Dagny Henschen

Dagny Henschen (* 30. Mai 1885 in Ronneby, Blekinge län, Schweden; † 30. März 1960 in Solna, Stockholms län) war eine schwedische Übersetzerin.

Familie

Henschen war eine Tochter des Medizinprofessors Salomon Eberhard Henschen und seiner Ehefrau Gerda Sandell. Zu ihren Geschwistern gehören der Pathologe Folke Henschen (1881–1977), die Kunsthistorikerin Ingegerd Henschen-Ingvar und Astri Henschen (1883–1976), die mit dem General Graf Archibald Douglas (1883–1960) verheiratet war. Von 1910 bis 1926 war sie mit dem Lehrer Wilhelm Nyman verheiratet. Der Ehe entsprangen fünf Söhne, darunter Arne und Eberhard Nyman, später Schriftsteller und Maler bzw. Medizinprofessor, sowie die unter ihrem Ehenamen bekannte Tochter Britt G. Hallqvist, die auch eine erfolgreiche Übersetzerin wurde. Von 1933 bis 1938 war sie mit dem Journalisten und Übersetzer Ivar Harrie verheiratet.

Leben

Henschen wurde in Ronneby geboren, wo ihr Vater im Sommer als Badearzt arbeitete, wuchs aber überwiegend in Uppsala auf, wo er ab 1882 als Professor lehrte. Sie studierte Sprachen an der Universität Uppsala und arbeitete nach dem Kandidatenexamen als Lehrerin. Dadurch lernte sie Wilhelm Nyman kennen, der ebenfalls Lehrer (für Deutsch und Französisch) war. Das Ehepaar wohnte zuerst in Umeå, ab 1917 in Visby. Nach der Scheidung zog Henschen 1926 mit den drei jüngsten Kindern nach Lund, wo ihre Schwestern lebten. Dort scharte sie einen Kreis jüngerer Intellektueller um sich, zu denen unter anderem Hjalmar Gullberg, Frans G. Bengtsson und ihr späterer Ehemann Ivar Harrie gehörten.

Ab 1930 arbeitete Henschen als freie Übersetzerin, anfangs überwiegend für den Verlag Bonnier, später vor allem für die Verlage Hugo Geber, Hökerberg und Natur & Kultur. In den 1940er Jahren zog sie nach Hagalund im Stockholmer Vorort Solna. Sie blieb bis zu ihrem Tod aktiv als Übersetzerin.

Werk

Henschen übersetzte mehr als 50 Bücher, vor allem aus dem Englischen, aber auch aus dem Deutschen, Dänischen und Norwegischen. Sie arbeitete sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Übersetzern. Das erste Buch war die schwedische Übersetzung von The Biography of H. R. H. the Prince of Wales, einer Biografie des späteren Königs Eduard VIII. von Walter und Leonard Townsend. Es folgten unter anderem Edith Whartons Roman The Children (Barnen, 1931) und eine Reihe von Kriminalromanen, z. B. Ellery Queens The Greek Coffin Mystery (Konsthandlarens kista, 1933), Dorothy SayersStrong Poison (Oskuld och arsenik, 1934) und Daphne du Mauriers Rebecca (1939). Die ersten beiden übersetzte sie mit ihrem damaligen Ehemann, das dritte mit Hilda Holmberg. Es folgten unter anderem drei Romane der seinerzeit sehr populären Naomi Jacob. Die erste Übersetzung aus dem Deutschen war Walter Ackermanns Flug mit Elisabeth (Kärlek per flyg, 1937). Ab Mitte der 1940er Jahre verlegte sie sich mehr auf Fach- und Sachbücher, darunter Paul Wintertons Report on Russia (1946), James Burnhams The Struggle for the World und David J. Dallins The Real Soviet Russia (beide 1947, alle drei mit Hilda Holmberg). Zudem übersetzte sie, teilweise mit ihren Söhnen Eberhard und Olle, ab 1946 mehrere Bücher über Psychologie und Medizin, darunter die Autobiografie von Ferdinand Sauerbruch. Das letzte große Projekt war die zweibändige A History of the Modern World des US-amerikanischen Historikers Robert Roswell Palmer (Nya tidens världshistoria, 1958/59, mit Hilda Holmberg), die bis ins 21. Jahrhundert mehrere Auflagen erlebte.

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