Johann Baptist Bolla

Johann Baptist Bolla (* 15. Jänner 1745 in Wien[1]; † 8. Mai 1802 ebenda[2]) war ein österreichischer Stuckateur, nach 1774 wurde er Altphilologe, Professor für altgriechische Sprache an der Universität Wien und 1782 Kustos der K.K. Universitätsbibliothek.

Leben

Familie

Johann Baptist wurde in eine Künstlerfamilie geboren, sein Großvater, der Mailänder Stuckateur Johann Michael Bolla[3][4] verheiratete sich 1714 in Wien, konnte einen Großbetrieb aufbauen und arbeitete für den Wiener Hof. Die nächste Generation, Albert Bolla, der die Akademie der bildenden Künste besuchte, und in der Nachfolge vor allem im Schloss Schönbrunn als ‚Hofstuckateur‘ wirkte und Josef Ignaz wurden erfolgreiche Stuckateure.

Johann Baptist war der älteste Sohn von Albert und Maria Anna, sie wohnten im Haus ‚Zum goldenen Schlüssel‘[5] auf dem Spittelberg. Er und sein Bruder Ignaz[6] folgten dem Vater als Stuckateure.[7]

Berufliche Wege

Johann Baptist lernte beim Vater den Stuckateurberuf, doch seine Berufung war die griechische Kultur, die ‚Schönheit der griechischen Literatur‘. Vorerst beschäftigte ihn als Autodidakt die Thematik, er konnte aber in Rom ernsthaft studieren. Nach Jahren kam er wieder nach Wien zurück und arbeitete weiter im erlernten Beruf. Dazu dieses überlieferte Geschehen um 1770:

„.. Da er in den Zimmern des Fürsten von Kaunitz arbeitete, und das von Haid geschabene Bild des Fürsten vor sich sah, schrieb er folgende Strophen hin (ein Auszug):

Der Staaten mit dem Geist erobert, dieser ist es, wie Solon weise, ist er Bürger, doch an Würde weit über andere erhaben. Auch ein Vater der Künste ist er. Wie ? – Kaunitz ists ! Die Welt kennt ihn.“

Ignaz de Luca, Das gelehrte Österreich, Wien 1776.

Es war erstaunlich, dass ein Stuckateurgeselle diese Strophen verfasst hatte. Er war entdeckt!

Nach dem Tod des Vaters 1774 beendete er diese künstlerische Tätigkeit, wurde ein Altphilologe und lehrte an der Hohen Schule.

  • Bewerbungsschreiben an den Kaiser Josef II. Johann Baptist Bolla suchte um die Stelle eines Skriptors in der Hofbibliothek an.[8]
  • Der Leiter des K.K. Obersthofmeisteramtes Gottfried van Swieten bewilligte 1782 die Aufnahme Johann Bollas als Skriptor. Sein jährliches Gehalt betrug 400 Gulden.[9]

Werke (Auswahl)

  • Griechische Altertümer. Wien Johann Friedrich Jahn Leipzig, 1775.[10]
  • Rede von der Schönheit und dem Nutzen der griechischen Literatur. Wien Josef Edler von Kurzböck. Wien 1777.[11]
  • An Seine kaiserliche Hoheit den Grosfürsten und Thronfolger Rußlands, ein Gedicht. Drucker Kurzböch. Wien 1782. Aus dem Griechischen in das Deutsche übersetzt von F. J. R.[12]
  • Geschichte von Griechenland, hauptsächlich den Zeitraum von der 283 bis zur 294 Olimpias enthaltend. Verlag Johannes Schweighäuser, Basel 1783.[13]
  • Jambi graeci. Gedichte in altgriechischer Sprache. (Anthologien, 4. Jh. v. Chr.). Friedrich Jacob Bast: Specimen editionis novae epistolarum Aristaeneti etc. Vindobonae 1796.[14]
  • Epicuri hortus. Verlag Vindobonae, Thomas von Trattner. Wien 1798.[15]
  • Homonoeticon. Occasione pacis. Vindobonae, Februar 1801. Latein[16]

Literatur

  • Bolla, Johann Baptist. In: Ignaz de Luca, Das gelehrte Österreich. Ghelen’sche Schriften. Band 1. Wien 1776. S. 38 f.[13]
  • Bolla, Johann Baptist. In: Samuel Baur, Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind. Wien Leipzig 1816. Band 1. S. 243.[14]
  • BLKÖ.Bolla, Johann Baptist[15]
  • Bolla, Johann Baptist. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens. Band I). Rohrer, Wien 1943, S. 71.
  • Johann Baptist Bolla.Rudolf Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1980. S. 222.[16]
  • VieCPro. Johann Baptist Bolla.[17]
  • Kulturpool. Griechische Altertümer von Johann Baptist Bolla.[18]

Einzelnachweise

  1. Matriken Wien St. Ulrich, Taufbuch 2. Januar 1745.[1]
  2. Matriken Wien St. Ulrich, Sterbebuch 8. Mai 1802.Skriptor in der k.k. Hofbibliothek[2]
  3. Johann Michael Bolla im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  4. Ursula Stevens: Bulla Giovanni Michele. In: tessinerkuenstler-ineuropa.ch. Tessiner Künstler in Europa;.
  5. Zum goldenen Schlüssel im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  6. Bolla, Ignaz. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens.) S. 71.
  7. BLKÖ.Bolla, Johann Baptist[3]
  8. Bewerbung 31. August 1782[4]
  9. Bewilligung[5]
  10. Griechische Altertümer.[6]
  11. Griechische Literatur.[7]
  12. Gedicht an den Thronfolger Russlands.[8]
  13. Geschichte von Griechenland.[9]
  14. Jambi graeci.[10]
  15. Epicuri hortus.[11]
  16. Homonoeticon.[12]