Reichsbetriebsnummer
Die Reichsbetriebsnummer (RB-Nr. oder RBNr.) war eine Identifikationsnummer, die in Deutschland während der NS-Zeit zur systematischen Erfassung von Betrieben verwendet wurde.
Die Reichsbetriebsnummern sind heute wichtige historische Quellen, unter anderem um Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus zu erforschen.[1]
Ziel und Zweck
Die Einführung der Reichbetriebsnummer war eine der vom Reichsminister für Bewaffnung und Munition getroffenen Maßnahmen, die zur Vereinfachung und Vereinheitlichung des Berichtswesens mit Hilfe des Maschinellen Berichtswesens führen sollten.[2]
Die Reichsbetriebsnummer diente verschiedenen Zwecken:
- Statistik: Die Nummern erleichterten die wirtschaftsstatistische Erfassung von Betrieben mittels Maschinelles Berichtswesen: Die Nummern ermöglichten eine maschinelle Erfassung und Verarbeitung von Betriebsdaten für die NS-Verwaltung.
- Verwaltung und Kontrolle: Sie ermöglichte es den Behörden, einen Überblick über alle wirtschaftlichen Einheiten im Deutschen Reich zu haben.
- Arbeitseinsatz: Die Nummern wurden besonders wichtig bei der Zuteilung von Arbeitskräften, einschließlich Zwangsarbeitern.
- Kriegswirtschaft: Während des Zweiten Weltkriegs half das System bei der Organisation der Rüstungsproduktion und anderen kriegswichtigen Wirtschaftsbereichen.
- Anonymisierung: Im II. Weltkriege wurde die Herstellerangabe von rüstungsrelevanten Gütern teilweise zum Zwecke der Geheimhaltung durch die Reichsbetriebsnummer ersetzt.[3]
Systematik
| Kenn-
Nr. |
Kreise des Regierungsbezirks
Düsseldorf |
|---|---|
| 0533 | Essen, Stadtkreis |
| 0534 | Oberhausen, Stadtkreis |
| 0535 | Mühlheim/Ruhr, Stadtkreis |
| 0536 | Duisburg, Stadtkreis |
| 0538 | Düsseldorf, Stadtkreis |
Die meist neunziffrige Reichsbetriebsnummer wurde in drei Ziffernblöcken mit Schrägstrich getrennt wie folgt geschrieben: 0/0000/0000.
- Ziffernblock 1 (einstellig) bezeichnete die Reichsgruppen der gewerblichen Wirtschaft: 0 Industrie, 1 Handwerk, 2 Handel, 3 Banken, 4 Versicherungen, 5 Energiewirtschaft, 6 Fremdenverkehr, 7 Verkehr, 8 Ernährungswirschaft, 9 sonst nicht genannte Gruppen.
- Ziffernblock 2 (bis zu vierstellig) stand für die geografische Lage des Unternehmes (Kreiskennnummern). Die Zuordnung wurden um Laufe der Jahre wiederholt geändert. Nachstehend ein Beispiel aus dem Jahr 1941 für den Regierungsbezirk Düsseldorf.[4]
Reichsbetriebskarte
Die Reichsbetriebskarte war das zugehörige Karteiblatt zur Reichsbetriebsnummer Es handelt sich dabei um eine statistische Erfassungskarte, auf der alle wesentlichen Daten eines festgehalten wurden. Sie bildete das Gegenstück zum „Arbeitsbuch“ für Arbeitnehmer. Auf der Karte wurden u. a. Anschrift, Branche/Zugehörigkeit zu Reichsgruppen oder Innungen, zuständiges Arbeitsamt, Beschäftigtenzahlen und weitere für Rüstungs‑, Wirtschafts‑ und Statistikzwecke relevante Daten festgehalten.[6]
Reichsbetriebskartei
Die Reichsbetriebskartei ist eine Sammlung nach RB-Nr. geordneter Karteikarten, welche die Stammdaten einzelner Betriebe enthalten. In der Forschungsliteratur zur Zwangsarbeit wird die Reichsbetriebskartei als Instrument zur statistischen Erfassung der Betriebe beschrieben, mit deren Hilfe regionale Verhältnisse und der Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter rekonstruiert werden können.[7] In Untersuchungen zur Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) werden konkrete Karten der Reichsbetriebskartei aus dem Jahr 1944 im Bundesarchiv[8] zitiert, was die Nutzung dieser Kartei als zentrale betriebsbezogene Datengrundlage belegt.[9] Eine Übersicht über weiterführende Quellen bietet Hoffmann.[10]
Weblinks
- reichsbetriebsnummer.com – Datenbank mit historischen Dokumenten und Quellen zur Reichsbetriebsnummer
Einzelnachweise
- ↑ Hinweise zur Reichsbetriebskartei (RBK). In: Zur Geschichte der Zwangsarbeit in Schleswig-Holstein (1939 - 1945). Uwe Fentsahm, abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ Stammrolle der Betriebe. Die Reichsbetriebsnummerierung. In: Kölnische Zeitung. 13. September 1942, abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ a b :. Hintergrund • Reichsbetriebskartei • 1934 - 1945 • Reichsbetriebsnummern (R.B.Nr.) .:. Abgerufen am 14. Januar 2026.
- ↑ R3/2010, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Düsseldorf. In: Reichsbetriebskartei. In: R3 Reichsministerium für Rüstung uns Kriegsproduktion. 4. Rüstungsamt. 4.5. Reichsbetriebskartei. Bundesarchiv, 1941, abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ Kreiskennziffern - Verzeichnis der Kreise. Abgerufen am 14. Januar 2026.
- ↑ Bastian Brückner: Die Reichsbetriebsnummer als Bestandteil maschinellen Berichtswesen. In: phalerika.de. 27. Januar 2022, abgerufen am 14. Januar 2026.
- ↑ Katharina Hoffmann: Ausländische ZwangsarbeiterInnen in Oldenburg während des Zweiten Weltkrieges. Eine Rekonstruktion der Lebensverhältnisse und Analyse von Erinnerungen deutscher und polnischer ZeitzeugInnen. In: Dissertation zur Erlangung eines Doktorgrades der Philosophie des Fachbereichs Sozialwissenschaften an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg. Oldenburg 1999 (uni-oldenburg.de [PDF]).
- ↑ Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion (Bestand). BArch R 3 (Norddeutscher Bund und Deutsches Reich (1867/1871-1945) >> Wirtschaft, Rüstung, Landwirtschaft,1936-1946, Detailseite - Archivportal-D. Abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts: Eine deutsche Unternehmerdynastie. Verlag C.H.BECK oHG, 2011, ISBN 978-3-406-62252-6, doi:10.17104/9783406622526 (beck-elibrary.de [abgerufen am 15. Januar 2026]).
- ↑ Marco Hoffmann: Quellen zur RBNr. Datenbank. In: reichsbetriebsnummer.com. Abgerufen am 15. Januar 2026.