Grace Mera Molisa
Grace Mera Molisa (geboren am 17. Februar 1946 auf Aoba; gestorben am 4. Januar 2002 in Port Vila) war eine vanuatuische Politikerin, Dichterin und Aktivistin für Frauenrechte.
Biographie
Grace Mera Molisa kam 1946 auf der zu Vanuatu gehörigen Neue-Hebriden-Insel Aoba zur Welt, die seit 1980 Ambae heißt. Sie besuchte die Dorfschule der Insel und ging dann auf die Missionsschule in Torgil. Von dort aus besuchte sie die Queen Victoria Māori Girls' School in Auckland, Aotearoa/Neuseeland. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte Molisa das Auckland Teachers' College und kehrte als Lehrerin an ihre alte Schule in Torgil zurück. Später wurde sie Schulleiterin der Ombabulu School und war damit die erste Frau aus Vanuatu, die eine große, koedukative Internatsschule leitete.[1] 1977 erwarb sie als erste Frau ihres Landes einen Hochschulabschluss, indem sie einen Bachelor of Arts an der University of the South Pacific in Suva auf Fidschi erlangte.[2]
Politische Laufbahn
1979, im Vorfeld der Unabhängigkeit Vanuatus, wurde Molisa als Mitglied der Vanua’aku Pati zweite Sekretärin des Ministeriums für Soziales.[2]
Sie gründete das Nationale Kunstfestival von Vanuatu und richtete das Komitee ein, das Wappen und Flagge, die Hymne und das nationale Motto „Long God Yumi Stanap“ auswählte. Sie war eine von nur zwei weiblichen Mitgliedern des Nationalen Verfassungskomitees und unterzeichnete 1979 zusammen mit ihrem Ehemann und politischen Kollegen Sela Molisa die Verfassung von Vanuatu.[2]
Von 1987 bis 1991 war sie Sprecherin von Premierminister Walter Lini.[2]
In den 1990er Jahren wurde sie in den Rat der University of the South Pacific berufen und wurde Mitglied von Transparency International. 1997 gründete sie Vanuatu Women in Politics (VWIP), eine Interessengruppe zur Unterstützung von Frauen, die in die Politik gehen wollten. Als die Vanua'aku Pati keine einzige Kandidatin für die Parlamentswahlen 1998 aufstellte, verließ Molisa die Partei und koordinierte die Kandidaturen von sechs Frauen unter dem Banner von VWIP. Im selben Jahr veröffentlichte sie eine Broschüre mit 530 Vanuatu-Frauen, die für öffentliche Ämter qualifiziert waren, um Druck auf die Regierung auszuüben, kompetente Frauen in öffentliche Ämter zu berufen.[2][3]
Zu dem von Robert Borofsky im Jahr 2000 veröffentlichten wissenschaftlichen Kompendium „Remembrance of Pacific Pasts: An Invitation to Remake History“ trug sie ein Kapitel über postkoloniale Politik bei.[4]
Literarische Laufbahn
Molisa veröffentlichte 1983 mit „Blackstone“ eine Gedichtsammlung, die 1997 vom Verlag Editions Grains de sable unter dem Titel „Pierre noire“ auch in französischer Sprache herausgegeben wurde.[5][6] 1987 erschien von ihr „Colonised People: Poems“.[7] Die Zeitung „The Australian“ beschrieb ihre Gedichte als „bissige Sozialkritik am Leben im patriarchalischen, postkolonialen Vanuatu“.[2] 1995 veröffentlichte sie „Pasifik paradaes“ in der auf Vanuatu weitverbreiteten englischbasierten Kreolsprache Bislama.[8]
Selina Tusitala Marsh, Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin an der Universität Auckland, nannte Molisa eine der drei „Ur-Mütter der Pasifika-Dichtung“ neben Konai Helu Thaman aus Tonga und Haunani-Kay Trask aus Hawaii.[9][10]
Gedichte von Molisa wurden in die Theaterproduktion „UPU“ aufgenommen, eine Zusammenstellung von Werken pazifischer Inselautoren, kuratiert von Grace Taylor und unter der Regie von Fasitua Amosa, die erstmals im März 2020 im Rahmen des Auckland Arts Festival im Silo Theatre präsentiert wurde.[11] „UPU“ wurde im Rahmen des Kia Mau Festivals im Juni 2021 in Wellington erneut aufgeführt.[12]
2022 wurde sie in die Anthologie „Indigenous Pacific Islander Eco-Literatures“ der University of Hawaii Press aufgenommen.[13]
Privatleben
Grace Mera Molisa war verheiratet mit dem vanuatuischen Politiker Sela Molisa. Sie war anglikanisch und sprach fünf Sprachen.[2]
Rezeption
Die Zeitung „The Australian“ beschrieb sie als „Vorreiterin der melanesischen Kastom-Kultur und Stimme insbesondere der vanuatuischen Frauen“.[2] Claire Slatter nannte sie 2004 eine der „führenden öffentlichen Intellektuellen und Aktivistinnen“ des Pazifikraums.[14]
In dem 2004 erschienenen Buch „Profiles of Pacific Women“, das „den pazifischen Frauen Tribut zollen soll, die den Weg für die Gleichstellung der Geschlechter und die Menschenrechte geebnet haben“, wurde Grace Molisa für ihre Verdienste gewürdigt.[15]
Weblinks
- JanzBig (Hrsg.): A Colonised People by Grace Mera Molisa. 13. Mai 2025 (englisch, youtube.com).
- Eintrag bei ResearchGate
Einzelnachweise
- ↑ B. Macdonald-Milne, P. Thomas (Hrsg.): Yumi Stanap: Some People of Vanuatu. Institute of Pacific Studies, Suva 1981 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h Voice of Vanuatu's women. The Australian, 17. Januar 2012, archiviert vom (englisch).,
- ↑ Grace Mera Molisa: Women's appointments file: A directory of experienced and qualified ni-Vanuatu women. 1998, ISBN 982-329-003-2 (englisch).
- ↑ Grace Mera Molisa: Remembrance of Pacific Pasts: An Invitation to Remake History. Hrsg.: Robert Borofsky. University of Hawaiʻi Press, 2000, ISBN 0-8248-2301-X, Colonised People (englisch).
- ↑ Molisa Grace Mera: Pierre noire (Übersetzer ins Französische: Déwé Gorodé). éd. Grain de sable, Nouméa 1997 (französisch).
- ↑ Grace Mera Molisa. L'Alliance française du Vanuatu, abgerufen am 14. August 2025 (französisch).
- ↑ Grace Mera Molisa: Colonised People: Poems. Black Stone Publications, 1987 (englisch).
- ↑ Grace Mera Molisa,: Pasifik paradaes. 1995, ISBN 982-329-001-6 (Bislama).
- ↑ University of Auckland. Archiviert vom am 15. Oktober 2008; abgerufen am 14. August 2025 (englisch).
- ↑ Black Stone Poetry: Vanuatu’s Grace Mera Molisa. Abgerufen am 14. August 2025 (englisch).
- ↑ UPU. In: Silo Theatre. März 2020, abgerufen am 7. Juni 2021 (englisch).
- ↑ UPU. In: Kai Mau Festival. Juni 2021 ehemals im (nicht mehr online verfügbar) (englisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
- ↑ Kathy Jetñil-Kijiner, Leora Kava, Craig Santos Perez (Hrsg.): Indigenous Pacific Islander Eco-Literatures. University of Hawaii Press, 2022, ISBN 978-0-8248-9351-4 (englisch).
- ↑ Slatter, Claire: Globalisation and Governance in the Pacific Islands. Hrsg.: Stewart Firth. Australian National University, 2006, ISBN 1-920942-97-1, Treading Water in Rapids? Non-Governmental Organisations and Resistance to Neo-Liberalism in Pacific Island States (englisch, edu.au).
- ↑ New book celebrates Pacific women who fought for equal rights. In: RNZ International. 8. März 2004 ehemals im (nicht mehr online verfügbar) (englisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)