Eschwege (Adelsgeschlecht)
Eschwege ist der Name eines hessischen Uradelgeschlechts. Die Familie ist bei der noch heute bestehenden Althessischen Ritterschaft immatrikuliert und hatte ihren Stammsitz auf der Wasserburg Aue bei der nordhessischen Stadt Eschwege, heute die Kreisstadt des Werra-Meißner-Kreises im Nordosten von Hessen. Der Ort erscheint als eskiniwach im Jahre 974 erstmals urkundlich. Der Name bedeutet „Siedlung bei den Eschen am langsam fließenden Wasser“.
Geschichte
Herkunft
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Ruine der Wasserburg Aue.
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Wappen an der Wasserburg Aue.
Das Geschlecht wird im Jahre 1141 mit Heinrich von Eschwege erstmals urkundlich erwähnt.[1] Heinrich war Kanzler des Grafen Siegfried von Boyneburg-Northeim. Die ununterbrochen dokumentierte Stammreihe der Familie beginnt mit dem Ritter Johann de Eschwege, der von 1314 bis 1370 in Urkunden genannt wird.[2] Die Schreibweise des Geschlechtsnamens variiert und wurde auch Aschinwege, Eschinwege und Eschwe geschrieben.[3]
Ausbreitung
Angehörige der Familie waren schon früh im Werragebiet zu Aue und Reichenbach begütert. Später konnten auch Besitzungen in Thüringen erworben werden, unter anderem zu Kammerforst. In der Grafschaft Henneberg war Roßdorf zeitweise in Familienbesitz der Herren von Eschwege.[3]
Hans und Orban von Aschinwege treten 1425 urkundlich auf. 1463 wurden Johann und Härtung von Eschwege von Landgraf Ludwig II. mit den Gütern belehnt, die ihr Schwager Apel Appe innegehabt hatte, darunter zwei Drittel des Dorfs und Gerichts Ottersbach. Curt von Eschwege trug 1584 während der Exequien des letzten Fürstgrafen Georg Ernst von Henneberg das Hennebergische Wappen. Vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Herren von Eschwege Mitglieder der Reichsritterschaft im Ritterkanton Rhön-Werra des Fränkischen Ritterkreises.[4] Mitte des 19. Jahrhunderts lag der Hauptgrundbesitz vor allem im Kurfürstentum Hessen sowie, als Lehnsbesitz, im Königreich Hannover. Dort war Rudolph Friedrich Carl von Eschwege 1848 Leutnant im königlich-hannoverischen Garde du Corps.[3] Der königlich sächsische Major Curt von Eschwege erhielt am 5. März 1912 eine Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch unter der Nummer 392.[2]
Wappen
Das Wappen ist von Rot und Silber gespalten. Auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein von Rot und Silber gespaltenes Spornrad an einem von Rot und Silber gespaltenen Spickel.[2]
Bekannte Familienmitglieder
- Carl von Eschwege (* 1789; † 1857), deutscher Kammerherr und Politiker
- Christian von Eschwege (* 1793; † Juli 1821), Leutnant und letzter Totenritter (schwarzer Ritter) für das Haus Hessen bei der Beisetzung des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel
- Ernst von Eschwege (1818–1901), Jurist und Landtagsabgeordneter
- Rudolf von Eschwege (1821–1875), Offizier und Mitglied der Ersten Kammer des kurhessischen Landtags
- Elmar von Eschwege (* 1856; † 1935), Landschafts-, Tier- und Kriegsmaler
- Elmar von Eschwege (* 1896; † 1963), Landwirt, Politiker
- Ernst von Eschwege (* 1859; † 1932), Oberforstmeister
- Ernst Alexander von Eschwege (* 1948; † 2000), deutscher Schauspieler und Regisseur
- Ferdinand von Eschwege (* 1790; † 1857), kurhessischer Generalleutnant, Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung
- Heinz von Eschwege (* 1890; † 1951), deutscher Journalist, Schöpfer der „Lolita“
- Hermann von Eschwege (* 1817; † 1882), kurhessischer Oberstallmeister
- Karl von Eschwege (* 1826; † 1890), 1868–1890 Landrat des Kreises Fritzlar
- Rudolf von Eschwege (* 1895; † 1917), deutscher Jagdflieger
- Wilhelm Ludwig von Eschwege (* 1777; † 1855), deutscher Bergmann, Geologe und Geograph, königlich-portugiesischer Feldmarschallleutnant
Literatur
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser. A (Uradel). Band IV, Band 22 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv-Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1960, ISSN 0435-2408, S. 337 ff.
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band III, Band 61 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv-Walter von Hueck. Et al.:, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1975, ISSN 0435-2408, S. 180.
- Gothaisches Genealogisches Handbuch. Adelige Häuser. (GGH 6). Hrsg. Deutsches Adelsarchiv-Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Selbstverlag des Deutschen Adelsarchiv, Marburg (Lahn) 2017. ISSN 2364-7132 ISBN 978-3-9817243-5-6.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1900. Jahrgang 1, Justus Perthes, Gotha 1899, S. 177 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil A (Uradel). 1934. Jahrgang 33, Justus Perthes, Gotha 1933, S. 177 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 41, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 166 f.
- Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels, Zweiter Band, Hrsg. Kgl. Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 220–225.
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 3, Friedrich Voigt’s Buchhandlung, Leipzig 1861, S. 158. (Digitalisat)
- Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien. Band 1, T. O. Weigel, Leipzig 1855, S. 143–144.
- Stammbuch der Althessischen Ritterschaft. 13. Herren von Eschwege, 2 Blatt. Tafel I.: von Eschwege zu Reichensachsen, Jestädt, Hassel, Aue etc., Tafel II.: von Eschwege zu Reichensachsen, Jestädt, Aue, Wolfsanger, Braunschweig etc., Hrsg. Rudolf von Buttlar-Elberberg/ Verein des Althessischen Ritterschaft. Wilhelm Borner-Wolfhagen, Gustav Klaunig, Kassel 1888. ff. 1932, (Stammtafeln) 1958.
- Eschwegen oder Eschenwegen, ein Adeliches Geschlecht. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 8, Leipzig 1734, Sp. 1869.
Weblinks
- Wappen des Geschlechts von Eschwege in Johann Siebmachers Wappenbuch (1605)
- Eintrag über Eschwege, Familie in CERL Thesaurus
- Die Familie von Eschwege in Gen-Wiki
Einzelnachweise
- ↑ Christian Ludwig Scheidt: Origines Guelficae. Band IV, S. 523. Bzw. Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. I. Nr. 1432.
- ↑ a b c Walter von Hueck. Et al.: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band III, Band 61 der Gesamtreihe GHdA, Limburg an der Lahn 1975, S. 180.
- ↑ a b c Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 3, Leipzig 1861, S. 158–161.
- ↑ Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7. (vollständig überarbeitete) Auflage, C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 174.