Francesco Brambilla der Ältere

Francesco Brambilla der Ältere (nachgewiesen ab 1560; † vor 22. Mai 1570 in Mailand) war ein italienischer Bildhauer und Ornamentkünstler des 16. Jahrhunderts. Zumindest in seinen letzten Lebensjahren war ihm die Aufsicht über die Arbeiten der Steinmetze der Mailänder Dombauhütte übertragen. Die wenigen von ihm bekannten Werke entstanden für die Ausstattung des Doms zu Mailand.

Leben und Werk

Über das Leben Brambillas ist wenig bekannt. Als gesichert gilt jedoch, dass er Arbeiten für den Dom zu Mailand ausgeführt hat. Die erste nachgewiesene Erwähnung findet sich in den Annalen der Domwerkstatt, Eintrag vom 8. August 1560, er sei zusammen mit Martino da Vicomercato mit der Verzierung der Orgel beauftragt worden. Am 7. August 1566 wurde ihm das Honorar für das Postament der von Angelo Siciliano ausgeführten Statue von Papst Pius IV. ausbezahlt.[1]

Der Sockel ist als Konsole ausgeführt und reich an originellen Verzierungen aus Blattwerk, Voluten und kauernden Karyatiden, deren dekorative Gestaltung in gewisser Weise an bestimmte Werke von Agostino Busti erinnert. Er besticht durch eine exzentrische und kraftvolle Plastizität und insbesondere durch einen sehr lebendigen tektonischen Eindruck, der sicherlich zu den positivsten Aspekten der Kunst Brambillas zählt. Giorgio Vasari, der den Künstler einst als „einen sehr gelehrten jungen Mann“ (un molto studioso giovine) bezeichnet hatte, beschrieb dieses Werk 1568 als „durchbrochene Tropfenform mit einer Gruppe von Putten und üppigem Blattwerk“.[2]

Am 16. Mai 1569 erhielt der Bildhauer die Erlaubnis, zwei Wochen lang in den Dienst von Giovanni Battista Rainoldi zu treten. Am 22. Mai 1570 wurde Sebastiano De’ Borgonovo anstelle des verstorbenen Brambilla zum Aufseher über den Betrieb der Steinhauer (sovrastante alla cascina dei tagliapietre) ernannt.[3]

Durch beider Tätigkeit für die Dombauhütte kommt es häufig zur Verwechslung mit Francesco Brambilla dem Jüngeren, zu dem keinerlei verwandtschaftliche Beziehung bestanden haben soll.[2][4] So wird das in den Annali und im Dizionario Biografico degli Italiani noch dem älteren Francesco zugewiesene Modell des nördlichen Seitenportals Porta verso Cómpito (oder Compedo) mittlerweile als Arbeit des jüngeren Francesco erkannt.[4]

Werke

Im Appendix-Band II der Annalen[5] sind die wenigen bekannten Arbeiten für den Mailänder Dom aufgeführt:

  • 1560 Ornamente für die Orgel
  • 1565 Modell des nördlichen Seitenportals (mittlerweile aberkannt)
  • 1566 Postament für die Statue Pius‘ IV.

Literatur

  • Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Pubblicati a cura della sua amministrazione,. Band 4 (1551–1600). Libr. Ed. G. Brigola, Milano 1881 (italienisch, digitale-sammlungen.de).
  • Maria Clotilde Magni: Brambilla, Francesco, il Vecchio. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 13: Borremans–Brancazolo. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1971.
  • Susanna Partsch: Brambilla, Francesco (1560). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 13, Saur, München u. a. 1996, ISBN 3-598-22753-1, S. 576.
Commons: Francesco Brambilla il vecchio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 4, 1881, S. 43 und 63.
  2. a b Maria Clotilde Magni: Brambilla, Francesco, il Vecchio. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 13. Rom 1971.
  3. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 4, 1881, S. 83 und 104.
  4. a b Susanna Partsch: Brambilla, Francesco (1560). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 13, Saur, München u. a. 1996, ISBN 3-598-22753-1, S. 576.
  5. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Appendice. Band 2, 1881, S. 228.