Amberjack (U-Boot, 1942)
| Die Amberjack kurz vor der Indienststellung (Ende Mai 1942). Das Periskop ist noch verkleidet.
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Die Amberjack, auch USS Amberjack (Kennung: SS-219), war ein dieselelektrisch angetriebenes Hochsee-U-Boot der United States Navy, das im Zweiten Weltkrieg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz kam. Das U-Boot gehörte der Gato-Klasse an und war nach der Raubfischart der Großen Bernsteinmakrele (englisch amberjack) benannt. Es handelte sich um das erste US-U-Boot, das auf diesen Namen getauft wurde. Die Amberjack wurde am 15. Mai 1941 auf der Werft der Electric Boat Corporation in Groton (US-Bundesstaat Connecticut) auf Kiel gelegt und lief am 6. März 1942 von Stapel. Am 19. Juni 1942 wurde das U-Boot als 20. Einheit der Gato-Klasse schließlich in Dienst gestellt. Erster Kommandant des U-Bootes war Lieutenant Commander John Archibald Bole (Jr.); er blieb bis zum Untergang Kommandant des Bootes. Das U-Boot wurde im Februar 1943 von japanischen Kriegsschiffen versenkt.
Einsätze im Zweiten Weltkrieg
Nach der Indienstnahme und dem Abschluss der Erprobungsfahrten, verlegte die nach Pearl Harbor zur amerikanischen Pazifikflotte abkommandierte Amberjack ab Anfang August 1942 von New London aus in Richtung des Pazifiks, wobei am 14. August 1942 der Panamakanal passiert wurde. Am 20. August 1942 traf das U-Boot in Pearl Harbor ein.
Erste Feindfahrt
Am 3. September 1942 verließ das U-Boot Pearl Harbor zu seiner ersten Feindfahrt. Diese, sie dauerte bis zum 30. Oktober 1942, führte die Amberjack in das Seegebiet zwischen Neuirland und Bougainville. Während dieser Patrouille gelangen dem U-Boot vier Erfolge:
- 19. September 1942: Torpedierung des in einem Kleinkonvoi fahrenden japanischen Kombischiffes Shirogane Maru (3.130 BRT) vor dem Nordausgang der Bougainville-Straße, etwa auf Position 6° 25′ S, 156° 20′ O. An Bord des Schiffes gab es drei Todesopfer.[1] Der schwer beschädigte Frachter konnte noch zeitweise vom Zerstörer Amagiri in Schlepp genommen werden, musste aber später an der Küste der Shortland-Inseln aufgesetzt und als konstruktiver Totalverlust aufgegeben werden.
- 7. Oktober 1942: Torpedierung und Versenkung des japanischen Versorgungsschiffes Senkai Maru (2.101 BRT) in den südlichen Ausläufern der Karolinen, nahe Kavieng, etwa auf Position 1° 55′ N, 153° 42′ O.[2] Es gab drei Todesopfer.
- 10. Oktober 1942: Das U-Boot drang in einem riskanten Manöver bis auf die Reede von Kavieng vor und torpedierte dort den Transporter Tenryu Maru (4.861 BRT), welcher moderate Schäden erlitt, sowie das große, als Tanker eingesetzte Walfangfabrikschiff Tonan Maru No. 2 (19.209 BRT). Das Fabrikschiff wurde schwer beschädigt und musste im flachen Wasser der Reede auf Grund gesetzt werden, um einen Untergang zu vermeiden.[3] Da dieses Schiff später wieder flott gemacht und zur Reparatur nach Japan überführt werden konnte (es ging schließlich im August 1944 durch einen weiteren US-U-Boot-Angriff verloren), wurde diese Versenkung der Amberjack offiziell jedoch nicht anerkannt.
Im Anschluss verlegte die Amberjack in das Seegebiet um Guadalcanal und führte zwischen dem 19. und dem 25. Oktober 1942 eine Nachschubmission von Espiritu Santo nach der Guadalcanal und Tulagi durch, um die dort in schweren Kämpfen stehenden US-Marines mit dringend benötigtem Nachschub, unter anderem Flugbenzin und Munition, zu versorgen.[3] Zudem wurden 15 Piloten und Techniker des United States Army Air Corps auf der Insel zwecks der Verstärkung der dortigen Fliegerkräfte abgesetzt. Am 30. Oktober endete die erste Feindfahrt schließlich im australischen Brisbane.
Zweite Feindfahrt
Von Brisbane aus brach die Amberjack am 21. November 1942 zu ihrer zweiten Kriegspatrouille auf. Erneute operierte das U-Boot dabei im Seegebiet der Salomonen sowie vor Neuirland. Zu Versenkungserfolgen kam es dabei nicht, obgleich mehrmals Kontakt mit japanischen Seestreitkräften hergestellt werden konnte. So feuerte die Amberjack am 27. November 1942 erfolglos vier Torpedos auf zwei japanische Zerstörer nahe der Shortland-Inseln ab. Ebenso wurden am 3. Dezember ohne Ergebnis vier Torpedos auf ein japanisches U-Boot abgefeuert, dessen Brückenbeobachter das US-U-Boot aber rechtzeitig entdeckt hatten und welches ohne Schäden abtauchen konnte.
Am 20. Dezember 1942 sichtete die Amberjack einen kleinen Konvoi südlich Bougainville, wurde aber, noch ehe ein Angriff möglich war, von zwei japanischen Geleitschiffen entdeckt und rund zwei Stunden lang mit Wasserbomben verfolgt, wobei an Bord des U-Bootes leichtere Schäden, unter anderem am Radar, entstanden. Die Patrouille konnte dennoch fortgesetzt werden. Nachdem sich auch Anfang Januar 1943 vor den Palauinseln keine Ziele finden lassen konnten, kehrte die Amberjack am 11. Januar 1943 von der Feindfahrt nach Brisbane zurück.
Dritte Feindfahrt
Obgleich das U-Boot einer längeren Überholung bedurft hätte, brach die Amberjack am 24. Januar 1943 nach weniger als zwei Wochen erneut zu einer Kriegspatrouille, der dritten Feindfahrt, auf. Erneut erstreckten sich die Operationen auf das Seegebiet der Salomonen und um Neuirland. Hierbei gelang ein kleinerer Erfolg:
- 3. Februar 1943: Beschießung und Versenkung eines nicht identifizierten 2-Mast-Schoners etwa 20 Seemeilen östlich von Buka.[4]
Zudem wurde das U-Boot in der Nacht des 3./4. Februar 1943 nahe Buka in ein Überwassergefecht mit einem auf etwa 5.000 Tonnen geschätzten japanischen Frachter verwickelt. Die Amberjack meldete die Versenkung des Schiffes, was aber nicht bestätigt werden konnte. An Bord des U-Bootes wurde ein Crewmitglied, Chief Pharmacist Mate (CPhM) Arthur C. Beeman, durch vom japanischen Schiff abgegebenes Maschinengewehrfeuer getötet.[4]
Am 14. Februar 1943 setzte die Amberjack, nahe Ranongga stehend, eine letzte Funk- und Lagemeldung ab – in dieser Meldung wurde auch von der Gefangennahme eines abgestürzten und aus dem Meer geborgenen japanischen Piloten berichtet[4] –, und gab an, in Richtung New Hanover operieren zu wollen. Nach diesem Funkspruch meldete sich das U-Boot jedoch nicht mehr.
Versenkung der Amberjack
Wie später rekonstruiert werden konnte, attackierte die Amberjack in den Nachmittagsstunden des 16. Februar 1943 einen japanischen Kleinkonvoi nahe Kap St. George, der Südspitze von Neuirland, nur rund drei Seemeilen von der Küste entfernt.[5] Die vier abgefeuerten Torpedos wurden jedoch von einem über den Schiffen kreisenden Mitsubishi F1M-Wasserflugzeug des 958. Marinefliegergeschwaders (Dai 958 Kaigun Koukutai, 第九五八海軍航空隊) entdeckt, das nicht nur den Konvoi vorwarnen, sondern auch selbst einen Luftangriff auf die auf Sehrohrtiefe laufende Amberjack ausführen konnte.[6] Das U-Jagd-Flugzeug rief innerhalb weniger Minuten zwei zur Sicherung des nahestehenden Geleitzuges gehörende Kriegsschiffe, das Torpedoboot Hiyodori sowie den U-Boot-Jäger Ch-18, herbei, die die angenommene Position des U-Bootes zwischen 15:34 Uhr und 16:00 Uhr mit rund 18 flach eingestellten Wasserbomben belegten. Kurz nach 16:00 Uhr stiegen große Mengen Dieselöl an die Oberfläche, ebenso schwammen Trümmerteile und ein Rettungsfloß auf, welches den Aufdruck Philadelphia Navy Yard trug.[5]
Auch wenn das Wrack des U-Bootes bislang nicht gefunden wurde – am Versenkungsort beträgt die Wassertiefe schätzungsweise mindestens 500 Meter –, wird mit großer Sicherheit heutzutage angenommen, dass die Amberjack durch diese Attacken versenkt wurde; zumindest gehen entsprechende Fachquellen hiervon aus.[5][6][7][A 2] Mit dem U-Boot waren Lieutenant Commander Bole und alle 71 Besatzungsangehörigen untergegangen.[A 3] Die Untergangsposition liegt in etwa bei 5° 5′ S, 152° 37′ O,[5] zumindest war dies die Position, auf welcher der Luftangriff des japanischen Sicherungsflugzeuges erfolgte.
Da die Amberjack zunächst als vermisst galt – obgleich die japanischen Funksprüche, die die Versenkung eines U-Bootes am 16. Februar 1943 vermeldeten, von der US-Marine aufgefangen worden waren –, wurde auch die Besatzung zunächst noch als vermisst geführt und erst im Juli 1944 für tot erklärt. Das U-Boot selbst wurde erst am 30. März 1945 aus dem Schiffsregister gestrichen.
Erfolge
Nachfolgend eine tabellarische Übersicht über die von der Amberjack attackierten japanischen Schiffe. Versenkte Schiffe sind in der Ergebnisspalte fett hervorgehoben. Die Tonan Maru No. 2 wird hier als versenkt aufgeführt, da mit dem Verlust des Schiffes auf offener See quasi sicher zu rechnen gewesen wäre.
| Datum | Name | Schiffstyp | Vermessung/Tonnage[A 4] | Ergebnis (Waffentyp) | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| 19. September 1942 | Shirogane Maru | Kombischiff | 3.130 BRT | versenkt (Torpedo) | Drei Todesopfer. Schiff wurde zunächst in Schlepp genommen, später auf Grund gesetzt und als konstruktiver Totalverlust abgeschrieben. |
| 7. Oktober 1942 | Senkai Maru | Frachtschiff | 2.101 BRT | versenkt (Torpedo) | Drei Todesopfer |
| 10. Oktober 1942 | Tenryu Maru | Frachtschiff | 4.861 BRT | beschädigt (Torpedo) | |
| 10. Dezember 1942 | Tonan Maru No. 2 | Walfangfabrikschiff | 19.209 BRT | versenkt (Torpedo) | Größtes von der Amberjack torpediertes Schiff. Schiff wurde schwer beschädigt auf Grund gesetzt, aber später gehoben und wieder in Fahrt gebracht. Versenkungserfolg deswegen offiziell und gemäß JANAC nicht anerkannt. |
| 3. Februar 1943 | (unbekannt) | Zwei-Mast-Schoner | 100 BRT | versenkt (Deckgeschütz) |
Auszeichnungen und Traditionspflege
Für Einsätze im Zweiten Weltkrieg wurde die Amberjack mit drei Battle Stars sowie der Asiatic-Pacific Campaign Medal ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde im Jahr 1946 ein weiteres U-Boot der US-Marine auf den Namen Amberjack (Kennung: SS-522) getauft. Es handelte sich um ein Boot der Tench-Klasse, welches bis 1973 im Dienst stand. Es wurde nach der Außerdienststellung seitens der Vereinigten Staaten an die brasilianische Marine verkauft und von dieser unter dem Namen Ceará (Kennung: S-14) noch bis September 1987 eingesetzt.
Anmerkungen
- ↑ Diese Bewaffnung entspricht dem Zustand bei der Indienstnahme 1942, später ergaben sich indessen einige Änderungen. So kamen die 12,7-mm-Maschinengewehre im Winter 1942/1943 von Bord und wurden durch zwei 20-mm-Oerlikon-Kanonen ersetzt.
- ↑ Früher wurde auch teils angenommen, dass die japanischen Angriffe möglicherweise dem US-U-Boot Grampus, einem U-Boot der Tambor-Klasse, gegolten hätten, dieses Boot führte jedoch noch am 18. Februar 1943 einen Torpedoangriff auf ein japanisches Schiff im Seegebiet südlich von Neuirland durch.
- ↑ Sollte die Meldung des U-Bootes vom 14. Februar 1943 zutreffend gewesen sein, wonach man einen japanischen Piloten habe retten und gefangen nehmen können, so wären bei der Versenkung insgesamt 73 Menschen ums Leben gekommen. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass das Boot zwar mit 73 Mann an Bord zur Feindfahrt aufgebrochen war, aber ein Crewmitglied, Arthur C. Beeman, bereits am 3./4. Februar 1943 getötet worden war. Somit wären beim Untergang der Kommandant, 71 Crewmitglieder und der japanische Pilot umgekommen.
- ↑ Frachtschiffe, Tanker und Transporter sind in BRT aufgeführt, Kriegsschiffe in ts.
Literatur
- Karl E. Heden: Sunken Ships. World War II U.S. Naval Chronology, Including Submarine Losses of the United States, England, Germany, Japan, Italy. Branden Publishing Company. Wellesley (MA) 2006.
- Joel I. Holwitt: Execute against Japan: The U.S. Decision to conduct Unrestricted Submarine Warfare. Texas University Press. Austin (TX) 1999.
- Theodore Roscoe, Richard G. Voge: United States Submarine Operations in World War II. United States Naval Institute Press. Annapolis (MD) 1950.
- Paul H. Silverstone: The Navy of World War II. Routledge/Taylor & Francis Group. New York (NY) 2008.
Weblinks
- Die Amberjack auf oneternalpatrol.com (englisch).
- Das U-Boot im Submarine Photo Archive von NavSource Online (englisch).
- Die Amberjack bei uboat.net (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Hinman, Charles R.: Amberjack Sinkings – Shirogane Maru. In: On Eternal Patrol. 2017, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ Lettens, Jan: Senkai Maru (+1942). In: Wrecksite. 7. Oktober 2018, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Helgason, Guðmundur: Amberjack (SS-219) – Submarine of the Gato class. In: uboat.net. 2021, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c Mann, Raymond A.: Amberjack I (SS-219). In: Dictionary of American Naval Fighting Ships. Naval History and Heritage Command, 28. November 2017, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Bertke, Donald A. / Kindell, Don u. a.: World War II – Sea War: Guadalcanal Secured. Vol. 8. Bertke Publications. Dayton (OH) 2015, S. 387.
- ↑ a b Rohwer, Jürgen / Hümmelchen, Gerhard: Seekrieg 1943, Februar. In: Chronik des Seekrieges 1939 – 1945. Württembergische Landesbibliothek, abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ Fock, Harald: Flottenchronik. Die an beiden Weltkriegen beteiligten aktiven Kriegsschiffe und ihr Verbleib. Koehlers Verlagsgesellschaft. Hamburg 2000, S. 245.