Heinrich Staudte

Heinrich Staudte (* 17. Dezember 1888 in Halle/Saale; † 18. Dezember 1980 ebenda) war ein deutscher Bildhauer.

Leben und Werk

Staudtes Vater Otto Staudte war Bildhauermeister und betrieb in Halle in der Beesener Straße 4 und später am Südfriedhof in der Huttenstraße 72[1] einen Steinmetz- und Grabmalbetrieb, der heute noch existiert. Staudte absolvierte bei seinem Vater eine Lehre als Steinmetz und besuchte von 1916 bis 1918 als erster Schüler neben Paul Horn bei Gustav Weidanz die Bildhauerklasse der Handwerkerschule Halle. Daneben studierte er dort auch Architektur bei Paul Thiersch. Danach arbeitete er in Halle freischaffend als Bildhauer. Unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs entwickelte er ein starkes politisch-soziales Engagement, und 1919 wurde er Mitglied der Halleschen Künstlergruppe.

Stilistisch vertrat Staudte anfangs kubistische Positionen. Seine 1919 auf der Halleschen Kunstausstellung gezeigte Gruppenplastik Menschen weist „stark abstrahierende Züge“ auf. „In diesen aufgetürmten und bewegten Figuren klang der rhythmische Aufbau früher Plastiken Archipenkos nach.“[2] Später kam er, insbesondere unter dem Einfluss Wilhelm Lehmbrucks, zu einem naturalistischeren Stil. Lokal war er bald bekannt, und er galt als künstlerische Hoffnung. 1922 war er an der Ausführung des Kriegerdenkmals in der halleschen Propsteikirche beteiligt.[3]

Er unternahm Studienreisen in deutsche Kunstzentren und 1928 nach Paris und 1929 nach Italien und war auf Ausstellungen in Berlin, Hannover, Dessau und Magdeburg sowie mit Ewald Mataré und Ernst Wilhelm Nay in Leipzig vertreten.

Staudtes „Ende der zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre entstandenen, herb ausdrucksstarken Frauenköpfe, oft tragisch in ihrem Ernst, verraten den Einfluss von Gerhard Marcks.“[4] „In Porträts ihm nahestehender Menschen bemühte sich Staudte um das menschliche Antlitz und eine über das Individuelle hinausgehende, verallgemeinernde Aussage.“[5] Seine 1931 geschaffene Frauenbüste (Terrakotta; Kunstmuseum Moritzburg)[6] bezeichnete der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt mit ihrem „Ausdruck leidgeprüfter Menschlichkeit“ als einen der ausdrucksintensivsten Köpfe Staudtes.

In den frühen 1920er und 1930er Jahren stand Staudte in engem Kontakt zur Kunstgewerbeschule auf dem Giebichenstein, wo er mit Charles Crodel, Gerhard Marcks und Karl Müller befreundet war.

1933 beendet Staudte seine freie künstlerische Tätigkeit, und er arbeitete wieder im Familienbetrieb als Bildhauer. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er nahm am Krieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft.

Nach dem Ende des NS-Staats arbeitete er bis 1963 wieder in der Werkstatt der Familie. Dabei zeigte sich 1945/1946 noch einmal seine bildhauerische Potenz in einer Figurenskizze für ein Denkmal für die Opfer des Faschismus in Wörmlitz, in der Aktzeichnung Erwachen und der Plastik Erwachen.

Von 1965 bis 1980 war Staudte künstlerischer Berater des VEB Garten- und Landschaftsgestaltung Halle. Er war Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.

Werke Staudtes befinden sich insbesondere im Kunstmuseum Moritzburg.

Weitere Werkbeispiele

  • Stehender Jüngling (1925)
  • Weiblicher Kopf (1927, Terrakotta; Kunstmuseum Moritzburg)
  • Sonja (um 1928, Porträtbüste, Zementguss; Kunstmuseum Moritzburg)
  • Tasso (1930, Maske)
  • Frau und Mädchen (1930)
  • Hallische Eva (1932)
  • Stehende (1932)
  • E. B. (1932, Porträtbüste)
  • Seherin (1933)
  • Erwachen (Stucco; Kunstmuseum Moritzburg)

Weitere Gruppenausstellungen (mutmaßlich unvollständig)

  • 1931: Leipzig („Junge Künstler“)
  • 1949: Halle, Moritzburg („Landeskunstausstellung Sachsen-Anhalt“)
  • 1973: Dessau-Mosigkau, Orangerie („Bildhauer des Bezirks Halle“)
  • 1978/1979: Berlin, Altes Museum („Revolution und Realismus. Revolutionäre Kunst in Deutschland 1917 bis 1933“)
  • postum 1987/1988: Bonn, Rheinisches Landesmuseum; München, Staatsgalerie Moderne Kunst; Mannheim, Kunsthalle Mannheim („Bildhauerkunst aus der Deutschen Demokratischen Republik“)

Literatur

  • Allmuth Schuttwolf: Zum Schaffen des halleschen Bildhauers Heinrich Staudte. In: Ingrid Schulze (Hrsg.): Erbe und Gegenwart. 1985. ISSN 0440-1298
  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 919

Einzelnachweise

  1. Adressbuch 1889 und 1943
  2. Allmuth Schuttwolf: Zum Schaffen des halleschen Bildhauers Heinrich Staudte. In: Ingrid Schulze (Hrsg.): Erbe und Gegenwart. 1985. S. 66
  3. Hans Schmidkunz: Kriegerdenkmal in Halle a. S. In: Die Christliche Kunst. Nr. 19. München 1923, S. 43–44 (uni-heidelberg.de).
  4. Ingrid Schulze: Tradition hallescher Plastik. Bildende Kunst, Berlin, 9/1977, S. 451
  5. Schuttwolf, S. 67
  6. Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 9/1977, S. 449