Königliche Berginspektion Zabrze 1–3 und 7

Königliche Berginspektion Zabrze 1–3 und 7
Werkfoto von Hartmann der Königlichen Berginspektion Zabrze 3
Nummerierung: Königliche Sandbahn Zabrze 1–3 und 7
PMP-PW TKw3-221–223, 227
Anzahl: 4
Hersteller: Sächsische Maschinenfabrik, Chemnitz
Fabriknummer 2949–2951, 3716
Baujahr(e): 1905, 1913
Ausmusterung: bis 1976
Bauart: E n2t
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Fester Radstand: 3900 mm
Gesamtradstand: 5200 mm
Leermasse: 55 t
Dienstmasse: 70,1 t
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Indizierte Leistung: ca. 850 PS
Anfahrzugkraft: 111 kN
Treibraddurchmesser: 1100 mm
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 530 mm
Kolbenhub: 560 mm
Kesselüberdruck: 13 bar
Rostfläche: 2,7 m²
Verdampfungsheizfläche: 161,4 m²
Wasservorrat: 7 m³
Brennstoffvorrat: 2 t
Bremse: indirekte Bremse Bauart Westinghouse
Handbremse

Die normalspurigen Tenderlokomotiven der Bauart Königliche Sandbahn Zabrze 1–3 und 7 waren laufachsenlose fünfachsige Industriebahnlokomotiven der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz und wurden für die Königliche Sandbahn in Zabrze, der späteren Sandbahn der Preußischen Hütten- und Bergwerks AG beschafft.

Die vier Lokomotiven wurden 1905 und 1913 beschafft.

Nach 1945 wurden die Lokomotiven für den Betrieb bei verschiedenen Bergwerken abgegeben und als TKw3-221–223 und 227 bezeichnet. Die letzte Lokomotive in Betrieb war die TKw3-221, sie wurde 1976 mit einem Alter von 71 Jahren ausgemustert. Eine Lokomotive ist nicht erhalten geblieben.

Geschichte

Vorkriegsgeschichte

Die Lokomotiven gehörten zur ersten Generation von Fünfkupplern, die nach dem System mit seitenverschiebbaren Gölsdorf-Achsen gebaut wurden. Sie waren speziell für den Betrieb auf Sandbahnen mit Befahren von Sandbahnbrücken mit kleineren Raddurchmessern, höherem Kesseldruck und der großen Rost- und Verdampfungsheizfläche für den Betrieb mit hoher Dauerzugkraft bei niedriger Geschwindigkeit konstruiert.

Eingesetzt wurden sie auf der Sandbahn in Zabrze, der späteren Sandbahn der Preußischen Hütten- und Bergwerks AG, die von der Sandgrube in Przezchlebie bis zu der Sandsturzbrücke beim Bergwerk Königin Luise, der späteren Kopalnia Węgla Kamiennego Zabrze führte. Später wurde die Sandbahn zur Bedienung weiterer Bergwerke verlängert. Zuerst wurden 1905 die drei Hartmann-Lokomotiven geliefert und als 1–3 bezeichnet. Eine weitere Lokomotive war die Königliche Berginspektion Zabrze 4, die 1910 von Borsig geliefert wurde, 1913 wurde eine weitere Lokomotive von Hartmann geliefert, die die Nummer 7 erhielt. Weitere bei der Sandbahn eingesetzte Lokomotiven sind nicht bekannt.

Nach 20 Jahren waren die Kessel der Loks so verschlissen, dass sie ersetzt werden mussten. Dabei wurden Dampferzeuger als Ersatz eingebaut, die einen höheren Dampfdruck und eine größere Verdampfungsheizfläche besaßen. Danach hatten sie etwa 20 % mehr Leistung.[1.1]

Nachkriegsgeschichte

Alle vier Lokomotiven überstanden den Krieg und verließen danach das Sandbahnnetz. Sie erhielten von der Przedsiębiorstwo Materiałów Podsadzkowych Przemysłu Węglowego die Baureihenbezeichnung TKw3, womit fünfachsige laufachslose Tenderlokomotiven sonstiger Bauart gekennzeichnet waren. Die Ordnungsnummern 221–223 sowie 227 kennzeichnen die ehemalige Bezeichnung in der letzten Nummer und die Bahn (PREUSSAG-Bahn) mit der zweiten Nummer.

Eingesetzt wurden die Lokomotiven in verschiedenen Bergwerken der Vereinigung; die ehemalige Lokomotive 1 wurde in der Kopalnia Węgla Kamiennego Pokój mit der Bezeichnung TKw3-221 eingesetzt und war dort bis 1976 im Einsatz; sie war mit 71 Betriebsjahren auch die älteste Lok der Reihe.[1.2] Die ehemalige Nr. 2 mit neuer Bezeichnung TKw3-222 war bei der Kopalnia Węgla Kamiennego Halemba im Einsatz. Ihre Ausmusterung ist nicht bekannt.[1.2] Die ehemalige Nr. 3, nun bezeichnet als TKw3-223, war in der Kopalnia Węgla Kamiennego Andaluzja im Einsatz bis 1966.[1.2] Die Nachbaulok mit der Nummer 7 wurde neu bezeichnet als TKw3-227, sie war bei der Kopalnia Węgla Kamiennego Kleofas eingesetzt. Sie hatte in den 1920er Jahren keinen Neubaukessel erhalten und wurde 1970 ausgemustert.[1.3]

Konstruktion

Die Lokomotiven waren nach den Baugrundsätzen von Richard von Helmholtz und Karl Gölsdorf als leistungsstarke, kurvengängige Tenderlokomotiven mit starker Zugkraft konstruiert, die dazu noch eine sehr niedrige Dauerfahrgeschwindigkeit bei Höchstlast für das Durchfahren der Sandsturzbrücke haben mussten.[1.4] Der kleine Raddurchmesser bedingte einen ebensolchen Radstand. Seitenverschiebbar wurden die zweite und fünfte Achse ausgeführt. Dadurch war eine ausreichende geführte Länge möglich.[1.4]

Der Kessel der Nassdampflokomotive bestand aus zwei Schüssen, auf dem ersten saß der Dampfdom, auf dem zweiten der quadratische Sandkasten. Von ihm führten je Seite vier Sandfallrohre hinunter; vor und hinter die als Treibachse ausgebildete dritte Achse; vor die zweite und hinter die vierte Achse. Der Stehkessel war mit einer geraden Decke als Belpairekessel ausgeführt. Auf ihm saß ein Sicherheitsventil der Bauart Ramsbottom. Die Lok besaß Flachschieber, der Kreuzkopf wurde zweischienig auf der Gleitbahn geführt.

Die Lokomotiven waren mit der Janney-Kupplung ausgerüstet und benötigten damit keine seitlichen Puffer. Die Bremse war Bauart Westinghouse. Die Luftpumpe war an der Rauchkammer in Höhe des Schornsteines angeordnet.

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Fiegenbaum, Ingo Hütter: Schwere Brocken, Regelspurige E-Tenderlokomotiven Band 3, Hartmann, Hohenzollern, Krauss (-Maffei), Grafenstaden und Borsig. Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, 2018, Seite 17–30, ISBN 978-3-933178-41-1

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Fiegenbaum, Ingo Hütter: Schwere Brocken, Regelspurige E-Tenderlokomotiven Band 3, Hartmann, Hohenzollern, Krauss (-Maffei), Grafenstaden und Borsig. Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, 2018, ISBN 978-3-933178-41-1
    1. S. 19
    2. a b c S. 152
    3. S. 153
    4. a b S. 18