Castels

Castels
Staat Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Sarlat-la-Canéda
Gemeinde Castels et Bézenac
Koordinaten 44° 52′ N, 1° 3′ O
Postleitzahl 24220
Ehemaliger INSEE-Code 24087
Eingemeindung 1. Januar 2017

Ehemalige Kirche Saint-Clair

Castels (okzitanisch Castèls) ist ein Ort und ehemalige südwestfranzösische Gemeinde mit 653 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda. Die Einwohner werden Castelois und Casteloises genannt.

Die Erlasse des Präfekten vom 29. Juni 1916 und 1. Juli 2016 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2017 die Eingliederung von Castels zunächst als Commune déléguée zusammen mit der früheren Gemeinde Bézenac zur Commune nouvelle Castels et Bézenac fest.[1] Der Erlass des Präfekten vom 31. Dezember 2019 legte die Auflösung der Communes déléguées zum 1. Januar 2020 fest.[2]

Geografie

Castels liegt etwa 44 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa 14 Kilometer westsüdwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 45 Kilometer östlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord noir, Teil des gleichnamigen, touristisch benannten Landesteils auf dem Nordufer der Dordogne.

Der Ort setzt sich aus verstreut liegenden Gebäuden und weiteren Dörfer und Weiler ohne eigentliches Zentrum zusammen. Das Ortsgebiet geht im Südwesten zur Schwemmebene der Dordogne, nach Westen zum Siedlungsgebiet der Nachbargemeinde Saint-Cyprien über. Dort ist auch der Standort der ehemaligen Mairie von Castels im Weiler Luziers. Nach Nordosten hin erhebt sich schroff abhebend eine waldreiche Hügellandschaft, die vom Tal des Flüsschens Moulant markant eingeschnitten wird. Dort ist auch der topografisch höchste Punkt ist mit 264 m Höhe zu finden. Der tiefste Punkt mit 57 m wird im äußersten Südwesten beim Austritt der Dordogne aus dem Ortsgebiet gemessen. Die ehemalige Mairie befindet sich erhöht auf etwa 63 m Meereshöhe.

Umgeben wird Castels von fünf Nachbargemeinden und des weiteren Ortsteils von Castels et Bézenac:

Meyrals Saint-André-d’Allas
Saint-Cyprien Beynac-et-Cazenac
Berbiguières Bézenac (Castels et Bézenac)

Toponymie und Geschichte

Das erste Gebäude, das der Abtei von Saint-Cyprien gestiftet wurde, gab dem Dorf seinen erstmals 1309 erwähnten Namen Castello. Er kommt vom okzitanischen castèl (deutsch befestigter Ort), dieser selbst vom lateinischen castellum, abgeleitet von castrum. Im Übrigen gab man dem Dorf zumindest in kirchlichen Schriften den Namen Castrum im Jahr 1556.[3]

Der Ort ist seit der Urgeschichte besiedelt. 1975 wurden in der Höhle Roc-Pointu eine Gravur aus dem Magdalénien und eine Gravur in Form eines Bisonkopfes entdeckt. Die Fundstätte Berbie, eine Höhle in Form eines Brunnens, ist ein Heiligtum, das zahlreiche Tierknochen aus dem Mittel- und Jungpaläolithikum enthält.[4]

In gallorömischer Zeit lag das Gebiet von Castels an einer wichtigen Handelsstraße, die bis nach Sarlat führte.

Im 12. Jahrhundert wurde das Frauenpriorat Redon-Espic gegründet und der Ort erwarb die Kirchen Saint-Martin und Vieux Castels. Im 15. und 16. Jahrhundert stand die Kirche in Vieux Castels unter dem Schutz der Seigneurs von Beynac.

Castels war ein bedeutendes religiöses Zentrum. Im 18. Jahrhundert wurde einer jungen Hirtin an einem Brunnen nahe des inzwischen verlassenen Priorats eine Marienerscheinung zuteil. Dieses Wunder zog viele Pilger an. Etwa zur selben Zeit erlangte der Ort auch Bekanntheit für seine Thermalquellen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde in der Nähe dieses Kurortes eine Chartreuse errichtet. Die Thermalquelle Font-Chaude ist bis heute in Betrieb. Die Wallfahrt zur Jungfrau Maria und der Besuch des ehemaligen Priorats ziehen ebenfalls Besucher an.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Castels: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2017
Jahr  Einwohner
1793
  
1.050
1800
  
929
1806
  
1.082
1821
  
1.042
1831
  
1.162
1836
  
1.195
1841
  
1.253
1846
  
1.335
1851
  
1.242
1856
  
1.212
1861
  
1.177
1866
  
1.163
1872
  
1.115
1876
  
1.133
1881
  
1.029
1886
  
1.061
1891
  
1.008
1896
  
1.002
1901
  
1.001
1906
  
947
1911
  
898
1921
  
806
1926
  
710
1931
  
696
1936
  
604
1946
  
522
1954
  
502
1962
  
505
1968
  
435
1975
  
469
1982
  
467
1990
  
502
1999
  
507
2006
  
529
2013
  
639
2017
  
635
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8][9]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl des Ortes von zunächst etwa 550 auf annähernd 850 an. Die Reblauskrise im Weinbau und der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Mechanisierung der Landwirtschaft haben seitdem zu einem kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang geführt.

Sehenswürdigkeiten

  • Die ehemalige Kirche Saint-Clair in Vieux-Castel ist ein einschiffiger romanischer Bau des 13. Jahrhunderts. Sie steht inmitten des alten Friedhofs, der aber immer noch genutzt wird, obwohl das alte Dorf bereits seit geraumer Zeit verschwunden ist. Die Pfarrei wurde 1809 aufgelöst und 1810 die Kirche zur Kapelle erhoben. Das Gebäude wurde vernachlässigt und verfiel. Der äußerlich schmucklose Bau hat einen Vierungsturm und ein leicht aus der Wandflucht hervortretendes Archivoltenportal auf der Nordseite. Das Innere der – außen polygonal gestalteten – Apsis verfügt über Blendarkadenverzierung und einige spätromanische Kapitelle. Das Kirchengebäude ist seit 1965 als Monument historique eingeschrieben.[10]
  • Die turmlose romanische ehemalige Prioratskirche Saint-Martin im nahezu verlassenen Weiler Redon-Espic (44° 52′ 25″ N, 1° 6′ 21″ O) ist in den Jahren nach 2000 umfassend restauriert worden. Die Kapelle befindet sich heute inmitten eines Wäldchens und ist zusammen mit den Überresten des ehemaligen Priorats seit dem Jahr 1999 als Monument historique klassifiziert.[11] Das Oratorium der Marienerscheinung ist etwas über 400 Meter Luftlinie vom ehemaligen Priorat entfernt und ist Ziel einer jährlichen Wallfahrt.
  • Das Schloss Argentonesse ist ein Bau des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der heute als Hotel genutzt wird.
  • Neben einer ehemaligen Schmiede im Weiler Baran steht ein gut restaurierter hölzerner Klauenstand (travail), der bis ins 20. Jahrhundert hinein zur Hufpflege von Arbeitspferden und -ochsen genutzt wurde.

Persönlichkeiten

Jean-Pierre Bouchard (1955-), französischer Schauspieler, aufgewachsen in Castels

Literatur

Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).

Commons: Castels – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Recueil des actes administratifs N°24-2016-019. (PDF) Département Dordogne, 19. Juli 2016, S. 134–138, 152–156, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  2. Recueil des actes administratifs N°24-2019-055. (PDF) Département Dordogne, 31. Dezember 2019, S. 44–46, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  3. Tanet, Hordé, Seite 87
  4. Les sites remarquables de Castels et Bézenac. Gemeinde Castels et Bézenac, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  5. Castels (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive) (französisch), auf visites.aquitaine.fr
  6. Notice Communale Castels. EHESS, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  7. Populations légales 2006 Commune de Castels (24087). INSEE, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2013 Commune de Castels (24087). INSEE, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  9. Populations légales 2017. INSEE, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  10. Église Saint-Clair du Vieux-Castel, Castels in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  11. Église, Redon-Espic in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)