Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Crocidura dongyangjiangensis | ||||||||||||
| Liu, Chen & Liu, 2019 |
Die Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus (Crocidura dongyangjiangensis) ist eine Art der Spitzmäuse aus der Gattung der Weißzahnspitzmäuse (Crocidura). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Teile des östlichen und südlichen Chinas. Dort bewohnen die Tiere vor allem Mittelgebirgslagen, ihre Lebensweise ist allerdings weitgehend unbekannt. Sie repräsentieren kleine Vertreter der Gattung und zeichnen sich durch ein metallisch glänzendes, grau-braunes Körperfell und einen nahezu nackten Schwanz aus. Wissenschaftlich eingeführt wurde die Art im Jahr 2019 anhand von Individuen aus der Provinz Zhejiang. Eine im folgenden Jahr aus der Provinz Anhui mit Crocidura huangshanensis benannte Form gilt als genetisch identisch.
Merkmale
Habitus
Die Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus ist ein kleiner Vertreter der Weißzahnspitzmäuse. Anhand von fünf Individuen aus der chinesischen Provinz Zhejiang beträgt die Kopf-Rumpf-Länge 4,8 bis 6,1 cm. Der Schwanz ist 3,5 bis 4,9 cm lang und macht so etwa 73 bis 80 % der Länge des restlichen Körpers aus. Das Gewicht variiert von 2,5 bis 4,0 g.[1] Die entsprechenden Maße für fünf weitere Exemplare aus der Provinz Anhui lauten für die Kopf-Rumpf-Länge 5,0 bis 6,2 cm, für die Schwanzlänge 4,0 bis 4,5 cm und für das Gewicht 4,4 bis 7,8 g.[2] An drei Tieren aus der Provinz Guizhou wurden im Vergleich dazu wiederum Maße von 4,8 bis 4,9 cm, 3,7 bis 4,5 cm und 2,8 bis 2,9 g ermittelt.[3] Die Schwanzlänge für die Tiere der beiden letztgenannten Regionen variiert damit zwischen 76 und 85 %. Im gesamten Erscheinungsbild stimmt die Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus durch die spitze Schnauze, den verhältnismäßig langen Schwanz und die schlanken Gliedmaßen mit den anderen Vertretern der Gattung überein,Das Körperfell weist einen metallischen grau-braunen Farbton auf, der auf dem Rücken etwas dunkler erscheint als auf der Unterseite. Auf der Schnauze wachsen lange Vibrissen, die bis zu den Ohren zurückreichen. Die Augen sind klein und die Ohrmuscheln haben eine rundliche Form mit einer Weite von 0,5 bis 0,9 cm. Der Schwanz ist ähnlich dem Körperfell gefärbt mit einer dunkleren Ober- und einer helleren Unterseite. Er zeigt sich weitgehend nackt und wird nur von einigen längeren, teils weißlichen Haaren von der Schwanzwurzel bis zur Hälfte seiner Länge bedeckt. An der Spitze setzt jedoch ein kleines Büschel an. Die Oberseite der Füße ist fleischfarben und ebenfalls nur spärlich bewachsen. Auf der Unterseite treten markante Fußballen auf. Die Hinterfüße laufen in fünf Zehen aus. Die Länge der Hinterfüße reicht von 0,8 bis 1,3 cm.[1][2][3]
Schädel- und Gebissmerkmale
Der Schädel ist 15,6 bis 17,2 mm lang und am Hirnschädel 7,2 bis 8,5 mm breit sowie 4,5 bis 5,0 mm hoch. Insgesamt wirkt er lang mit einer flach verlaufenden Stirnlinie. Am Hinterhaupt treten markante Lambdakämme auf, die sich auf den Scheitelbeinen zu einem Scheitelkamm vereinen.[1][2][3]
Das Gebiss setzt sich gattungstypisch aus 28 Zähnen zusammen, die Zahnformel lautet: . Der obere erste Schneidezahn ist stark gebogen und steht senkrecht. Er verfügt über zwei Spitzen, von denen die vordere größer als die hintere kleiner ist. Hinter ihm setzen wie bei allen Weißzahnspitzmäusen drei einspitzige Zähne an, deren Größe nach hinten abnimmt. Der untere Schneidezahn richtet sich nach vorn, gefolgt von einem spitzen Eckzahn. Der obere Prämolar ist groß und dreieckig geformt. Von den drei Molaren der oberen und unteren Zahnreihe ist der jeweils dritte am kleinsten. Die obere Zahnreihe misst 7,2 bis 8,1 mm in der Länge, die untere 6,4 bis 7,2 mm.[1][2][3]
Genetische Merkmale
Das Mitogenom setzt sich aus 16.883 Basenpaaren zusammen. Es enthält 13 proteincodierende Gene, 2 Gene an ribosomaler RNA und 22 Gene an transfer-RNA. Der Replikationsursprung umfasst 37 Basenpaare und die Kontrollregion insgesamt 1420 Basenpaare.[4]
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus befindet sich in Ostasien. Hierbei erstreckt sich das Vorkommen über mehrere Provinzen des östlichen und südlichen Chinas. Nachweise liegen aus Zhejiang, Anhui, Jiangxi, Hunan und Guizhou vor. Ein größerer Teil der bisherigen Beobachtungen stammt aus Naturschutzgebieten mit Mittelgebirgscharakter, so dem Dongjiangyuan-Naturreservat und dem Moxinjian-Naturreservat in Zhejiang und dem Wuyi-Gebirge in Jiangxi. Die Typusregion der Art befindet sich in erstgenannter Region in rund 200 m Höhenlage. In Anhui wiederum sind Exemplare von einer Teeplantage am Huang Shan in rund 616 m Höhe über dem Meeresspiegel belegt. Die bisher aus Guizhou bekannten Tiere wurden in einem Mischwald in gut 1850 m Höhe gefangen, während für das Wuyi-Gebirge mit 1833 m ein ähnlicher Höhenbereich dokumentiert ist.[1][2][5][3]
Lebensweise
Weiterführende Informationen zur Lebensweise der Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus sind nicht bekannt.[1]
Systematik
Innere Systematik der Weißzahnspitzmäuse des östlichen Asiens nach Chen et al. 2024[6]
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Die Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus ist eine Art aus der Gattung der Weißzahnspitzmäuse (Crocidura) innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae). Die Gattung setzt sich aus mehr als 220 Arten zusammen und bildet damit die vielfältigste sowie formenreichste der Spitzmäuse. Molekulargenetische Untersuchungen geben jedoch zu Bedenken, dass sie möglicherweise paraphyletisch ist, was durch die tiefe Einbettung einiger Formen wie der Gescheckten Wüstenspitzmaus (Diplomesodon) und der Kongo-Wimperspitzmäuse (Paracrocidura) in Crocidura angezeigt wird. Den genetischen Analysen zufolge verteilen sich die Weißzahnspitzmäuse auf mehrere Kladen, so eine asiatische, eine afrotropische, eine west-paläarktische und eine altweltliche mit verschiedenen eurasischen und afrikanischen Arten.[7][8][9] Es ist anzunehmen, dass die Gattung den jüngsten Zweig innerhalb der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Spitzmäuse repräsentiert. Ein Großteil der Angehörigen tritt heute in Afrika auf, ein weiterer, nicht unerheblicher Anteil ist in Asien heimisch. Der Ursprung der Weißzahnspitzmäuse liegt aber wahrscheinlich in Eurasien, wo sie sich vor rund 8 bis 6,8 Millionen Jahren von den übrigen Linien abspalteten und von hier aus wohl die anderen heutigen Verbreitungsgebiete besiedelten.[10][8] Innerhalb des ostasiatischen Lebensraums der Weißzahnspitzmäuse sind zwei größere genetische Verwandtschaftsgruppen nachweisbar, die nicht näher in Beziehung zueinander stehen. Für die Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus kommt eine engere Bindung zur Dsinezumi-Weißzahnspitzmaus (Crocidura dsinezumi) und zur Ussuri-Weißzahnspitzmaus (Crocidura lasiura) in Betracht, wobei auch eine gewisse verwandtschaftliche Nähe zur Hainan-Weißzahnspitzmaus (Crocidura wuchihensis), Indochina-Weißzahnspitzmaus (Crocidura indochinensis), Wimpernspitzmaus (Crocidura attenuata) und zur Anhui-Weißzahnspitzmaus (Crocidura anhuiensis) besteht.[1][2][6]
Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus im Jahr 2019 durch ein Wissenschaftlerteam um Liu Yang. Der Arbeit gingen genetische Studien voraus, die Ende der 2010er Jahre an insgesamt 117 Individuen von Weißzahnspitzmäusen aus einem größeren Teil Chinas durchgeführt worden waren. Hierbei ließen sich drei bisher unbekannte Arten identifizieren. Die Publikation der Gesamtergebnisse erfolgte im Jahr 2020,[11] doch hatten Liu und Kollegen mit der Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus eine der drei neuen Linien bereits ein Jahr zuvor vorgestellt. Diese stammt aus der ostchinesischen Provinz Zhejiang. Die Artbeschreibung basierte dabei auf fünf Individuen, die im Jahr 2017 einerseits im Moxinjian-Naturreservat bei Chun’an, anderseits im Dongjiangyuan-Naturreservat bei Dongyang gesammelt worden waren. Letzterer Fundpunkt bildet die Typusregion der Art, die exakte Lokalität des Holotyp-Exemplars liegt in 200 m Höhe über dem Meeresspiegel. Das Artepitheton dongyangjiangensis verweist auf dessen Herkunft.[1] Fünf Jahre später konnten auch die beiden anderen unbekannten Linien wissenschaftlich eingeführt werden. Hierbei handelt es sich um Crocidura zhadaensis aus dem Zanda-Becken im Südwesten von Tibet und um Crocidura medogensis aus dem Kreis Mêdog im südöstlichen Teil des Autonomen Gebiets.[6]
Im Jahr nach der Erstbeschreibung der Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus stellte Yang Liu gemeinsam mit einem Forscherteam eine weitere Form der Weißzahnspitzmäuse vor, die den Huang Shan in der ebenfalls ostchinesischen Provinz Anhui bewohnt und nach dem Berg die wissenschaftliche Bezeichnung Crocidura huangshanensis erhielt. Ihr lagen ebenfalls fünf Individuen zu Grunde, wobei das Holotyp-Exemplar, ein Weibchen, in gut 616 m Höhe gefunden wurde. Sowohl in Größe als auch in Fellfärbung und Schwanzlänge ähnelten sich beide Formen stark.[2] Nachfolgende genetische Untersuchungen ergaben, dass Crocidura huangshanensis identisch ist mit der Dongjiangyuan-Weißzahnspitzmaus, wodurch erstere nun als Synonym von letzterer gilt.[12]
Literatur
- Liu Yang, Chen Shunde, Liu Baoquan, Liao Rui, Liu Yingzun und Liu Shaoying: A new species of the genus Crocidura (Eulipotyphla: Soricidae) from Zhejiang Pvovince, eastern China. Acta Theriologica Sinica 40 (1), 2019, S. 3–14, doi:10.16829/j.slxb.150340
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h Liu Yang, Chen Shunde, Liu Baoquan, Liao Rui, Liu Yingzun und Liu Shaoying: A new species of the genus Crocidura (Eulipotyphla: Soricidae) from Zhejiang Pvovince, eastern China. Acta Theriologica Sinica 40 (1), 2019, S. 3–14, doi:10.16829/j.slxb.150340
- ↑ a b c d e f g Yang Liu, Zhang Heng, Zhang Chenling, Wu Jun, Wang Zhaocheng, Li Chunlin und Zhang Baowei: A new species of the genus Crocidura (Mammalia: Eulipotyphla: Soricidae) from Mount Huang, China. Zoological Systematics 45 (1), 2020, S. 1–14, doi:10.11865/zs.202001
- ↑ a b c d e Liu Zhu, Zhang Zhihui, Luan Tianqi, Han Meifeng, Gao Yi, Cai He, Chen Huan, Jin Zhimin und Zhang Junsheng: Crocidura dongyangjiangensis Found in Liupanshui, Guizhou Province. Chinese Journal of Zoology 59 (1), 2024, S. 115–120, doi:10.13859/j.cjz.202423059
- ↑ Li Haotian, Zhang Guochen, Liu Guanze, Sun Xiaoqing, Lin Xinghan, Li Yaoyao und Li Yuchun: Characterization of the complete mitochondrial genome of Dongyangjiang White-toothed Shrew, Crocidura dongyangjiangensis (Eulipotyphla: Soricidae) and its phylogenetic analysis. Mitochondrial DNA part B 6 (3), 2023, S. 1004–1006, doi:10.1080/23802359.2021.1893617
- ↑ Hu Jiangxiao, Xu Yifan, Zou Zhian, Zeng Wei, Dai Jie, Ren Xueyang, Yao Hongfeng und Chen Zhongzheng: New records of Crocidura dongyangjiangensis and Crocidura anhuiensis in Jiangxi Province. Acta Theriologica Sinica 43 (3), 2023, S. 352–356, doi:10. 16829/j. slxb. 150723
- ↑ a b c Chen Shunde, Yang Siyu, Qing Jiao, Fan Ronghui, Tang Keyi, Liao Rui, Guo Keji, Zhang Mengfei, Wu Nanfei und Liu Shaoying: Two new species of genus Crocidura (Eulipotyphla: Soricidae) from Xizang, China. Acta Theriologica Sinica 44 (5), 2024, S. 529–550, doi:10.16829/j.slxb.150612
- ↑ Sophie Quérouil, Rainer Hutterer, Patrick Barrière, Marc Colyn, Julian C. Kerbis Peterhans und Erik Verheyen: Phylogeny and Evolution of African Shrews (Mammalia: Soricidae) Inferred from 16s rRNA Sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution 20 (2), 2001, S. 185–195
- ↑ a b Sylvain Dubey, Nicolas Salamin, Manuel Ruedi, Patrick Barrière, Marc Colynv und Peter Vogel: Biogeographic origin and radiation of the Old World crocidurine shrews (Mammalia: Soricidae) inferred from mitochondrial and nuclear genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 48, 2008, S. 953–963
- ↑ C. J. Burgin und K. He: Family Soricidae (shrews). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths and Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 332–551 ISBN 978-84-16728-08-4
- ↑ Sylvain Dubey, Nicolas Salamin, Satoshi D. Ohdachi, Patrick Barrière und Peter Vogel: Molecular phylogenetics of shrews (Mammalia: Soricidae) reveal timing of transcontinental colonizations. Molecular Phylogenetics and Evolution 44, 2007, S. 126–137
- ↑ Shunde Chen, Jiao Qing, Zhu Liu, Yang Liu, Mingkun Tang, Robert W. Murphy, Yingting Pu, Xuming Wang, Keyi Tang, Keji Guo, Xuelong Jiang und Shaoying Liu: Multilocus phylogeny and cryptic diversity of white-toothed shrews (Mammalia, Eulipotyphla, Crocidura) in China. BMC Evolutionary Biology 20, 2020, S. 29, doi:10.1186/s12862-020-1588-8
- ↑ Chen Shunde, Chen Dan, Tang Keyi, Qin Boxin, Xie Fei, Fu Changkun, Liu Yang und Liu Shaoying: Discussion of taxonomic status of Crocidura dongyangjiangensis Liu Y, Chen SD, and Liu SY, 2020 and Crocidura huangshanensis Yang, BW Zhang and Li, 2020. Acta Theriologica Sinica 41 (1), 2021, S 108–114, doi:10.11865/zs.202001