Heinrich Lampe (Theologe)

Heinrich Lampe, auch Henricus Lampadius, (geboren 1503 in Gronau; gestorben am 13. November 1583 in Braunschweig) war ein deutscher lutherischer Theologe und reformatorischer Prediger. Er gilt als der erste protestantische Prediger in Braunschweig.

Leben

Lampe war ein Sohn des Tuchmachers und Ratsherrn Johannes Lampe und dessen Frau Gese (geborene Gerken). Er besuchte zunächst die Schule in Gronau. Im Alter von zwölf Jahren wurde er von den Eltern auf die Schule im nahegelegenen Alfeld geschickt, um dort einen noch besseren Unterricht zu erhalten. Etwa 1517 kam er nach Goslar und wechselte nach nur einem halben Jahr nach Einbeck. Im Zuge der Hildesheimer Stiftsfehde, bei der die Herzöge Erich von Calenberg und Heinrich der Jüngere von Wolfenbüttel gemeinsam mit den Städten Braunschweig, Göttingen und Hannover in das Hildesheimer Gebiet eingefallen waren, verlor er bei der Belagerung von Gronau und Alfeld im Sommer 1518 seinen Vater, der von den Truppen der Herzöge erschlagen wurde. Zudem wurde Gronau niedergebrannt und die Familie verlor all ihren Besitz. Mittellos beschloss er, zu einem Verwandten nach Braunschweig zu gehen und dort eine Ausbildung zu beginnen. So kam er zu Hartwig Kuken, der als Lohnpfarrer in der Kirche St. Andreas tätig war. Dieser nahm ihn bei sich auf und schickte ihn auf die Schule des Stifts St. Blasius. Bald darauf wurde Johannes Laffard zum Rektor der Schule der Pfarrkirche St. Martini ernannt und Lampe wechselte auf das Martineum. Den anschließenden Besuch einer Universität konnte er sich jedoch nicht leisten.

Lampe trat daher 1524 auf Empfehlung seines Verwandten an der Kirche St. Katharinen eine Ausbildung zum Kaplan untergeordneten Ranges an. Diese Tätigkeit als Gehilfe war wenig anspruchsvoll und genügte ihm nicht, denn er wollte lieber Prediger werden. Seine erste Predigt hielt er am 15. März 1525 in der Kapelle des heiligen Longinus vor dem Wendentor am Namenstag des Heiligen. Mit Unterstützung von Hartwig Kuken gelang es ihm, eine gerade frei gewordene Prädikantenstelle bei Tile Krüger in der Kirche St. Michaelis zu erhalten. Er begann nun intensiv die Bibel zu studieren. Sein Pfarrherr ermahnte ihn jedoch zunächst, sich vor den ketzerischen Schriften Martin Luther in Acht nehmen. Lampe verschaffte sich jedoch Zugang zu diesen Schriften, die von Magdeburg aus nach Braunschweig gebracht wurden. Er begeisterte sich schnell für das Werk des Reformators. Im Jahr 1526 wurde er Prädikant in der Kirche St. Magni und fand bald Unterstützung durch Autor Sander, einen theologisch interessierten Rechtsgelehrten.

Lampes Predigten erhielten von den Bürgern des Weichbildes Altewiek regen Zulauf und im Dezember 1527 hielt er mit dem aus Hamburg herübergekommenen Johannes Oldendorp zum ersten Mal ein Abendmahl nach der lutherischen Art und eine Taufe in deutscher Sprache. Die war ein Auslöser für die im Jahr 1528 einsetzende Reformation in der Stadt. Nach der Annahme der Braunschweiger Kirchenordnung des Johannes Bugenhagen wurde er Prediger an St. Magni. Dieses Amt versah er insgesamt 55 Jahre lang, bis zu seinem Tod.[1]

Lampe war vielseitig interessiert, er erlernte neben Latein auch Griechisch, Hebräisch und Italienisch und beschäftigte sich eingehend mit Astronomie, Mathematik und Philosophie. In den 1530er Jahren reiste er mit Ludolf Petersen, einem Kollegen aus der Martinikirche, nach Wittenberg, um dort den Reformator Martin Luther persönlich zu sehen. Der später berühmte Astronom David Fabricius war einer seiner Schüler. Im Jahr 1564 wurde er zum Senior des Geistlichen Ministeriums ernannt. Zum Ende seines Lebens verfasste er ein Bekenntnis seiner Person zum Luthertum.[2]

Schriften (Auswahl)

  • Bekentniss der Lere so der chrwirdiger … Heinrich Lampe … aus seinem Testament so er mit eigener Hande geschrieben von Wort zu Wort genommen, sampt seinem letzten Brieff an seinen „generum“ H. Johannem Hennichium. Jakob Wolff, Hamburg 1588.

Familie

Lampe war dreimal verheiratet:

  • Von 1528 bis Ostern 1546 mit Elise (Elisabeth), mit der er drei Söhne und zwei Töchter hatte.
  • Ab 1546 mit Lucie (geborene von Anderten, verwitwete Sander; † 1566), die zuvor mit Autor Sander, seinem Förderer, verheiratet war. Mit ihr hatte er vier weitere Söhne und zwei Töchter.
  • Ab dem 10. Juni 1567 mit Anna (verwitwete Flors; 31. März 1587), diese Ehe blieb kinderlos.

Von seinen Kindern sind folgende bekannt:

  • Christina, Christine oder Christiane Lampe, die älteste Tochter, die am 16. August 1569 den Kantor, Schulrektor und späteren Pastor von St. Jacobi in Hamburg Johann Hennich oder Hennichius († 23. Februar 1595) heiratete. 1600 verheiratete sie sich erneut mit dem Pastor Friedrich Peters oder Petri (10. März 1549 – 21. Oktober 1617).
  • Anna Lampe ⚭ 20. Juni 1581 mit dem Schneider Hans Brackmann.
  • Anton Lampe, der in Leipzig Rechtswissenschaften studierte.

Seine Nachkommen stifteten eine Grabplatte, die sich in der Braunschweiger Magnikirche befindet.[3]

Lampe hatte einen Enkel Johann Lampadius (1569 – 21. Januar 1621), der mit Kunigunde (geborene Meyers) verheiratet war.

Literatur

  • Zacharias Zahn: Odarum libellus de vita et obitu Henr. Lampadii. 1590 (Latein).
  • Johann Gasmer: Oratio de vita et obitu reverendi & doctißimi viri d. henrici lampadii, senioris ministerii ecclesiae brunsuicensis …. Jakob Wolff, Hamburg 1590 (Latein, digitale-sammlungen.de).
  • C. Hessenmüller: Heinrich Lampe, der erste evangelische Prediger in der Stadt Braunschweig. Friedrich Otto, Braunschweig 1852 (digitale-sammlungen.de).
  • Klaus Jürgens: Um Gottes Ehre und unser aller Seelen Seligkeit. Die Reformation in der Stadt Braunschweig von den Anfängen bis zur Annahme der Kirchenordnung 1528. In: Klaus Jürgens, Wolfgang A. Jünke: Die Geschichte der Reformation in der Stadt Braunschweig (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Heft 13) Braunschweig 2003, ISBN 3-9807756-7-4, S. 29 ff.
  • Klaus Jürgens: Lampe, Heinrich. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u. a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8. bis 18. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S. 425–426.

Einzelnachweise

  1. C. Hessenmüller: Heinrich Lampe, der erste evangelische Prediger in der Stadt Braunschweig. Friedrich Otto, Braunschweig 1852, S. 40 ff. (digitale-sammlungen.de).
  2. Klaus Jürgens: Lampe, Heinrich. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u. a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8. bis 18. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S. 425–426.
  3. Sabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 587. In: Die Inschriften der Stadt Braunschweig (= Die Deutschen Inschriften. Band 56 = Göttinger Reihe. Band 9). Band 2: Von 1529 bis 1671. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-89500-251-8, urn:nbn:de:0238-di056g009k0058703.