Ehemaliges domkapitelsches Brauhaus
Das ehemalige domkapitelsche Brauhaus, auch einfach Bräuhaus genannt, ist ein ehemaliger Gasthof in Stadtbergen im Landkreis Augsburg, der zeitweise auch als Braustätte genutzt wurde. Der stattliche Bau mit der Adresse Schulstraße 8 (bis 1865 Hausnummer 4 1/2) steht seit Ende des 17. Jahrhunderts im historischen Ortskern der Stadt unweit der Pfarrkirche St. Nikolaus und zählt zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden Stadtbergens sowie des gesamten Landkreises.[1] Er ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen[2] und wird nach einer Sanierung seit 2012 als Wohngebäude genutzt.
Geschichte
Zur genauen Bauzeit des Gebäudes finden sich unterschiedliche Angaben. In der amtlichen Denkmalliste wird die Bauzeit um das Jahr 1690 angenommen, andere Quellen geben dagegen 1694 als Zeitpunkt der Grundsteinlegung an. Errichtet wurde das Gebäude zunächst unter der Leitung von Hans Georg Mozart, einem Bruder von David Mozart und Urgroßonkel von Wolfgang Amadeus Mozart.[3] Hans Georg Mozart war als Werkmeister für das Augsburger Domkapitel tätig und verwendete für den Bau Mauersteine des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Schlosses in der Radau bei Göggingen.[4] Der Bau verlief allerdings nicht reibungslos: So stürzte währenddessen ein Gewölbe ein, woraufhin der aus Vorarlberg stammende Baumeister Valerian Brenner hinzugezogen wurde. Gemeinsam vollendeten sie den Bau bis 1695.[3]
Trotz der Zusammenarbeit war der Bau nicht besonders gelungen, wie sich in den Domkapitelakten nachlesen lässt. Darin ist die Rede von einem „in allen Haubtstucken ruinösen Bräuhaus“.[3] Die Kirche beauftragte deshalb die Baumeister Johann Paulus und Franz Xaver Kleinhans damit, Pläne und Kostenschätzungen für eine Erneuerung und Erweiterung des Bräuhauses anzufertigen. Etwa um 1760 erfolgten dann die Arbeiten. Aus dieser Zeit stammt wohl auch das Blendfeld mit Rundbogen am straßenseitigen Giebel, das ursprünglich einen kreuztragenden Christus zeigte.[3] Im Zuge der Säkularisation ging das Bräuhaus 1803 in private Hände über.[5]
Das Bräuhausbier genoss einen guten Ruf. Dies wurde auch amtlicherseits bestätigt, als 1858 König Maximilian II. seine Amtsärzte anwies, in ihren Distrikten die Ernährung und Lebensweise zu beschreiben. Der für den Landgerichtsbezirk Göggingen zuständige Arzt stellte fest, dass das Bier „besonders in Stadtbergen am besten gebräuet wird“.[6] Dies war als hohe Auszeichnung anzusehen, da es zu dieser Zeit noch in sehr vielen Dörfern eine Brauerei gab. Im Gögginger Landgerichtsbezirk waren es 26 Brauereien an der Zahl. Im Laufe der Jahre gerieten aber immer mehr dieser kleinen Brauereien unter Konkurrenzdruck und mussten schließlich den Braubetrieb aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. 1912 stellte auch Braumeister Sylvester Gessel in Stadtbergen die Brautätigkeit endgültig ein.[7]
Der Gaststättenbetrieb konnte aber noch beinahe 100 Jahre erfolgreich weitergeführt werden. 1955 erwarb Fortunabräu aus Augsburg den Gasthof. Mit Übernahme von Fortunabräu durch Hasen-Bräu wechselte er 1975 erneut den Eigentümer.[8] 2007 wurde die Gaststätte endgültig geschlossen. Versuche, dort wieder einen Gastwirt zu finden, blieben erfolglos.[9] Nach dem Verkauf an einen Investor und einer denkmalgerechten Sanierung wird das Gebäude seit 2012 als Mehrfamilienhaus genutzt.[1]
Beschreibung
Ursprünglich wurde das Bräuhaus „56 Werckhschuech zwigädig“, also etwa 18 Meter lang und zweigeschossig gebaut.[3] Darauf ließ der Baumeister Mozart ein steil aufragendes Satteldach mit roten Ziegeln aufsetzen. Auf alten Stichen kann man erkennen, dass das Bräuhaus zusammen mit der Pfarrkirche die übrigen Häuser des Dorfes deutlich überragte. Im Zuge der um 1760 erfolgten Erweiterung erhielt der Gasthof seine endgültige Länge. Die Schleppgauben wurden erst im Zuge der Sanierung 2012 auf den beiden Satteldachflächen eingebaut.
Zum Anwesen gehörte ursprünglich ein L-förmiges Ökonomiegebäude am westlichen Ende des Grundstücks. Zudem entstand 1884 auch ein neuer Eiskeller zum Einlagern von Sommerbier. Das Ökonomiegebäude wurde 2012 abgebrochen und durch ein Wohngebäude ersetzt. Auch der Eiskeller wurde in diesem Jahr mit Beton verfüllt. Er besaß einen T-förmigen Grundriss, reichte etwa acht Meter in die Tiefe und war rund 14 Meter lang.[10]
Siehe auch
Literatur
- Thomas Werthefrongel: Gruß und Schluck! Alte Ansichtskarten aus Stadtbergen, Leitershofen, Deuringen. 2014, S. 12.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Sechs der ältesten Gebäude im Landkreis. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 2. Mai 2025, S. 37.
- ↑ Denkmalliste für Stadtbergen (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-7-72-202-7.
- ↑ a b c d e Brauereigeschichten in Stadtbergen – Teil 2, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Hier sind Steine aus einem alten Schloss verbaut. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 20. Oktober 2025, S. 31.
- ↑ Ein Mozart war Baumeister des Brauhauses, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Brauereigeschichten in Stadtbergen – Teil 5, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Brauereigeschichten in Stadtbergen – Teil 9, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Eintrag zur Hasenbräu AG im Augsburger Stadtlexikon, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Wohnungen statt Bierkeller, abgerufen am 31. Oktober 2025.
- ↑ Brauereigeschichten in Stadtbergen – Teil 6, abgerufen am 31. Oktober 2025.
Koordinaten: 48° 21′ 50″ N, 10° 50′ 37″ O