Franziskanerkloster Löbau
Koordinaten: 51° 5′ 43,8″ N, 14° 40′ 5,8″ O
Das Franziskanerkloster Löbau war eine Niederlassung des Franziskanerordens (lateinisch Ordo fratrum minorum, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM) in Löbau im Landkreis Görlitz (Sachsen). Das Kloster wurde wohl nach 1320 gegründet und gehörte zur Kustodie Goldberg der Sächsischen Franziskanerprovinz. Um 1558 wurde das Kloster aufgelöst und die Klostergebäude der Stadt Löbau übergeben.
Das Franziskanerkloster Löbau in Sachsen darf nicht mit dem Franziskanerkloster Löbau in Westpreußen (heute Lubawa in der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen) verwechselt werden, das zur Kustodie Preußen der Sächsischen Franziskanerprovinz gehörte.
Lage
Das Kloster lag im östlichen Teil der Altstadt von Löbau, nahe der Stadtmauer. Die Gebäude waren z. T. in die Stadtmauer integriert. Das Kloster hatte das Patrozinium Heilig Kreuz. Die ehemalige Klosterkirche, seit 1666/67 auch Johanniskirche genannt, ist heute profaniert und wird als Kulturzentrum von der Stadt genutzt. Von den Konventsgebäuden haben sich oberirdisch keine Reste erhalten.
Das geschichtliche Umfeld
Nach Christian Ranacher im Sächsischen Klosterbuch war Löbau im 13. Jahrhundert ein eher unbedeutender Ort. Möglicherweise traten die Herren von Kittlitz als Stadtgründer auf. Das Land Budissin (i. w. S. die spätere Oberlausitz) war seit 1156 ein Lehen des Königreichs Böhmen. Zwischen 1253 und 1262 übernahmen die brandenburgischen Markgrafen die Landesherrschaft im Land Budissin, auf welche Weise ist nicht bekannt. Der brandenburgische Markgraf Otto IV. teilte das Land verwaltungsmäßig in zwei Vogteien, eine westliche Vogtei Bautzen (oder auch Land Budissin s.str. genannt) und eine östliche Vogtei Görlitz (auch Land Görlitz genannt). Die Grenze zwischen den beiden Vogteien verlief östlich von Löbau entlang des Löbauer Wassers, so dass Löbau nun – direkt westlich der Grenze gelegen – zur Vogtei Bautzen gehörte. Diese Teilung wurde nach dem Aussterben der Askanier 1319/20 auch besitzrechtlich wirksam. 1320 wurde der böhmische König Johann von Böhmen von Kaiser Ludwig IV. mit dem Land Budissin belehnt. Allerdings musste Johann die Oberlausitz zuerst mit seinem Schwager Heinrich I. (Schweidnitz)#Herzogtum Jauer teilen, dem er zunächst die Vogtei oder das Land Görlitz überließ. Erst 1329 gelangte auch dieses Gebiet in den direkten Besitz des böhmischen Königs.
Schon die brandenburgischen Markgrafen versuchten in den direkten Besitz der aufstrebenden Städte in diesem Gebiet zu kommen. Löbau kam sehr wahrscheinlich noch unter den brandenburgischen Markgrafen in den direkten Besitz des Landesherrn, obwohl die Stadt erst 1320 als Königstadt bezeichnet wurde.
Klostergeschichte
Das genaue Gründungsdatum und der Stifter des Franziskanerklosters in Löbau sind nicht (sicher) bekannt. Das Kloster soll nach dem Nekrologium der Görlitzer Franziskaner 1336 gegründet und geweiht worden sein, was sicherlich falsch ist.[1] 1336 wurde das Kloster erstmals urkundlich erwähnt, als es einen Wald geschenkt bekam. Es ist daher älter als 1336. Lucius Teichmann gibt an, dass der Konvent schon 1316 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach seiner Aussage muss der Konvent aber erheblich älter sein und wurde wohl um ca. 1300 gegründet. Leider gibt er keine Referenz für diese angebliche Urkunde von 1316 an, die auch dem Autor des Artikels über das Löbauer Kloster im Sächsischen Klosterbuch (Christian Ranacher) nicht bekannt ist. Ist die Jahreszahl 1316 lediglich ein Lapsus und gemeint ist eigentlich die Urkunde von 1336? Christian Ranacher vermutet, dass der Konvent in Löbau im frühen 14. Jahrhundert bzw. im 1. Viertel des 14. Jahrhunderts gegründet wurde. Lars-Arne Dannenberg in seinem Übersichtsartikel über die Franziskaner in der Oberlausitz kommt zu dem Schluss, dass sich die Franziskaner in der Oberlausitz bevorzugt in Städten in königlichem bzw. landesherrlichem Besitz niedergelassen haben und vermutet daher, dass die Franziskaner erst im frühen 14. Jahrhundert oder sogar erst nach 1320 nach Löbau gekommen sind.[2]
Nach dem von Lucius Teichmann vertretenen Gründungsdatum um 1300 wäre das Kloster auf jeden Fall noch in der Zeit der Herrschaft der brandenburgischen Markgrafen entstanden. Ob nun der Landesherr des Landes Budissin, also evtl. einer der brandenburgischen Markgrafen oder bereits König Johann der (Mit-)Stifter des Klosters in Löbau war, ist sehr unsicher. Auch hat sich keine Bestätigungsurkunde eines Landesherren erhalten wie etwa im Falle des Franziskanerklosters Lauban. In einer weitaus späteren Urkunde von 1513 bezeichnet sich allerdings der Rat der Stadt als „fundator“ (Gründer) des Klosters. Ob diese ca. 200 Jahre nach der mutmaßlichen Gründung geäußerte Behauptung des Rates der Stadt allerdings den Tatsachen entsprach, lässt sich mangels anderer Quellen nicht bestätigen. Das Gründungsdatum muss in jedem Fall deutlich vor die Zeit der ersten Erwähnung gesetzt werden, denn das Kloster war zum Zeitpunkt der Ersterwähnung bereits ein Guardianat und damit als vollbürtiger Konvent angenommen. Die Klosterkirche wurde vom Meißener Bischof Withego geweiht.[3]
Die Stellung des neuen Konvents in der Ordenshierarchie des 14. Jahrhunderts ist nicht ganz klar. Im „Provinciale vetustissimum“ (um 1340) wird der Konvent als Bobavia unter der Kustodie Brandenburg (a. d. Havel) der Sächsischen Franziskanerprovinz aufgeführt. Auch das etwas spätere Verzeichnis „Liber conformitatum“, das um 1390 aufgezeichnet wurde, stellt Löbau (nun Lobaviae genannt) zur Kustodie Brandenburg. Auch der „Codex Araecoelis“ von 1418 führt Löbau unter der Kustodie Brandenburg auf.[4] Erst das Klosterverzeichnis der Sächsischen Franziskanerprovinz über dem Chorgestühl des Görlitzer Franziskanerklosters von 1484 listet den Konvent in Löbau unter den Klöstern der Kustodie Goldberg auf.[5] Nach seiner Lage in der Oberlausitz sollte der Konvent wie die anderen Franziskanerkonvente in der Oberlausitz zur Kustodie Goldberg gehört haben.[6] Ob die Zuordnung des Konvents in Löbau zur Kustodie Brandenburg in den älteren Verzeichnissen nun einfach ein Irrtum ist oder auf eine ursprüngliche Verbindung des Konventes mit dem Franziskanerkloster in Brandenburg an der Havel hindeutet ist nicht zu klären. Schlager weist allerdings auch auf Fehler und Auslassungen in den beiden älteren Klosterverzeichnissen (Provinciale vetustissimum und Liber conformitatum) hin.[5]
Nach Knothe blieb das Kloster immer klein und hatte auch zu besten Zeiten nicht mehr als acht Ordensbrüder. Nach dem Sächsischen Klosterbuch hielten sich dagegen um 1500 möglicherweise bis zu zwölf Ordensbrüder im Kloster auf. Auch die Zeitgenossen nahmen den Konvent wohl als eher unbedeutend wahr. Bei der Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Franziskanern in Zittau und dem Rat der Stadt Zittau 1370 werden nur die Guardiane der Franziskanerklöster von Lauban, Bautzen und Görlitz genannt, aber nicht der Guardian des am nächsten gelegenen Konvents von Löbau. Auch fand in Löbau nicht ein einziges Provinzialkapitel der Sächsischen Franziskanerprovinz statt.
Lediglich ein einziges Mal finden wir – urkundlich dokumentiert – einen Guardian des Löbauer Konvents in höherem Auftrag unterwegs. Am 20. Juni 1419 ließ Guardian Franciscus Piper in Erfurt ein Transsumpt einer Bulle des Papstes Martin IV. vom 18. Januar 1283 durch den Hüter der Rechte und Freiheiten des Franziskanerordens, Richter und Dekan an der Erfurter Marienkirche Heinrich von Gerpstadt anfertigen. Die Bulle von Papst Martin IV. gestattete den Franziskanern, auch nicht dem Orden angehörige Personen zur Vertretung ihrer weltlichen Interessen zu ernennen.[7]
Allerdings scheint das Kloster groß genug gewesen zu sein, dass die jährlichen Oberlausitzer Städtetage im Löbauer Kloster angehalten werden konnten.[8]
1429 soll die Stadt von einem „Mordbrenner“, einem Sympathisanten der Hussiten angezündet und fast gänzlich eingeäschert worden sein.[9] 1431 eroberten die Hussiten die Stadt Löbau. Welche weitere Schäden dabei angerichtet wurden, und ob dabei auch das Franziskanerkloster beschädigt wurde, ist nicht überliefert.[10]
Besitz, Stiftungen und Almosengaben
1336 beurkundet der Rat der Stadt Löbau, dass der Konvent unter seinem Guardian Hermann von Liegnitz einen Wald bei Kunewald geschenkt bekommen hat.[11][12] Die Urkunde beweist, dass das Kloster in Löbau zu diesem Zeitpunkt bereits ein Guardianat war, also ein in gewissem Rahmen selbständiges Kloster mit gewähltem Guardian. Es hatte damit die eigentliche Gründungsphase, damals locus genannt, mit einem vom Provinzial eingesetzten Oberen (oder Praeses) bereits hinter sich. Dieser Wald war wohl ein sehr wichtiger Besitz des Klosters. Am 30. Dezember 1382 wurde in Görlitz Heinrich von Radeberg als Beschützer und Lehnsinhaber dieses Waldes eingesetzt, der dafür jährlich eine Lube Salz bekommen solle. Sollte er nach Löbau kommen, solle er vom Konvent verköstigt und sein Pferd versorgt werden.[13] Am 13. April 1513 verzichtete der damalige Lehensinhaber des Waldes Kunwald Heinrich Schley auf das Schutzrecht und alle damit zugehörigen Befugnisse gegen eine Zahlung von drei Mark seitens des Konvents.[14]
1459 verzeichnet das Rechnungsbuch der Stadt Löbau eine Ausgabe in nicht bestimmter Höhe an den Guardian für ein Anniversarium eines Bürgers.[9]
1482 erhielten die Franziskaner von der Witwe Peter Richters einen Garten vor dem Zittauer Tor. Schon vorher hatten die Franziskaner zwei Gärten erhalten, einen großen und einen kleinen Garten. Um diese Gärten gab es Mitte des 15. Jahrhunderts eine Auseinandersetzung mit dem Rat der Stadt. 1483 erhielten die Ordensbrüder wahrscheinlich auch eine Mühle bei der Stadt. Ansonsten bekam der Konvent vom Rat der Stadt Zuwendungen in Form von Stoffen zum Anfertigen der Ordenskleidung sowie Schuhe. Aufgrund des Umfangs der Schuhstiftungen schätzt Christian Ranacher die Größe des Konvents auf etwa 10 Ordensbrüder, um 1500 auf nicht mehr als 12 Ordensbrüder.
1504 stiftete der Löbauer Meister Philipp Gortier aus Freude über die gelungene Reform (s.u.) den Brüdern jährlich eine Tonne Heringe unter der Bedingung, dass sie armen Leuten gegeben werden solle, falls die Brüder die Reform nicht mehr beachten sollten.[15] Interessanterweise erhielt der Franziskanerkonvent in Bautzen von der Stadt Löbau für ein Kapital von 200 Mark einen jährlichen Zins von zwei Tonnen Heringen.[16]
Anfang des 16. Jahrhunderts kam es dann zu einem Streit zwischen der Geistlichkeit der Löbauer Nikolaikirche und den Franziskanern. Auslöser des Streits war die Entscheidung der Bruderschaft der Schustergesellen gewesen, ihre religiösen Aktivitäten in die Klosterkirche zu verlegen. Der Pfarrgeistlichkeit gingen erhebliche Einnahmen verloren. Der Streit wurde am 12. Oktober 1513 durch Landvogt Christoph von Wartenberg dahingehend geschlichtet, dass die Messen und Opfergänge wie von Alters her wieder in der Pfarrkirche stattfinden sollten.
Hausstudium
Das Kloster besaß um 1500 ein eigenes Hausstudium, wie die Nennung des Lesemeisters Valentinus Viberger zeigt.[17]
Reform des Klosters
Das Kloster Löbau stand bereits einige Zeit vor seiner Reform im Jahre 1504, vermutlich um 1490, unter der Aufsicht eines Visitator regiminis.[18][19] Unter diesem Visitator konnten die unterstellten Klöster statt nach den Regeln der Martinianischen Konstitutionen auch nach den strengeren Regeln der Observanz leben. Der Sinn dieser Maßnahme lag in der Hoffnung, dass sich die betreffenden Klöster nicht dem Böhmischen oder dem Sächsischen Observantenvikariat anschlossen, sondern unter der Jurisdiktion des Provinzialministers der Sächsischen Ordensprovinz blieben. Aber vermutlich war dem ersten Reformversuch kein dauerhafter Erfolg beschieden, als das Kloster wieder unter die Aufsicht des Kustos gestellt wurde. Als das Löbauer Kloster im Jahre 1503 wieder unter die Obedienz des Visitators gestellt werden sollte, protestierte der Görlitzer Rat mit Erfolg gegen diese Maßnahme. Er befürchtete wohl, dass das Kloster in Löbau ein schlechtes Beispiel für den Konvent in Görlitz wäre, der noch unter der Aufsicht des Visitators stand, und dass dadurch die Klosterdisziplin im Görlitzer Konvent wieder gelockert werden würde. Der Rat von Löbau gab dem Görlitzer Rat insofern nachträglich recht, als er am 24. Juni 1504 (nach durchgeführter Reform) bestätigte, dass die Brüder von Löbau lange Zeit hindurch in „ungotlichem und verdechtigeni wesen“ gestanden und „mit ubunge mancherhande ungeistlichkeit“ dem Volk und Rat ein schlechtes Vorbild abgegeben hätten, ja, es sei sogar so weit gekommen, dass die geistliche Zucht und der Gottesdienst im Kloster ganz abhanden gekommen seien.[20][15] Die Reform des Klosters nach den Martinianischen Konstitutionen war dann kurz vor Ausfertigung des oben genannten Briefes zu Ende gebracht worden. In dem Brief stellte der Löbauer Rat den Brüdern wieder ein gutes Zeugnis aus, dass sie wiederum Gott dienten und ein geistliches Leben nach dem Wortlaut ihrer Regel und den Martinianischen Konstitutionen führten. Denn das Kloster sei schließlich gestiftet worden, damit die Brüder Gott dienten und zum Nutzen der ganzen Stadt ein geistliches Leben führten. Die Konvente in Lauban und Löbau wurden nun wieder dem Kustos der Kustodie Goldberg unterstellt. Schon in den letzten zwei Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts kam es auch zum Konflikt zwischen der Sächsischen Franziskanerprovinz und den Observanten des Böhmischen Observantenvikariats um die Zugehörigkeit der beiden Kustodien Breslau und Goldberg, der allerdings erst im 2. und 3. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts kulminierte (s. nächstes Kapitel).
Die Teilung des Franziskanerordens und die spätere Stellung des Löbauer Konvents
1517 wurde der ursprüngliche Franziskanerorden geteilt, in die Franziskaner(-Observanten) und die Konventualen (Minoriten). Die Provinz Saxonia entschied sich insgesamt für den Franziskanerorden. Allerdings wurde die Provinz nun auch geteilt, nicht anhand geographischer Grenzen, sondern in Klöster mit strengerer Observanz (Provincia S. Crucis) und in die nach den Martinianischen Konstitutionen reformierten Klöster mit laxerer Observanz (Provincia S. Johannis Baptistae). Das Kloster in Löbau wurde 1518 der Provincia Saxonia Johannis Baptistae zugewiesen,[21]
1523 kam es zu einer weiteren Teilung innerhalb der Sächsischen Franziskanerprovinz; die Provinz des hl. Johannes des Täufers wurde nun in eine niedersächsische und eine obersächsische Provinz aufgeteilt, wobei die Oberlausitz zur obersächsischen Provinz kam. 1523 visitierte der neue obersächsische Provinzial Petrus Fantinus die Klöster der Oberlausitz. Er ermahnte die Ordensbrüder zur Treue zum katholischen Glauben und ließ sich dies von allen Brüdern per Handschlag bestätigen. Doch bald darauf kursierten auch reformatorische Ideen im Kloster. Ein pirnaischer Mönch namens Lindner vermerkt dies unter Löbau mit: do ist ein closter barfüsserordens, 1527 verwickelt mit der Lutherischen unart.[22]
Noch im selben Jahr (1523) wurde schließlich auch die Kustodie Breslau mit den Konventen Breslau, Schweidnitz, Neiße, Brieg, Neumarkt, Münsterberg. Namslau und Strehlen an die Böhmische Franziskanerprovinz angeschlossen. Die Kustodie Goldberg wurde 1523 aufgelöst. Die Konvente in Goldberg und Liegnitz wurden an die Böhmische Franziskanerprovinz angeschlossen, die restlichen Konvente der aufgelösten Kustodie (Görlitz, Bautzen, Löwenberg, Lauban, Zittau, Löbau, Sagan, Sorau und Crossen) wurden in der neuen Kustodie Görlitz zusammengefasst. Allerdings lösten sich die meisten Klöster der Kustodie Görlitz im Verlauf der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf.
Ein Mysterienspiel in Löbau
Am Kreuzerfindungsfest wurde in Löbau eine Prozession gehalten, in der bestimmte Szenen aus der Bibelgeschichte und dem Leben Jesu dargestellt wurden. Dazu gab Georgius Eggelbrecht 1521 eine interessante Beschreibung. Der Guardian des Klosters musste sich dabei um mehrere Szenen kümmern, so die Szenen mit der Verkündigung und im Stall von Bethlehem, die Szene am Ölberg mit Jesus und den 12 Aposteln, dann die Szene unter dem Kreuz mit Johannes, Maria mit dem Schwert, das ihr Herz durchbohrt, Maria Magdalena und Veronika, Maria betrauert ihren Sohn, und die Auferstehungszene mit den Engeln und den drei Frauen.[23]
Das langsame Ende des Klosters
Das Ende des Klosters kam sehr langsam. Am Abend des 3. April 1519 wurde das Kloster bei einem Stadtbrand weitgehend zerstört, lediglich der Chor der Kirche blieb anscheinend verschont. Der kleine Konvent konnte einen ordentlichen Wiederaufbau kaum noch stemmen. Wie lange der Wiederaufbau sich hinzog, lässt sich nicht genau sagen. Allerdings bekannte Guardian Andreas Arnold in einer Urkunde vom 5. Mai 1531, dass er dem Glaser Thomas Sommerfeld aus Görlitz noch 30 Gulden für Glasarbeiten am Kloster schulde.[24] Ob diese Glasarbeiten noch im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau standen, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich.
In der Zwischenzeit hatte sich die größere Teil der Bürgerschaft der Reformation zugewandt. Zwar gibt es keine Berichte über Ausschreitungen gegenüber den Mönchen, aber generell nahm die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung ab. Um ihr Leben zu fristen, verkauften die Brüder 1534 in der Reformationszeit Teile der Kirchenkleinodien. Auch traten kaum noch Novizen in das Kloster ein, sodass der Konvent langsam zum Aussterben verurteilt war.
Am 24. August 1534 überließ Guardian Andreas Arnold dem Rat der Stadt die Seelgerätstiftung des Caspar Graulich in Höhe von 100 Mark. Als jährlichen Zins musste der Rat 2 Viertel weißen oder roten Wein als Messwein an den Konvent liefern. Der Rat willigte ein, jedoch sollte der Konvent den Wein in Sommerfeld (heute Lubsko) holen lassen. Caspar Graulich hatte außerdem verfügt, sollte sich der Konvent auflösen, so sollten die 100 Mark der Stadt zugute kommen.[25]
1538 kam es zwischen Konvent und Rat der Stadt zu einem neuen, langwierigen Streit um den sogenannten großen Klostergarten. Der Konvent hatte der Stadt den Garten in einem Tauschgeschäft überlassen. Ein erster Vergleich kam 1538 zustande, der Konvent erhielt eine Entschädigung. 1553 kam es jedoch wieder zum Streit um diesen Garten. Die Stadt hatte den Garten verkauft und den Zugang zum kleinen Klostergarten zumauern lassen. Schließlich kam im Beisein des Kustos der Kustodie Meißen Jakob Schwederich ein Vergleich zustande; wiederum erhielt der Konvent eine Entschädigung.
Anfang der 1540er Jahre hatte sich in Löbau die Reformation schon weitgehend durchgesetzt. Am 6. Dezember 1544 inventarisierte eine königliche Kommission bestehend aus dem königlichen Verschneider und Mundschenk sowie Kommendator der Johanniterkommende Groß Tinz Sebastian von Schönaich, und Laurentius Knor, einem Doktor der Rechte und königlicher Rat, die Kirchenkleinodien des Konvents in Löbau: [26]
- eine silberne, vergoldete Monstranz, im Gewicht von 27 Mark 10 Lot
- drei silberne, vergoldete Kelche mit Patenen, im Gewicht von 1 Mark 6 Lot
- ein silbernes Kreuz mit einer eingeschlossenen Kreuzesreliquie und anderen Reliquien, im Gewicht von 4 Mark 14 Lot, insgesamt 39 Mark 14 Lot.
Die drei Kelche und das silberne Kreuz im Gewicht von 12 Mark 4 Lot wurde den letzten im Kloster wohnenden Ordensbrüdern gelassen. Auch die Kaseln und Ornate wurden dem Konvent gelassen, da sich daran kein Silberschmuck befand. Die Monstranz und der Kirchenschatz der Pfarrkirche wurden in einem kleinen Gewölbe in der Mauer der Sakristei der Pfarrkirche vermauert und versiegelt.[26]
Die Teilnahme des Kustos der Kustodie Meißen am oben erwähnten Vergleich von 1553 weist auch daraufhin, dass bis zum Jahr 1553 die Kustodie Görlitz quasi erloschen war, und nun der vermutlich letzte verbleibende Konvent in Löbau wahrscheinlich der Kustodie Meißen zugeordnet worden war.
Aber auch der Konvent in Löbau starb wohl bald darauf aus. Die letzte Nachricht aus dem Kloster ist eine Quittung des Guardians Bartholomäus Lebelin 1558 an den Magistrat für den gezahlten Herings- und Weinzins.[27]
Kaiser Ferdinand I. verordnete am 3. November 1559 noch einmal die Instandsetzung der aufgegebenen oder kurz vor der Aufgabe stehenden Franziskanerklöster in Bautzen, Löbau und Zittau. Außerdem sollten die Ordensbrüder in Löbau zwei oder drei Ornate an das Zisterzienserinnenkloster Marienthal abgeben. Die Ornate wurde vom Amtshauptmann der Oberlausitz Hans von Schlieben am 10. April 1560 der Äbtissin Magdalena vom Berge übergeben, die zwei Tage später die Übergabe quittierte. Es ist die letzte Nachricht über das Kloster, die darauf schließen lässt, dass zu diesem Zeitpunkt (möglicherweise) noch Ordensbrüder im Kloster lebten.
Im August 1562 mussten der Oberlausitzer Amtshauptmann Hans Schlieben und Haug von Maxen auf Grodis/Gröditz auf Befehl von Kaiser Ferdinand noch einmal ein Verzeichnis der Kirchenschätze der Franziskanerklöster in Bautzen, Löbau und Zittau anlegen. Die Kirchenschätze sollten anschließend dem Domkapitel in Meißen übereignet werden. Die Übergabe der Kirchenschätze wurde am 2. Februar 1564 vom Domdekan Johann Leisentritt quittiert.[28]
Am 15. Januar 1564 waren bereits die Landstände der Oberlausitz in Bautzen zusammengekommen. Sie hielten in ihrem Tagungsprotokoll fest, dass im Franziskanerkloster in Löbau keine Ordensperson mehr vorhanden sei. Das Ende des Klosters kann daher mit (wahrscheinlich) nach 1560 und vor 1564 angegeben werden.
Nach Dietmann soll der letzte Ordensbruder, der aber vorher in den Priesterdienst gewechselt war, am 5. Oktober 1570 gestorben sein.[22]
Nachnutzung der Gebäude
Am 19. Januar 1564, auf seiner Reise von Bautzen nach der Huldigung der Stadt zurück nach Böhmen, hielt der Sohn von Kaiser Ferdinand I. (und späterer Kaiser) Maximilian II., der zu diesem Zeitpunkt bereits König von Böhmen war, auch in Löbau an. Dort wurde er auf das leer stehende Klostergebäude des Franziskanerordens angesprochen, der Rat wollte darin eine Schule begründen. Der Rat wurde von ihm aber auf eine spätere Entscheidung vertröstet. Durch den Tod von Kaiser Ferdinand I. am 25. Juli 1564 verzögerte sich eine Entscheidung. Auf einen Bericht seines Bruders Ferdinand II. beauftragte Maximilian II. nun die böhmische Kammer, das leer stehende Kloster der Stadt zu übergeben. Er lehnte jedoch eine finanzielle Hilfszusage zur Einrichtung einer Schule ab.
Der Amtshauptmann Hans von Schlieben überwies dann am 28. Mai 1565 auf Befehl von Kaiserbruder Ferdinand II. das wüste und öde Barfüßerkloster im Beisein des Hauptmanns von Bautzen Haug von Maxen auf Grodis/Gröditz der Stadt Löbau zur Errichtung einer Partikularschule,[29] also einer Schule in kommunaler Trägerschaft. Eingeschlossen in diese Übertragung war auch das Wäldchen bei Kunewald und eine kleine Scheune vor dem Zittauer Tor. Die Stadt erhielt außerdem noch 250 Gulden in bar zur Renovierung des Gebäudes und Einrichtung der Schulzimmer. Die Klostergebäude bzw. das spätere Schulgebäude existieren nicht mehr. Wann sie abgebrochen wurden, ließ sich bisher noch nicht ermitteln.
Die Kirche wurde nach 1570 als wendische Kirche für die überwiegend sorbischsprachige Bevölkerung der Dörfer Oelsa und Altlöbau eingerichtet. 1666/67 erfolgte eine umfassende Renovierung. Seit dieser Renovierung trägt sie den Namen Johanniskirche. 1678 brannte sie ab und wurde wieder aufgebaut. Das heutige Aussehen erhielt sie von einem Umbau 1840 im neugotischen Stil. 1995 wurde sie saniert und zu einem Kulturzentrum umgewidmet.
siehe Hauptartikel Johanniskirche Löbau
Liste der Guardiane
| Amtszeit | Guardian | Sonstige Ämter und Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1336 | Hermann von Liegnitz[6][12] | |
| 1419 | Franciscus Piper[6] | |
| um 1500 | Andreas Arlinde | guardianus Lubauiensis, Valentinus Viberger, Lektor[6][30][17] |
| 1531, 1534 | Andreas Arnold[25][24] | |
| 1553 bis 1559 | Bartolomäus Lebelin[27] |
Literatur
- Ferdinand Doelle: Die Martinianische Reformbewegung in der Sächsischen Franziskanerprovinz (Mittel- und Nordostdeutschland) im 15. und 16. Jahrhundert. Franziskanische Studien, Beiheft 7: 1–159, Verlag der Aschendorffschen Verlagsbuchhandlung, Münster i. Westf., 1921 (Im Folgenden abgekürzt Doelle, Reformbewegung mit entsprechender Seitenzahl)
- Hermann Knothe: Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae. 2. Haupttheil, 7. Band. Urkundenbuch der Städte Kamenz und Löbau. Giesecke & Devrient, Leipzig, 1883 Online bei Google Books (Im Folgenden abgekürzt Knothe, Urkundenbuch mit entsprechender Seitenzahl)
- Hermann Knothe: Die Franziskanerklöster in den Sechsstädten. Neues Lausitzisches Magazin 66: 172–182, 1890, hier S. 179/80 Online bei Google Books
- Christian Ranacher: Löbau Heilig Kreuz Franziskaner (OFM). In: Enno Bünz, Sabine Zinsmeyer, Dirk Martin Mütze, Christian Schuffels, Alexander Sembdner (Hrsg.): Sächsisches Klosterbuch. Die mittelalterlichen Klöster, Stifte und Kommenden im Gebiet des Freistaates Sachsen, Teilband 2, S. 795–808, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2025. ISBN 978-3-86583-816-2 (Gesamtausgabe)
- Chrysogonus Reisch: Urkundenbuch der Kustodien Goldberg und Breslau, Band 1. Schwann, 1917 (Im Folgenden abgekürzt Reisch, Urkundenbuch, mit entsprechender Seitenzahl)
- Bernd Schmies, Kirsten Rakemann: Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. In: Dieter Berg (Hrsg.): Saxonia Franziskana Beiträge zur Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Geist. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1999, ISBN 3-87163-240-6 (Im Folgenden abgekürzt Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, mit entsprechender Seitenzahl)
- Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. St.-Benno-Verlag, Leipzig, 1995, ISBN 3-89543-021-8, hier S. 144.
Einzelnachweise
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 44, Regest-Nr. 153.
- ↑ Lars Arne Dannenberg: Franziskaner in der Oberlausitz. Probleme und Aufgaben der Bettelordensforschung in der Oberlausitz. In: Annegret Gehrmann, Dirk Schumann, Marius Winzeler (Hrsg.): Die Bettelorden in den beiden Lausitzen Geschichte - Architektur - Kunst, S. 36–62, Lukas Verlag, Berlin, 2017 ISBN 978-3-86732-216-4
- ↑ Dana Kampl: Die Franziskaner in Sachsen: Mit einem Exkurs zur Bildung der Lebensregel. Magisterarbeit, Technische Universität Chemnitz, Diplomica Verlag, 2006, ISBN 978-3-8366-1068-1. Engeschränkte Vorschau in Google Books, hier S. 52.
- ↑ Francisco Antonio Righini: Provinciale Ordinis fratrum minorum seu Polychronicon Jordanis. Typographia Joannis Zempel, Rom, 1771 Online bei Google Books (leider ohne Paginierung)
- ↑ a b Patricius Schlager: Verzeichnis der Klöster der sächsischen Franziskanerprovinzen. Franziskanische Studien Quartalsschrift, 1(2): 230–242, 1914, S. 234, 235. Online (bzw. zum Download) bei MaNDA
- ↑ a b c d Reisch, Urkundenbuch, S. 440.
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 245, Reg.Nr. 37. Online bei Google Books
- ↑ Arno Herzig: Die Beziehung der Minoriten zum Bürgertum im Mittelalter. Die alte Stadt. Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie und Denkmalpflege, 6: 19–53, 1979, hier S. 40. PDF
- ↑ a b Hermann Knothe: Archivalienfund in Görlitz. Neues Lausitzisches Magazin, 66: 299–302, Görlitz, 1890 Online bei Google Books
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 249, Reg.Nr. 42. Online bei Google Books
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 44, Regest-Nr. 154.
- ↑ a b Knothe, Urkundenbuch, S. 245, Urk.Nr. 37. Online bei Google Books
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 237/38, Urk.Nr. 28. Online bei Google Books
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 300, Urk.Nr. 123. Online bei Google Books
- ↑ a b Knothe, Urkundenbuch, S. 293, Reg.Nr. 117. Online bei Google Books
- ↑ Kai Kinne, Kai Wenzel, Corina Franke, Rico Heyl, Sabine Zinsmeyer: Bautzen St. Marien Franziskaner (OFM). In: Enno Bünz, Sabine Zinsmeyer, Dirk Martin Mütze, Christian Schuffels, Alexander Sembdner (Hrsg.): Sächsisches Klosterbuch. Die mittelalterlichen Klöster, Stifte und Kommenden im Gebiet des Freistaates Sachsen, Teilband 1, 131–146, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2025. ISBN 978-3-86583-816-2 (Gesamtausgabe), hier S. 135.
- ↑ a b Reisch, Urkundenbuch, S. 318, Regest-Nr. 735.
- ↑ Doelle, Reformbewegung, S. 26 Online bei archive.org
- ↑ Doelle, Reformbewegung, S. 59/60. Online bei archive.org
- ↑ Doelle, Reformbewegung, S. 32 und besonders Fußnote 1. Online bei archive.org
- ↑ Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, S. 249.
- ↑ a b Hermann Knothe: Die Franziskanerklöster zu Löbau und Kamenz. Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte, 1: 99–124, 1882 Online bei Google Books, hier 106, 107, Fußnote 5.
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 305/06, Urk.Nr. 129. Online bei Google Books
- ↑ a b Knothe, Urkundenbuch, S. 309, Urk.Nr. 134. Online bei Google Books
- ↑ a b Knothe, Urkundenbuch, S. 311, Reg.Nr. 138. Online bei Google Books
- ↑ a b Knothe, Urkundenbuch, S. 315, Reg.Nr. 146. Online bei Google Books
- ↑ a b Knothe, Urkundenbuch, S. 319, Reg.Nr. 149. Online bei Google Books
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 320, Reg.Nr. 152. Online bei Google Books
- ↑ Knothe, Urkundenbuch, S. 321, Reg.Nr. 153. Online bei Google Books
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 317, Regest-Nr. 735.