Christian von Stritzky
Christian Carl Christoph von Stritzky (* 16. Apriljul. / 28. April 1842greg. in Riga, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 25. Mai 1920 in Wiesbaden, Deutsches Reich) war ein baltendeutscher Brauereiunternehmer in Riga und Schwiegervater des Philosophen Ernst Bloch.
Leben und Wirken
Der Vater Carl Friedrich Stritzky war Gouvernements-Sekretär und Steuer-Controlleur in Livland, die Mutter war Johanna Pickardt. Christian Stritzky besuchte das Livländische Gouvernements-Gymnasium in Riga etwa bis zu seinem 15. Lebensjahr (ohne Abschluss).[1] Danach machte er eine kaufmännische Lehre in einem Großhandelsunternehmen für Ex- und Import. 1867 heiratete er Anna Clara, die Tochter von Albert Wolfschmidt, dem wichtigsten Spirituosenhersteller in Riga. 1868 kaufte er die Brauerei Schultz in Charlottenthal bei Riga. 1876 wurden der Vater und die Familie in den russischen Adelsstand erhoben.
1889 kaufte Christian von Stritzky die Brauerei Bertels und weitere Grundstücke in Riga und begann diese auszubauen. Spätestens seit 1895 war er auch Aufsichtsratsvorsitzender der A. Wolfschmidt AG seines verstorbenen Schwiegervaters. 1912 stiftete er ein Familienlegat als finanzielle Stiftung für seine Familie. 1913 war die 'C. Stritzky Bier- und Porterbrauerei die fünftgrößte im Russischen Reich mit Filialen in fast allen größeren Städten und Handel bis nach Fernost.[2][3][4] Christian von Stritzky war auch Ältester der Großen Gilde in Riga, Präses des Vereins der Brau-Industriellen, Präses des russischen Kriegs-Waisen-Wohltätigkeits-Vereins, Mitglied der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands und weiterer Vereinigungen.[5]
1914 musste das Unternehmen nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs stillgelegt werden und wurde demontiert. Christian von Stritzky emigrierte nach Deutschland wahrscheinlich im Juli 1919, wo er 1920 starb.[6] Die Villa in der Aristida Briāna ielo 9 ist jetzt ein Kulturzentrum und eine architektonische Sehenswürdigkeit der Stadt Riga.
Ehe und Nachkommen
Carl Christoph von Stritzky war mit Anna Clara Wolfschmidt (1848–1904) seit 1867 verheiratet. Sie hatten neun Kinder, darunter[7]
- Alphons von Stritzky (1868–1943), Teilhaber der Firma seit 1907
- Christian von Stritzky (1874–1914), Theologieabsolvent (cand. theol.) in Dorpat, starb in Württemberg
- Erich von Stritzky (1881–1961), Direktor der A. Wolfschmidt AG seines Großvaters mütterlicherseits 1913–1931 und weiterer Unternehmen
- Elsa Bloch-von Stritzky (1883–1921), Bildhauerin und erste Ehefrau von Ernst Bloch in Deutschland
Literatur
- Baltendeutsches Biographisches Lexikon 1710–1960. 1970, S. 776, mit ausführlichen biographischen Angaben
- O. von Stritzky: Geschichte der Brauerei C. Stritzky, Manuskript
Weblinks
- Villa Stritzky Riga CV (lettisch), mit Original-Annoncen
- Villa Stritzky Riga 1201 (russisch/deutsch), mit Porträt von Carl Christoph von Stritzky (10. Foto)
- Brauerei C. Stritzky Brauereiwesen, mit über 30 Etiketren
Einzelnachweise
- ↑ Baltisches Biographisches Lexikon, 1970, S. 776, auch Christian Carl Christoph von Stritzky BBLd, mit biographischen Details
- ↑ Villa Stritzky Wordpress Riga (russisch), mit deutschsprachigen Original-Annoncen; Baltisches Biographisches Lexikon, 1970, S. 776 mit der Angabe der fünftgrößten Brauerei Russlands
- ↑ Rigasches Adressbuch 1912, S. 897, mit Eintrag der Firma in der Nikolaistrasse Nr. 75/77 und letzte Seite (wahrscheinlich Rückumschlag), mit großer Annonce
- ↑ 'Livländisches Verkehrs- und Adreßbuch 1892/1893, S. 37, mit ganzseitiger Anzeige, dort nur in den Städten der Ostseeprovinzen und der angrenzenden Gouvernements
- ↑ Baltendeutsches Biographisches Lexikon, 1970, S. 776 (Ver. kann auch Vereinigung heißen); auch in Sitzungsberichte der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands, 1907, S. 149, Mitglieder, Nr. 369, Ältester der Grossen Gilde, Christian v. Stritzky, Riga, Nikolaistrasse No. 77
- ↑ Helēna Šimkuva, Deutschbaltische Emigration aus der Republik Lettland während der Zwischenkriegszeit (1918–1939), Abhandlung, Band 19, 2010, S. 40–70, hier S. 47, mit Anm. 38 (PDF), nach Staatsarchiv Riga (LVVA), Best. 3234 Verz. 30 A 28, S. 51, etwa 100 deutschbaltische Adlige emigrierten im Juli 1919 in der Zeit der lettischen Unabhängigkeit nach Deutschland, darunter auch ein Stritzky, wahrscheinlich Christian Stritzky, seine Söhne waren in Riga geblieben
- ↑ Christian Carl Christoph von Stritzky Genealogy