Kampfsklave auf Gor
Kampfsklave auf Gor bzw. Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave, im Original Fighting Slave of Gor, ist ein 1980 erschienener Science-Fiction-Fantasy-Roman von John Norman. Das Buch ist der vierzehnte Teil der Gor-Romanserie und bildet zusammen mit den an ihn anschließenden Fortsetzungen Der Schurke von Gor und Der Leibwächter von Gor eine Trilogie innerhalb der Reihe.
Der Roman war von 1985 bis 2010 in Deutschland als jugendgefährdende Schrift indiziert, wobei die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in ihrer Entscheidung vor dem Hintergrund der im Buch enthaltenen Kajira-Thematik mit Verstößen gegen die Menschenwürde, Diskriminierung der Frau und der Gefahr der sittlichen Desorientierung von Kindern und Jugendlichen argumentierte. Die gesetzliche Indizierungsfrist von 25 Jahren lief 2010 aus und wurde nicht im Rahmen eines erneuten Prüfverfahren erneuert, sodass das Buch seither wieder in Deutschland frei verkauft werden darf.
Handlung
In der Handlung wünscht sich der Ich-Erzähler und New Yorker Doktorand Jason Marschall eine Beziehung mit der hübschen Studentin Beverly Henderson. Als beide eines Abends im Restaurant essen, eröffnet Beverly ihm unter dem Eindruck der Gor-Bücher des Autors John Norman, dass sie heimlich Phantasien von Dominanz und Unterwerfung und von sich selbst als einer Sklavin hat. Jason ist davon zunehmend erregt und stellt sich vor, wie es wäre Beverly als Sklavin zu besitzen. Als beide später das Lokal verlassen werden sie Opfer einer Entführung, bei der Jason zum unfreiwilligen Beifang wird – die Entführung gilt Beverly, die mit weiteren entführten Frauen auf den Planeten Gor verschleppt werden soll, um dort ihr weiteres Leben als Kajira – als goreanische Sklavin – zu verbringen. Zunächst sehen die Entführer in Jason keinen Nutzen. Doch auf Gor wird auch Jason in die Sklaverei verkauft. Mit der Zeit lernt er sich nicht nur in ihr zu behaupten, sondern auch die Position zu schätzen, die vielen Frauen auf Gor zukommt. Als ein politischer Konflikt eskaliert, eröffnen sich ihm plötzlich neue Möglichkeiten.
Fortsetzungen
Der 15. und 16. Gor-Roman Der Schurke von Gor und Der Leibwächter von Gor schließen unmittelbar an Kampfsklave auf Gor an und bilden eine Trilogie innerhalb der Gor-Romanserie. In Der Schurke von Gor führt Jasons Suche nach Beverly ihn in die Stadt Victoria am großen Fluss Vosk, der von Piraten heimgesucht wird. In Der Leibwächter von Gor kommt es zur Entscheidungsschlacht mit den Piraten.
Veröffentlichung in Deutschland
Im Jahr 1984 brachte der Heyne Verlag die erste deutsche Übersetzung des Buches raus, allerdings stark gekürzt, vor allem um Passagen, die sexuelle Inhalte enthielten.[1] Nachdem das Buch von 1985 bis 2010 auf dem Index jugendgefährdender Medien stand, lief die gesetzliche Indizierungsfrist nach 25 Jahren aus; eine neue Indizierung fand nicht statt. 2019 wurde das Buch im vollständigen Umfang vom Basilisk-Verlag unter dem Titel Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave veröffentlicht.[2] 2025 gab der Atlantis Verlag unter demselben Titel die gleiche, ungekürzte Fassung heraus.[3]
Indizierung in Deutschland von 1985 bis 2010
Hintergrund
Das narrative Konzept der Kajira-Sklaverei findet sich in John Normans Gor-Romanen seit dem ersten Band, doch baute er es im Laufe der Reihe zunehmend aus. Mit dem 1977 erschienen siebten Band Sklavin auf Gor (Captive of Gor) rückte er die Kajira-Sklaverei wesentlich in den Fokus und brachte erstmals eine weibliche Hauptfigur als Ich-Erzählerin, die in die Sklaverei gezwungen wird – ihr Erleben der Welt von Gor als Kajira stellt die wesentliche Handlung dar.[4] Dieses Erzählkonzept setzte er noch in weiteren Bänden der Reihe fort, die daher als Kajira- oder Sklavinnen-Romane bezeichnet werden.[5] Auch in den anderen Romanen trat die Kajira-Thematik zunehmend in den Vordergrund und führte zu einer stark zunehmenden, teils heftigen Kritik an den Romanen.
1983 bewertete Peter Mauzy den ersten Kajira-Roman Sklavin auf Gor sowie den nachfolgenden Band Die Jäger von Gor als wichtigste Bände der Gor-Reihe, in der der zuvor untergeordnete Aspekt der weiblichen Sklaverei zum zentralen Thema der Gor-Reihe werde. Mauzy attestierte, dass die Handlung, Action, Storyline und Charakterentwicklung in den Hintergrund trete, während Norman fortan in langen expositorischen Passagen seine Philosophie der weiblichen Unterwerfung und männlichen Dominanz vermittle.[6] Zu demselben Schluss kam ebenfalls 1983 Robert Reginald.[7] David Langford beschrieb 1988 im SFX Magazine die Wandlung der späteren Romanreihe als „zu einer extrem sexistischen, sadomasochistischen Pornographie, in der Frauen rituell gedemütigt werden, und haben deshalb weithin Anstoß erregt“.[8]
In den späten 1980er-Jahren wurden das Erscheinen der Gor-Romane beim US-amerikanischen DAW Books Verlag eingestellt;[8] der Verlag argumentierte mit sinkenden Verkaufszahlen,[8] was David Langford als „dürftigen Vorwand“ beschrieb.[8]
Indizierung
Zwischen 1985 bis 1987 wurden Anträge gegen insgesamt 12 der damals 19 auf Deutsch vom Heyne-Verlag veröffentlichten Gor-Romane bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eingereicht, in deren Folge elf Romane als jugendgefährdende Schriften bewertet und indiziert wurden (Band 7, 8, 10, 12–19).
Im Jahr 1985 wurde auch gegen Kampfsklave auf Gor ein entsprechender Antrag eingereicht. Als Resultat des Prüfverfahrens wurde das Buch von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als jugendgefährdendes Medium bewertet und auf den Index gesetzt.[9][10]
Die gesetzliche Indizierungsfrist lief nach 25 Jahren im Jahr 2010 aus; eine neue Indizierung fand nicht statt. 2019 wurde das Buch im vollständigen Umfang vom Basilisk-Verlag veröffentlicht.[2]
Sonstiges
John Norman parodiert im Roman sich selbst, die Rolle der Gor-Bücher und die Kritik an seinem äußert detailliert beschreibenden Schreibstil.[11]
Literatur
- Andrew W. Butler: Solar Flores – Science Fiction in the 1970s, Liverpool University Press, Liverpool 2012.
- Albert Goldbarth: The History of the Universe Is Important to This Story, New England Review, Vol. 13, No. 1 (Fall, 1990), S. 115–150.
- Florian F. Marzin: Science Fiction and Censorship in West Germany: A Literary Genre on the Index, Science Fiction Studies, Vol. 14, Nr. 1 (März 1987), S. 60–67.
- Robert Reginald: Xenograffiti: Essays on Fantastic Literature, Studies in the Philosophy and Cristicism of Literature, 1983, S. 71.
Ausgaben
Deutsche Ausgaben
- John Norman: Kampfsklave auf Gor, Heyne Verlag, München 1984, ISBN 3-453-31061-6
- John Norman: Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave, Basilisk Verlag, 2019, ISBN 978-3-947816-00-2
- John Norman: Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave, Atlantis Verlag, Stolberg 2025, ISBN 978-3-86402-993-6 (E-Book).
Einzelnachweise
- ↑ John Norman: Kampfsklave auf Gor, Heyne Verlag, München 1984, 221 Seiten. John Norman: Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave, Basilisk-Verlag, 2019, 417 Seiten.
- ↑ a b John Norman: Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave, Basilisk Verlag, 2019, ISBN 978-3-947816-00-2
- ↑ John Norman: Die Chroniken von Gor – Der Kampfsklave, Atlantis Verlag, Stolberg 2025, ISBN 978-3-86402-993-6 (E-Book).
- ↑ Christophe Duret: Transfictionality, Thetic Space, and Doctrinal Transtexts: The Procedural Expansion of Gor in Second Life’s Gorean Role-playing Games, 2018, S. 10.
- ↑ Gorean Posts (Luther) - Barbarians of Gor.com - “slave” novels, abgerufen am 19. November 2024. Christophe Duret: Transfictionality, Thetic Space, and Doctrinal Transtexts: The Procedural Expansion of Gor in Second Life’s Gorean Role-playing Games, 2018, S. 10.
- ↑ Peter Mauzy: The Gor Novels, Survey of Modern Fantasy Literature, 2/1/1983, Bd./Jhrg. 2
- ↑ Robert Reginald: Xenograffiti: Essays on Fantastic Literature, Studies in the Philosophy and Cristicism of Literature, S. 73–75.
- ↑ a b c d David Langford: SFX Magazine, Ausgabe 39, Juni 1998.
- ↑ Florian F. Marzin: Science Fiction and Censorship in West Germany: A Literary Genre on the Index, Science Fiction Studies, Vol. 14, Nr. 1 (März 1987), S. 60–67.
- ↑ Indizierung nach BAnz. Nr. 139 vom 31.7.85. Quelle: BPjM-Aktuell 2010 - Amtliches Mitteilungsblatt der Bundesprüfstelle für jugend gefährdende Medien (BPjM) , S. 52, 54.
- ↑ John Norman: Kampfsklave auf Gor, Heyne Verlag, München 1984, S. 12–14.