Die grüne Schlange

Die grüne Schlange (Serpentin vert, auch Der grüne Serpentin) ist ein Feenmärchen (AaTh 425) von Marie-Catherine d’Aulnoy und erschien 1698 in Les Contes des fées.

Inhalt

Zur Geburt der Zwillingstöchter lädt die Königin zwölf Feen. Doch kommt die böse Magotine dazu. Es kommt zum Streit. Sie verflucht ein Kind, das hässlichste Wesen der Welt zu sein. Die anderen Feen gehen dazwischen. Sie können die Mutter nur trösten, dass Laidronette glücklich sein wird, ohne es näher zu erklären. Bellotte wird schön, Laidronette so hässlich, mit zwölf geht sie in ein einsames Schloss am Meer. Nach zwei Jahren kommt sie zu Bellottes Hochzeit, wird aber kalt aufgenommen und geht zurück in die Einsamkeit. Im Wald redet eine grüne Schlange sie an, sie erschrickt. Als sie wieder ausgeht, besteigt sie am Strand ein prächtiges Boot, das sie in einen Sturm führt. Die grüne Schlange erscheint, bietet ihre Hilfe an, doch sie will nichts von ihr hören. Das Schiff bricht, sie klammert sich an etwas Holz. Es ist aber die grüne Schlange, die sie auf einen Felsen hebt. Als sie erwacht, findet sie sich im prächtigsten Palast. Kleine Pagoden bedienen sie. Nur nachts im Dunkeln spricht der König des Reiches ihr von seiner Liebe. Die Fee verfluchte ihn für sieben Jahre, fünf davon sind um. Erst dann darf sie ihn sehen, damit er und sie erlöst werden. Sie heiratet ihn. Sie lädt ihre Mutter und Schwester ein, die sie überreden, dass sie ihren unsichtbaren Mann sehen muss, sicher sei er ein Monster. So nimmt sie nachts eine Lampe und erschrickt: Es ist die grüne Schlange, die verschwindet. Magotine kommt zu Schiff mit ihren Marionetten und verheert das Land. Laidronette muss enge Eisenschuhe anziehen und Spinnweben spinnen, dann noch Netze daraus weben. Die Fee Beschützerin hilft ihr. Laidronette muss mit einem Mühlstein um den Hals von einem Berg vierblättrigen Klee und aus dem Tal mit einem löchrigen Krug vom Wasser der Klugkeit (l’eau de discrétion) holen. Fee Beschützerin bringt sie zum Berg, gibt ihr den Klee und einen Wagen, den Kanarienvögel ziehen. Sie soll die Riesen, die die Quelle bewachen, mit den Eisenschuhen bewerfen und die Kanarienvögel das Wasser schöpfen lassen. Sie trinkt erst davon und wird klug, wäscht dann ihr Gesicht und ist schön. Die Fee lobt sie. Sie heißt jetzt Königin Klug, lebt drei Jahre im Wald mit sprechenden Tieren, die verwünschte Menschen sind, ehe sie Magotine den Klee und das Wasser bringt. Die erstaunt über ihre Schönheit. Sie soll Wasser des Lebens (l’essence de longue vie) von Proserpina im Hades holen. Die Fee gibt ihr einen Zweig, damit auf den Boden zu schlagen. Sie begegnet dem Liebesgott und ihrem erlösten König und erhält das Wasser.

Bemerkungen

Aulnoy beginnt wie in Prinzessin Frühlingsschön und Die weiße Hindin mit dem Fluch der bösen Fee und hält sich dann an ApuleiusAmor und Psyche, das auch im Text vorkommt und dessen Lektüre die Heldin nicht von ihrer Neugier abhalten kann. Magotine heißt „kleine Magierin“, weil sie hässlich und klein ist, Laidronette „kleine Hässliche“, Bellotte „kleine Schöne“. Den König vertreten „pagodes“ (Pagoden), bewegliche Figuren, ähnlich Magotines „marionnettes“ (Marionetten). Wie in Der goldene Zweig zieht die mit Hässlichkeit geschlagene am Ende Klugheit der Schönheit vor und erhält beides. Lebenswasser ist ein Allerweltsmotiv, Proserpina eine römische Göttin. Ein löchriges Gefäß haben auch die Danaiden. In Vergils Aeneis öffnet ein Zweig den Zugang zum Hades. Ähnliche Märchen Aulnoys sind Gracieuse und Percinet, Der blaue Vogel, Der Widder, eine frühere Amor und Psyche-Rezeption Basiles Der goldene Stamm. Die Brüder Grimm nennen Aulnoys „die grüne Schlange“ mit „der blaue Vogel“ und „der Widder“ in der Anmerkung zu ihrem Märchen Das singende springende Löweneckerchen.[1]

Der englischen Wikipedia zufolge bearbeitete James Planché das Märchen in Fairy Extravaganza für die Bühne als The Island of Jewels.

Wikisource: Contes des fées (Aulnoy, 1825)/Serpentin vert – Quellen und Volltexte (französisch)
Commons: Die grüne Schlange – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wikisource: Grimms Anmerkung zu Das singende springende Löweneckerchen