Karl Albert Buehr

Karl Albert Buehr (* 14. Februar 1866 in Feuerbach bei Stuttgart; † 1952 in Chicago) war ein in Deutschland geborener Maler in den Vereinigten Staaten. Er zählt zu den Künstlern deutscher Herkunft, die im frühen 20. Jahrhundert in Chicago und Frankreich (Giverny) wirkten.[1]

Leben

Karl Albert Buehr wurde als Sohn von Frederick Buehr und Henrietta Doh geboren. In den 1880er Jahren wanderte er gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in Chicago nieder. Dort arbeitete er zunächst in verschiedenen Anstellungen, bevor er eine Stelle bei einer Lithografiefirma in der Nähe des Art Institute of Chicago erhielt. Durch diese Tätigkeit kam er erstmals intensiver mit der bildenden Kunst in Berührung. Parallel zu seiner Berufstätigkeit besuchte Buehr regelmäßig das Art Institute of Chicago. Dort erhielt er eine Teilzeitstelle, die es ihm ermöglichte, am Abendunterricht teilzunehmen. Später war er als Nachtwächter am Institut angestellt, was ihm die Gelegenheit bot, die dort befindlichen Werke intensiv zu studieren. Während dieser Zeit fertigte er Skizzen an, die bereits als bemerkenswert galten. Buehr studierte unter anderem bei John H. Vanderpoel und schloss seine Ausbildung am Art Institute of Chicago mit Auszeichnung ab. Aufgrund der Anerkennung seiner Arbeiten wurde ihm eine Lehrtätigkeit angeboten, die er viele Jahre lang ausübte. Neben seiner künstlerischen Ausbildung diente Buehr während des Spanisch-Amerikanischen Krieges in der Illinois Cavalry. Er heiratete Mary Hess, eine seiner Schülerinnen, die ebenfalls als Künstlerin tätig war. Im Jahr 1922 wurde er zum Associate Member der National Academy of Design gewählt.[2]

Im Jahr 1904 erhielt Buehr auf der Louisiana Purchase Exposition in St. Louis eine Bronzemedaille. Daraufhin zog er 1905 mit Unterstützung eines wohlhabenden Förderers aus Chicago und seiner Familie nach Frankreich. In den folgenden Jahren hielt er sich unter anderem in Taormina auf Sizilien auf, wo er lokale Motive malte, darunter Genre- und Landschaftsdarstellungen. Zeitweise war er auch in Venedig. Außerdem verbrachte er Zeit in Paris, wo er an der Académie Julian bei Raphaël Collin arbeitete. Nach anfänglichen stilistischen Entwicklungen wandte sich Buehr ab 1909 verstärkt der Freilichtmalerei zu, nachdem er begonnen hatte, die Sommer in Giverny in der Nähe von Claude Monet zu verbringen. In dieser Zeit stand er in Kontakt mit weiteren amerikanischen Künstlern, die dort arbeiteten, darunter Richard Miller, Theodore Earl Butler, Frederick Carl Frieseke und Lawton Parker. Laut seinem Sohn George Buehr ist es wahrscheinlich, dass Karl Buehr Claude Monet persönlich begegnete. Buehrs Tochter Kathleen und Monets Enkelin Lili Butler sollen gemeinsam gespielt haben. Eine weitere Tochter, Lydia, starb vor Erreichen des Erwachsenenalters an Diabetes.[2]

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs kehrte Buehr nach Chicago zurück. Dort nahm er seine Lehrtätigkeit am Art Institute of Chicago wieder auf, die er viele Jahre lang fortsetzte. Zu seinen bekannten Schülern gehörte Archibald Motley Jr., der später als afroamerikanischer Maler der Harlem Renaissance berühmt wurde. Motley bezeichnete Buehr als einen seiner wichtigsten Lehrer, der ihn bei der Entwicklung seines eigenen Stils unterstützt habe. In den Jahren nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten erzielte Buehr zahlreiche Erfolge. So erhielt er eine Silbermedaille auf der Panama-Pacific International Exposition in San Francisco und im folgenden Jahr den Ankaufspreis der Chicago Municipal Art Commission. 1934 wurde ihm auf der Weltausstellung „A Century of Progress“ in Chicago eine Einzelausstellung gewidmet. Karl Albert Buehr blieb bis ins hohe Alter künstlerisch tätig. Nach einer langen und produktiven Laufbahn starb er im Alter von 86 Jahren in Chicago.[2]

Seine Werke befinden sich unter anderem in der Vanderpoel Collection und der Civic Loan Collection in Chicago, in der Sammlung der University of Des Moines in Iowa sowie in der Sammlung der Northwestern University in Evanston, Illinois. Zudem stellte er international aus, darunter 1909 in London an der Royal Academy.[2]

Literatur

  • Buehr, Karl Albert. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. 6 Bände. E. A. Seemann, Leipzig.
  • Karl Albert Buehr (1866–1952). Richard Norton Gallery, Chicago, IL, 2002.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
Commons: Karl Albert Buehr – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris 2006.
  2. a b c d Richard Norton Gallery, (Hrsg.): Karl Albert Buehr (1866–1952). Chicago 2002.