Franziskanerkloster Lauban
Koordinaten: 51° 7′ 20,2″ N, 15° 17′ 30,9″ O
Das Franziskanerkloster Lauban war eine Niederlassung des Franziskanerordens (lateinisch Ordo fratrum minorum, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM) in Lauban in der Oberlausitz (seit 1945 Lubań IM Powiat Lubański der Woiwodschaft Niederschlesien, Polen). Das Kloster wurde nach der älteren Vorstellung 1273, nach der zweiten, heute meist akzeptierten Vorstellung; erst um/nach 1333 gegründet. Es gehörte zur Kustodie Goldberg der Sächsischen Franziskanerprovinz. Während der Reformation wurde das Kloster 1556 aufgelöst und die Klostergebäude der Stadt Lauban übergeben.
Lage
Das Kloster lag im südlichen Teil der heutigen Altstadt an der Stadtmauer und dicht an einem Stadttor, das nach den Ordensbrüdern Brüdertor genannt wurde. Auch der in der Nähe stehende Brüderturm, Teil der alten Stadtbefestigung, erhielt seinen Namen nach dem Kloster. Das Kloster lag im Bereich zwischen den heutigen Straßen Lwówecka, Bracka und Grundwaldzka, wo sich jetzt ein Parkgelände (Park Miejski) befindet. Die Kirche hatte das Patrozinium zum Heiligen Kreuz. Von den ursprünglichen Klostergebäuden hat sich nichts erhalten. An der Stelle der alten Konventskirche wurde 1703/06 ein Neubau errichtet – der in der Tradition der alten Klosterkirche wieder das Heilig-Kreuz-Patrozinium erhalten hat. Dieser Bau wurde Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 zerstört und danach vollständig abgetragen.
Vorgeschichte
Der Name Oberlausitz bürgerte sich erst im 15. Jahrhundert für die Region ein, die bis dahin Land Budissin oder eingedeutscht auch Land Bautzen genannt wurde. In der Organisationsstruktur des Franziskanerordens wurden 1239/41 die östlichen, überwiegend oder ausschließlich slawischsprachigen Gebiete von der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) abgetrennt, und daraus die Böhmisch-polnische Franziskanerprovinz gebildet. Unter diese von der Saxonia abgetrennten, überwiegend slawischsprachigen Gebiete, fiel auch das Land Budissin (Provincia Budissinensis). Die Abtrennung und Verselbständigung dieser Gebiete als Ordensprovinz bedeutet aber auch, dass bis 1239/41 schon eine ganze Reihe von Klöstern in diesen Gebieten entstanden waren. 1241 existierten bereits sechs Kustodien in dieser Ordensprovinz, um 1260 bereits sieben Kustodien.[1] Die im Land Budissin entstandenen Klöster wurden bis um 1260 in der Kustodie Bautzen zusammengefasst.
Das Land Budissin gehörte zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Reichslehen zum Königreich Böhmen. Zwischen 1253 und 1262 kamen die brandenburgischen Markgrafen Otto III. und Johann I. in den Besitz des Landes Budissin, auf welche Weise bzw. Rechtsform ist nicht bekannt. Meist wird angenommen, dass das Land Budissin das Heiratsgut der Beatrix (Božena) war, der Tochter des Königs Wenzel I. Sie war mit Otto III. verheiratet.
Klostergeschichte
Im Jahr 1273 gaben der brandenburgische Markgraf Otto IV., der Neffe des obigen Otto III. und dessen Mutter Sophia ihre Einwilligung zur Gründung eines Franziskanerklosters zu Ehren des hl. Kreuzes und der Jungfrau Maria in Lauban.[2][Anmerkung 1] Nach Eduard Mühle und nach Schmies und Rakemann waren die Bürger der Stadt die Gründer des Klosters.[3][4] Diese erste Klostergründung ab 1273 wurde zu einem nicht näher zu datierenden Zeitpunkt aufgegeben, oder nach den Autoren des Sächsischen Klosterbuchs (Lars-Arne Dannenberg, Jan Zdichynec, Sabine Zinsmeyer) wohl erst sehr viel später realisiert.
Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319/20 wurde der böhmische König Johann von Luxemburg 1320 von Kaiser Ludwig IV. mit dem Land Budissin belehnt. Allerdings musste Johann die Oberlausitz zuerst mit seinem Schwager Heinrich I., Herzog von Jauer teilen, der zunächst das Land Görlitz mit Lauban und dem Queiskreis wie auch das Land Sorau (Mark Lausitz/Niederlausitz) erhielt. Erst 1329 gelangte auch das Land Görlitz in den direkten Besitz des Königs Johann. Am 7. April 1348 wurden die „marchiae Budissinensis et Gorlicensis“, also die Länder Budissin und Görlitz durch Johanns Sohn Karl IV. in seiner Funktion als König von Böhmen auch staatsrechtlich mit dem Königreich Böhmen verbunden, und wurde ein Land der Böhmischen Krone („Corona regni Bohemiae“). Am 9. Oktober 1355 bestätigte Karl IV. die Inkorporation der Oberlausitz noch einmal, diesmal in seiner Funktion als Römisch-deutscher Kaiser.[5]
1320 hatte Herzog Heinrich in Lauban das Kloster der Magdalenerinnen gestiftet.[5] Dieses Kloster erhielt 1321 die Liebfrauenkirche in Lauban überwiesen, was später noch zu Konflikten mit dem Franziskanerkloster führen sollte.[6] Sehr wahrscheinlich fundierte Herzog Heinrich zusammen mit dem Rat der Stadt auch das eingegangene Franziskanerkloster neu, oder realisierte erst zu diesem Zeitpunkt (1320) den Klosterbau in Lauban. In diesem Jahr bestätigte der böhmische König Johann den Konvent in Lauban, der laut dieser Urkunde von Herzog Heinrich gegründet worden war.[7] Am 26. Januar 1333 erteilte auch Papst Johannes XXII. dem Generalminister der Franziskaner auf dessen Bitte hin die Erlaubnis, in Lauban einen Konvent anzunehmen und zu erbauen.[8] Die Stiftung und der Bau erfolgten laut dieser Urkunde auf Wunsch der Konsuln, also des Rates, und der Bürger der Stadt. Das Kloster sollte in der Lage sein, 12 Brüder zu unterhalten. Es dürfe allerdings die Rechte des Pfarrklerus der Stadt nicht schmälern.[9] Zu dieser Neugründung passt auch die Gewährung eines Ablasses zum Bau des Klosters.[10] Noch 1522 stellte der Laubaner Rat in einem Schreiben an den Ordensprovinzial heraus, dass Bürger und Rat erste Stifter des Franziskanerklosters gewesen seien. 1336 versprach der neue Konvent, keine der städtischen Steuer unterliegenden Güter in der Stadt an sich zu bringen.[11]
Der Konvent gehörte wohl mit Gründung zur Kustodie Bautzen (falls 1273 als Gründungsdatum angenommen wird) bzw. nach 1274 zur Kustodie Goldberg der Sächsischen Franziskanerprovinz. Mit dem „Provinciale vetustissima“ von 1340 ist die Zugehörigkeit des Konvents in Lauban zur Kustodie Goldberg auch urkundlich belegt.[12] Der Konvent in Lauban gehörte zu den weniger bedeutenden Franziskanerklöstern in der Oberlausitz; er richtete nie ein Provinzialkapitel der Sächsischen Franziskanerprovinz aus. Im Gegensatz dazu fanden im benachbarten Bautzen insgesamt sechs Provinzialkapitel statt, in Görlitz waren es immerhin noch zwei Provinzialkapitel.[13]
1345 wurde in Magdeburg ein schwerwiegender Streit zwischen den Ordensbrüdern des Laubaner Franziskanerklosters und dem Prior des Magdalenerinnenklosters Heinrich vor dem päpstlichen Bevollmächtigten Arnold, dem Dechanten des Magdeburger Domkapitels verhandelt. Der Vertreter der Ordensbrüder Johann von Aken klagte Propst Heinrich an, dass er die Gläubigen unter Androhung der Strafe der Exkommunikation aufgefordert habe, ihnen, den Franziskanern, keine Almosen und Opfergaben in deren Kirche zu geben, und ihnen auch keine Legate für Messstiftungen zu machen. Der bevollmächtigte Richter verurteilte Propst Heinrich, der zur Verhandlung nicht erschienen war, sondern sich durch Konrad von Mürtzuschlag verteidigen ließ, zu einer Geldstrafe und zur Unterlassung derartiger Drohungen.[14]
Bei der Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Franziskanern in Zittau und dem Rat der Stadt Zittau 1370 waren auch die Guardiane der Franziskanerklöster von Lauban, Bautzen und Görlitz zugegen.
Ein hochrangiges Schiedsgremium mit dem Titular-Patriarchen von Alexandrien Johannes und dem Erzbischof Johannes vom Erzbistum Prag sowie zahlreichen Zeugen, verglich 1372 die Kuratgeistlichen der Diözese Meißen mit den Franziskanerkonventen der Diözese über einige strittige Punkte, besonders den kanonischen Anteil an den Begräbnissen in den Franziskanerklöstern. In der Urkunde wird auch der Konvent in Lauban erwähnt.[15]
1416 hatte der Rat von Görlitz großen Ärger mit dem Guardian Franziskus Schubert im Görlitzer Franziskanerkloster. Die Görlitzer klagten beim Provinzialminister der sächsischen Provinz über verschiedene Missstände im Görlitzer Kloster, die der Guardian anscheinend tolerierte und nicht abstellte. Die Görlitzer baten den Provinzial, dass er den Bruder Franziskus Schubert in ein anderes Kloster versetzen und vor allem darauf achten solle, dass dieser beim Weggang kein Geld oder Kirchengeräte mitnähme. Die Görlitzer wünschten, dass der Provinzial den Guardian des Laubaner Klosters, Bruder Bernhard, als Guardian nach Görlitz versetzen solle.[16]
Während der Hussitenkriege wurde die Stadt Lauban 1427 und noch einmal 1431 von den Hussiten erobert. Sie ermordeten den Guardian Johann Krone und einige weitere Ordensbrüder und steckten das Kloster in Brand.[17][18] Das Kloster wurde in den Jahren danach wieder aufgebaut. 1463 bestätigten der Guardian Peter Coler, die Kirchenväter, der Bürgermeister und der Rat der Stadt, dass der Görlitzer Konvent eine Monstranz, welche dieser aus dem Laubaner Kloster als Pfand hatte, zurückgegeben hatte. Die Gründe, warum die Monstranz an das Görlitzer Kloster verpfändet wurde (gegen Geld?), sind leider nicht genannt.[19]
Im Januar 1453 fand einer der Hauptvertreter der Observanzbewegung, der gefeierte Prediger Johannes von Capistran im Konvent in Lauban Unterkunft. Er konnte den Konvent aber nicht zum Übertritt zur Observanz und zu seinem Österreichisch-Böhmischen Observantenvikariat gewinnen. Nichtsdestotrotz unterstützte der Laubaner Konvent eine Initiative zur Heiligsprechung Capistrans durch eine Petition an Papst Pius II. (Amtszeit: 1458 bis 1464).
1487 brannte das Laubaner Kloster bei einem Stadtbrand vollkommen aus. Die Ursache des Stadtbrands wurde von manchen Bürgern sogar den Franziskanern zur Last gelegt. Einige Brüder sollen in ihrem Kloster Umgang mit schlechten Frauen oder mit benachbarten Ordensschwestern gehabt haben. Der Magistrat bemühte sich in der Folge, den Konvent nach den Martinianischen Konstitutionen zu reformieren. Die reformunwilligen Brüder hätten nun den Brand aus Rache gelegt. Zwar bemühten sich die Ordensbrüder mittels Predigten, sich vom Verdacht der Brandstiftung zu befreien, der Rat setzte jedoch nur wenige Jahre später seine Absicht einer Reform des Klosters gegen den Widerstand der Ordensbrüder durch.[20]
1488 bat der Görlitzer Rat den (namentlich nicht genannten) Guardian von Lauban um die Unterstützung in der Erfüllung eines Testaments. Der Görlitzer August Hirschberger hatte in seinem Testament verfügt, dass nach seinem Tod in der Görlitzer Klosterkirche ein Altar erbaut werde. Der Sohn und Erbe weigere sich, den testamentarischen Willen seines Vaters auszuführen. Der Rat von Görlitz bat nun den Laubaner Guardian, seinem Mitbruder Urbanus zu erlauben, nach Görlitz zu reisen und den Willen des Erblassers zu bezeugen, denn er sei Zeuge bei der Abfassung des Testaments gewesen.[21]
Reform des Klosters
Das Kloster Lauban soll um 1490 dem Visitator regiminis unterstellt und nach den Martinianischen Konstitutionen reformiert worden sein.[22][20][23] Der Konvent unterstand somit nicht mehr dem Kustos der Kustodie Goldberg, sondern einem von der Provinzleitung bestellten Kommissar. Dieser Visitator sollte das Kloster nicht nur reformieren und auch dafür sorgen, dass das Kloster in der Sächsischen Provinz verblieb und sich nicht den Observanten des böhmischen Observantenvikariats anschließen würde.
1501 verteidigte der Crossener Guardian Franziskus Goltmann die etablierte mendikantische Lebensweise der Konvente in Görlitz, Bautzen, Zittau, Schweidnitz, Löwenberg, Lauban und Sagan und beklagte die Anfeindungen durch die Observanten.[24] Damit können aber nur die (strengeren) Observanten des Böhmischen Observantenvikariats gemeint gewesen sein, die mit Konventen in Breslau, Glogau, Jauer, Kamenz, Leobschütz, Liegnitz und Neisse bereits auf das Gebiet der Sächsischen Franziskanerprovinz vorgedrungen waren.
1503 schrieb der Rat der Stadt Görlitz an den Rat der Stadt Schweidnitz. Die Görlitzer wollten beim Provinzialminister dagegen protestieren, dass die Klöster in Lauban, Sagan, Zittau und Löwenberg zusammen mit den Klöstern Görlitz und Schweidnitz unter dem Visitator regiminis vereinigt werden, und man bat, dass dies auch der Schweidnitzer Rat tun sollte.[25][26] Die Görlitzer befürchteten wohl, dass dieser Zusammenschluss durch das schlechte Beispiel der Klöster Lauban, Sorau, Zittau und Löwenberg zu einem Verfall der Ordenszucht in ihrem Franziskanerkloster in Görlitz führen könnte, wie dies bereits 1488 der Fall war. Damals beklagte sich der Rat der Stadt Görlitz beim Rat der Stadt Sagan, dass der Kustos der Kustodie Goldberg in Sagan den Görlitzer Ordensbrüdern geraten habe, die Observanz aufzugeben, nach Sagan zu gehen und dort ein linder leben zu führen. Der betreffende Kustos war daraufhin 1498 abgesetzt worden.[27]
1503 wird aber nun berichtet, dass die beiden Klöster in Lauban und Löbau in gutter obseruancia stünden.[28] Die Schweidnitzer waren anscheinend gut über den Zustand des Laubaner Konvents informiert. Am 1. August 1503 schrieb der Schweidnitzer Stadtschreiber Johann Sterz an den Laubaner Rat, er solle sich bemühen, dass der Konvent in Lauban zusammen mit den Konventen in Schweidnitz und Görlitz unter der Aufsicht des Visitators bleiben solle, damit im Laubaner Konvent nicht wieder das unordentliche Wesen anhebe.[29][30] Allerdings wurden die Konvente in Lauban und Löbau bald darauf der Aufsicht des Visitators entzogen und wieder der Aufsicht des Kustos der Kustodie Goldberg unterstellt. Die Konvente in Görlitz und Schweidnitz wurden stattdessen mit den Konventen in Frankfurt, Berlin, Zerbst, Wittenberg und Gransee unter der Aufsicht des Visitators vereinigt. Damit war der Görlitzer Rat sehr zufrieden, wie er in einem Brief vom 1. Juni 1504 zum Ausdruck brachte.
Dagegen beklagte 1505 der damalige (namentlich nicht genannte) Kustos der Kustodie Goldberg (bereits wieder?) den Niedergang der Observanz in seiner Kustodie.[27] Demnach scheint die Reform in Lauban (und den anderen oben genannten Klöstern Löwenberg, Sorau und Zittau) nicht (ganz?) den gewünschten Erfolg gehabt zu haben. Die Spannungen und Gegensätze zwischen den Observanten und den Konventualen waren Anfang des 16. Jahrhunderts derartig eskaliert, dass es 1517 zur Teilung des Ordens kam. Dabei wurden die Observanten als die wahren Verfechter der Regel des Hl. Franziskus anerkannt und erbten sozusagen die Ordensbezeichung ordo fratrum minorum (Orden der Minderen Brüder). Die bisherigen Vikariate der Observanten wurden zu Ordensprovinzen erhoben. Die nicht nach einer Form der Observanz reformierten Ordensbrüder wurden nun als Konventualen oder Minoriten (Ordo fratrum minorum conventualium) bezeichnet.
1518 nach der Teilung des Ordens wurde das Kloster in Lauban der Provincia Saxonia Johannis Baptistae zugewiesen, in der die Konvente, die nach den Martinianischen Konstitutionen lebten zusammengefasst wurden.[31]
Der Streit um die Kustodien Breslau und Goldberg und Teilung der Ordensprovinz
Doch mit der Teilung des Ordens war der Streit zwischen der Böhmischen Provinz und der Sächsischen Provinz noch nicht beigelegt. Bereits König Wladislaus II. Jagiello forderte 1510 die Ausgliederung der Kustodien Breslau und Goldberg aus der Sächsischen und die Eingliederung in die böhmische Provinz.[32] Er wollte die politische und kirchliche Einheit der Länder der Böhmischen Krone. Dies wurde von der Ordensführung zunächst abgelehnt, auch der Oberlausitzer Sechsstädtebund widersetzte sich. Vladislavs Sohn Ludwig II. verfolgte dieses Ziel ab 1520 wiederum sehr nachdrücklich.
Das Ende des Klosters in Lauban
1553 raffte die Pest nicht nur 2300 Laubaner Bürger, sondern auch fast alle Mitglieder des Konvents in Lauban bis auf zwei hinweg, den Guardian Thomas Lembergen und den Seelsorger in Hennersdorf (Henryków Lubański) Peter Kaiser. Thomas Lembergen starb nur wenig später auch an der Pest. 1554 verbrannte das Kloster beim Stadtbrand, zusammen mit 275 Häusern der Stadt. Nur die Außenmauern, die Gewölbe und die Sakristei der Klosterkirche blieben stehen. Die Gewölbe stürzten später ebenfalls ein.[33] Die Priorin des Laubaner Magdalenerinnenklosters bat daraufhin die Treuhänder, die Sakristei zu öffnen und zu untersuchen, was nach dem Brand noch übrig sei. Sie fanden einen zerbrochenen Kelch, zwei unversehrte Kelche, mehrere Messgewänder, zwei Chorkappen, sieben Alben, einige kleine Altartücher und andere Kleinigkeiten. Auf Anweisung der Priorin wurden diese Dinge in ihr Kloster gebracht.
Am Sonnabend nach Reminiscere (= 10. März) 1556 übergab der letzte Franziskaner (und gleichzeitig auch Guardian) Peter Kayser das Kloster und eine noch bestehende Stiftung in Höhe von 15 Mark Silber, einen Zins von zwei Tonnen Heringen und zwei Viertel Wein, welche die Stadt Guben liefern musste, der Stadt Lauban, gegen eine lebenslängliche Versorgung. Nach seinem Tod sollten diese Zuwendungen einer (noch zu bauenden) Schule zukommen.[33] Die Stadt hielt sich jedoch nicht an diese Vereinbarung. Die 15 Mark Zins wurden der katholischen Schule in Bautzen zugewendet. Vom jährlichen Weinzins wurde ein Viertel dem Magdalenerinnenkloster übergeben. Der Rat behielt nur den Zins von zwei Tonnen Heringen. Der Klostergarten wurde dem Hauptmann (Primarius) überlassen, der Klosterplatz wurde zum städtischen Bauhof umgestaltet.
Die Kustodie Goldberg war schon 1523 aufgelöst worden. Die Konvente in Goldberg und Liegnitz wurden an die Böhmische Franziskanerprovinz angeschlossen, die restlichen Konvente der aufgelösten Kustodie, darunter auch Lauban, wurden in der neuen Kustodie Görlitz zusammengefasst. Allerdings lösten sich die meisten Klöster der Kustodie Görlitz im Verlauf der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf. Lauban war eines der letzten Klöster der Kustodie, der Konvent in Görlitz löste sich 1563 auf, der Konvent in Kamenz als letzter 1565.
Nachnutzung
Die in Ruinen liegende Klosterkirche wurde nicht wieder aufgebaut. Dagegen erhielt der Turm 1571 wieder eine neue Spitze. 1659 brannte der Turm erneut aus, wurde jedoch bald darauf erneut mit einer neuen Spitze versehen. Die Ruinen wurden abgetragen und auf dem Gelände der städtische Bauhof eingerichtet. Erst 1703/06 war an der Stelle der alten Konventskirche war ein Neubau errichtet worden, der in der Tradition der alten Klosterkirche wieder das Heilig-Kreuz-Patrozinium erhalten hatte. Dieser Bau wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 zerstört und danach vollständig abgetragen. Heute ist das Gelände des alten Franziskanerklosters ein städtischer Park.
Guardiane und andere Klosterämter
Der Vorsteher eines Franziskanerkloster wird Guardian genannt. Er wird vom Provinzkapitel ernannt bzw. auf dem Provinzkapitel gewählt. Die Amtszeit beträgt in der Regel drei Jahre, eine Wiederwahl ist möglich. Auch Amtszeiten von nur einem Jahr oder zwei Jahren sind möglich. Der Stellvertreter des Guardians ist der Vikar, der gelegentlich auch Viceguardian genannt wird.
| Amtszeit | Guardian | Sonstige Ämter und Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1254 | Petrus de Crostyz Guncterus[34] | |
| 1345 | Johannes[34] | vermutlich war dieser Johannes von Lauban 1370 Kustos der Kustodie Goldberg |
| 1416 | Bernhard(us)[34][16] | |
| 1431 | Johann Krone[18] | wurde von den Hussiten ermordet |
| 1463 | Petrus Coler[34] | |
| 1488 | Urbanus[34] | |
| um 1500 | Nicolaus Weynborner | Urbanus Currificis, Lektor[34][35] |
| 21. November 1500 | Cristoffel Kretzel[36] | |
| 1552 bis 1553 | Thomas Lembergen († 1553) |
Guardian, Peter Kaisern, Pfarrer in Hennersdorf[37] |
| 1553 bis 1556 | Peter Kaiser | letzter Guardian, übergab das Kloster dem Magistrat der Stadt[33] |
Literatur
- Lars Arne Dannenberg: Franziskaner in der Oberlausitz. Probleme und Aufgaben der Bettelordensforschung in der Oberlausitz. In: Annegret Gehrmann, Dirk Schumann, Marius Winzeler (Hrsg.): Die Bettelorden in den beiden Lausitzen Geschichte – Architektur – Kunst, S. 36–62, Lukas Verlag, Berlin, 2017, ISBN 978-3-86732-216-4, hier Kloster Lauban S.
- Lars-Arne Dannenberg, Jan Zdichynec, Sabine Zinsmeyer: Lauban (Luban, Republik Polen), Heilig Kreuz und St. Marien Franziskaner (OFM). In: Enno Bünz, Sabine Zinsmeyer, Dirk Martin Mütze, Christian Schuffels, Alexander Sembdner (Hrsg.): Sächsisches Klosterbuch. Die mittelalterlichen Klöster, Stifte und Kommenden im Gebiet des Freistaates Sachsen, Teilband 2, S. 611–620, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2025. ISBN 978-3-86583-816-2 (Gesamtausgabe)
- Ferdinand Doelle: Die Martinianische Reformbewegung in der Sächsischen Franziskanerprovinz (Mittel- und Nordostdeutschland) im 15. und 16. Jahrhundert. Franziskanische Studien, Beiheft 7: 1–159, Verlag der Aschendorffschen Verlagsbuchhandlung, Münster i. Westf., 1921 (Im Folgenden abgekürzt Doelle, Reformbewegung mit entsprechender Seitenzahl)
- Ferdinand Doelle: Die Observanzbewegung in der sächsischen Franziskanerprovinz (Mittel- und Ostdeutschland) bis zum Generalkapitel von Parma 1529. Verlag der Aschendorffschen Verlagsbuchhandlung, Münster in Westf., 1918 (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte, Heft 30 und 31) Online bei archive.org (Im Folgenden abgekürzt Doelle, Observanzbewegung mit entsprechender Seitenzahl)
- Chrysogonus Reisch: Urkundenbuch der Kustodien Goldberg und Breslau, Band 1. Schwann, 1917 (Im Folgenden abgekürzt Reisch, Urkundenbuch, mit entsprechender Seitenzahl)
- Bernd Schmies, Kirsten Rakemann: Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. In: Dieter Berg (Hrsg.): Saxonia Franziskana Beiträge zur Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Geist. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1999, ISBN 3-87163-240-6 (Im Folgenden abgekürzt Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, mit entsprechender Seitenzahl)
- Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. St.-Benno-Verlag, Leipzig, 1995, ISBN 3-89543-021-8, hier S. 130 bis 131.
Einzelnachweise
- ↑ Lucas Wadding: Annales Minorum seu Trium Ordinum A S. Francisco Intitutorum. Band 4. Typis Rochi Bernabò, Rom, 1732 Online bei Münchener DigitalisierungsZentrum Digitale Bibliothek
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 11, Regest-Nr. 44.
- ↑ Eduard Mühle: Sakralstiftungen von Herzögen und Großen im piastischen Polen. Forschungsgeschichtliche Kontexte und mittelalterliche Zusammenhänge. In Eduard Mühle (Hrsg.): Monarchische und adlige Sakralstiftungen im mittelalterlichen Polen. S. 7–35, Akademie Verlag GmbH, Berlin 2013, ISBN 978-3-05-005926-6, hier S. 32.
- ↑ Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, S. 67.
- ↑ a b Lenka Bobková: Oberlausitz und Niederlausitz - zwei Länder der Böhmischen Krone in der Zeit der Luxemburger. In: Hans-Dieter Heimann, Klaus Neitmann, Uwe Tresp (Hrsg.): Die Nieder- und Oberlausitz - Konturen einer Integrationslandschaft. Band I: Mittelalter, S. 204-219, Lukas Verlag, Berlin, 2013, ISBN 978-3-86732-160-0.
- ↑ Gustav Köhler: Codex diplomaticus Lusatiae superioris. Sammlung der Urkunden für die Geschichte des Markgrafthums Ober-Lausitz. Band 1. 2. Auflage, Selbstverlag der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitz, 1856 Online bei SLUB Dresden
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 37, Regest-Nr. 132.
- ↑ Lucas Wadding: Dritter Regulierter Orden vom Heiligen Franziskus: Annales Minorum Seu Trium Ordinum A S. Francisco Institutorum. Tomus Septimus Online bei Münchener DigitalisierungsZentrum
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 43/44, Regest-Nr. 148.
- ↑ Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, S. 107.
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 44, Regest-Nr. 152.
- ↑ Patricius Schlager: Verzeichnis der Klöster der sächsischen Franziskanerprovinzen. Franziskanische Studien Quartalsschrift, 1(2): 230-242, 1914, hier S. 234, 235.
- ↑ Volker Honemann (Hrsg.): Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz. Band 1. Von den Anfängen bis zur Reformation. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2015, ISBN 978-3-506-76989-3, hier S. 850ff. (Tabellen zur Provinzgeschichte)
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 49/50, Regest-Nr. 165.
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 75-81, Regest-Nr. 236.
- ↑ a b Reisch, Urkundenbuch, S. 111/12, Regest-Nr. 315.
- ↑ Hermann Knothe: Die geistlichen Güter in der Oberlausitz. Neues Lausitzisches Magazin, 66: 157-199, Görlitz, 1890 Online bei Google Books
- ↑ a b Paul Berkel: Geschichte der Stadt Lauban. Verlag von Georg Reipprich, Lauban, 1896 Online bei Google Books
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 204/05, Regest-Nr. 489.
- ↑ a b Doelle, Reformbewegung, S. 59/60. Online bei archive.org
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 257, Regest-Nr. 618.
- ↑ Doelle, Reformbewegung, S. 10. Online bei archive.org
- ↑ Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, S. 209.
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 324, Regest-Nr. 751.
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 333, Regest-Nr. 776.
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 334, Regest-Nr. 778.
- ↑ a b Doelle, Reformbewegung, S. 75. Online bei archive.org
- ↑ Doelle, Reformbewegung, S. 21. Online bei archive.org
- ↑ Doelle, Reformbewegung, S. 22. Online bei archive.org
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 335, Regest-Nr. 779.
- ↑ Schmies und Rakemann, Chronologischer Abriß, S. 249.
- ↑ Doelle, Observanzbewegung, S. 95
- ↑ a b c Karl Gottlieb Müller: Kirchengeschichte der Stadt Lauban von der Mitte des zehnten Jahrhunderts an bis mit der dritten Jubelfeier der Reformation im Jahr 1817. Bei Christian Gotthard Anton in Kommission, Görlitz, 1818. Online bei Google Books, hier S. 454.
- ↑ a b c d e f Reisch, Urkundenbuch, S. 440.
- ↑ Reisch, Urkundenbuch, S. 317, Regest-Nr. 735, hier S. 318.
- ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv - Online Recherche: Bruder Cristoffel Kretzel, Guardian des Franziskanerklosters zu Lauban ("Luban"), und die Brüder Martinus Wolff und Michael Reynstain bekunden, dass Hans Schultz, Bürger zu Lauban, um seiner Seelen Seligkeit willen dem Kloster "ein ewig testament auff wein gemacht" 1500 November 21
- ↑ Johann Gotthilf Müller: Versuch einer Oberlausitzischen Reformationsgeschichte. Selbstverlag des Verfassers & In Kommission C. G. Anton, Görlitz, 1801, hier S. 450. Online bei Google Books
Anmerkung
- ↑ Nach Lucius Teichmann sollen dagegen schon 1254 zwei franziskanische Ordensbrüder Zeugen bei einer Schenkung in einem Privathaus in Lauban an das Kloster der Magdalenerinnen in Lauban gewesen sein. Er nimmt an, dass damals schon Angehörige eines schon existierenden Konvents in Lauban waren. Das Magdalenerinnenkloster in Lauban wurde erst 1320 gegründet; diese Notiz bezog sich also nicht auf das Laubaner Kloster, sondern auf das Magdalenerinnenkloster in Naumburg am Queis. Die zwei Franziskanerbrüder müssen daher nicht einem schon damals existierenden Franziskanerkonvent in Lauban angehört haben, sondern könnten einem der bereits in der Nähe existierenden Franziskanerkonvente (Görlitz, Goldberg oder Löwenberg) angehört haben.