Johann Lampadius

Johann Lampadius (geboren 1569 in Braunschweig; gestorben am 21. Januar 1621 in Bremen) war ein deutscher Magister der Philosophie, Pädagoge und Reformierter Theologe.

Leben

Lampadius war ein Sohn aus einer lutherischen Familie. Er war Enkel des ersten lutherischen Predigers Heinrich Lampe (Hinrich, Henricus Lampadius; 1503 – 13. November 1583) der Magnikirche,[1] wandte sich jedoch später der Reformierten Kirche zu. Im Jahr 1583 wurde er nach Helmstedt geschickt, um dort bei Tilemann Hesshus und Daniel Hofmann theologischen Unterricht zu erhalten. Dort traf er auf Otto Casmann, mit dem er sein Zimmer teilte. Dieser war ihm als Missgeburt und Gräuel dargestellt worden, erwies sich jedoch als angenehmer Diskussionspartner, und so kam es, dass er sich vom strengen Luthertum trennte und die Vorurteile gegen die Anhänger der Reformierten Kirche abbaute. Doch seine Verwandten rieten ihm, sich nach Rostock zu begeben, wo um 1587 David Chyträus die Universität leitete, um wieder auf den lutherischen Pfad zurückzufinden. Als er von Nathan Chyträus und Johannes Caselius beraten wurde, fasste er den Entschluss, seinem eingeschlagenen Weg zu folgen. Dies machte ihn verdächtig, so dass er sich zu Nikolaus Selnecker nach Leipzig begab, der als Kritiker der Calvinisten galt. In Leipzig wohnte er bei Wolfgang Harder. Es folgten Stationen in Wittenberg, Jena, Königsberg und nochmals Rostock (1591). Das Angebot, nach Berlin zu gehen, schlug er aus.

Lampadius war nach dem Tod seines Vaters von 1593 bis 1594 Rektor der Ägidienschule in Braunschweig, musste diese Stelle aber wegen des Verdachts, ein Anhänger des Calvinismus zu sein, aufgeben und kam als Rektor an eine Schule nach Salzwedel (Soltquellen oder Soultquellen), wo er aus demselben Grund seine Stelle wieder verlor. Seine Versuche in Altorf, Tübingen, Marburg und Leiden eine Anstellung zu finden blieben erfolglos. Schließlich wurde er 1596 Professor für Geschichte an der Universität Heidelberg.[2]

Am 12. April 1603 wurde er als Nachfolger von Leo Wasmann († 1603) als Prediger an die St. Stephanikirche nach Bremen berufen. Dort wurde er 1613 am Gymnasium mit der Professur der Theologie und der Historie betraut.[3] Seine Streitigkeiten in Glaubensfragen mit anderen Theologen, wie dem Hamburger Philipp Nicolai, bestanden indessen weiterhin. Er verfasste 1598 auch ein Gedicht über Friedrich IV. von der Pfalz.[4]

Familie

Lampadius war mit Kunigunde (geborene Meyers) verheiratet und starb im 52. Lebensjahr. Der Großvater Heinrich Lampe war dreimal verheiratet 1528 bis Ostern 1546 mit Elise (Elisabeth), mit der er drei Söhne und zwei Töchter hatte und 1546 mit Lucie (geborene von Anderten, verwitwete Sander; † 1566), mit der er weitere vier Söhne und zwei Töchter hatte und am 10. Juni 1567 mit Anna (verwitwete Flors; 31. März 1587).[5] Von den Tanten und Onkeln von Lampadius sind folgende bekannt:

  • Christina, Christine oder Christiane Lampe, die älteste Tochter, die am 16. August 1569 den Kantor, Schulrektor und späteren Pastor von St. Jacobi in Hamburg Johann Hennich oder Hennichius († 23. Februar 1595) heiratete. 1600 verheiratete sie sich erneut mit dem Pastor Friedrich Peters oder Petri (10. März 1549 – 21. Oktober 1617).
  • Anna Lampe ⚭ 20. Juni 1581 mit dem Schneider Hans Brackmann.
  • Anton Lampe, der in Leipzig Rechtswissenschaften studierte.

Der Astronom David Fabricius war ein Schüler seines Großvaters Heinrich Lampe, dessen Grabplatte sich in der Braunschweiger Magnikirche befindet.[6]

Schriften (Auswahl)

  • Prodromum Concordiæ Evangelicæ. Egenolph, Marburg 1603.
  • Carmen de fugacitate vitæ humanæ, ex Ps. 90 et 95. eum Consul Krefting Consulatum inirit. 1605.
  • Epistola ad Dav. Pareum, de_morte Phil. Nicolai tragica. 1608.
  • Triumphus Christi carmen votivum. Bremen 1617.
  • Synopsis harmoniæ et complementi Prophetarum primi ordinis. 1618.
  • Wie ich, Johannes Lampadius, aus dem Labyrinth der Ubiquitisterey hervorgekommen zu der Wahrheit und rechten Erkenntniß Gottes.
  • Schriftmässiger Gebrauch der Lehre von der Gnadenwahl / Wieder Die Ergernüsse / die anfechtungen des Satans und verzweiffelung : Sehr nötig zu diesen letzten zeiten / davon in der Offenbahrung S. Joahnnis also redet … Johan Wessel, Bremen 1620 (Nachdruck 1641, diglib.hab.de).
  • Mit Christoph Pezel: Mellificium historicum. 4 Bände, Cholini, Frankfurt 1668 (Nachdruck Band 4, digitale-sammlungen.de).

Literatur

Einzelnachweise

  1. Siegfried Bräuer: Der Beginn der Reformation in Braunschweig. Historiographische Tradition und Quellenbefund. In: Braunschweigisches Jahrbuch (= Jahrbücher für Landesgeschichte des Braunschweigischen Geschichtsvereins). Band 75. Waisenhaus, Braunschweig 1994, doi:10.24355/dbbs.084-201202131542-0 (leopard.tu-braunschweig.de).
  2. Johann Melchior Kohlmann: Johann Lampadius, Mag. d. Philos. In: Beiträge zur bremischen Kirchengeschichte. 1. Heft. Johann Georg Heyse, Bremen 1844, S. 168–170 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Heinrich Wilhelm Rotermund: Lampadius, Johann. In: Lexikon aller Gelehrten, die seit der Reformation in Bremen gelebt haben. C. Schünemann, Bremen 1818, S. 263–264 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. Serenissimo Domino Dno Friderico .IV. Electori Palatino Reni Bavariae Duci etc: Cùm Heidelbergam rediturus ex superiori Palatinatu Mosbacum diverteretur, Domino suo Clementisso gratulantur. In: Johan Radermacher: Album Joannis Rotarii. Fol. 106r–107v (dbnl.org).
  5. C. Hessenmüller: Heinrich Lampe, der erste evangelische Prediger in der Stadt Braunschweig. Fr. Otto, Braunschweig 1852, S. 88–90 (digitale-sammlungen.de).
  6. Sabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 587. In: Die Inschriften der Stadt Braunschweig (= Die Deutschen Inschriften. Band 56 = Göttinger Reihe. Band 9). Band 2: Von 1529 bis 1671. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-89500-251-8, urn:nbn:de:0238-di056g009k0058703.