Miné Okubo

Miné Okubo (japanisch 大久保 ミネ; * 27. Juni 1912 in Riverside, Kalifornien; † 10. Februar 2001) war eine US-amerikanische Malerin und Autorin japanischer Abstammung (Nisei). Sie wurde durch ihr 1946 erschienenes Werk Citizen 13660[1] bekannt, in dem sie ihre Erfahrungen während der Internierung japanischstämmiger US-Amerikaner im Zweiten Weltkrieg dokumentierte. Okubo arbeitete zugleich über sieben Jahrzehnte hinweg als Malerin.[2]

Leben

Miné Okubo wurde als eines von sieben Kindern von Tametsugu und Miyo (geb. Kato) Okubo geboren. Miné Okubo wurde früh künstlerisch geprägt – unter anderem durch ihre Mutter sowie durch ihren älteren Bruder Benji (Bunji) Okubo, einen Maler der zweiten Generation (Nisei) und Direktor der Art Students League in Los Angeles. Auch ihre Schwester Yoshiko Okubo (später Tanaka) beeinflusste ihre künstlerische Entwicklung. Miné Okubo besuchte die Poly High School in Riverside und anschließend das Riverside Junior College (heute Riverside Community College). 1933 erhielt sie ein Stipendium für die University of California in Berkeley, wo sie den Bachelor- und Masterabschluss in Bildender Kunst erwarb. Danach arbeitete sie im Federal Art Project der Works Progress Administration an Wandmalereien. 1938 gewann sie das Bertha Henicke Taussig Fellowship und studierte 18 Monate lang in Europa. Aufgrund des Kriegsausbruchs kehrte sie 1939 nach Kalifornien zurück, beteiligte sich an Ausstellungen der San Francisco Art Association und gewann 1940 den ersten Preis der University of California Art Exhibition. Im selben Jahr assistierte sie Diego Rivera bei einem Wandmalereiprojekt auf der Golden Gate International Exposition.[2]

Internierung während des Zweiten Weltkriegs

Nach dem Erlass von Executive Order 9066 wurde Miné Okubo im Jahr 1942 aus Oakland deportiert. Für ein laufendes Wandmalereiprojekt erhielt sie jedoch Sondergenehmigungen für nächtliche Reisen. Die Familie Okubo wurde auseinandergerissen: Ihr Vater wurde in Missoula (Montana) interniert, ihr Bruder Benji nach Heart Mountain verlegt und die anderen Geschwister nach Poston. Miné Okubo selbst kam zunächst in das Tanforan Assembly Center und später in das Topaz War Relocation Center. In Topaz unterrichtete sie Kunst, war an der Gründung der Literaturzeitschrift Trek beteiligt und dokumentierte das Lagerleben in über 1000 Zeichnungen. 1943 wurden ihre Werke in der San Francisco Chronicle und in Fortune veröffentlicht, was 1944 zu einer Ausstellung ihrer Arbeiten (gemeinsam mit Werken von Yasuo Kuniyoshi und Taro Yashima) im San Francisco Museum of Art führte. Mit Unterstützung des Fortune-Magazins verließ Okubo 1944 das Lager und bezog ein Studio in Greenwich Village in New York, wo sie 1945 eine Ausstellung ihrer Lagerzeichnungen organisierte, die später an weitere Institutionen wanderte. Okubo ordnete ihre Lagerzeichnungen zu einer zusammenhängenden Bild-Text-Erzählung an. Das Werk Citizen 13660 erschien im September 1946 bei Columbia University Press. Das Buch beschreibt die Zwangsumsiedlung, den Aufenthalt in Tanforan und Topaz sowie sämtliche Aspekte des Lageralltags.[2]

Tätigkeit nach dem Krieg

Miné Okubo blieb weiterhin künstlerisch tätig, konnte sich jedoch nicht ausschließlich durch den Verkauf ihrer Gemälde ernähren und nahm daher Auftragsarbeiten an, darunter 1948 acht Wandbilder für vier Schiffe der American Export Lines. Zudem illustrierte sie Zeitschriften sowie die Zeitungen New York Herald Tribune und The New York Times. Ab Ende der 1940er-Jahre widmete sie sich vermehrt der Buchillustration. Zu ihren Arbeiten zählten unter anderem Illustrationen für The Seven Stars (1949), The College Nisei (Frontispiz, 1950) sowie mehrere Publikationen des Springer-Verlags, darunter ein Anatomielehrbuch (1959) und ein Werk über Familienpsychologie (1961). Ab den 1960er-Jahren konzentrierte sie sich erneut stärker auf die Malerei.[2]

Wiederentdeckung und spätere Jahre

Miné Okubos Lagerarbeiten gerieten in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren weitgehend in Vergessenheit, wurden jedoch in den 1970er-Jahren im Kontext der japanisch-amerikanischen Bürgerrechts- und Redress-Bewegung wiederentdeckt. 1972 zeigte das Oakland Museum eine große Retrospektive mit dem Titel Miné Okubo: An American Experience. 1974 wurde Okubo am Riverside Community College zur Alumna des Jahres ernannt.[2]

In den 1980er-Jahren erschienen ihre Arbeiten in verschiedenen Anthologien zur Kunst aus amerikanischen Internierungslagern des Zweiten Weltkriegs. Die Neuausgabe von Citizen 13660 aus dem Jahr 1983 erhielt den American Book Award. Okubo nahm aktiv an der Redress-Bewegung teil, unter anderem 1983 durch ihre Aussage vor der U.S. Commission on Wartime Relocation and Internment of Civilians. Bis zu ihren letzten Lebensmonaten blieb sie künstlerisch tätig und hinterließ rund 2000 Werke. Nach ihrem Tod im Jahr 2001 wurde ihr Nachlass umfangreich aufgearbeitet. 2004 erschien ein Sonderheft des Amerasia Journal zu ihrem Werk, 2008 folgte der Sammelband Miné Okubo: Following Her Own Road. 2006 wurde am Riverside Community College die Mine Okubo Avenue benannt und 2012 eröffnete dort das Center for Social Justice and Civil Liberties mit einer Dauerausstellung zu Miné Okubo.[2]

Literatur

  • Miné Okubo: Citizen 13660 (Reprint), University of Washington Press 1983.
  • Sun, Shirley. Miné Okubo: An American Experience. San Francisco, Print.: East Wind Printers, 1972.
Commons: Miné Okubo – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Miné Okubo: Citizen 13660. Seattle : University of Washington Press, 2014, ISBN 978-0-295-99392-8 (archive.org [abgerufen am 16. November 2025]).
  2. a b c d e f Miné Okubo | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 13. August 2025; abgerufen am 16. November 2025 (englisch).