Aero-Club Bamberg

Der Aero-Club Bamberg e.V. ist ein Flugsportverein in der oberfränkischen Stadt Bamberg. Über 200 Vereinsmitglieder fliegen im Aero-Club Bamberg in den Sparten Segelflug, Motorflug und Modellflug.[1] Heimatflugplatz des Vereins ist der Flugplatz Bamberg-Breitenau, den er als operativer Betreiber in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Bamberg betreibt. Neben acht Segelflugzeugen, sieben Motorflugzeugen und einem Motorsegler, die sich im Vereinseigentum befinden, sind hier zahlreiche Segel-, Motorflugzeuge und Motorsegler privater Halter und Haltergemeinschaften sowie eine Cessna Citation und zwei Hubschrauber der Firma Brose stationiert.[2] Der Aero-Club Bamberg besitzt zudem einen Modellflugplatz und ist Teilnehmer der deutschen zweiten Segelflug-Bundesliga.[3] Der Aero-Club Bamberg betreibt eine vereinseigene Flugschule (ATO) und bildet Segelflug-, Motorflug- und Motorseglerpiloten aus.[4]

Geschichte

Am 8. Juni 1949 wurde der Aero-Club Bamberg unter dem Decknamen Wanderclub Friesener Warte gegründet, da das Segelfliegen zu dieser Zeit noch von den Besatzungsmächten verboten war.[5] Im Verborgenen wurden eine SG 38 und ein Grunau Baby 3 gebaut sowie eine Startwinde beschafft, sodass der Verein sofort beginnen konnte, sobald das Segelfliegen wieder erlaubt wäre. Im selben Jahr wurde die Bastelgruppe eröffnet, aus der später die Modellflugsparte hervorging, und am Fuß der Friesener Warte begann der Bau eines ersten Clubheims.

Im Jahr 1950 konnte der Verein nach Aufhebung des Segelflugverbots seinen Namen zunächst in Luftsport Verband Bamberg ändern. Bereits ein Jahr später wählte man jedoch den Namen Aero-Club Bamberg, um Verwechslungen mit dem ebenfalls gegründeten Luftsport Verband Bayern zu vermeiden. Ende 1951 hatte der Verein bereits rund einhundert Mitglieder.

Im Jahr 1952 erlaubte die US-Armee dem Aero-Club Bamberg die Mitbenutzung des Flugplatzes Bamberg Breitenau. Der Umzug in die alte Halle und der beginnende Flugbetrieb auf dem Flugplatz in Bamberg führten dazu, dass sich die Hirschaider Gruppe abspaltete und als Luftsportverein Friesener Warte auf der gleichnamigen Höhe mit dem Segelflug begann.

Im Verlauf des Jahrzehnts wurden weitere Segelflugzeuge gebaut, darunter eine Mü 13 und ein Specht. Zudem konnte der Verein 1955 mit der Comte AC-4 ein eigenes Motorflugzeug erwerben, womit die Motorflugsparte entstand. Ab 1972 stand dem Verein mit dem Erwerb eines SF 25 B erstmals ein eigener Motorsegler zur Verfügung.

Im Jahr 1980 trat der Aero-Club Bamberg dem Luftsport Verband Bayern bei. Im selben Jahr wurde die Ballonsparte gegründet. Drei Jahre später kam eine weitere Sparte hinzu, die Ultraleichtsparte, die jedoch im Jahr 2019 wieder geschlossen wurde. Bis 1989 war die Mitgliederzahl auf dreihundert angewachsen.

1990 wurde die Ballonsparte aus dem Verein herausgelöst und als eigenständiger Ballonfahrerverein Bamberg weitergeführt. 1994 richtete der Aero-Club Bamberg den 55. Deutschen Segelfliegertag aus. Piloten aus ganz Deutschland kamen in der Konzert- und Kongresshalle Bamberg zusammen, um Vorträge über Meteorologie, Wettbewerbsfliegerei und andere Fachthemen zu hören. Gleichzeitig präsentierten Ingenieure Neuerungen im Flugzeugbau und in der Fluginstrumentierung.

Vom 28. bis zum 31. Juli 2011 trug der Aero-Club Bamberg die Offene Deutsche Hubschraubermeisterschaft aus. Seit dem Abzug der US-Armee aus Bamberg im Jahr 2012 betreibt der Verein den Flugplatz Bamberg Breitenau gemeinsam mit den Stadtwerken Bamberg.

Erfolge

Die sportlichen Erfolge des Aero-Clubs Bamberg beginnen im Jahr 1955.[5] Damals absolvierten Albert Otto, Franz Dioszeghy, Adolf Haaß, Joseph Hofmann und Jean Weghorn die ersten Streckensegelflüge über mehr als fünfzig Kilometer in der Geschichte der Breitenau. Mit einem B-Spatz, einer Mü 13 E und einem Grunau Baby IIIb flogen sie Ziele wie Uffenheim, Haßlach, Edelsfeld, Bindlach und Nürnberg an und erfüllten damit die Bedingungen für das Leistungsabzeichen in Silber. Im selben Jahr gewann Adalbert Müller die Bayerische Meisterschaft im Modellflug.

1961 siegten Rudolf Weigmann und Hermann Welzel beim Deutschlandflug und erhielten als Burda-Preis der Lüfte eine Piper J-3C, die den Grundstock der Motorflugschule bildete. Ein Jahr später gelang Rudolf Meyer der erste Streckenflug über mehr als dreihundert Kilometer von Bamberg nach Trier, womit er eine Bedingung für das Leistungsabzeichen in Gold erfüllte. 1969 erflog Klaus Röder als erster Bamberger das goldene Modellflugabzeichen.

In den 1970er Jahren folgten weitere große Erfolge. 1970 erreichten Erwin Popp, Peter Bruha und Franz Ott den zweiten Platz in der dezentralen Deutschen Meisterschaft im Streckensegelflug (Dmst), Franz Ott wurde zudem bayerischer Jugendmeister. 1974 gewann Hans Jürgen Schmacht die Juniorenwertung in Bayern. Ein Jahr später flog er mit seiner ASW 15 B das erste FAI-Dreieck über mehr als fünfhundert Kilometer in der Geschichte der Breitenau und wurde erneut bayerischer Juniorensieger. 1976 wiederholte Erwin Popp diese Leistung erstmals auf einem Vereinsflugzeug. 1979 gewann die Wettbewerbsmannschaft um Hans Jürgen Schmacht, Christian Waldschmidt und Reinhold Ruß die bayerische Dmst-Wertung und belegte bundesweit Rang fünf.

Die 1980er Jahre zählen zu den sportlich erfolgreichsten Jahrzehnten des Vereins. 1980 gewann Christian Waldschmidt die Oberfränkische Meisterschaft in der offenen und der fünfzehn-Meter-Klasse sowie die bayerische DMSt-Wertung. 1981 stellte Hans Jürgen Schmacht mit einem 838 Kilometer großen Dreieck einen bayerischen Rekord auf, gewann den Klippeneck-Wettbewerb, wurde Bayerischer Meister und erreichte den zweiten Platz im Barron Hilton Cup. 1985 holte er seinen dritten bayerischen Meistertitel in Folge, während Christian Waldschmidt die bayerische DMSt-Wertung in der fünfzehn-Meter-Klasse gewann. 1986 dominierte die Bamberger Mannschaft die Oberfränkische Meisterschaft, und Hans Jürgen Schmacht wurde Mitglied der Nationalmannschaft und belegte bei der Europameisterschaft den vierten Platz.

1991 nahm Thomas Badum an der Segelflug-Weltmeisterschaft teil und erreichte den fünften Platz in der Standardklasse. Im selben Jahr wurde Hans Jürgen Schmacht Deutscher Meister im Motorsegelflug, gewann erneut den Klippeneck-Wettbewerb und wurde Zweiter auf der Hahnweide. 1994 siegte er in der achtzehn-Meter-Klasse beim Internationalen Hahnweide-Wettbewerb und belegte Rang vier bei der Deutschen Meisterschaft. 1998 gewann Peter Bruha die Bayerische Meisterschaft in der Rennklasse, und Christian Waldschmidt erhielt in Bitterwasser das erste 1000-Kilometer-Diplom in der Geschichte des Vereins.

In jüngerer Zeit setzte sich die Erfolgsgeschichte fort. 2015 erreichte die Bamberger Segelflugmannschaft mit dem vierten Platz in der Bundesliga das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Im gleichen Jahr flog Horst Singer den ersten 1000-Kilometer-Streckenflug von der Breitenau. 2016 und 2017 gewann Maximilian Dorsch die bayerische Jugendwertung der DMSt in der Standardklasse, 2018 wurde er Deutscher Juniorenmeister in der Clubklasse. 2019 holte er mit der deutschen Mannschaft den Weltmeistertitel in der Junioren-Clubklasse, wurde in der Einzelwertung Dritter der weltweit besten Piloten unter 25 Jahren, gewann außerdem die OLC Junior Challenge und den Bitterwasser Cup und flog den ersten 1000-Kilometer-Streckenflug auf einem Vereinsflugzeug. 2020 wiederholte die Bamberger Segelflugmannschaft ihren Bundesligarekord mit erneut dem vierten Platz.

Einzelnachweise

  1. Verein. In: Aero-Club Bamberg e.V. Abgerufen am 24. November 2025.
  2. Flugzeuge | Aero-Club Bamberg. Abgerufen am 20. August 2024.
  3. Segelflug-Bundesliga – Aero-Club Bamberg e.V. Abgerufen am 24. November 2025.
  4. Was passt zu mir? Abgerufen am 21. Januar 2020.
  5. a b Chronik – Aero-Club Bamberg e.V. Abgerufen am 10. Dezember 2025.