Friedrich Zander (Bürgermeister)
Friedrich Zander (* 1878; † 1947) war ein preußischer Jurist und Kommunalbeamter. Er war von 1908 bis 1920 Bürgermeister von Much und ab Februar 1921 Bürgermeister von Bensberg bis zu seiner Absetzung durch die NSDAP im September 1934.
Leben und Wirken
Der Gerichtsreferendar a.D. Friedrich Zander war vor 1908 kommissarischer und ab Februar auf Lebenszeit berufener Bürgermeister der Landbürgermeisterei Much im Siegkreis.[1] Am 30. Oktober 1920 wurde er zum Bürgermeister von Bensberg ernannt und trat sein Amt am 21. Februar 1921 an.[2][3]
Die Bensberger Jahre
In der Bensberger Amtszeit von Zander erlebte die Gemeinde aufgrund der gesamtpolitischen Rahmen Krisenjahre, die zu den schwierigsten der Region gehörten. 1924 stellten die Gruben Berzelius und Georg Forster ihre Betriebe ein, wodurch mehr als 300 Arbeiter ihre Arbeitsplätze verloren. 1930 schloss auch die Grube Weiß mit 370 Arbeitern und Angestellten ihren Betrieb. Im selben Jahr entließ der Grubenbetrieb Lüderich fast 550 der über 670 dort arbeitenden Personen. Die Bensberg-Gladbacher Zinkhütte schloss 1931 wegen der gesunkenen Weltmarkpreise ihre Tore. Sie hatte noch 1929 etwa 620 Personen beschäftigt. Durch das Ende der Bensberger Montanindustrie wurden praktisch alle Großbetriebe der Gemeinde lahmgelegt. Durch den Verlust der Gewebesteuer war die Gemeinde im Dezember 1931 sogar gezwungen, die Straßenbeleuchtung einzuschränken. Das 1918 als Kadettenhaus aufgegebene Schloss Bensberg wurde ab 1924 als Obdachlosenasyl genutzt.[4]
Trotz dieser Notlage entwickelte sich Bensberg im kulturellen Bereich erstaunlich weiter. 1924 begannen Verhandlungen über den Bau eines Erzbischöflichen Priesterseminars. 1926 wurde der Grundstein zum heutigen Kardinal-Schulte-Haus in Gegenwart des Nuntius Eugenio Pacelli, des späteren Papstes Pius XII. gelegt. 1929 zogen 200 Seminaristen zum Studium ein. Erster Seminarleiter war der Bensberger Pfarrer Hermann Joseph Hecker. 1923/1924 wurde die private Höhere Mädchenschule mit der Höheren Gemeindeknabenschule vereinigt. Im selben Jahr wurde die Berufsschule ausgebaut und in Schloss Bensberg untergebracht. 1925/26 zog die Landwirtsschaftschule des Kreises Mülheim am Rhein in das frühere Bürgermeisteramt vor dem Schloss ein. 1928 öffnete das noch heute existierende Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe seine Pforten. 1930 wurde der Friedensplatz (heute Deutscher Platz) als Gedächtnisort für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingeweiht.
Entlassung im Rahmen der Gleichschaltung
Friedrich Zander wurde im September 1934 in den Ruhestand versetzt. Der Kreisleiter der NSDAP in Bergisch Gladbach hatte am 10. April 1934 in einem Schreiben an den Landrat bemängelt, dass „Bürgermeister Zander nicht gewillt“ sei, „die Partei als das Primäre des Staates anzuerkennen“.[5][6]
Würdigung
Friedrich Zander war offensichtlich eine der prägenden Persönlichkeiten hinter den kulturellen Errungenschaften der Gemeinde in einer wirtschaftlich katastrophalen Zeit. In Much (jedoch nicht in Bensberg) ist eine Straße in Erinnerung an den Bürgermeister Zanderstraße genannt worden.[7]
Siehe auch
Literatur
- Bensberger Schulwesen einst und jetzt: die Bürgermeister Klee, Darius, Zander. In: Rheinisch-Bergische Zeitung. 10. April 1942.
Einzelnachweise
- ↑ Gerichtsreferendar a.D. Friedrich Zander zum Bürgermeister der Landbürgermeisteri Much berufen (17.2.1908). In: Sieg-Bote. 20. Februar 1908, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Schöningh, Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5, S. 396, 417
- ↑ Von den Bürgermeistern der Gemeinde Bensberg. In: Rechtsrheinischer Anzeiger (Beilage zum Kölner Lokal-Anzeiger). 9. Februar 1929, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Schöningh, Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5, S. 397ff
- ↑ Nationalsozialismus Bürgermeister Friedrich Zander, Bensberg; Bewerbung, Einstellung, Differenzen mit der NSDAP, Versetzung in den Ruhestand auf Betreiben der NSDAP. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ NS-Bürgermeister – Stadt Bergisch Gladbach. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ much-heute.de - Das Online-Magazin für Much: b382 - Altbürgermeister Fritz Wilhelm mit Straßenbenennung geehrt. Abgerufen am 10. Januar 2026.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Wilhelm Darius | Bürgermeister von Bensberg 1921–1934 | Walter Kappes |