Herring (U-Boot)

Herring
Die Herring im Oktober 1943.
Schiffsdaten
Flagge Vereinigte Staaten 48 Vereinigte Staaten
Schiffstyp U-Boot
Klasse Gato-Klasse
Bauwerft Portsmouth Naval Shipyard, Kittery, Maine
Kiellegung 14. Juli 1941
Stapellauf 15. Januar 1942
Indienststellung 4. Mai 1942
Verbleib am 1. Juni 1944 durch japanische Küstenartillerie versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 95,33 m (Lüa)
Breite 8,30 m
Tiefgang (max.) 4,65 m
Verdrängung 1.526 ts aufgetaucht
2.424 ts getaucht
 
Besatzung 84 Mann (1944)
Maschinenanlage
Maschine über Wasser:
4 × Fairbanks-Morse-9-Zylinder-Dieselmaschinen
unter Wasser:
4 × Elliott-Elektromotoren
Maschinen­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat über Wasser:
je Dieselmotor 1.350 PS (5.400 PS Gesamtleistung)
unter Wasser:
je Elektromotor 685 PS (2.740 PS Gesamtleistung)
Propeller 2
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius 11.800 sm
Einsatzdauer 75 Tage
Tauchzeit 50 Sekunden
Tauchtiefe, max. 140 m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
8,75 kn (16 km/h)
Höchst-
geschwindigkeit
aufgetaucht
20,25 kn (38 km/h)
Bewaffnung

Die Herring, auch USS Herring (Kennungen: SS-233), war ein dieselelektrisch angetriebenes Hochsee-U-Boot der United States Navy, welches im Zweiten Weltkrieg zeitweilig im Atlantik, jedoch vorwiegend auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz kam und 1944 versenkt wurde. Das U-Boot gehörte der Gato-Klasse an und war nach der Fischart der Heringe (englisch herring) benannt; es handelte sich um das bislang einzige US-U-Boot, das auf diesen Namen getauft wurde. Das U-Boot wurde am 14. Juli 1941 als 22. Boot seiner Klasse bei der Portsmouth Naval Shipyard in Kittery im US-Bundesstaat Maine auf Kiel gelegt und lief am 15. Januar 1942 von Stapel. Die Herring wurde schließlich am 4. Mai 1942 in Dienst gestellt. Erster Kommandant war Lieutenant Commander Raymond Wilber Johnson.

Zweiter Weltkrieg

1942/43: Erste Kriegseinsätze im Atlantik

Nach der Indienstnahme und dem Abschluss der Testfahrten im Herbst 1942, verlegte die Herring Ende Oktober 1942, als Teil der sogenannten Task Group (TG) 34.9 und gemeinsam mit dem U-Boot Gunnel, von der US-Ostküste vor die Küste von Französisch-Marokko und nahm dort im November 1942 als Sicherungs-U-Boot bei der Landung der Alliierten teil (Operation Torch). Während dieser Operation gelang der Herring ein Erfolg:

  • 8. November 1942: Torpedierung und Versenkung des vichy-französischen Frachters Ville du Havre (5.083 BRT) vor Casablanca. Das Schiff lag auf der Reede vor Anker.[1]

Am 25. November 1942 traf das U-Boot im schottischen Rosneath ein und beendete dort die erste Feindfahrt. In den folgenden sieben Monaten, bis Juli 1943, operierte die Herring von Rosneath aus und unternahm dabei fünf Patrouillenfahrten, die das U-Boot unter anderem ins Seegebiet um Island führten. Versenkungen wurden während dieser Einsätze allerdings nicht erzielt, auch wenn zeitweilig vermutet worden war, dass die Herring während ihrer vierten Patrouillenfahrt für die Versenkung des deutschen U-Bootes U 163 am 21. März 1943 südlich Island verantwortlich gewesen sein könnte – in einigen Quellen wird dies bis heute irrtümlicherweise so angegeben.[2] Dieses Boot indessen wurde jedoch von der kanadischen Korvette Prescott bereits am 13. März 1943 in der Biskaya auf Position 44° 13′ N, 8° 23′ W versenkt.[3][4]

Ende Juli 1943 wurde die Herring wegen ausbleibender Versenkungen wieder nach den Vereinigten Staaten zurückbeordert, da ein Einsatz auf dem pazifischen Kriegsschauplatz größeren Erfolg zu versprechen schien. Nach einer kurzen Werftüberholung verließ die Herring am 9. August 1943 infolgedessen New London und verlegte im gleichen Monat durch den Panamakanal, um sich in Pearl Harbor der amerikanischen Pazifikflotte anzuschließen.

1943/44: Einsätze im Pazifik

Im November 1943 lief die Herring von Pearl Harbor aus zu ihrer ersten Feindfahrt im Pazifik aus. In den folgenden sieben Monaten unternahm das U-Boot insgesamt drei Feindfahrten. Während dieser Zeit operierte die Herring zumeist im Ostchinesischen Meer, im Gelben Meer, im Ochotskischen Meer und im Bereich der Kurilen. Insgesamt gelangen dem U-Boot dabei sechs Versenkungen, die auf die sechste und die achte Feindfahrt entfielen.

Sechste Feindfahrt

Die sechste Patrouillenfahrt dauert vom 15. November 1943 bis zum 18. Januar 1944. Sie fand noch unter dem Kommando von Lieutenant Commander Johnson statt. Während der Feindfahrt, sie begann und endete jeweils in Pearl Harbor, gelangen der Herring zwei Erfolge:

  • 14. Dezember 1943: Torpedierung und Versenkung des japanischen Kombischiffes Hakozaki Maru (3.948 BRT) etwa 200 Seemeilen nordöstlich von Shanghai. Der Untergangsort liegt in etwa auf Position 33° 10′ N, 125° 0′ O. Bei der Versenkung kamen 39 Besatzungsangehörige des Frachters ums Leben.[5]
  • 2. Januar 1944: Torpedierung und Versenkung des japanischen Passagierschiffes Nagoya Maru (6.071 BRT) vor Aogashima. Das als U-Boot-Tender eingesetzte und in einem Konvoi fahrende Schiff wurde am 1. Januar torpediert, sank jedoch einen Tag später infolge stürmischen Wetters und unzureichender Lecksicherungsmaßnahmen. Beim Untergang kamen 121 Menschen ums Leben,[6] die meisten davon waren beim Einschlag des Torpedos umgekommen.

Achte Feindfahrt

Die achte Feindfahrt begann am 18. Mai 1944 von Pearl Harbor aus, wobei das U-Boot seit dem 6. Februar 1944 unter dem Befehl eines neuen Kommandanten, Lieutenant Commander David Zabriskie Jr., stand. Es war einerseits die erfolgreichste, aber auch die letzte Patrouille der Herring. Das Boot kehrte von dieser Feindfahrt nicht zurück.

  • 31. Mai 1944: Angriff auf den aus fünf Schiffen bestehenden und von Matua nach Otaru laufenden japanischen Geleitzug HE, rund 70 Seemeilen westlich von Matua. Hierbei gelang die Torpedierung und Versenkung des japanischen Geleitschiffes (Kaibōkan) Ishigaki (860 ts) sowie des Frachters Hokuyo Maru (1.590 BRT), grob auf der Position 48° 0′ N, 153° 0′ O. Das Sicherungsfahrzeug wurde von einem Torpedo ins Vorschiff getroffen und sank unter dem Verlust von 167 Besatzungsangehörigen.[7] Beim Untergang der Hokuyo Maru starben weitere 38 Seeleute.[8]
  • 1. Juni 1944: Die Herring drang in einem riskanten Vorstoß nahe Point Tagan bis auf die Reede vor Matua vor. Dabei gelang die Torpedierung und Versenkung der beiden vor Anker liegenden[2] japanischen Truppentransporter Iwaki Maru (3.124 BRT) und Hiburi Maru (4.366 BRT) auf Position 48° 30′ N, 153° 30′ O.[9] Auch diese beiden Versenkungen forderte eine beträchtliche Anzahl an Todesopfern – beim Untergang der Hiburi Maru starben 33 Besatzungsangehörige und 97 Heeressoldaten. Beim Untergang der Iwaki Maru fanden 30 Besatzungsangehörige und 20 Heeressoldaten den Tod.[10]

Untergang der Herring

Unmittelbar nach der Versenkung der beiden Transporter wurde die Herring, nur knapp 1,3 Seemeilen von der Küste von Matua entfernt stehend, gegen 7.55 Uhr überraschend von einer nahe Point Tagan positionierten und aus drei 14-cm-Geschützen sowie zwei 12-cm-Flugabwehrkanonen bestehenden japanischen Küstenbatterie (52. Wachdivision) unter Beschuss genommen.[11] Darüber hinaus beschoss auch das auf der Reede liegende japanische Wachschiff Benkai Maru das US-U-Boot. Insgesamt wurden knapp 60 Granaten aller Kaliber verfeuert. Noch ehe die Herring abtauchen konnte, trafen mindestens zwei 14-cm-Granaten den Turm des Bootes,[2] das gerade zu einem Alarmtauchmanöver ansetzte. Das U-Boot glitt gegen 8.05 Uhr mit durchlöchertem Turm unter die Wasseroberfläche; kurze Zeit später stiegen große Luftblasen nach oben und schwammen große Mengen Dieselöl auf, der Ölteppich erreichte später einen Durchmesser von 15 Seemeilen.[2]

Ab diesem Zeitpunkt meldete sich die Herring nicht mehr und es gilt heute als sehr wahrscheinlich, dass das U-Boot durch die beiden Volltreffer der Küstenartillerie versenkt wurde. Mit dem Boot gingen der Kommandant, Lieutenant Commander David Zabriskie Jr., und alle 83 Besatzungsmitglieder unter. Es gab keine Überlebenden.

Nachdem die Herring auf Funksprüche am 3. Juni 1944 nicht reagiert hatte, wurde das amerikanische U-Boot Barb, das einzige andere noch im Seegebiet der mittleren Kurilen stehende US-U-Boot zu dieser Zeit, mit dem Versuch einer Kontaktaufnahme zur Herring betraut. Ende Juni 1944 wurde auch dieses Unterfangen ohne Erfolg eingestellt. Am 13. Juli 1944 schließlich wurde die Herring endgültig für als in Verlust geraten eingestuft. Die Herring war das einzige US-U-Boot im Zweiten Weltkrieg, das durch das Feuer von Küstengeschützen versenkt wurde.

Möglicher Wrackfund

Im Jahr 2016 wurde das in 104 Metern Tiefe liegende Wrack eines U-Bootes in der Nähe der Insel Matua von einer gemeinsamen Expedition der Russischen Geographischen Gesellschaft und des russischen Verteidigungsministeriums entdeckt. Eine Verifizierung des Wracks steht bislang allerdings noch aus.[12]

Auszeichnungen und Erfolge

Für Einsätze im Zweiten Weltkrieg wurde die Herring mit fünf Battle Stars sowie mit der Asiatic-Pacific Campaign Medal, der European-African-Middle Eastern Campaign Medal und der World War II Victory Medal ausgezeichnet. Nachfolgend eine tabellarische Übersicht über die von der Herring attackierten japanischen Schiffe. Versenkte Schiffe sind in der Ergebnisspalte fett hervorgehoben.

Datum Name Schiffstyp Vermessung/Tonnage[A 2] Ergebnis (Waffentyp) Anmerkung
8. November 1942 Ville du Havre Frachtschiff 5.083 BRT versenkt (Torpedo) Vichy-französisches Schiff, vor Casablanca versenkt.
14. Dezember 1943 Hakozaki Maru Kombischiff 3.948 BRT versenkt (Torpedo) Erster Versenkungserfolg im Pazifik; 39 Todesopfer.
2. Januar 1944 Nagoya Maru Passagierschiff 6.071 BRT versenkt (Torpedo) Größtes von der Herring versenktes Schiff; 121 Todesopfer.
31. Mai 1944 Ishigaki Kaibokan 860 ts versenkt (Torpedo) 167 Todesopfer; opferreichste Versenkung seitens der Herring.
31. Mai 1944 Hokuyo Maru Frachtschiff 1.590 BRT versenkt (Torpedo) 38 Todesopfer.
1. Juni 1944 Iwaki Maru Truppentransporter 3.124 BRT versenkt (Torpedo) 130 Todesopfer, darunter 97 Heeressoldaten.
1. Juni 1944 Hiburi Maru Truppentransporter 4.366 BRT versenkt (Torpedo) 50 Todesopfer.

Literatur

  • Heden, Karl E.: Sunken Ships World War II: US Naval Chronology. Including submarine losses of the United States, England, Germany, Japan, Italy. Branden Publishing Company, Wellesley 2006, S. 215.
  • Holwitt, Joel I.: Execute against Japan: The U.S. decision to conduct unrestricted submarine warfare. Texas University Press, Austin 1999.
  • Kurowski, Franz: Krieg unter Wasser. Dortmund-Oespel 1978, Neuauflage 1999.
  • Padfield, Peter: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Originalausgabe: War beneath the Sea, London 1995.
  • Peillard, Léonce: Geschichte des U-Boot-Krieges 1939–1945. Originalausgabe: Histoire Generale de la Guerre Sousmarine 1939–1945. Paris, 1970.
  • Roscoe, Theodore / Voge, Richard G.: United States submarine operations in World War II. Naval Institute Press, Annapolis 1950.

Anmerkungen

  1. Diese Bewaffnung entspricht dem Zustand bei der Indienstnahme 1942, später ergaben sich indessen einige Änderungen. So kamen die 12,7-mm-Maschinengewehre im Winter 1943 von Bord und wurden durch zwei 20-mm-Oerlikon-Kanonen ersetzt. Diese wiederum wurden 1943/44 durch zwei 40-mm-Bofors-Kanonen auf Plattformen vor und hinter dem Turm ersetzt.
  2. Frachtschiffe, Tanker und Transporter sind in BRT aufgeführt, Kriegsschiffe in ts.

Einzelnachweise

  1. Screw Steamer Ville du Havre. In: shipbuilding.uk. 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b c d Mann, Raymond A.: Herring (SS-233). In: Dictionary of American Naval Fighting Ships. Naval History and Heritage Command, 21. April 2016, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  3. The Type IXC U-boat U-163 - German U-boats of WWII - uboat.net. Abgerufen am 21. März 2020.
  4. Kemp, Paul: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag, Gräfelfing bei München 1998, S. 110.
  5. Hinman, Charles R.: Herring Sinkings – Hakozaki Maru. In: On Eternal Patrol. 2018, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  6. Japanese Auxiliary Submarine Tenders. Abgerufen am 21. März 2020.
  7. Japanese Escorts. Abgerufen am 21. März 2020.
  8. Hinman, Charles R.: Herring Sinkings – Hokuyo Maru. In: On Eternal Patrol. 2018, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  9. Hinman, Charles R.: Herring Sinkings – Hiburi Maru. In: On Eternal Patrol. 2017, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  10. Hinman, Charles R.: Herring Sinkings – Iwaki Maru. In: On Eternal Patrol. 2017, abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  11. Heden, Karl E.: Sunken Ships World War II: US Naval Chronology. Including submarine losses of the United States, England, Germany, Japan, Italy. Branden Publishing Company, Wellesley 2006, S. 215.
  12. Hinman, Charles R.: USS Herring (SS-233). In: On Eternal Patrol. 2017, abgerufen am 30. Mai 2024 (englisch).