GWR-Klasse 4000
| GWR-Klasse 4000 GWR Star-Klasse | |
|---|---|
Nr.4003 Lode Star
| |
| Nummerierung: | 4000–4072 |
| Anzahl: | 73 |
| Hersteller: | GWR Swindon Works |
| Baujahr(e): | 1906–1923 |
| Ausmusterung: | 1926–1957 |
| Bauart: | 2’C h4 |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge über Puffer: | 20,32 m |
| Höhe: | 4 m |
| Gesamtradstand: | 8310 mm (Lok) |
| Dienstmasse: | 77 t (Lok) |
| Höchstgeschwindigkeit: | 145 km/h |
| Anfahrzugkraft: | 112–124 kN |
| Treibraddurchmesser: | 2045 mm |
| Laufraddurchmesser vorn: | 965 mm |
| Laufraddurchmesser hinten: | 1257 mm (nur Atlatnic-Verison) |
| Steuerungsart: | Walschaerts, innenliegend mit Kolbenschieber |
| Zylinderanzahl: | 4 |
| Zylinderdurchmesser: | 362 mm (14 1⁄4 in) oder 381 mm (15 in) |
| Kolbenhub: | 660 mm |
| Kessel: | GWR-Standard-Kessel Nr. 1 mit Überhitzer[1] |
| Kesselüberdruck: | 15,5 bar (225 psi) |
| Heizrohrlänge: | 4521 mm |
| Rostfläche: | 2,53 m² |
| Strahlungsheizfläche: | 14,4 m² |
| Rohrheizfläche: | 156,7 m² |
| Überhitzerfläche: | 24,4 m² (Swindon Nr. 3) |
| Verdampfungsheizfläche: | 171,1 m² |
| Dienstmasse des Tenders: | 41 t |
| Wasservorrat: | 16–18 m³ |
| 15 Lokomotiven zur Castel-Klasse umgebaut, 1 Lokomotive erhalten: Nr. 4003 Lode Star | |
Die Klasse 4000 Class oder Star-Klasse war eine Baureihe von vierzylindrigen Heißdampf‑Schnellzuglokomotiven der britischen Great Western Railway (GWR). Die zwischen 1906 und 1923 gebauten 73 Lokomotiven von George Jackson Churchward bildeten die Grundlage für mehrere spätere GWR‑Baureihen, darunter die Castle‑ und King‑Klasse.
Geschichte
Nach der Modernisierung der GWR‑Strecken in den 1890er‑Jahren suchte Churchward nach leistungsfähigen Lokomotiven für die immer schwerer werdenden Schnellzüge. Aufbauend auf den zweizylindrigen Prototypen der Saint-Klasse und den Erfahrungen mit französischen Vierzylinder‑Verbundmaschinen der Bauart de Glehn entwickelte er eine neue Lokomotive für die hochwertigen schweren Schnellzüge, die mehr Leistung als die Saint-Klasse haben sollte.
Der Prototyp Nr. 40 wurde, ähnlich wie bei der Saint-Klasse, als Atlantic-Lokomotive mit der Achsfolge 2’B1’ gebaut und im April 1906 geliefert.[2.1] Es stellte sich jedoch heraus, dass eine Ten-Wheeler-Lokomotive aufgrund der besseren Haftreibung für diese Aufgabe eher geeignet war, weshalb die Lokomotive mit den Namen North Star im November 1909 in die Achsfolge 2’C umgebaut wurde.
Die Serienfertigung begann 1907 und lief bis 1923. Insgesamt entstanden 73 Lokomotiven.[2.2] Sie wurden in den sieben Lieferlosen (englisch Series) mit den Namen Star, Knight, King, Queen, Prince, Princess und Abbey ausgeliefert, wobei der Name des Lieferloses der Gruppe von Namen entspricht, die an die Lokomotiven vergeben wurden.
Die Lokomotiven der Star‑Klasse waren über zwei Jahrzehnte das Rückgrat des hochwertigen Schnellzugdienstes auf den wichtigsten Fernstrecken der GWR. Sie zogen die hochwertigen Schnellzüge von London nach Bristol, Birmingham, Exeter und Plymouth, verkehrten aber auch in Südwales. Die Lokomotiven galten als zuverlässig, laufruhig und leistungsfähig.
Zwischen 1925 und 1939 wurden insgesamt 15 Lokomotiven der Star‑Klasse zu Maschinen der Castle-Klasse umgebaut, darunter auch der Prototyp 4000 North Star.
Die Ausmusterung begann 1926 und endete 1957. 1948 kamen im Zuge der Nationalisierung der britischen Bahngesellschaften noch 47 Lokomotiven in den Bestand von British Railways (BR). Die Nummern blieben unverändert, noch vorhanden waren Lokomotiven zwischen 4003 und 4062.[3] Die meisten Lokomotiven wurden verschrottet. Eine Maschine, die Nr. 4003 Lode Star blieb erhalten und befindet sich heute im National Railway Museum in York.
Lieferlose
Star-Series
Die erste Serie von zehn Lokomotiven wurde 1907 in Swindon mit den Nummern 4001–4010 gebaut und nach bekannten Sternen benannt. Mit Ausnahme der Nr. 4010 Western Star wurden alle ohne Überhitzer gebaut. Die Nr. 4010 erhielt einen Überhitzer der Bauart Swindon Nr. 1, die übrigen erhielten zwischen August 1909 und Oktober 1912 überhitzte Kessel. Die Nr. 4009 Shooting Star wurde im April 1925 zur einer Lokomotive der Castle-Klasse umgebaut. Die Lokomotive 4007 Rising Star wurde noch zu GWR-Zeiten in Swallowfield Park umbenannt.[3] Die übrigen Lokomotiven wurden zwischen 1932 und 1951 ausgemustert und mit Ausnahme der Nr. 4003 Lode Star verschrottet.
Knight-Series
Eine zweite Serie von zehn Lokomotiven mit den Betriebsnummern 4011 bis 4020 erschien 1908. Sie hatten gegenüber der Star-Series verbesserte Drehgestellen und trugen die Namen historischer Ritter. Die Nr. 4011 wurde mit einem Swindon-Überhitzer Nr. 1 gebaut, die übrigen wurden zwischen 1909 und 1911 mit dem Standard-Überhitzer Nr. 3 ausgestattet. Alle Lokomotiven wurden zwischen 1932 und 1951 ausgemustert.
King-Series
Eine dritte Serie von zehn Lokomotiven mit den Nummern 4021 bis 4030 erschien im Jahr 1909. Sie trugen die Namen britischer Könige. Der Rahmen dieser Lokomotiven hatte gebogene Enden unter dem Führerhaus und über den Zylindern. Im Juni 1909 wurde die Nr. 4021 King Edward mit einem Swindon-Überhitzer Nr. 3 gebaut, aber die übrigen Lokomotiven hatten bis am Anfang der 1910er Jahre Nassdampfkessel. Die King Edward zog den Trauerzug für die Beisetzung von König Edward VII. am 20. Mai 1910. Die Lokomotiven des ganzen Lieferloses wurden 1927 umbenannt, damit die Namen der Könige für die neue King-Klasse verwendet werden konnten. Stattdessen erhielten die Lokomotiven der Star-Klasse Namen von Ländern, gefolgt vom Wort Monarch, wie zum Beispiel The Norwegian Monarch. Das Präfix The wurde einige Jahre später entfernt. Einige der Namen wurden jedoch während des Zweiten Weltkriegs entfernt, da sie sich auf nunmehr feindliche Länder bezogen, wie etwa bei den Lokomotiven 4026 Japanese Monarch und 4028 Roumanian Monarch.[3] Alle Lokomotiven wurden zwischen 1934 und 1952 ausgemustert.
Queen-Series
Eine vierte Serie von zehn Lokomotiven mit den Nummer 4031 bis 4040 erschien zwischen 1910 und 1911. Sie wurde mit den Namen britischer Königinnen versehen. Ab diesem Lieferlos wurden alle Lokomotiven bereits ab Werk mit Swindon-Überhitzer Nr. 3 geliefert. Außerdem wurden die Lokomotiven mit kleineren Schlepptendern mit einem Wasserfassungsvermögen von 16 m³ statt 18 m³ ausgestattet. Zwei Exemplare mit den Nummern 4032 Queen Alexandra und 4037 Queen Philippa wurden 1926 zu Lokomotiven der Castle-Klasse umgebaut. Die übrigen wurden zwischen 1950 und 1952 von British Railways ausgemustert und verschrottet.
Princes-Series
Fünf weitere Lokomotiven kamen 1913 hinzu. Sie erhielten die Nummern 4041 bis 4045 und wurden nach den fünf Söhnen von König Georg V. benannt. Die Nr. 4041 wurde mit vergrößerten Zylindern geliefert, die einen Durchmesser von 15 Zoll (381 mm) statt 14 1⁄4 (362 mm) hatten und dadurch eine höhere Zugkraft von 124 kN statt 112 kN entwickeln konnten. Nachdem sich diese Variante gegenüber den bestehenden Lokomotiven als vorteilhaft erwiesen, wurde sie nach und nach zum Standard für die Star-Klasse. Die Änderung wurde jeweils bei der Überholung der Lokomotiven eingebaut. Weiter wurden Kessel mit obenliegendem Kesselspeiseventil ausgestattet, die später ebenfalls zum Standard für die gesamte Klasse wurden. Alle Lokomotiven der Princes-Serie wurden zwischen 1950 und 1953 von British Railways ausgemustert und abgebrochen.
Abbey-Series
Eine letzte Serie von zwölf Lokomotiven erschien in den Jahren 1922 bis 1923. Diese erhielten die Nummern 4061 bis 4072 und wurden nach berühmten Abteien im Gebiet der GWR benannt. Sie wurden mit verbesserten Treibachsen gebaut. 1937 wurden die Lokomotiven Nr. 4063 bis 4072 zu Lokomotiven der Castle-Klasse umgebaut, wobei sie die Nummern 5083 bis 5092 erhielten, jedochjedoch ihre ursprünglichen Namen behielten. Die beiden übrigen Lokomotiven wurden 1956 und 1957 von British Railways ausgemustert und abgebrochen.
Technik
Die Star‑Klasse besaß ein Vierzylinder-Triebwerk mit zwei innenliegenden und zwei außenliegenden Zylindern. Von den französischen Verbundmaschinen der Bauart de Glehn wurde der Antrieb auf zwei Treibachsen übernommen: die inneren Zylinder waren vorne unter der Rauchkammer angeordnet und arbeiteten auf die erste Achse, die äußeren bei der hinteren Achse des Laufdrehgestells angeordneten Zylinder arbeiteten auf die zweite Achse. Die Zylinder hatten einen Durchmesser von 362 mm (14 1⁄4 in) oder 381 mm (15 in).
Die Lokomotive verwendete den GWR-Standard-Kessel Nr. 1 mit Überhitzer[1], wobei der Überhitzer von der Bauart Swindon Nr. 3 war. Der Kesseldruck betrug 15,5 bar (225 psi). Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 145 km/h (90 mph).
Weblinks
- 4000 4-6-0 GWR Churchward Star 4003 – 4062. In: Preserved British Steam Locomotives. 14. Juni 2017, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b GWR standard boilers – a beginners guide. In: GWR Modelling. Abgerufen am 8. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ GWR Churchward "4000" Class 4-6-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c Hugh Longworth: British Railways Steam Locomotives 1948–1968, Oxford Publishing, 2. Auflage, Hersham 2013, ISBN 978-0-86093-660-2, S. 43