riga. Auszüge aus den Tagebüchern des Greifswalder Rektors und Professors der Ur- und Frühgeschichte Dr. Carl Engel. Steiner, 2007. S. 115–123, 598 (Index) und öfter (kurze Auszüge)

Einzelnachweise

  1. Karl Christoph Friedrich Edgar von Stritzky Family Search; auch Carl Christoph von Stritzky Genealogy
  2. Dietrich André Loebe, Das Klassische Gymnasium zu Riga 1919–1939. Ein Erinnerungsbuch, 1970, S. 167 (Auszug); dieses Gymnasium war 1919 neu gegründet worden, da die bisherigen Gymnasien lettischsprachig geworden waren, es hatte deshalb auch eine deutschnationale Ausrichtung.
  3. Mangelsdorf, 2007, S. 540, mit einigen biographischen Angaben
  4. Mangelsdorf, 2007, S. 161ff., mit Anmerkungen S. 385, mit vielen Angaben
  5. Seppo Myllyniemi, Die Neuordnung der baltischen Länder 1941–1944, 1973, S. 305 und öfter (kurze Auszüge)
  6. Elke Fröhlich: Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Teil 1. Band 9. Dezember 1940 bis Juli 1941, K. G. Saur, München 1998, S. 357. S. 357; Tagebucheintrag vom 7. Juni 1941.
  7. Michael Garleff, Deutschbalten, Weimarer Republik und Drittes Reich, Band 2, 2008, S. 414 (Auszüge), mit einigen Details zu Karl von Stritzkys Einstellungen und Aktivitäten
  8. Martijn Eickhoff et al. (Hrsg.): National-Socialist Archaeology and its Legacies, Springer Nature, 2023, S. 319, erwähnte seine Geschichtsverständnis auf die Region statt auf die lettische Bevölkerung bezogen
  9. Stefan Lehr, Aufzeichnungen von Wolfgang A. Mommsen aus dem Baltikum, Polen und der Ukraine 1942–1944, in Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung, 2008, S. 453–514, hier S. 478, Tagebuchaufzeichnung vom 17. April 1942 in Riga, Karl von Stritzky wurde von Wolfgang A. Mommsen vertraulich informiert, dass das Archivwesen aus seiner Kulturabteilung in die Verwaltungsabteilung umgeordnet werden sollte, obwohl beide dieses nicht für sinnvoll hielten
  10. Julija Boguna: Lettland als übersetzte Nation. Garlieb Merkels 'Die Letten' und ihre Rezeption im 19. Jahrhundert in Livland, Berlin 2014. S. 211, und öfter.