Francesco Brambilla der Jüngere

Francesco Brambilla der Jüngere (* ca. 1530 in Mailand; † 28. September 1599 ebenda) war ein italienischer Modellbildner für Holzfiguren sowie Bronzeskulpturen und -reliefs. Er schuf vermutlich über 100 Wachs- und Tonmodelle nach Zeichnungen von u. a. Pellegrino Tibaldi und Camillo Procaccini. In den letzten Dekaden des 16. Jahrhunderts genoss Brambilla hohes Ansehen als künstlerischer Leiter der skulpturalen Ausstattung des Mailänder Doms. Parallel zu den Aufträgen für das Gotteshaus führte er Arbeiten für die Certosa di Pavia sowie für das Anwesen von Pirro I. Visconti Borromeo in Lainate aus.

Leben und Werk

Das Geburtsjahr Brambillas leitet sich von dem im Sterberegister angegebenen Alter (ca. 69 Jahre) ab.[1] Die verwandtschaftliche Verbindung zu dem Mailänder Namensvetter Francesco dem Älteren wird in der Literatur abgewiesen.[2][3]

Das in den Annalen des Doms zu Mailand und im Dizionario Biografico degli Italiani noch dem Senior zugeschriebene, 1565 begonnene Modell des nördlichen Seitenportals Porta verso Cómpito (oder Compedo) gilt mittlerweile als die erste bekannte Arbeit des jüngeren Francesco.[3] Der 1571 beschlossene Abbruch des bestehenden, einsturzgefährdeten Tores und die Verfüllung des offenen Raums mit Steinen verzögerte die Ausführung jedoch auf unbestimmte Zeit.[4] Von Brambilla erhalten ist ein Türfeld mit der Darstellung Der 12jährige Jesus im Tempel.[3]

Im Dezember 1572 beauftragte die Mailänder Dombauhütte Brambilla mit der Anfertigung von Ornamenten für die neuen Altäre. Es folgten mehrere Terrakottamodelle für Heilige, Märtyrer und Engel, die für den Chorraum bestimmt waren. Bei den 1575 ausgeführten Stuckarbeiten für die Krypta (scurolo) ist das zentrale Christusmonogramm in eine reiche Dekoration eingebettet. Ab 1582 modellierte Brambilla für das Chorgestühl zahlreiche Episoden aus dem Leben des Heiligen Ambrosius nach Zeichnungen von Pellegrino Tibaldi; die Ausführung in Holz stammt von Virgilio de’ Conti. Für die Apsis entstanden im Jahr 1583 Modelle einiger Patriarchen; sie wurden von den Bronzegießern Antonio Padovano und Stefano Rosio ausgeführt. Das im März 1584 gefertigte Terrakottamodell für die silberne Büste der Heiligen Thekla gilt als eines der bedeutendsten Werke Brambillas.[2][3]

Im Januar 1585 begab sich der Künstler zusammen mit Leone Leoni nach Spanien in den Dienst des Königs, doch schon am 18. Februar war er wieder in Mailand, um eine Zahlung entgegenzunehmen.[5] und bald darauf die Arbeiten für das Chorgestühl fortzusetzen. Die 1590–1593 entstandenen Modelle für den Metallguss der vier Kirchenväter zählen mit ihren starken Konturen und der realistischen Darstellung zu den „besten Ausdrucksformen des späten lombardischen Manierismus‘“.[2] Dem Werkverzeichnis der Annalen zufolge fertigte Brambilla Modelle für über 70 Bronze- und Holzstatuen an, darunter der Heiligen Anna, Johannes, Gervasius, Stephanus, Christina, Valeria und Anatolia.[6]

Die von Busca gegossenen Bronzereliefs der Kreuzigung und des Letzten Abendmahls befinden sich heute im Royal Ontario Museum, Toronto und im Bode-Museum, Berlin. Die Wachsmodelle entstanden 1596 nach Zeichnungen von Camillo Procaccini.[7]

Ab 1580 war Brambilla zudem für die Certosa di Pavia tätig, für die er unter anderem die Modelle für vier Bronzetüren des Ziboriums schuf. Auch an der Ausstattung des Nymphäums der Villa Litta in Lainate war er maßgeblich beteiligt.[2][3] Neben Stuckstatuen[8] fertigte er dort das Modell für die 1937 in die Mellon-Sammlung der National Gallery of Art, New York gelangte Venus.[9]

Der Bildhauer Pietro Antonio Daverio war Brambillas Schüler und Schwiegersohn.[10]

Brambilla starb 1599 als Protostatuario (oberster Verantwortlicher für die Skulpturen) des Mailänder Doms und einer der einflussreichsten Modellbildner der Stadt.[7] Das von ihm selbst modellierte und von Busca gegossene Epitaph ist neben der Kapelle der Madonna dell’Albero im Mailänder Dom angebracht. Die Inschrift lautet:[11]

d. o. m. Francisco Brambilla celeberrimo protoplastae qui fingendis hvivs templi archetypis per annos lx operam dedit praefecti fabricae officii memo res p. mdxcix.
Deo Optimo Maximo Francesco Brambilla, dem hochberühmten Modellbildner, der sich sechzig Jahre lang der Anfertigung der Modelle dieses Tempels widmete, haben die Vorsteher des Bauamts der Fabbrica (dieses Denkmal) zum Andenken errichtet. Im Jahre 1599.“ 

Werkauswahl

Brambilla fertigte Modelle für Statuen und Figuren aus Bronze, Holz und Marmor an. Dazu zählen

  • 1582–1598 Episoden aus dem Leben des heiligen Ambrosius für das Chorgestühl
  • 1583–1599 Statuen von Heiligen, Propheten, Patriarchen, Engeln
  • 1590–1593 Die Kirchenlehrer Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregor der Große für die südliche Kanzel, Bronzeguss von Giovanni Battista Busca
  • 1599 Sieben Stuckstatuen auf einem Triumphbogen, errichtet anlässlich des Besuchs der spanischen Königin
  • 1580er-Jahre Bronzeleuchter für die Kirche der Certosa di Pavia
  • Vor 1589 Venus für das Nymphäum der Villa Litta in Lainate

Literatur

Commons: Francesco Brambilla il giovane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mailand, Archivio di Stato, Fondo Popolazione, fol. 106. Zitiert nach Susanna Zanuso: The 'Crucifixion' and the 'Last Supper'. In: The Burlington Magazine. November 2015, S. 764.
  2. a b c d Maria Clotilde Magni: Brambilla, Francesco, il Giovane. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 13. Rom 1971.
  3. a b c d e Susanna Partsch: Brambilla, Francesco (1530). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 13, Saur, München u. a. 1996, ISBN 3-598-22753-1, S. 576.
  4. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 4, 1881, S. 114.
  5. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 4, 1881, S. 220.
  6. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Appendici, 2, 1885, S. 228 f.
  7. a b Susanna Zanuso: The 'Crucifixion' and the 'Last Supper'. In: The Burlington Magazine. November 2015, S. 764 f.
  8. Brambilla Francesco (1530/1599). In: Catalogo generale dei Beni Culturali. Abgerufen am 2. Januar 2026 (italienisch).
  9. Venus. In: National Gallery of Art. Abgerufen am 2. Januar 2026 (englisch).
  10. Gaetano Franchetti: Storia e descrizione del duomo di Milano. Gio. Giuseppe Destefanis, Milano 1821, S. 64 (italienisch, google.com).
  11. Annali della Fabbrica del Duomo di Milano. Band 4, 1881, S. 191.