Schloss Radau (Göggingen)

Das Schloss Radau war ein mittelalterlicher Adelssitz südwestlich des heutigen Augsburger Stadtteils Göggingen. Die Anlage entstand vermutlich im 13. Jahrhundert und wurde im Laufe ihres Bestehens mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Nach ihrer letzten Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg blieb sie als Ruine bestehen und wurde letztlich vollständig abgetragen und überbaut. In der Gegenwart erinnert nur noch der Flurname „Radau“ an das einstige Schloss.

Geschichte

Erstmals wurde im Jahr 1230 ein Ortsadeliger namens Herman de Radowe auf dem Reichsgut südwestlich von Göggingen urkundlich erwähnt.[1] Im Jahr 1330 gelangte das Anwesen – in der Chronik bereits als „Schloss“ bezeichnet – in den Besitz der Augsburger Patrizierfamilie Langenmantel vom Sparren.[2] Im Verlauf des Krieges zwischen Herzog Ludwig von Bayern und Markgraf Albrecht von Brandenburg wurde das Schloss 1462 zerstört. Laut zeitgenössischer Chronik war es erst kurz zuvor von Leonhard Langenmantel neu gebaut worden.[3]

Die Ruine ging 1467 zunächst in den Besitz von Leonhard Lauginger über und kam dann 1507 zur Familie der Rehlinger.[2] Sie errichteten wenig später ein neues Schloss auf den Fundamenten der Ruine. 1617 kam das Schloss zum Augsburger Domkapitel. Im Jahr 1646, gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, wurde es bei der Belagerung Augsburgs von schwedischen und französischen Truppen vollständig zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut.[1]

Beschreibung

Über das Aussehen des ursprünglichen Schlosses aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind keine bildlichen oder schriftlichen Darstellungen überliefert. Vom späteren, durch die Familie Rehlinger errichteten Schloss existieren hingegen zeitgenössische Beschreibungen und Kupferstiche. Darin wird das Anwesen als viergeschossiges Gebäude mit Ecktürmchen und Krüppelwalmdach dargestellt.[2] Gemäß einer Urkunde aus dem Jahr 1591 soll im Schloss auch eine Kapelle eingerichtet gewesen sein. Im vorgelagerten Hof befanden sich Stallungen, eine Badstube sowie zwei Zwinger. Das Schlossareal war von einer Ringmauer umgeben und durch einen Wassergraben geschützt, der von der Singold gespeist wurde.[4]

Verbleib

Die Mauersteine des zerstörten Schlosses wurden im Laufe der Zeit für Bauvorhaben des Augsburger Domkapitels wiederverwendet, unter anderem für den Bau des Bräuhauses in Stadtbergen.[5] Anfang des 19. Jahrhunderts war die Ruine noch teilweise erhalten. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten die ehemaligen Gräben und Wälle im Gelände noch ausgemacht werden. Mit der fortschreitenden Ausdehnung und Erschließung des Gögginger Siedlungsgebiets wurde der Burgstall in der Nachkriegszeit eingeebnet und schließlich völlig überbaut.[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Stadtlexikon Augsburg – Eintrag Radau, abgerufen am 2. November 2025.
  2. a b c d Christof Metzger et al.: Landsitze Augsburger Patrizier. Deutscher Kunstverlag, München, 2005, ISBN 3-422-06574-1, S. 189.
  3. Heinz Friedrich Deininger (Hrsg.): Göggingen. 1969, S. 48.
  4. Heinz Friedrich Deininger (Hrsg.): Göggingen. 1969, S. 52.
  5. Hier sind Steine aus einem alten Schloss verbaut. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 20. Oktober 2025, S. 31.

Koordinaten: 48° 20′ 2,9″ N, 10° 51′ 32″ O