Künstlerkolonie von Giverny
Zwischen 1885 und 1915 entwickelte sich das normannische Dorf Giverny zu einer der bedeutendsten internationalen Künstlerkolonien Frankreichs. In diesem Zeitraum kamen mehr als 350 Künstler aus mindestens 18 Ländern nach Giverny; die meisten von ihnen stammten aus den Vereinigten Staaten. Weitere Herkunftsländer waren unter anderem Argentinien, Australien, Kanada, Großbritannien und Polen. Aus dem bis dahin verschlafenen Ort wurde ein lebendiges Zentrum der internationalen Malerei. Während einige Künstler nur für einen kurzen Besuch kamen, kauften andere Häuser und Ateliers und machten Giverny so zu einem künstlerischen Zentrum.[1][2]
Geschichte
Die entscheidende Anziehungskraft ging von Claude Monet aus, der sich 1883 in Giverny niederließ. Seine Präsenz, verbunden mit seiner Bekanntheit durch Ausstellungen in Paris und Amerika, zog insbesondere amerikanische Maler an. Zu den Ersten gehörten Théodore Robinson, Willard Metcalf, Louis Ritter, Théodore Wendel und John Leslie Breck. Nachdem die Künstler die Region für sich entdeckt hatten, schlossen sich ihnen rasch weitere an, von denen einige ihre Aufenthalte verlängerten oder sogar dauerhaft Wohnhäuser und Ateliers erwarben. Monet stand den amerikanischen Malern anfangs positiv gegenüber, zog sich jedoch bald von der wachsenden Zahl an Neuankömmlingen zurück. Lehrtätigkeiten übernahm er nicht, doch allein seine Anwesenheit begünstigte die Entwicklung der Künstlerkolonie und führte zu einer neuen Farb- und Lichtintensität in den Werken der amerikanischen Maler.[1]
Die Künstler schätzten die Kombination von Freilichtmalerei und geselligem Leben. Beliebte Sujets waren die landschaftlichen Motive Givernys, darunter der Fluss Epte, ein Nebenfluss der Seine, sowie Hügel und Felder mit Getreideschobern. Die Nähe zu Paris erleichterte den Austausch mit der Hauptstadt. Vor dem Ersten Weltkrieg lassen sich zwei Phasen der amerikanischen Künstler in Giverny unterscheiden.[2]
- Die erste Generation konzentrierte sich auf Landschaftsdarstellungen im Freien im Stil der impressionistischen Licht- und Atmosphäremalerei.
- Die zweite Generation, die ab der Jahrhundertwende stärker in Giverny ansässig wurde, richtete ihren Fokus hingegen auf Darstellungen des Familienlebens. Häufige Themen waren Interieurszenen und die Darstellung der Frau im privaten Umfeld. Um 1900 entstand unter den Giverny-Malern ein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben mit Gartenfesten und sportlichen Aktivitäten wie Tennis.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 endete die Hochphase der Künstlerkolonie. Zwar blieb Monet bis zu seinem Tod im Jahr 1926 in Giverny ansässig und es kamen auch später noch neue Künstler hinzu, doch damit war die prägende Ära der internationalen Kolonie abgeschlossen.[1]
Werke (Auswahl)
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Theodore Robinson: The Valley of the Seine (1892). National Gallery of Art, Washington D. C.
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John Leslie Breck: Chez Monet (1888)
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Willard Leroy Metkalf: Giverny (1887)
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Lilla Cabot Perry: By the Brook, Giverny, France (1909)
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Theodore Wendel: Giverny Farm (ca. 1886). Brooklyn Museum, New York
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Lawton Parker: Ein windiger Tag (um 1910)
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Louis Ritter: Villa Castellani, Bellosguardo near Florence (1888). Cincinnati Art Museum
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Louis Paul Dessar: Peasant Woman and Haystacks, Giverny (1892). Terra Foundation for the Arts
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Thomas Buford Meteyard: Haystacks, Valley of Giverny
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Evelyn McCormick: Pear Orchard (1894)
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Maria Oakey Dewing: Garden in May (1895). Smithsonian American Art Museum
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Johann Baptist Scherer: Mohngarten (um 1900)
Künstler in Giverny
Zu den bekannten Künstlern, die während Monets Zeit in Giverny wirkten, zählen unter anderem:
- Theodore Robinson (1852–1896)
- John Leslie Breck (1860–1899)
- Willard Metcalf (1858–1925)
- Lilla Cabot Perry (1848–1933)
- Theodore Wendel (1859–1932)
- Lawton S. Parker (1868–1954)
- Louis Ritter (1854–1892)
- Louis Paul Dessar (1867–1952)
- Thomas Buford Meteyard (1865–1928)
- Evelyn McCormick (1862–1948)
- Maria Oakey Dewing (1845–1927)
- Johann Baptist Scherer (1869–1910)
- Will Hicok Low (1853–1933)
- Mary Fairchild MacMonnies Low (1858–1946)
- Frederick William MacMonnies (1863–1937)
- William Howard Hart (1863–1937)
- Karl Albert Buehr (1866–1952)
- Louis Ritman (1889–1963)
- Edmund Graecen (1876–1949)
- Richard E. Miller (1875–1943)
- Alson Skinner Clark (1876–1949)
- Józef Pankiewicz (1866–1940)
- Samuel Halpert (1884–1930)
- Blanche Hoschedé-Monet (1865–1947)
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Will Hicok Low: Self-Portrait at Montigny (1876). Smithsonian American Art Museu
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Mary Fairchild: Winter Garden of Giverny (um 1903). Musée Blanche Hoschedé-Monet
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Frederick MacMonnies: Miss Anne Mills Archbold (1902/1903). Smithsonian American Art Museum.jpg
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William Howard Hart: Portrait of Adeline Pond Adams (1891)
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Karl Albert Buehr: Poplars, Giverny (ca. 1910)
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Louis Ritman: Woman before a Mirror (1918). New Britain Museum of American Art
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Edmund W. Greacen: Ethol in the Rose Garden, Giverny, France (um 1909)
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Richard Emil Miller: Summer Morning (um 1910)
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Alson Skinner Clark: Sunset Normandy (1910)
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Józef Pankiewicz: Cart with Hay (1890). Nationalmuseum in Krakau (Muzeum Narodowe w Krakowie)
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Samuel Halpert: The Flatiron Building (1919). Metropolitan Museum of Art, NYC
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Blanche Hoschedé-Monet: La Moisson (1885)
Literatur
- Dominique Lobstein: Au temps de l'impressionnisme, Gallimard 1994.
- William H. Gerdts: Monet's Giverny: An Impressionist Colony, Abbeville Press, New York 1993.
- Mary Mathews Gedo: Monet and His Muse: Camille Monet in the Artist's Life, University of Chicago Press, 2010.
Weblinks
- Terra Collection Initiative. Impressionist Giverny: A Colony of Artists, 1885–1915
- The Colony of American Artists
- Traditional Fine Arts Organization
- Albany Institute of History & Art. Impressionist Giverny: American Painters in France, 1885–1915
- Blog.Tutt'Art
- Musée des impressionnismes Giverny
- Maison et Jardins Claude Monet – Giverny
- Terra Foundation for American Art