Britt G. Hallqvist
Britt Gerda Hallqvist (* 14. Februar 1914 in Umeå, Västerbottens län als Britt Gerda Nyman; † 20. März 1997 in Lund, Skåne län) war eine schwedische Schriftstellerin und Übersetzerin.
Leben
Britt Gerda Nyman wuchs ab 1917 in Visby auf, wo ihr Vater Wilhelm Nyman am Gymnasium (läroverk) als Lehrer für Deutsch und Französisch arbeitete.[1] Auch ihre Mutter Dagny Henschen, eine Tochter des Medizinprofessors Salomon Eberhard Henschen, hatte als Lehrerin gearbeitet, war aber nach der Heirat zunächst Hausfrau und Mutter. Die nach Britt geborenen Söhne Arne Nyman und Eberhard Nyman wurden Dichter bzw. Medizinprofessor.
1926 ließen sich die Eltern scheiden, und die Mutter zog mit den drei jüngsten Kindern nach Lund, wo sie als literarische Übersetzerin arbeitete und einen Kreis junger Intellektueller wie Frans G. Bengtsson und Hjalmar Gullberg um sich scharte.[2] Auch die Tochter Britt wurde so schon früh für Literatur begeistert. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität Lund Nordische Sprachen, Literaturgeschichte, Philosophie und Deutsch und war während ihrer Studienzeit das einzige weibliche Redaktionsmitglied der Studentenzeitschrift Lundagård.
Einer ihrer Kommilitonen war Sten Hallqvist (1911–1978), der später auf Theologie umstieg. Sie heirateten 1939, nachdem Britt Nyman das Magisterexamen abgelegt hatte, und 1940 zog das Ehepaar nach Vargön (Gemeinde Vänersborg) in Västergötland, wo Sten Hallqvist seine erste Pfarrstelle antrat. Weitere Stationen waren Bredared (Gemeinde Borås) und Alingsås. 1958 zog die Familie wieder nach Lund, wo Sten Hallqvist am Gymnasium Spyken Religionslehre und Schwedisch unterrichtete. Zwischen 1939 und 1947 wurden vier Kinder geboren; als erstes der spätere Diplomat Martin Hallqvist (1939–2017). Bis auf die Zeit von September 1972 bis Januar 1975, die Sten und Britt Hallqvist mit einem Literaturstipendium in Sønderho auf der dänischen Insel Fanø verbrachten, lebten beide bis zu ihrem Tod in Lund.[3] Sie sind bestattet auf dem Norra kyrkogården in Lund.[4]
Werk
Übersetzungen
Britt Hallqvist begann ihre literarische Karriere als Übersetzerin und erreichte auch auf diesem Feld die höchste Produktivität. 1945 bat Annie Löfstedt vom Verlag Natur & Kultur sie darum, englische, deutsche und französische Kindergedichte für die mehrbändige Anthologie Min skattkammare zu übersetzen. Noch bevor 1947 der zweite Band mit zehn von Hallqvist übersetzten Gedichten erschien, veröffentlichte sie 1946 mit John Brophys Sachbuch The Human Face die erste Übersetzung in Buchform. 1948 folgte der autobiografische Roman Drei kehrten heim von Agnes Newton Keith. Große Anerkennung brachte ihr die Übersetzung von T. S. Eliots Gedichtsammlung Old Possum’s Book of Practical Cats (1949). Im folgenden Jahrzehnt übersetzte sie eine Reihe von Kinderbuchklassikern: Rudyard Kiplings Dschungelbuch (1951–1952), Edward Lears A Book of Nonsense (1952), Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande nach Baron von Münchhausen (1954), Anne of Green Gables von Lucy Maud Montgomery (1955), Pu der Bär (mit Brita af Geijerstam, 1955), Hans Christian Andersens Märchen (1956) und Tausendundeine Nacht (1958). Dazu kamen zeitgenössische Kinder- und Jugendromane, etwa von Laura Ingalls Wilder, Enid Blyton, C. S. Lewis, Otfried Preußler oder Elwyn Brooks White. Mit Christopher Frys The Lady's not for Burning (1950), Arthur Millers Hexenjagd (1955) und Goethes Faust I (1956) übersetzte sie auch die ersten Theaterstücke.
In den 1960er Jahren folgten Faust II, Götz von Berlichingen und Die Wahlverwandtschaften, dazu zeitgenössische Theaterstücke wie Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth und Die Ermittlung und Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats von Peter Weiss. Doch auch der Kinderliteratur blieb sie treu und übersetzte unter anderem Grimms Märchen, Äsops Fabeln und die Fabeln von La Fontaine sowie Werke von Janosch, James Krüss, J. R. R. Tolkien und Maurice Sendak sowie – im folgenden Jahrzehnt – von Beatrix Potter, Dr. Seuss, Ole Lund Kirkegaard sowie die Geschichten um Barbapapa. Ab 1970 rückte neben dem Sprechtheater (Jean-Paul Sartres Troerinnen nach Euripides, Peter Weiss‘ Hölderlin, mehrere Stücke von Shakespeare) auch das Musiktheater in den Vordergrund. Hallqvist übersetzte klassische Opern wie Figaros Hochzeit, Rigoletto oder Eugen Onegin, moderne Opern wie Das schlaue Füchslein oder Lulu und das Musical Jesus Christ Superstar. Übersetzte Gedichte finden sich vor allem in Anthologien. Für das Gesangbuch der Schwedischen Kirche von 1986 steuerte sie neben eigenen Kirchenliedern auch Übersetzungen von Liedern von Charles Wesley (Hark! The Herald Angels Sing), N.F.S. Grundtvig und Frederick Pratt Green sowie Dutzende von Bearbeitungen älterer Lieder bei.
Eigene Werke
Mit dem gereimten Bilderbuch Rappens på Blåsopp (illustriert von ihrer Cousine Helga Henschen) veröffentlichte Hallqvist 1950 ihr erstes eigenes Werk. Es folgten zahlreiche weitere Bilder- und Kinderbücher, auch für den Gebrauch in Schulen, sowie Mädchenbücher, die teilweise autobiografisch geprägt waren. Die Gedichtsammlung Förenklat von 1955 richtete sich an Erwachsene
Seit 1968 arbeitete sie in einem Komitee zur Revision des Gesangbuchs der Schwedischen Kirche mit. Neben Übersetzungen sowie Bearbeitungen älterer Lieder entstanden in diesem Zusammenhang auch 17 eigene Kirchenlieder, die im Gesangbuch von 1986 abgedruckt sind. Das bekannteste, Måne och sol, vertont von Egil Hovland, wurde von Jürgen Henkys ins Deutsche übersetzt.[5]
Auszeichnungen(Auswahl)
- 1950 Svenska Dagbladets litteraturpris
- 1953 Tidningen Vi:s litteraturpris
- 1962 Nils-Holgersson-Plakette
- 1971 Tidningen Vi:s litteraturpris
- 1976 Svenska Akademiens översättarpris
- 1978 De Nios Vinterpris
- 1980 Litteraturfrämjandets stora pris
- 1983 Theologische Ehrendoktorwürde der Universität Lund
- 1986 Hans Majestät Konungens medalj
- 1986 Tegnérpriset
- 2022: Enthüllung einer Gedenkplakette an ihrem Wohnhaus in Lund[6]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Jockes pappa. Bonnier, Stockholm 1951
- Das Haus mit schiefen Fenstern. Schmidt, Bielefeld 1961
- Den okända kamraten. Bonnier, Stockholm 1955
- Frohe Tage in Tallberg. Thienemann, Stuttgart 1967.
- Äldst i klassen. Bonnier, Stockholm 1957
- Die Älteste in der Klasse. Atlantis, Freiburg i. Br. 1960
- Herr Hasselnöt. Rabén & Sjögren, Stockholm 1957
- Herr Haselnuss. Oetinger, Hamburg 1958
- Bönbok för barn. Diakonistyrelsens förlag, Stockholm 1960 (bis 1990 13 weitere Auflagen)
- Bettinas hemlighet. Bonnier, Stockholm 1964
- Bettinas Geheimnis. Thienemann, Stuttgart 1967.
- Min text och den andres. Tegnérsamfundet, Lund 1987; Neuausgabe Dejavu, Stockholm 2013.
Literatur
- Inge Löfström: En bok om Britt G. Verbum, Stockholm 1983; 2. Aufl. 1997.
- Britt G. Hallqvist – diktare och teolog (= Stiftshistoriska sällskapet i Lunds stift. Årsbok 2014.) Lund 2014.
- Helena Bodin: “Gud, nu har jag bara dig”. Teologiska, berättartekniska och retoriska aspekter av barnets närhet till Gud i Britt G. Hallqvists diktning. In: Barnboken 37 (2014)
Weblinks
- Veröffentlichungen in der schwedischen Datenbank LIBRIS
- Paul Tenngart: Britt (G) Gerda Hallqvist (Britt G. Hallqvist). In: Svenskt kvinnobiografiskt lexikon
- Eintrag im Svenskt översättarlexikon
- Verzeichnis des Nachlasses in der Universitätsbibliothek Lund
- Eintrag im Kulturportal Lund
Einzelnachweise
- ↑ Die Biografie folgt, wenn nicht anders angegeben, den Artikeln im Svenskt kvinnobiografiskt lexikon und im Svenskt översättarlexikon (siehe Weblinks), beide abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Dagny Henschen im Svenskt översättarlexikon, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Digterhjemmet auf der Website von Esbjerg Kommunes Biblioteker, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Eintrag auf SvenskaGravar.se, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Esther Handschin: Sonne und Mond, Wasser und Wind auf der Website der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich, abgerufen am 4. November 2025.
- ↑ Britt G Hallqvist, Anders Tornberg och Lars Norén får årets minnesskyltar Pressemeldung der Gemeinde Lund, abgerufen am 5. November 2025.