Friedrich Wilhelm Offermann
Friedrich Wilhelm Offermann, auch Friedrich oder Fritz Offermann senior (* 23. Mai 1851 in Bensberg; † 9. Dezember 1932 ebd.) war ein deutscher Lederwarenfabrikant und Kommunalpolitiker in Bensberg, heute Stadtteil von Bergisch Gladbach im Rheinisch-Bergischen Kreis.
Leben und Wirken
Friedrich Wilhelm Offermann, Rufnahme Fritz, wurde im Jahr 1851 in Bensberg als Sohn des Lohgerbers Jacob Offermann (1817–1896) und dessen Ehefrau Maria Anna Krings geboren.[1] Ab 1870 entwickelte er gemeinsam mit seinem Bruder und später mit seinen Söhnen den Handwerksbetrieb seines Vater im Bensberger Ortsteil Hundsiefen zu einem Unternehmen, das Leder und Lederwaren industriell fertigte und heute noch vertreibt. Die Firma wurde unter der Bezeichnung Friedrich Offermann & Söhne bekannt.[2][3][4]
Offermann hatte als Mitglied im Bensberger Gemeinderat von 1896 bis 1919 wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Gemeinde. Insbesondere wurde seine Beteiligung am sogenannten „Bürgermeisteraufstand“ in Kooperation mit dem späteren Bürgermeister Wilhelm Darius hervorgehoben, bei dem Ende November 1919 der autokratisch agierende Bürgermeister Klee zum Rücktritt gezwungen und dadurch der Weg für die ersten demokratischen Bürgermeisterwahlen in Bensberg frei gemacht wurde.[5]
Würdigung
Im Jahr 1942 wurde eine Straße nach Friedrich Offermann senior benannt.
Familie
Friedrich Offermann heiratete 1882 Katharina Gieraths (1860–1945). Das Ehepaar hatte mindestens 11 Kinder, darunter die Söhne Friedrich Wilhelm, genannt Fritz junior (1885–1957), Joseph (1887–1915), Jakob (* 1889), Wilhelm (* 1891), Heinrich (* 1893), Franz (* 1895), Matthias (* 1896), Hubert (* 1900).[1]
Das vom bekannten Architekten Bernhard Rotterdam gestaltete Familiengrab befindet sich auf dem Bensberger Friedhof.[6]
Nachfolge
Die Firma wurde und wird von Friedrich Offermanns Nachkommen weitergeführt.[7]
Während der Wirtschaftkrise in den 1920er Jahren konnte die Firma mit 145 Beschäftigten den Betrieb aufrechterhalten – im Gegensatz zu den meisten anderen Bensberger Unternehmen. 1920 bezog die Familie neben den Fabrikgebäuden eine von Wilhelm Riphahn geplante palaisartige Villa, das heutige Haus Offermann.[8]
Zweiter Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg gehörte die Firma zu den Lieferanten für Heeresgerät. Sie hatte am 28. Februar 1944 nach Dokumentation in der Reichsbetriebskartei 244 Mitarbeitende.[4] Als Inhaber/Geschäftsführer/Direktoren werden genannt: Wwe. (Katharina) Offermann, F. (Fritz jun.), J. (Jakob), M. (Mathias) und H. (Hubert) Offermann.[9]
Nach Kluxen und Bilz existierte in der Nähe des Unternehmens eine Baracke für etwa 40 ukrainische und russische Zwangsarbeiterinnen, die bei Offermann arbeiten mussten.[10][11] Die Firma zahlte später in die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung von Zwangsarbeitern ein.[12]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Stammbaum Friedrich Wilhelm Offermann auf FamilySearch (Abruf: 2026-01-13)
- ↑ 100 Jahre Lederfabrik Offermann in Bensberg. Rheinisch-Bergische Zeitung vom 19.–20. September 1942 (Link). Abruf: 2026-01-13
- ↑ Andree Schulte: Bergisch Gladbach, Stadtgeschichte in Straßennamen. Zweite, von Albert Eßer ergänzte und neu bebilderte Auflage. Bergisch Gladbach 2015. ISBN 978-3-9813488-4-2, Seite 377
- ↑ a b Reichsbetriebsnummer: R.B.Nr. 0 / 0564 / 0005. Firma: Friedrich Offermann & Söhne, Bensberg (Rheinprovinz),Hundsiefen 3. Zweck: Leder- und Lederwarenfabrik; Lederwaren, Blankleder, Heeresgerät. Kreiskennnummer 0564Quelle: Bundesarchiv: Signatur BArch R 3/2011. In: Bundesarchiv. 28. Februar 1944, abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Schöningh, Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5, S. 352ff, 376, 386ff
- ↑ Der Bensberger Friedhof - Denkmäler und Geschichte. In: Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V. Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Die Geschichte von Corf Bags Ledertaschen seit 1842. Abgerufen am 14. Januar 2026.
- ↑ Haus Offermann. In: Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e.V. Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Unknown author: Deutsch: Reichsbetriebskarte 0/0564/0005. Friedrich Offermann&Söhne, Bensberg 1944. 28. Februar 1944, abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Schöningh, Paderborn 1976, ISBN 3-506-74590-5, S. 401, 424
- ↑ Brigitte Bilz: Von der Ukraine in den Königsforst. In: Der Königsforst - Geschichte und Geschichten. 2. erweiterte Auflage. Schriftenreihe, Nr. 12. Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück e.V., Köln 2011, S. 316–321.
- ↑ Rallye „Spurensuche Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945“ - Liste der Firmen, die in die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft eingezahlt haben, wieder veröffentlicht. Abgerufen am 13. Januar 2026.