George Matsusaburō Hibi

George Matsusaburō Hibi (japanisch 日比松三郎; 21. Juni 1886 in Iimura, Präfektur Shiga, Japan; † 30. Juni 1947 in New York City, USA) war ein japanisch-amerikanischer Maler und Grafiker der ersten Einwanderergeneration (Issei). Er gilt als eine zentrale Figur der kalifornischen Kunstszene vor dem Zweiten Weltkrieg und als Mitbegründer von Kunstschulen in den Internierungslagern Tanforan (Kalifornien) und Topaz (Utah) während der Kriegszeit.[1][2]

Leben

George Matsusaburō Hibi wurde in Japan geboren. Er studierte zunächst kurzzeitig Jura, bevor er 1906 in die Vereinigten Staaten auswanderte. Nach seiner Ankunft in Seattle im Bundesstaat Washington erlernte er Englisch und zog 1919 nach San Francisco. Dort veröffentlichte er Zeichnungen und Karikaturen in verschiedenen kalifornischen Zeitungen sowie in japanischsprachigen Publikationen. Im selben Jahr begann er ein Studium an der California School of Fine Arts, an der er später in unterschiedlichen Funktionen tätig war, unter anderem als Gärtner, Hausmeister und Ladenangestellter sowie als Assistent, der u. a. Batik-Techniken demonstrierte.[1]

Während der 1920er und 1930er Jahre nahm Hibi an zahlreichen Gruppenausstellungen in Nordkalifornien teil. Er war Mitbegründer der East West Art Society, die 1922 eine Ausstellung im San Francisco Museum of Modern Art organisierte, sowie der Amateur and Professional Artist Society (1927). Im Jahr 1930 heiratete er die Künstlerin Hisako Shimizu (später bekannt als Hisako Hibi), eine ehemalige Studentin der California School of Fine Arts. Das Paar zog 1933 zunächst nach Mt. Eden und anschließend nach Hayward in Kalifornien, wo sie zwei Kinder großzogen. Dort gründete George Hibi eine japanischsprachige Schule und setzte seine künstlerische Tätigkeit fort. 1937 präsentierte er in einer Einzelausstellung 90 Werke. Es folgten weitere Ausstellungsbeteiligungen, unter anderem auf der California State Fair in Sacramento (1938), im San Francisco Museum of Art (1939 und 1940) sowie in der Oakland Art Gallery (1943). Letztere fand während seiner Internierung statt.[1]

Kurz vor dem Kriegsausbruch zwischen Japan und den USA schenkte George Hibi rund 50 seiner Gemälde öffentlichen Einrichtungen in Hayward, um seine Dankbarkeit gegenüber der amerikanischen Gemeinschaft auszudrücken. Nur wenige seiner Werke aus der Zeit vor dem Krieg sind erhalten geblieben.[3] Nach der Unterzeichnung von Executive Order 9066 durch Präsident Franklin D. Roosevelt im Jahr 1942 wurde Hibi mit seiner Familie in das Tanforan Assembly Center in San Bruno, Kalifornien, gebracht. Dort gründete er zusammen mit dem Künstler Chiura Obata eine Kunstschule, die der California School of Fine Arts nachempfunden war. Nach der Verlegung der Familie in das Internierungslager Topaz in Utah im selben Jahr entstand dort eine ähnliche Kunstschule, die Unterricht in Zeichnung, Aquarell, Sumi-e, Ölmalerei und anderen Techniken anbot und Werke der Internierten ausstellte. Nach Obatas Entlassung aus dem Lager im Jahr 1943 leitete George Hibi die Schule für zwei Jahre. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die im Lager entstandenen Gemälde und Holzschnitte, die Szenen der winterlichen Baracken, der umliegenden Wüstenlandschaft sowie Darstellungen von Kojoten zeigen. 1945 zog Hibi mit seiner Familie nach New York City, wo er in der Galerie der Associated American Artists ausstellte. Aufgrund gesundheitlicher Probleme konnte er seine künstlerische Laufbahn jedoch nicht fortsetzen und verstarb 1947 im Alter von 61 Jahren an Krebs. Postum wurde George Hibi in der Ausstellung The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1942–1945 (Los Angeles, 1992) gewürdigt.[1]

Literatur

  • Gordon H. Chang, Mark Dean Johnson, Paul J. Karlstrom (Hrsg.), Asian American Art: A History, 1850–1970, Stanford University Press, Stanford, 2008.
  • Ibuki Lee, California Asian American Artists Biographical Survey Project Interview, San Francisco, 25. April 1995.
  • The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1942–1945, Japanese American National Museum, UCLA Wight Art Gallery und UCLA Asian American Studies Center, Los Angeles, 1992.

Einzelnachweise

  1. a b c d George Matsusaburo Hibi | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 12. August 2025; abgerufen am 10. November 2025 (englisch).
  2. Matthew Simms: Hisako Hibi and Matsusaburo “George” Hibi Papers. In: Archives of American Art Journal. Band 62, Nr. 1, März 2023, ISSN 0003-9853, S. 93–94, doi:10.1086/725127 (uchicago.edu [abgerufen am 10. November 2025]).
  3. Matsusaburo George Hibi | Smithsonian American Art Museum. Abgerufen am 10. November 2025 (englisch).