Richard von Helmholtz

Richard von Helmholtz (* 28. September 1852 in Königsberg, Ostpreußen; † 10. September 1934 in München; vollständiger Name: Richard Wilhelm Ferdinand von Helmholtz) war ein deutscher Maschinenbauingenieur, der als Konstrukteur von Dampflokomotiven bekannt wurde.

Leben

Richard von Helmholtz war der Sohn des Physikers Hermann von Helmholtz und dessen erster Ehefrau Olga von Helmholtz geb. von Velten. Die Familie folgte den Berufungen des Vaters 1855 nach Bonn und 1858 nach Heidelberg, wo Richard aufwuchs und das Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur studierte er Maschinenbau, zunächst am Polytechnikum Stuttgart und nach einem Praktikum bei Borsig in Berlin an der Technischen Hochschule München, u. a. bei Johann Bauschinger und Carl von Linde.

Nach dem Studium begann er 1876[1] seine Tätigkeit als Konstrukteur bei der Lokomotivfabrik Krauss in München, wo er bald zum Leiter der Konstruktionsbüros aufstieg. In dieser Stellung bestimmte er über Jahrzehnte, insbesondere nach dem 1885 erfolgten Rückzug von Georg Krauß aus der Geschäftsführung, ganz wesentlich die Geschicke des Unternehmens bis zu seinem Ruhestand 1918. Im Verlauf seiner Tätigkeit befasste er sich mit allen Komponenten der Dampflokomotive, wie beispielsweise der Verbesserung und Vereinfachung der Heusinger-Steuerung, aber auch mit weniger auffallenden Teilen wie der Entwicklung einer neuen Bauart von Sandstreueinrichtung.

1887 entstand seine wegweisende wissenschaftliche Untersuchung über das Verhalten von Lokomotiven in Kurven und die Abnutzung von Rad und Schiene. Aus dieser theoretischen Arbeit folgte als praktisches Ergebnis 1888 die Konstruktion des Krauss-Helmholtz-Lenkgestells, das bei vielen Lokomotiven mit Laufachsen – nicht nur Dampflokomotiven – zum Einsatz kam. Der österreichische Konstrukteur Karl Gölsdorf zog aus den Untersuchungen von Helmholtz noch weiter gehende Schlüsse und entwickelte die seitlich verschiebbare Kuppelachse, die sogenannte Gölsdorf-Achse, die zum Standard im Lokomotivbau wurde.

Unter von Helmholtz wurden bei Krauss beispielsweise folgende Lokomotivtypen entworfen und gebaut:

Nicht wenige seiner Lokomotiv-Konstruktionen bewährten sich gut und waren teils über 50 Jahre lang in Betrieb. Bei einer derart langen innovativen Tätigkeit blieb es jedoch nicht aus, dass einige Konzeptionen sich nachträglich als Irrtum herausstellen – so zum Beispiel die 1900 gebaute und auf der Weltausstellung Paris 1900 gezeigten Pfälzischen P 3.II, einer Schnellzuglokomotive mit Vorspannachse zur Verbesserung des Anfahrverhaltens. Die Maschine bewährte sich nicht, schon 1902 wurde die Vorspannachse entfernt und die Maschine in eine normale 2'B1'-Lokomotive umgebaut.

Bereits während seiner Tätigkeit bei Krauss publizierte von Helmholtz zahlreiche Artikel zur Entwicklungsgeschichte der Lokomotiven, hauptsächlich in der österreichischen Fachzeitschrift für Eisenbahntechnik Die Lokomotive.[2] Nach seinem Eintritt in den Ruhestand weitete er diese schriftstellerische Tätigkeit aus. Gestützt auf ein eigenes Archiv und die Bibliothek von Krauss, die er nebenbei betreute, und begünstigt durch ein vorzügliches Gedächtnis bis ins hohe Alter befasste er sich, teils als Autor und teils als Herausgeber, mit der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Dampflokomotiven.

Richard von Helmholtz trat 1881 dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dem Bayerischen Bezirksvereins des VDI bei.[3]

Schriften

  • (mit Wilhelm Staby): Die Entwicklung der Lokomotive im Gebiete des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. Oldenbourg, München / Berlin 1930. (als Reprint: Callwey, München 1981, ISBN 3-7667-0542-3)
  • Die historischen Lokomotiven der Badischen Staats-Eisenbahnen. (hrsg. von der Reichsbahndirektion Karlsruhe) Karlsruhe 1936. (als Reprint: Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, Karlsruhe 1982, ISBN 3-921700-36-1)

Literatur

  • Erhard Born: Helmholtz, Richard von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 501–502 (deutsche-biographie.de).
  • Günter Metzeltin: Die Lokomotive. Lexikon ihrer Erfinder, Konstrukteure, Führer und Förderer. Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, Karlsruhe 1971.
  • Karl-Ernst Maedel, Alfred B. Gottwaldt: Deutsche Dampflokomotiven. Die Entwicklungsgeschichte. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70912-7.
  • Franz Werner: Hermann Helmholtz’ Heidelberger Jahre (1858–1871). (= Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Heidelberg, Band 8.) Julius Springer, Berlin / Heidelberg 1997, ISBN 3-540-62602-6.
  • Andreas Knipping: Die Baureihe 70. Die bayerische Tenderlok für leichte Züge und ihre badische Schwester. EK-Verlag, Freiburg 1998, ISBN 3-88255-170-4.

Einzelnachweise

  1. laut Neue Deutsche Biographie (vgl. Literatur); nach anderen Quellen zwischen 1873 und 1881
  2. Die Lokomotive, Jahrgang 1927, Heft 11 (mit Würdigung Helmholtz’ zu dessen 75. Geburtstag auf der Titelseite) (online)
  3. Angelegenheiten des Vereines. In: Wochenschrift des Vereines deutscher Ingenieure. Band 5, Nr. 8, 19. Februar 1881, S. 61.