Obata Chiura
Obata Chiura, geb. Zoroku Obata (japanisch 小圃 千浦; * 18. November 1885 in Okayama, Japan; † 6. Oktober 1975 in Berkeley, Kalifornien, USA) war ein japanischstämmiger amerikanischer Maler und Kunstpädagoge der Issei-Generation. Er wurde durch seine Landschaftsmalerei sowie durch seine Lehrtätigkeit, insbesondere in den Internierungslagern während des Zweiten Weltkriegs, bekannt.[1]
Leben
Chiura Obata wurde 1885 als Zoroku Obata in Okayama (Japan) geboren und wuchs in Sendai auf. Er wurde von dem Künstler Rokuichi Obata erzogen, der sein Vater oder aber ein älterer Bruder gewesen sein könnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm er den Künstlernamen Chiura an und wanderte 1903 in die Vereinigten Staaten aus, wo er sich in San Francisco niederließ. Zur Finanzierung seines Lebensunterhalts arbeitete er zunächst als Hausangestellter. Er studierte kurzzeitig am Mark Hopkins Institute of Art, entschied sich dann jedoch für ein autodidaktisches Studium. Nach dem Erdbeben von San Francisco 1906 lebte er mehrere Monate in einem Flüchtlingslager im Lafayette Park. Um 1910 lernte Chiura Obata die Ikebana-Spezialistin Haruko Kohashi kennen. Die beiden heirateten 1912 und bekamen im selben Jahr ihren ersten Sohn Kimio. Es folgten drei weitere Kinder: Fujiko, die jung verstarb, Frederick Gyo (* 1923), der später Architekt wurde, und Lillian Yuri (* 1927). Von 1928 bis 1930 hielt sich die Familie in Japan auf. Ab den 1930er-Jahren war Chiura Obata anerkannter Kunstlehrer. 1932 unterrichtete er Sumi-e an der University of California in Berkeley und wurde im selben Jahr als Dozent eingestellt. 1934 erhielt er eine Assistenzprofessur. Parallel dazu eröffnete er ein eigenes Atelier in Berkeley, in dem er unterrichtete und Künstlerbedarf verkaufte.[1]
Internierung im Zweiten Weltkrieg
Mit dem Erlass der Executive Order 9066 wurde Chiura Obata 1942 zusammen mit seiner Familie aus Berkeley vertrieben. Er musste sein Atelier schließen. Seine Kunstwerke wurden von Robert Sproul, dem Präsidenten der University of California in Berkeley, eingelagert. Die Familie – mit Ausnahme von Sohn Gyo, der nach St. Louis zog – wurde zunächst im Tanforan Assembly Center interniert. Dort gründeten Obata und sein Freund George Matsusaburo Hibi eine Kunstschule für Internierte, an der über 600 Personen teilnahmen. Zu den Lehrenden zählte auch Miné Okubo. Nach der Verlegung in das Topaz War Relocation Center[2] im Herbst 1942 bauten Obata und Hibi die Schule erneut auf. Da Kameras verboten waren, fertigte Chiura Obata zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen an, die den Transport nach Topaz und das Lagerleben dokumentierten. Er lieferte außerdem Illustrationen für die Lagerzeitung Topaz Times und schuf großformatige Landschaftsbilder der Umgebung. Im Jahr 1943 wurde sein Gemälde Moonlight Over Topaz von Vertretern der Japanese American Citizens League an First Lady Eleanor Roosevelt überreicht.[3] Im April 1943 wurde Chiura Obata von oppositionellen Lagerinsassen angegriffen und verletzt. Danach erhielt er die Erlaubnis, nach St. Louis auszureisen, wo er für eine Galerie arbeitete.[1]
Nach Kriegsende kehrte Chiura Obata mit seiner Frau nach Berkeley zurück, wo er seine Arbeiten wiedererlangte und seine Lehrtätigkeit fortsetzte. Im Jahr 1946 zeigte die University of California eine Ausstellung seiner Lagerarbeiten. In den folgenden Jahren nahm er an zahlreichen weiteren Ausstellungen teil. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1954 leitete Studienreisen nach Japan. Er veröffentlichte die Lehrschrift „Sumie“ (1967) sowie den Reiseführer „Through Japan with Brush and Ink“ (1968). Chiura Obata starb im Jahr 1975.[1]
Werk
Chiura Obata schuf vorwiegend Landschaftsgemälde auf Seide, bei denen er Elemente der klassischen japanischen Tuschemalerei mit Aspekten der westlichen Kunst verband. Daneben entstanden zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen. Zu Beginn seiner Karriere veröffentlichte er vor allem Illustrationen in japanischsprachigen Zeitungen. Ab den 1920er-Jahren wurden seine Arbeiten zunehmend ausgestellt. Seine erste größere Ausstellung fand 1922 im Rahmen der East West Art Society im San Francisco Museum of Modern Art statt, dessen Mitbegründer er war. 1924 entwarf er die Bühnenbilder für die Aufführung von Puccinis „Madama Butterfly“ an der San Francisco Opera. Er schuf außerdem Wandmalereien für das Kaufhaus Gumps und für die City of Paris. Nach einer Reise in den Yosemite-Nationalpark und die High Sierra im Jahr 1927 erweiterte sich sein Themenkreis um kalifornische Landschaftsdarstellungen. Während eines zweijährigen Aufenthalts in Japan entstand eine Serie von Farbholzschnitten mit kalifornischen Motiven. In den 1930er- und frühen 1940er-Jahren wurden seine Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, darunter 1935 und 1939 in der San Francisco Art Association sowie 1940 in einer Schau amerikanischer Aquarelle an der Pennsylvania Academy of Fine Arts.[1]
Obata publizierte mehrfach: Er illustrierte The Lords of Dawn (1916) von George Turner Marsh und Ronald Temple sowie Wind of Spring (1923) von Kashin Shimizu. 1937 erschien das Portfolio From the Sierra to the Sea, 1940 folgte The Seasons at California mit Texten von William Frederick Calkins. Obata illustrierte zudem Calkins’ Fabel Hokusai (1941).[1]
Literatur
- Chiura Obata; Kimi Kodani Hill: Topaz Moon: Chiura Obata's Art of the Internment. Heyday Books, Berkeley 2000.
- Chiura Obata: Obata's Yosemite: The Art and Letters of Chiura Obata from his Trip to the High Sierra in 1927. Yosemite Association, Yosemite 1993.
- Scene. The Pictorial Magazine, Vol. 1, Nr. 8, Dezember 1949, S. 42.
Weblinks
- Densho Encyclopedia
- Chiura Obata's topaz moon – art of the internment
- Smithsonian American Art Museum
- Whitney Museum of American Art
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Chiura Obata | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 12. August 2025; abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ Home of the Topaz Internment Camp Museum in Delta, Utah. Abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Chiura Obata, Kimi Kodani Hill: Chiura Obata's topaz moon : art of the internment. Berkeley, Calif : Heyday Books, 2000, ISBN 978-1-890771-26-3 (archive.org [abgerufen am 16. November 2025]).