Hallische Künstlergruppe
Die Hallische Künstlergruppe war eine von Mai 1919 bis 1933 in Halle (Saale) bestehende Gruppe „linksorientierter, parteilich aber kaum festgelegter Künstler“[1]. Gründer der Gruppe waren Karl Völker, Paul Horn, Richard Horn, Martin Knauthe und der Bildhauer Karl Oesterling, Künstler, die, wie Richard Horn schrieb, „an eine neue Zeit, an ein neues Deutschland glaubten.“ Die Gruppe hatte bis zu 25 Mitglieder.
Das Programm der Gruppe war deutlich von den Richtlinien der „Novembergruppe“ vom Januar 1919 geprägt. Am 10. Juli 1919 veröffentlichte die Gruppe ein Bekenntnis zur Novembergruppe. Man sah sich als deren Zweigstelle. Die Gruppe drängte darauf, die Arbeitsbedingungen der Künstler zu verbessern und die Anerkennung der modernen Kunst voranzutreiben. Mit ihrer Kunst wollten die Mitglieder der Gruppe „ein reifes und geistig vollwertiges Volk erziehen helfen“. Charakteristisch für die Gruppe war die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus und eine enge Bindung an die linke expressionistische Literatur. Sie stand dem „Arbeitsrat für Kunst“ und den Ideen des Bauhauses nahe. Das von Richard Horn formulierte Manifest der Gruppe erhob die Forderung nach Kunst- und Werkunterricht in den Elementarschulen und nach einer demokratischen Reform der Kunstgewerbeschulen und Akademien. U. a. durch Horn und Knauthe bestanden enge Kontakte zum Arbeiter- und Soldatenrat in Halle. Kontakte gab es u. a. auch zur Gruppe Die Kugel.
Die Mitglieder der Gruppe engagierten sich auch kommunalpolitisch. So war Knauthe Mitglied im Stadtrat. Andere Mitglieder wirkten in Ausschüssen mit dem Ziel, „Halle zu einer selbständigen Kunststadt zu machen.“ Die Gruppe beteiligte sich mit ihren Mitgliedern an Ausstellungen, u. a. 1919 an der Halleschen Kunstausstellung,[2] und veranstaltete Lesungen.
Ende 1925 ging die Gruppe in der Ausstellungsgemeinschaft bildender Künstler und ab 1928 im Reichsverband bildender Künstler Deutschlands, Bezirksgruppe Halle e. V. auf. Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 unterfiel sie als mit der Novembergruppe assoziierte Künstlergruppe dem Verdikt „bolschewistisch“ und wurde verboten.
Weitere Mitglieder der Gruppe (unvollständig)
- Hermann Bruse
- Alfred Gellhorn
- Otto Fischer-Lamberg (Maler, 1886–1963)
- Erwin Hahs
- Werner Lude (Maler)
- Hans Markowski (Grafiker)
- Gerhard Merkel (Bildhauer)
- Georg Radegast (Schriftsteller)
- Paul Radojewski (Grafiker, * 1893)
- Georg Schramme (Architekt)
- Johannes Sack (Eislebener Lehrer)
- Heinrich Staudte
- Erich Will (Will Halle)
- Paul Zilling.
Literatur
- Ingrid Schulze: Karl Völker und die "Hallische Künstlergruppe". Zum Verhältnis von Mensch und Arbeit in der frühen proletarisch-revolutionären Kunst Halles. In: Bildende Kunst, Berlin; 1974, 598–603
- Ingrid Schulze: Die proletarisch-revolutionäre „Hallische Künstlergruppe“ in ihrem Verhältnis zum Bauhaus. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle; 23.1976, 529–539
- Ingrid Schulz: Die proletarisch-revolutionäre "Hallische Künstlergruppe" und die deutsch-sowjetischen Kunstbeziehungen während der ersten Hälfte der zwanziger Jahre. In: Internationale sozialistische Kunstprozesse seit der Oktoberrevolution; Verband Bildender Künstler der DDR; 1977, Seite 43–55
- Ingrid Schulz: Zu Aktivitäten der "Hallischen Künstlergruppe" auf dem Gebiet baugebundener Kunst und im Zusammenwirken mit dem Arbeitertheater. In: Kunst im Klassenkampf; Verband Bildender Künstler der DDR; 1979, 161–175
- Ingrid Schulz: Der Beitrag der proletarisch-revolutionären "Hallischen Künstlergruppe" zur städtebaulichen Entwicklung Halles während der zwanziger Jahre. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle; 30.1981, 3/4, 307–318
- Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1900. Dr. Ernst Hauswedell & Co, 1996. S. 174/175
Weblinks
- https://www.kunstmuseum-moritzburg.de/kunst-erleben/digital-entdecken/museumsblog/01-april-2020/
- https://e-pub.uni-weimar.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/880/file/Ingrid_Schulze_pdfa.pdf
- https://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/08/09H022/t4.pdf
Einzelnachweise
- ↑ Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 1900. Dr. Ernst Hauswedell & Co, 1996
- ↑ https://www.kunstmuseum-moritzburg.de/kunst-erleben/digital-entdecken/museumsblog/01-april-2020/