Gian Andrea Biffi

Gian Andrea Biffi, auch Giannandrea Biffi der Ältere (* 1580/1581 in Mailand; † zwischen 23. Juli 1630 und 8. Februar 1631 ebenda), war ein italienischer Bildhauer. Er schuf vor allem Statuen und Reliefs aus Marmor, war aber auch als Modellbildner für Metallbildwerke aus Bronze und Silber tätig. Biffi arbeitete fast ausschließlich für dem Dom zu Mailand. Zu seinen besten Werken zählen die Marienleben-Reliefs für den Chorraum und die Propheten-Statuen für den Außenbereich.

Leben und Werk

Einer Volkszählung zufolge wurde Biffi 1580 oder 1581 geboren. Da er bereits 1593 in den Annalen der Dombauhütte von Mailand auftaucht, muss er seine Lehre bei Francesco Brambilla in sehr jungen Jahren begonnen haben. Als seine ersten bekannten Werke, die Marmorstatuen von Abraham und David (1595 und 1596), nach Vorlagen seines Meisters entstanden, war er vermutlich dessen Gehilfe.[1]

Biffi arbeitete fast ausschließlich für den Dom zu Mailand. Seine frühen Statuen führte er in Marmor nach Modellen von Brambilla aus. Nach dessen Tod 1599 vollendete er die noch unfertigen Modelle zweier Engel für den Hochaltar und ließ sie von Giovanni Battista Busca in Bronze gießen.[1] Ab diesem Zeitpunkt arbeitete er auch als Modellbildner für Metallbildwerke, wie 1600 die silbernen Köpfe der Heiligen Christina und Galdino zur Aufbewahrung der Reliquien und 1602 die Bronzestatuen der Kardinaltugenden für die Krypta von Karl Borromäus (Scurolo di San Carlo).[2] 1610 erging die Anordnung, Bildhauer dürften Statuen nur noch nach den Modellen von Biffi und Marco Antonio Prestinari herstellen. Nach Biffis Vorlagen fertigten beispielsweise Gaspare Vismara und Pietro Antonio Daverio.[3] Ab 1612 widmete sich Biffi der Gestaltung der bekannten Marmorreliefs mit Darstellungen aus dem Marienleben für den Chorraum.[1][4]

Neben der Dombauhütte beauftragten ihn auch Santa Maria presso San Celso und die Certosa di Pavia. Für die Kirche fertigte Biffi 1601 Stuckdekorationen in zwei Kapellen und 1603 Modelle für den Tabernakel des Hochaltars, für das Kloster 1605 die Erlöserstatue auf dem Tabernakel des Hochaltars. Ab diesem Jahr wurden seine bedeutendsten Statuen außerhalb des Doms aufgestellt: fünf Propheten sowie ein kopfüber an einem Baumstamm aufgehängter Märtyrer.[1]

Den Quellen nach wurde Biffi 1621 an die neu gegründete Accademia Ambrosiana berufen, um die dortige Skulpturenabteilung zu leiten. Seine Ernennung zum Leiter der Bildhauer (protostatiario) an der Dombauhütte erfolgte 1626. Der Bildhauer Carlo Biffi, mit dem er zeitweise zusammenarbeitete, war sein Sohn.[5][1]

Werkauswahl

Im Appendix-Band III der Annalen[6] sind die 1593–1630 von Biffi ausgeführten Arbeiten für den Mailänder Dom gelistet. Darunter finden sich:

  • 1593 Cherub (Marmor)
  • 1598 Statuen den Heiligen Lucius, Germanus und Radegonda (Marmor)
  • 1603 Modell für eine Büste des Heiligen Karl Borromäus (Bronzeguss 1611)
  • 1605–1608 5 Prophetenstatuen für den Außenbereich des Doms: Josua, Daniel und Moses, Tobias und der Erzengel, Jesaia und Jeremias (Marmor)
  • 1610 Büste des Heiligen Karl Borromäus (Silber, Dommuseum)
  • 1612–1629 8 Reliefs für die Chorschranken des Mailänder Doms: Darstellung Jesu im Tempel, Verkündigung, Heimsuchung Mariens, Beschneidung, Himmelfahrt Mariens, Jesus im Tempel, Flucht nach Ägypten und Tod Mariens (Marmor)

Literatur

Commons: Gian Andrea Biffi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Rossana Bossaglia: Biffi, Gianandrea, il Vecchio. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 10. Rom 1968.
  2. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 4, 1881, S. 339. und Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 5, 1883, S. 7.
  3. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 5, 1883, S. 67 und 92.
  4. Biffi, Gian Andrea. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 4: Bida–Brevoort. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910, S. 18 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. Susanna Partsch: Biffi, Gian Andrea (1580). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 10, Saur, München u. a. 1994, ISBN 3-598-22750-7, S. 595.
  6. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Appendice. Band 3, 1885, S. 226.