Indisch-schweizerische Beziehungen

Indisch-schweizerische Beziehungen
Indien Schweiz
Indien Schweiz

Die indisch-schweizerischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen der Republik Indien und der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie bestehen seit der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 und beruhen auf früh etablierten freundschaftlichen Abkommen, darunter ein Freundschafts- und Niederlassungsvertrag von 1948. Indien gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz in Asien. Die beiden Staaten arbeiten in Bereichen wie Handel, Wissenschaft, Technologie und Kultur eng zusammen und pflegen regelmäßige hochrangige politische Kontakte und Staatsbesuche. Insgesamt können die Beziehungen als freundschaftlich eingestuft werden.

Geschichte

Frühe Kontakte

Erste Berührungspunkte gab es bereits im 16. Jahrhundert, als Schweizer Missionare wie der Jesuit Pietro Berno in Indien wirkten. Im 18. Jahrhundert beteiligten sich Hunderte Schweizer Söldner in französischen und britischen Diensten an der Kolonialisierung des Subkontinents und der schweizerische Ingenieur und Orientalist Antoine-Louis Henri de Polier stand einige Zeit lang im Dienst des Moguls von Indien. Bereits in den 1750er Jahren hielten sich rund 300 Schweizer in Indien auf. Ab dem 19. Jahrhundert zog Indien vermehrt Schweizer Händler, Gelehrte und Missionare an. 1851 gründeten die Gebrüder Volkart in Basel und Bombay ein Handelshaus, das sein Filialnetz in Indien rasch ausbaute und zum Rückgrat der wirtschaftlichen sowie konsularischen Schweizer Präsenz in Britisch-Indien wurde. Auch die offizielle Vertretung wuchs: 1915 eröffnete die Schweiz ein Konsulat in Bombay, und bis in die 1930er Jahre stieg die Zahl der in Indien tätigen Schweizer auf über 500 an.[1]

Beziehungen seit der Unabhängigkeit Indiens 1947

Kurz nach der indischen Unabhängigkeit 1947 erkannte die Schweiz den neuen Staat an und nahm diplomatische Beziehungen auf. Am 14. August 1948 unterzeichneten beide Länder einen Freundschafts- und Niederlassungsvertrag, womit die Schweiz zu den ersten Staaten gehörte, die mit dem jungen Indien ein derartiges Abkommen schlossen.[2][3] 1948 eröffnete die Schweiz eine Botschaft in Neu-Delhi; im Gegenzug richtete Indien eine diplomatische Vertretung in Bern ein.[1] In den folgenden Jahrzehnten blieben die Beziehungen eng und freundschaftlich. Die Schweiz engagierte sich ab 1961 in der Entwicklungszusammenarbeit und finanzierte zahlreiche Projekte in Indien, insgesamt flossen über eine Milliarde CHF an Hilfsgeldern.[4] Während des Bangladesch-Konflikts agierte die Schweiz zwischen 1971 und 1976 als Schutzmacht und vertrat wechselseitig die Interessen Indiens in Pakistan und Pakistans in Indien.[3]

Beziehungen seit der Jahrtausendwende

Im 21. Jahrhundert intensivierten die Schweiz und Indien ihren Austausch in Politik, Wirtschaft und Forschung. 2003 wurde ein bilaterales Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit unterzeichnet, woraufhin gemeinsame Forschungsprogramme (etwa das Indo-Swiss Joint Research Programme) aufgelegt wurden, neben zahlreichen weiteren Abkommen.[5] Gleichzeitig verlagerte sich die klassische Entwicklungszusammenarbeit hin zu globalen Partnerschaften; traditionelle bilaterale Hilfsprogramme wurden schrittweise abgebaut.[3] Zur Vertiefung des politischen Dialogs finden seit 2011 regelmäßige Konsultationen auf hoher Ebene statt.[6] Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und den EFTA-Staaten, die 2008 begonnen hatten, führten schließlich im März 2024 zur Unterzeichnung eines umfassenden Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommens (TEPA). Es handelt sich um Indiens erstes Freihandelsabkommen mit europäischen Staaten.[7][3]

Wirtschaftsbeziehungen

Das bilaterale Handelsvolumen wuchs im letzten Jahrzehnt stark und erreichte 2024 rund 27 Milliarden US-Dollar.[5] Die Schweizer Ausfuhren bestehen zum Großteil aus Edelmetallen (insbesondere Gold), Maschinen sowie pharmazeutische und chemische Produkte, während Indien vor allem Chemikalien, Textilien, Edelsteine und Agrarprodukte in die Schweiz exportiert. Aufgrund des dominierenden Goldhandels ist die Handelsbilanz deutlich zu Gunsten der Schweiz und unterliegt starken jährlichen Schwankungen. Nach langen Verhandlungen wurde 2024 ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und den EFTA-Staaten abgeschlossen, das den gegenseitigen Marktzugang erleichtern soll. Die Schweizer Direktinvestitionen in Indien betrugen Ende 2022 etwa 7,3 Milliarden CHF, und rund 330 Schweizer Firmen sind mit Tochtergesellschaften oder Joint Ventures auf dem indischen Markt präsent.[3] Unter ihnen befinden sich Großunternehmen wie Nestlé, Novartis, Holcim oder ABB, die seit Jahrzehnten in Indien produzieren und investieren.

Politische und kulturelle Verflechtungen

Politisch sind die Beziehungen von gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamen demokratischen Werten wie Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus geprägt. Regelmäßige Konsultationen sowie hochrangige Besuche, etwa von Staatspräsidenten und Regierungschefs, haben die freundschaftliche Zusammenarbeit kontinuierlich gefestigt. Auch kulturell bestehen enge Verflechtungen. Schweizer Kunstschaffende wie der Architekt Le Corbusier oder die Künstlerin Alice Boner wirkten prägend in Indien, während umgekehrt indische Filmproduzenten (z. B. Yash Chopra) durch in den Schweizer Alpen gedrehte Bollywood-Filme die Bekanntheit der Schweiz in Indien erhöhten.[3] Für viele Inder gilt die Schweiz als Traumziel und 2023 besuchten 600.000 Touristen aus Indien die Schweiz.[8] Die Eröffnung eines Verbindungsbüros der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia in Neu-Delhi im Jahr 2007 gab dem bilateralen Kulturaustausch zusätzlichen Auftrieb.[3] Zudem lebt eine wachsende indische Gemeinde von mehreren Tausend Personen in der Schweiz, während umgekehrt knapp 600 Schweizer Staatsbürger in Indien ansässig sind.[4][3]

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Einzelnachweise

  1. a b Indien. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 25. September 2025.
  2. Freundschafts- und Niederlassungsvertrag vom 14. August 1948 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Seiner Majestät, dem König des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Irland und der Dominien, jenseits der Meere, namens des Dominions Indien (mit Schlussprotokoll). Abgerufen am 25. September 2025.
  3. a b c d e f g h Bilaterale Beziehungen Schweiz–Indien. Abgerufen am 25. September 2025.
  4. a b Matthew Allen: Schweiz sucht behutsame Annäherung an Indien. In: SWI swissinfo.ch. 7. November 2007, abgerufen am 25. September 2025.
  5. a b India-Switzerland Bilateral Relations
  6. Politische Konsultationen in Neu-Delhi: bilaterale Beziehungen weiter stärken. Abgerufen am 25. September 2025.
  7. Freihandelsabkommen mit Indien: Chance. Abgerufen am 25. September 2025.
  8. Schweiz: Darum pilgern so viele Inder in die Alpen - WELT. Abgerufen am 25. September 2025.