Jüdischer Friedhof Lindow

Der Jüdische Friedhof Lindow befindet sich in Lindow, einer Stadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Der ungewöhnlich zentral in der Stadt angelegte jüdische Friedhof liegt gegenüber den Plattenbauten an der Harnackstraße.

Beschreibung

Der Friedhof ist das letzte bauliche Zeugnis der jüdischen Gemeinde in Lindow, die im 19. Jahrhundert ein Zentrum jüdischen Lebens im Ruppiner Land bildete. Er gehört zu den wenigen jüdischen Friedhöfen, die in der Zeit des Nationalsozialismus unzerstört geblieben sind.[1] Die kleine Anlage wird von einer Ziegelsteinmauer eingefasst. Der Eingang befindet sich an der Westseite. Die Gräber sind durch schlichte Steinstelen mit hebräischen Inschriften gekennzeichnet. An der östlichen Seite des Friedhofes befand sich eine kleine Halle für den Leichenwagen. Gleich gegenüber dem Eingang ist ein Stein aufgestellt mit den Namen der jüdischen Opfer während der NS-Zeit.[2][3]

Geschichte

Der 1824 wohl auf Initiative des Kaufmanns Michaelis angelegte Friedhof bezeugt das jüdische Leben in der Zeit, als die Stadt zu bescheidenem Wohlstand gelangte. 1910 löste sich die jüdische Gemeinde auf und Familie Michaelis wanderte ab[4]. Der Friedhof wurde in den 1920er und 1930er Jahren immer weniger genutzt. Die letzte Bestattung fand 1938 oder 1947 statt. Dass der Friedhof überhaupt noch existiert, ist einer Bürgerinitiative zu verdanken. Sie konnte 1988 erreichen, dass öffentliche Mittel bereitgestellt wurden, mit denen die Friedhofsanlage wiederhergestellt wurde. Ein Teil der Ziegelummauerung und der kleinen Halle für den Leichenwagen waren wegen der allgemeinen Baustoffknappheit zum Bau von Garagen entwendet worden. Die noch heute vorhandenen Grabplatten waren gestapelt worden und lagen zur weiteren Verwendung bereit. Die gesamte Friedhofsfläche war als illegale Müllkippe genutzt worden, zum Beispiel zur Lagerung alter Reifen. 1988 gelang es, mit Hilfe eines Steinrestaurators die Grabplatten den Gräbern wieder zuzuordnen. Auf Initiative und mit Unterstützung des evangelischen Gemeindepädagogen Dirk Bock konnte der Müll beseitigt werden, Spontanvegetation entfernt werden und die Umfassungsmauer wiederaufgebaut werden. Allerdings ist der Friedhof heute kleiner als das ursprüngliche Gräberfeld.

Siehe auch

Commons: Jüdischer Friedhof Lindow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ulrike Schwarz und Matthias Metzler: Denkmale in Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin. In: Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1. Auflage. Band 13.2. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2003, ISBN 3-88462-191-2, S. 78, 79.
  2. Susann Schober: Anlage des Jüdischen Friedhofs in Lindow (Mark). Hrsg.: Universität Potsdam. Potsdam.
  3. Dr. Oswalt: Eine kurze Blüte in der Mitte des 19. Jahrhunderts - Die Jüdische Gemeinde in Lindow. Hrsg.: Autor. Schreibmaschinenmanuskript.
  4. Bundesanstalt für Politische Bildung: Jüdische Friedhöfe in Deutschland und angrenzenden Ländern. Hrsg.: Bundesanstalt für Politische Bildung. Bundesanstalt für Politische Bildung, Bonn.

Koordinaten: 52° 58′ 2,2″ N, 12° 59′ 21″ O