Flugplatz Bamberg-Breitenau
| Flugplatz Bamberg-Breitenau | ||
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| Kenndaten | ||
| ICAO-Code | EDQA (ehemals ETEJ) | |
| Flugplatztyp | Sonderlandeplatz | |
| Koordinaten | 49° 55′ 14″ N, 10° 54′ 52″ O | |
| Höhe über MSL | 252 m (827 ft) | |
| Verkehrsanbindung | ||
| Entfernung vom Stadtzentrum | 3 km nordöstlich von Bamberg | |
| Straße | Bamberg Memmelsdorf St 2190 | |
| Nahverkehr | Bus 914 | |
| Basisdaten | ||
| Eröffnung | 1912 | |
| Schließung | militärischer Teil: 2012 | |
| Betreiber | Wirtschaftlich: Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park-GmbH[1] Flugbetrieb: Aero-Club Bamberg e. V.[2] | |
| Terminals | 1 | |
| Start- und Landebahn | ||
| 03/21 | 1104 m × 24 m Asphalt | |
| Webseite | ||
| https://www.stadtwerke-bamberg.de/unternehmen/beteiligungen/sonderlandeplatz-bamberg-breitenau | ||
Der Flugplatz Bamberg-Breitenau (ICAO-Code: EDQA) ist der Sonderlandeplatz der oberfränkischen Stadt Bamberg. Er wurde von 1945 bis 2012 unter dem Namen Bamberg Army Airfield (ICAO-Code: ETEJ) von der US Army betrieben, aber bereits in dieser Zeit hauptsächlich für zivilen Flugverkehr genutzt. Heute ist der Flugplatz für Sport-, Segel- und Geschäftsflugzeuge für VFR und IFR[3] Verkehr bis 10 t Höchstabflugmasse (MTOW) zugelassen, eine Betankungsanlage ist vorhanden. Betreiber sind die Stadtwerke Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Aero-Club Bamberg, der für die Abwicklung des Flugbetriebs verantwortlich ist.[1][2]
Geschichte
(Quelle: [4])
Bis 1945
1890 wurde auf dem Gelände des heutigen Flugplatzes ein Exerzierplatz für das 5. Königlich-Bayerische Infanterie-Regiment angelegt. Auf diesem führte der Flugpionier Friedrich Harth im Jahr 1909 mit selbstgebauten Gleitflugzeugen seine ersten Flugversuche durch. Drei Jahre später waren die Grade II Libelle und der Farman-Sachsen-Doppeldecker als erste Motorflugzeuge in Bamberg zu sehen. Im Jahr 1913 entstand auf dem Gelände die erste Flugzeughalle.
Ab 1916 entstand auf der Breitenau ein Militärflugplatz, den die Königlich Bayerische Fliegertruppe als sechste Kriegsfliegerschule nutzte. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs verfügte diese Schule über 98 Flugzeuge, 14 Flugzeughallen, etwa 100 Flugschüler und 323 Mitarbeiter.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Militärflugplatz für die zivile Luftfahrt geöffnet. Gleichzeitig mussten aufgrund des Inkrafttretens des Versailler Vertrags alle militärischen Einrichtungen auf dem Platz zerstört werden. Im Jahr 1924 begann der Bau einer großen Flugzeughalle mit einer angebauten Wohnung, die 1925 fertiggestellt und feierlich eingeweiht wurde. Von den 1950er Jahren bis zum Abriss im Jahr 2014 nutzte der Aero-Club Bamberg die Halle zur Unterstellung seiner Vereinsflugzeuge. Die Wohnung diente in denselben Jahren als Vereinsheim.
Bis zum Jahr 1936 wurde der Flugplatz überwiegend privat genutzt. Ab 1933 erhielt die private Fliegerei jedoch zunehmend eine vormilitärische Bedeutung. Im Jahr 1936 beanspruchte das Militär die Breitenau dann erneut als Exerzierplatz. Dadurch wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt.
Während des Zweiten Weltkriegs nutzten Militärpiloten von benachbarten Flugplätzen das Gelände in Bamberg zum Tanken und als Not- und Außenlandeplatz. Zeitweise wurden dort auch militärische Luftbeobachter ausgebildet. Private Fliegerei fand in dieser Zeit kaum noch statt. Am 11. April 1945 zerstörte ein amerikanischer Luftangriff große Teile der südlichen Heereslagerhallen. Die im Jahr 1925 errichtete Flugzeughalle blieb erhalten und wurde nach dem Krieg zur Lagerung von Schrott verwendet.
Nach Kriegsende übernahm die US-Armee das Gelände und stationierte dort Heeresfliegereinheiten. Im Laufe der Jahre entstand eine befestigte Start- und Landebahn. Außerdem kamen weitere militärische Einrichtungen hinzu. Schließlich wurde das Gebiet in die neu eingerichteten Warner Barracks eingegliedert. Private Fliegerei war in Deutschland zu dieser Zeit nicht erlaubt.
Ab 1945
Ab 1950 erlaubten die Besatzungsmächte wieder das Segelfliegen. Im Jahr 1952 gestattete auch die US-Armee die Mitbenutzung des Flugplatzes durch den 1949 gegründeten Aero-Club Bamberg. Die alte Flugzeughalle konnte erneut genutzt werden und ging 1955 in den Besitz des Aero-Club Bambergs über.
1961 errichteten Pioniere der US-Armee eine separate Startbahn für den Segelflug. Zwei Jahre später entstand eine zweite, kleinere Flugzeughalle, die bis 2014 für Motorflugzeuge und Fahrzeuge genutzt wurde. In dieser Zeit wurden weitere Baumaßnahmen durchgeführt. Dazu gehörten der Bau eines Clubkasinos, das später als Gaststätte diente und an das Vereinsheim angebaut wurde, sowie die Errichtung eines Turms auf dem Dach des Vereinsheims. Außerdem wurde eine Bodenfunkstation angeschafft. Kurz darauf erhielt die Rollbahn eine Asphaltdecke und die Schleppstrecke für den Segelflug wurde befestigt.
Seit 1968 ist Bamberg Stützpunkt der Luftrettungsstaffel Bayern. 1969 wird die Flugüberwachungszone zwischen der deutsch-deutschen Grenze nach Norden verlegt, sodass der Flugplatz ohne vorherige Aufgabe eines Flugplans angeflogen werden kann.
Im Jahr 1974 wurde der Sonderlandeplatz Bamberg Breitenau für den Nachtflug zugelassen. Ein Jahr später wurde mithilfe der Stadt Bamberg das Vorfeld asphaltiert und mit der Rollbahn verbunden. 1985 wurde nördlich des Flugplatzes eine Fläche aufgeforstet, die als Ausgleichsfläche für ein Bauvorhaben der US-Armee gedacht war. Das Vorhaben wurde nicht verwirklicht, das entstandene Kiefernwäldchen blieb jedoch bestehen und liegt bis heute zwischen Kramersfeld und der Segelflugschleppstrecke.
Nach jahrzehntelangen Bemühungen und langen Verhandlungen mit der US-Armee, dem Bundesfinanzministerium und der Stadt Bamberg konnte der Aero-Club schließlich 3,3 Hektar des Vorfeldes und der Flächen erwerben, auf denen die Vereinsgebäude und Hallen stehen.
1998 wurde die ursprünglich 635 Meter lange Landebahn auf 1150 Meter verlängert. Das östliche Landefeld für die Segelflieger wurde in diesem Zusammenhang weiter nach Norden verlegt. Anschließend begann ein regelmäßiger Werksflugverkehr mit Düsenflugzeugen. Die Verlängerung erwies sich jedoch schnell als problematisch, da der vorgeschriebene Gleitwinkel für die Anflugverfahren der US-Militärflugzeuge durch die neue Lage der Landeschwelle nicht mehr eingehalten werden konnte. Im Jahr 1999 untersagte das Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg den Flugbetrieb für insgesamt sechs Monate. Schließlich zog die US-Armee ihre Flächenflugzeuge von Bamberg ab und setzte nur noch ihre Hubschrauber ein. Damit wurde die Breitenau wieder für die zivile Luftfahrt freigegeben.
Im Jahr 2004 wurde die Landebahn durch den Bau zusätzlicher Überrollstrecken auf eine Länge von 1290 Metern verlängert. 2012 wurde der Flugplatz Bamberg Breitenau nach dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte und nach rund hundert Jahren (teilweiser) militärischer Nutzung vollständig zivil betrieben. Die ehemaligen Gebäude der US-Armee im Süden des Flugplatzes gingen in die Nutzung des Aero-Clubs über und dienten während der Neubauphase der Vereinsgebäude in den Jahren 2014 und 2015 als Unterkunft.
Die Arbeiten zur Erneuerung der Asphaltbahn begannen 2013. Sie wurde erneuert, auf 23,5 m verbreitert und mit einer Unterflurbefeuerung ausgestattet. Aufgrund der Veränderung des Erdmagnetfeldes mussten die Bezeichnungen der Landebahnen von 04/22 zu 03/21 geändert werden.
Im Jahr 2014 wurden die beiden alten Flugzeughallen und das Vereinsheim abgerissen. Das neue Vereins- und Betriebsgebäude mit Turm sowie die neue Flugzeughalle wurden errichtet und am 21. November 2015 eröffnet. Im selben Jahr erwarb die Stadt Bamberg den Sonderlandeplatz Breitenau von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Wirtschaftlicher Betreiber wurde die Stadtwerke Bamberg Verkehrs- und Park-GmbH, die Abwicklung des Flugbetriebs liegt weiterhin beim Aero-Club Bamberg e. V. Zwei Jahre später erhielt der Flugplatz Bamberg Breitenau die Zulassung für Luftfahrzeuge mit einem maximalen Abfluggewicht von zehn Tonnen. Im Jahr 2018 wurde die Schleppstrecke für den Segelflug gedreht, sodass sie nahezu parallel zur Asphaltbahn verläuft. 2019 wurde das gesamte Flugplatzgelände eingezäunt, da ein Instrumentenflugverfahren geplant war. Die Genehmigung für dieses trat am 2. Dezember 2021 in Kraft.
Lage und Verkehrsanbindung
Der Flugplatz befindet sich zwischen den Haßbergen, dem Thüringer Wald und dem Fichtelgebirge nahe der Fränkischen Schweiz, ca. 3 km nordöstlich vom Stadtzentrum Bamberg in unmittelbarer Nähe des Autobahnkreuzes Bamberg (südlich der A 70 Schweinfurt – Bayreuth und westlich der A 73 Suhl – Nürnberg), nahe dem Berliner Ring (B 22) an der Zeppelinstraße in 96052 Bamberg. Er liegt auf einer Höhe von 811 ft/248 m über MSL sowie am Zusammentreffen der GAFOR-Gebiete 54/56/57; die Platzfrequenz beträgt 123,440 MHz. Besucher finden kostenlose PKW- und Fahrrad-Stellplätze vor. Der Flugplatz ist an das städtische Busnetz und den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) angebunden. Die Linie 914 fährt stündlich ab Haltestelle Bruckertshof in die Bamberger Innenstadt. Alternativ kann auch die Line 931 ab P+R Kronacher Straße genutzt werden. Diese fährt im 10- bis 15-Minuten-Takt, der Fußweg dorthin beträgt ca. 10 Minuten.
Flugplatzanlagen
Die Betriebsgebäude am Flugplatz sind gegliedert in
- den Turm, von dem aus in der Nähe befindlichen Luftfahrzeugen auf Anfrage Informationen erteilt werden,
- das Vereins- und Betriebsgebäude des Aero-Clubs Bamberg e. V., in dem Flugvorbereitung, Unterricht, Verwaltung und Versammlungen stattfinden,
- die Flugzeughalle, in der die 11 Segelflieger, 2 Motorsegler, 5 Motorflieger und der Tragschrauber Platz finden, die am Bamberger Flugplatz stationiert sind,
- zwei Werkstätten, je eine für den Motor- und eine für den Segelflug,
- die Hängerhalle für die Anhänger, in denen die Segelflugzeuge transportiert werden können, und
- die Tankanlage, an der AvGas, JET A-1 und MoGas verfügbar sind.
Weitere Informationen insbesondere zu den Betriebszeiten und PPR findet man auf der Website des Aero-Clubs Bamberg.
Nutzung
Am Flugplatz erfolgen in erster Linie zivile Starts und Landungen von Sport-, Segel- und Geschäftsreiseflugzeugen. Der Flugplatz wird dabei im Wesentlichen von zwei verschiedenen Interessengruppen genutzt: Zum einen vom Aero-Club Bamberg e.V für Motor-, Motorsegler-, Ultraleicht- und Segelflug, zum anderen von der Firma Brose und vom BHS Helikopterservice, inzwischen BHS Aviation, der in Kooperation mit der DC Aviation Stuttgart Helikopter-Charterflüge anbietet.[5]
Der starke Einbruch der Startanzahl im Jahr 2013 ist auf die Umbaumaßnahmen der Landebahn mit daraus folgendem Landeverbot zurückzuführen.[1]
Gegenwärtiger Ausbau
Da eine weitere Verlängerung der Startbahn aufgrund örtlicher Gegebenheiten kaum möglich ist, gab es in den 2010ern Überlegungen, gemeinsam mit Coburg einen neuen Verkehrslandeplatz zwischen den beiden Städten zu bauen, da auch Coburg einen neuen, größeren Verkehrslandeplatz plante. Ein möglicher Standort wäre bei Rattelsdorf gewesen. Jedoch wurden diese Pläne inzwischen fallen gelassen.[6]
Am 4. September 2017 veröffentlichte die Bayerische Staatsregierung eine Presseinformation, in der sie darüber informierte, dass zur dauerhaften Sicherung des Werkflugverkehrs mit Geschäftsflugzeugen in Oberfranken der Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau nach neuen luftfahrtrechtlichen Bestimmungen für den Instrumentenflugverkehr von Flugzeugen und Helikoptern ertüchtigt werden sollte. Die Umsetzung des Beschlusses fand ab 2019 bis Ende 2021 statt. Dabei wurden unter anderem die Beleuchtung der Start- und Landebahn sowie des Vorfelds erweitert, Anflughilfen und Wetteranlagen installiert sowie eine Notstromversorgung aufgebaut.[7] Die Instrumentenflugverfahren sind zum 20. Dezember 2021 in Kraft getreten.[1]
Umwelt
Aus Lärmschutzgründen gilt über der Stadt die Mindestflughöhe von 3.000 ft MSL. Auch die Lage der Platzrunden wurde so gewählt, dass die benachbarten Anwohner möglichst wenig vom Flugbetrieb gestört werden.[2]
Die Planungen für die Ausweisung eines Naturschutzgebietes auf dem Sonderlandeplatz laufen an, nachdem sich die Stadt Bamberg und der BUND Naturschutz darauf verständigt haben.[8][9]
Zwischenfälle
- Am 17. September 2023 stürzte der motorisierte Schulterdecker D-EOLP vom Typ Cessna 182 beim Abflug von EDQA ab, zerbrach und geriet in Brand. Der 61-jährige Pilot wurde hierbei alleinbeteiligt lebensgefährlich verletzt und verstarb später im Krankenhaus, das Fluggerät wurde vollkommen zerstört.[10]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau. In: stadtwerke-bamberg.de. Stadtwerke Bamberg, abgerufen am 15. September 2021.
- ↑ a b c Flugplatzinformationen. In: aeroclub-bamberg.de. Aero-Club Bamberg e. V., abgerufen am 15. September 2021.
- ↑ DFS Deutsche Flugsicherung GmbH. Ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. November 2021. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
- ↑ Chronik – Aero-Club Bamberg e.V. Abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ Historie der BHS Aviation: Kompetenz seit vielen Jahren. In: bhs-aviation.com. BHS Aviation GmbH, abgerufen am 15. September 2021.
- ↑ Flugplätze werden ausgebaut. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 8. November 2017, abgerufen am 15. September 2021.
- ↑ Bauarbeiten am Sonderlandeplatz. (PDF) Stadtwerke Bamberg, 14. November 2019, abgerufen am 1. Januar 2020.
- ↑ Stadt Bamberg: Stadt Bamberg und BUND Naturschutz verständigen sich auf Naturschutzgebiet am Sonderlandeplatz. 19. November 2019, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Januar 2021; abgerufen am 23. Dezember 2019 (deutsch).
- ↑ Informationen zum Naturschutzgebiet “Breitenau” – Aero-Club Bamberg e.V. Abgerufen am 24. November 2025.
- ↑ Unfallbericht bei aviation-safety.net