Evangelos Giannopoulos

Evangelos Giannopoulos (griechisch Ευάγγελος Γιαννόπουλος auch Evangelos Yiannopoulos; * 1918 in Mygdalia; † 4. September 2003 in Athen) war ein griechischer Rechtsanwalt und Politiker der sozialdemokratischen Panellinio Sosialistiko Kinima (PASOK), der unter anderem Mitglied des Parlaments sowie Minister in verschiedenen Regierungen war.

Leben

Evangelos Giannopoulos absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen und meldete sich im Griechisch-Italienischen Krieg (28. Oktober 1940 bis 23. April 1941), der mit der Kapitulation der meisten griechischen Truppen endete und zum Exil des Königs, der Regierung und Teile der Streitkräfte führte, meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und wurde nach einer Verwundung am 7. April 1941 als Feldwebel der Infanterie mit dem Kriegskreuz ausgezeichnet. Während der darauf folgenden deutschen Besatzung Griechenlands wurde er im März 1944 Mitglied der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS (Ethnikós Laikós Apelevtherotikós Stratós), in der er im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs als Bataillonskommandeur diente. Als solcher nahm er im Range eines Majors an der Schlacht um Athen (Dezember 1944 bis Januar 1945) teil, die zur Demobilisierung der Partisanenverbände, die eine Zivilregierung ermöglichen sollte, führte und mit einem Waffenstillstand zwischen der Nationalen Befreiungsfront EAM (Ethniko Apeleftherotiko Metopo) und der griechischen Regierung endete.

Nach Kriegsende nahm Giannopoulos nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst 1948 eine Tätigkeit als Rechtsanwalt und war zwischen 1960 und 1967 Herausgeber und Chefredakteur der juristischen Zeitung „Dikigorikí Gnómi“. Er wurde Mitglied der 1961 von Georgios Papandreou[1] und Sophoklis Venizelos[2] gegründeten Zentrumsunion EK (Enosis Kendrou). 1963 wurde er Präsident und Generalsekretär der von ihm, Nikiforos Mandilaras, Efstathios Alexandris,[3] George Asimakopoulos und anderen gegründeten Vereinigung demokratischer Juristen Griechenlands EDDA (Ένωσις Δημοκρατικών Δικηγόρων Ελλάδος Énosis Dimokratikón Dikigóron Elládos).

Während der von 1967 bis 1974 dauernden Militärdiktatur verteidigte er als Anwalt Menschen, die von der Militärregierung wegen politischer Verbrechen angeklagt wurden. Auch er selbst wurde wegen Widerstands gegen die Junta 1969 festgenommen und deportiert. Kurz nach seiner Freilassung wurde er 1970 erneut verhaftet und wegen politischer Aktivitäten im Gefängnis Korydallos inhaftiert. Nach dem Ende der Militärdiktatur gehörte er am 3. September 1974 neben Andreas Papandreou[4] zu den Mitgründern der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung PASOK (Panellinio Sosialistiko Kinima), dessen Zentralkomitee er als Mitglied angehörte. Er übernahm zwischen 1975 und 1981 erneut die Funktion als Herausgeber und Chefredakteur der juristischen Zeitung „Dikigorikí Gnómi“ und fungierte zudem von 1976 bis 1981 zeitgleich als Präsident der Anwaltskammer Athen ABA (Dikigorikós Sýllogos Athinón), Mitglied des Vorstands des Instituts für Internationales und Ausländisches Recht und Präsident der Panhellenischen Organisation der Nationalen Widerstandskämpfer POAEA (Panellínias Orgánosis Agonistón Ethnikís Antístasis).

Bei der Parlamentswahl am 18. Oktober 1981 wurde Evangelos Giannopoulos für die PASOK erstmals Mitglied des Parlaments (Voulí ton Ellínon) und gehörte diesem nach seinen Wiederwahlen am 2. Juni 1985, 18. Juni 1989, 5. November 1989, 8. April 1990, 10. Oktober 1993, 22. September 1996 sowie am 9. April 2000 als Vertreter von Athen bis zu seinem Tode am 4. September 2003 an, woraufhin Eleftherios Veryvakis[5] neuer Abgeordneter wurde. Nach dem Sieg der PASOK bei der Parlamentswahl am 18. Oktober 1981 wurde er in das Kabinett Andreas Papandreou I berufen und bekleidete in diesem zunächst bis zu seiner Ablösung durch Nikolaos Akritidis[6] am 5. Juli 1982 den Posten des Kommunikationsministers.[7] Er selbst löste bei der Kabinettsumbildung am 5. Juli 1982 Apostolos Kaklamanis[8] als Arbeitsminister ab und bekleidete dieses Amt zunächst bis zum 5. Juni 1985.[9][10]

Nach nur wenigen Wochen löste Giannopoulos im Kabinett Andreas Papandreou II bereits am 26. Juli 1985 Akis Tsochatzopoulos[11] ab und bekleidete bis zu seiner Ablösung durch Konstantinos Papanagiotou am 31. August 1985 erneut das Amt des Arbeitsministers. Im Rahmen einer Umbildung des zweiten Kabinetts Andreas Papandreou übernahm er am 23. September 1987 von Efstathios Alexandris[12] das Amt als Minister für die Handelsmarine und übte dieses Ministeramt bis zum 18. November 1988, woraufhin Vasilios Sarantitis seine Nachfolge antrat.[13] Daraufhin wurde er am 18. November 1988 Nachfolger von Petros Valvis als Minister für die Ägäis und verblieb in diesem Ministeramt bis zum Ende der Amtszeit des Kabinetts Papandreou am 2. Juli 1989.[14][15] Er fungierte vom 13. Oktober 1993 bis zu seiner Ablösung durch Ioannis Skoularikis[16] am 8. Juli 1994 im Kabinett Andreas Papandreou III zum dritten Mal als Arbeitsminister.[17]

Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Ministerpräsident Andreas Papandreou am 22. Januar 1996, der wenige Monate später am 23. Juni 1996 verstarb, gehörte Evangelos Giannopoulos zu den wenigen Mitgliedern der sozialistischen „alten Garde“, die in der Regierung verblieben und wurde am 22. Januar 1996 als Minister für Arbeit und soziale Sicherheit in das Kabinett Konstantinos Simitis I berufen und bekleidete dieses Ministeramt bis zum 25. September 1996.[18] Im darauf folgenden Kabinett Konstantinos Simitis I übernahm er vom 25. September 1996 bis zum 20. März 2000 den Posten des Justizminister, woraufhin Dimitris Gourgourakis[19] ihn ablöste.[20][21] Seine Anwesenheit verlieh der technokratischen Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Simitis[22] bis zu seiner Entlassung einen populistischen Anstrich. Er war von 1954 bis zu seinem Tode 1983 mit Konstantina „Dinti“ GiannopoulouGiannopoúlou Evangélou Konstantína. Griechisches Parlament, abgerufen am 19. Dezember 2025 (griechisch). verheiratet, die zwischen 1977 und 1981 für die PASOK ebenfalls Mitglied des Parlaments war.

Einzelnachweise

  1. Papandreou, Georgios (Andrea). rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  2. Venizelos, Sophoklis (Eleftheriou). rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  3. Alexandris, Efstathios (Vasiliou). rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  4. Papandreou, Andreas (Georgiou). rulers.org, abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch).
  5. Eleftherios Veryvakis. Prabook, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  6. Nikolaos Akritidis. Prabook, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).
  7. Greece: Transport and Communications Ministers. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  8. Apostolos Kaklamanis. Prabook, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  9. Greece: Labour Ministers. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  10. GOVERNMENT A. PAPANDREOU (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  11. Tsochatzopoulos, Akis. rulers.org, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).
  12. Efstathios Alexandris. Prabook, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  13. Greece: Shipping and Island Policy Ministers. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  14. Greece: Aegean Islands Ministers. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  15. GOVERNMENT A. PAPANDREOU 3 (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  16. Ioannis Skoularikis. Prabook, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  17. GOVERNMENT A. PAPANDREOU 4 (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  18. GOVERNMENT SIMITIS (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  19. Gourgourakis, Dimitris. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  20. Greece: Justice Ministers. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  21. GOVERNMENT SIMITIS 2 (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  22. Simitis, Kostas. rulers.org, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).