Mönchskirche (Bautzen)

Die Mönchskirche, sorbisch Mniša cyrkej, ist eine heute nur noch als Ruine erhaltene ehemalige Klosterkirche der Franziskaner in der Altstadt von Bautzen. Das Franziskanerkloster Bautzen bestand von seiner Gründung um 1240 bis zu seiner Auflösung 1562.

Geschichte

Bau von Kirche und Kloster

Der Bau der Kirche wurde um 1240 zusammen mit dem Komplex des Franziskanerklosters mit mehreren Gebäuden und Höfen auf der südöstlich vor der Ortenburg gelegenen Fläche begonnen. Gemäß örtlicher Überlieferung wurde der Baugrund von Angehörigen des Landadels gestiftet[1], darunter Thiesko von Pannwitz. Nach einer Notiz im Görlitzer Nekrolog[2] war der Brandenburgische Markgraf Otto der Fromme Unterstützer der Klostergründung. Otto erhielt das Gebiet um Bautzen und die Lausitz zwar erst zwischen 1243 und 1253 als Hochzeitsgut und Pfand vom böhmischen König Wenzel I. durch die Hochzeit mit dessen Tochter Beatrix (Božena).[3] Aber zu diesem Zeitpunkt war der Bau wahrscheinlich noch in der Vorbereitungsphase, denn 1248 gewährte Papst Innozenz IV. mit einer Bulle allen Gläubigen, die zum Bau der Kirche und anderer Gebäude des Bautzener Franziskanerklosters beitragen, einen vierzigtägigen Ablass.[4] Die Kirche wurde folglich erst nach 1248 fertiggestellt.

Geschichte des Franziskanerklosters

Das Generalkapitel des erst im Jahr 1210 gegründeten Franziskanerordens, der sich in großer Geschwindigkeit in Europa ausbreitete, richtete 1239 eine Böhmische Ordensprovinz (Bohemia) ein, ordnete folgerichtig das neue Kloster in Bautzen dieser Provinz zu, die slawisch geprägt war, und ernannte es zum Vorort einer eigenen Kustodie in der Bohemia. Wegen anhaltender nationaler Spannungen wurde das Kloster jedoch bereits 1263 vorübergehend und ab 1274 endgültig wieder ausgegliedert und mit den schlesischen Klöstern der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) zugeordnet.[5]

Der erste sichere Beleg für das Kloster stammt vom 6. Mai 1248, als Papst Innozenz IV. einen Ablass für die Vollendung des Baues bewilligte. Die Mönchskirche trug das Patrozinium der heiligen Gottesmutter Maria. In der Klosterkirche und beim Kloster ließen sich zahlreiche Bürger Bautzens, Handwerker, Patrizier und Adlige begraben, darunter auch Bischof Johann III. von Meißen, der sich nach Spannungen mit seinem Domkapitel 1398 nach Bautzen zurückgezogen haben soll und 1408 auf seinen Wunsch in der Klosterkirche beerdigt wurde.[6] Im Refektorium des Klosters fanden Versammlungen der regionalen Ritterschaft statt, und der Vogt sprach Urteile bei Gerichtsverhandlungen. Dass das Kloster, in dem auch in sorbischer Sprache gepredigt wurde, bei der Bevölkerung beliebt und geachtet war, zeigt sich auch an zahlreichen Stiftungen. Die Franziskaner verfügten über einige Häuser und Wald, hatten Zinserträge und regelmäßige Einkünfte in Form von Getreide, Heringen und anderen Lebensmitteln sowie das Nutzungsrecht (nicht den Besitz) der „Mönchsschäferei“, wo sie Rinder, Schweine, Schafe und Hühner für den eigenen Bedarf hielten. Im Kloster befand sich ein Hausstudium für den Ordensnachwuchs, die Kirche war mit zum Teil teurem liturgischen Gerät ausgestattet. Die Stellung des Klosters in der Stadt führte allerdings zu Spannungen zwischen den Franziskanern und dem Weltklerus, hauptsächlich wegen der Stolgebühren für Taufen, Trauungen und Beerdigungen, die die Weltpriester mit den Ordensleuten teilen mussten. Unterstützung fanden die Franziskaner bei Bischof Johann III. und auch Papst Sixtus V., an den sie sich gewandt hatten.[7]

Das Kloster brannte am 1. August 1401 vollständig ab, wurde aber wieder aufgebaut. Durch einen erneuten Brand im Jahr 1441 wurde das Kirchendach zerstört. 1479 starben 20 Brüder an der Pest, woraus man schließen kann, dass der Konvent eine gewisse Größe hatte. Siebenmal tagte dort das Provinzkapitel der Sächsischen Franziskanerprovinz.

Der Franziskaner Johannes Capistranus, ein Verfechter einer strengen Beachtung der Ordensregel und besonders des Armutsgelübdes, besuchte das Bautzener Kloster 1453, konnte die Brüder in ihrer Einstellung zu Besitz nicht umstimmen. 1492, nahmen die Franziskaner in Bautzen die Martinianischen Konstitutionen an, die auf Initiative von Papst Martin V. eine gemäßigte Form der Armut forderten, jedoch wurden die Vorgaben dieser Ordnung nur schleppend umgesetzt.

Infolge der Reformation wurde das Kloster in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aufgehoben. Bereits seit 1532 drangsalierte der Magistrat die Ordensbrüder, indem er fällige Zinsen und andere Leistungen nicht mehr zahlte sowie sich Liegenschaften des Klosters in der Stadt aneignete. 1558 lebten noch zwei Brüder im Kloster, 1562 übergab Michael Pollmann die Besitztümer an das Bautzener Domkapitel. Im Kloster kamen bis zum Brand fünf Benediktinerinnen unter, die aus dem aufgehobenen Kloster Heilig Kreuz (Meißen) kamen und keine Bleibe hatten.[8]

Die Kirchenruine nach 1598

Am 2. Juli 1598 brannten Kloster und Kirche nieder, nachdem im Nachbarhaus ein Feuer entstanden war, und wurden nicht wieder aufgebaut.[9.1] Erhalten geblieben ist die frühgotische Mönchskirchenruine mit ihren Spitzbogenfenstern und dem Portal. Im Jahr 1620 wurde das bereits begonnene Abtragen der Klostermauern durch den Stadtrat wieder abgebrochen. Nach dem Brand von 1598 und besonders während des Dreißigjährigen Krieges ließen sich mittellose Bürger in den Kirchenruinen des Klosterbereiches nieder und bauten sich dürftige Wohnstätten, die sogenannte Budenstadt oder Mönchskirchensiedlung. 1893 zählte die kleine Ansiedlung 18 Häuser mit 53 Haushaltungen. Diese kleinen Wohnhäuser wurden am 10. Februar 1894 nachts in der zwölften Stunde bei einem Brand Opfer der Flammen, das im Haus Burglehn (Kat.-Nr. 261) ausgebrochen war und rasch auf den gesamten Kirchenbereich übergriff.[9.2]

Richard Andree bezeichnet die Mönchskirche, die als einzige Kirche Bautzens aus Backstein errichtet war, als „südlichsten monumentalen Ziegelbau, der aus der norddeutschen Tiefebene hier bis an das Gebirge heranreicht.“[10]

Wasserturm

Im Westteil der alten Kirchenruine ließ die Stadt 1877 einen Wasserhochbehälter errichten. Dieser hatte ein Fassungsvermögen von ca. 1.000 m³. Die erhaltene Holzverkleidung des Oberteils des Wasserturmes besteht seit 1936. Die Wasseranlage wurde 1979 stillgelegt. Nach Jahren der Nichtnutzung erfolgte 2016/2017 eine umfangreiche Sicherung und Sanierung, bei der unter anderem auch ein Teil des Behälterbodens aufgetrennt wurde, um ihn über eine Treppe begeh- und somit nutzbar zu machen. Im Rahmen des Altstadtfestivals Wasser-Kunst-Licht wurde der Wasserturm vom 31. August 2018 bis 2. September 2018 erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

Trivia

Um das Mönchskloster, die Mönchskirche bzw. das Hüttendorf in der Klosterruine handeln mehrere Sagen.[11]

Literatur

  • Richard Reymann: Geschichte der Stadt Bautzen. Bautzen 1902, S. 297–307, urn:nbn:de:bsz:14-db-id18885118185.
  • Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. St.-Benno-Verlag, Leipzig, 1995, ISBN 3-89543-021-8, hier S. 36 ff.
  • Cornelius Gurlitt: Die Mönchskirche. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 33. Heft: Bautzen (Stadt). C. C. Meinhold, Dresden 1909, S. 79–90.
  • Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen mbH (Hrsg.): Bautzener Geschichtspfad. – Textheft, 7/2007, siehe hierzu auch Seite auf www.bautzen.de
  • Kai Wenzel: Die Franziskanerklosterkirche St. Marien. In: Silke Kosbab und Kai Wenzel: Bautzens verschwundene Kirchen. Bautzen 2008, S. 52–85
Commons: Mönchskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Bautzen: Von Budissin nach Bautzen. Lusatia Verlag, Bautzen 2002, ISBN 3-929091-91-7
  2. Gustav Köhler (Hrsg.): Kalendarium Necrologicum Fratrum Minorum Conventus in Goerlicz. In: Scriptores rerum lusaticarum, Neue Folge. Band 1, Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitz 1839. S. 274–275. Digitalisat
  3. Silke Kosbab, Kai Wenzel: Bautzens verschwundene Kirchen. Lusatia-Verlag, Bautzen 2008, ISBN 978-3-936758-48-1, S. 54
  4. Karl Alexander Edelmann: Das Franziskanerkloster in Bautzen. In: Neues Lausitzisches Magazin 49, 1872, S. 1–54, hier S. 10 Münchner Digitalisierungszentrum
  5. Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. Leipzig, 1995, S. 36.
  6. Cornelius Gurlitt: Denkmäler der Mönchskirche. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 33. Heft: Bautzen (Stadt). C. C. Meinhold, Dresden 1909, S. 166–167.
  7. Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. Leipzig, 1995, S. 36 f.
  8. Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. Leipzig, 1995, S. 37 f.
  9. Richard Reymann: Geschichte der Stadt Bautzen, Bautzen 1902. Digitalisat SLUB Dresden
    1. S. 303
    2. S. 305
  10. Richard Andree: Wendische Wanderstudien. Zur Kunde der Lausitz und der Sorbenwenden. Stuttgart 1874, S. 16. Digitalisat Münchener Digitalisierungszentrum
  11. Bautzener Sagen – Wikisource. Abgerufen am 22. Juni 2022.

Koordinaten: 51° 10′ 55,8″ N, 14° 25′ 18,9″ O